Kai Pohl Penfields Traum

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Inhaltsangabe zu „Penfields Traum“ von Kai Pohl

Penfields Traum, der neue Band des Berliner Lyrikers Kai Pohl, umfasst Gedichte und Montagen der letzten drei Jahrzehnte. Dem Titel gemäß holt der Autor durch quasi literarisch-neurologische Reizverfahren die faulen Stellen, die Hohlheiten und Zurichtungen unserer Sprache an die Oberfläche des Bewusstseins. Bei dieser Methode kommen sowohl elektrisierende Wortspiele als auch Textmontagen Eisensteinschen Leinwandformats heraus – sicher nicht immer gewaltfrei in Produktion und Rezeption, aber das Ausgangsmaterial ist es ja auch nicht: »Auf ein Wort / hat sich die Mutter / festgefressen / an der besagten Schraube / im brachialen / Sprachvernutzungsapparat. / Die kommt da / niemals wieder locker runter«.

Kai Pohl, 1964 in Wittenburg geboren, lebt seit 1986 in Berlin. Er übte verschiedene Tätigkeiten, u.a. als Heizer, Kraftfahrer und Bühnenmaler, aus und studierte Kommunikationsdesign. Seit den späten 1980ern veröffentlicht er Gedichte. Als umtriebiger Geist am Prenzlauer Berg und Mitbegründer der Epidemie der Künste steht er in dem Ruf, einer der wenigen zeitgenössischen Verfasser politischer Lyrik zu sein, wenngleich er den Begriff selbst nicht favorisiert: »Wenn ich mir ›Politik‹ heute ansehe, dann möchte ich – als Dichter und als Mensch – damit nichts zu tun haben«. Präziser und schlagkräftiger wirkt da schon der Terminus der »renitenten Lyrik«, den er im literarischen Kampf gegen kapitalistische Vereinnahmungslogiken ins Feld führt. In diesem Sinne dient in Penfields Traum Sprache nicht nur dem Ausdruck kritischer Inhalte, sondern wird vor allem selbst hinsichtlich ihrer Verstrickungen in Machtgefüge unter die Lupe genommen.
In Texten wie »Manifest des Gerätekommunismus« wird Werbe- und Mediensprech gewissermaßen zur Kenntlichkeit entstellt. Das meiste scheint aufgefunden, die Absurdität wird allein durch gezielte Zusammenstellung und nuancierte Verfremdungen aus dem Sprachmaterial hervorgetrieben: »Eskimo Nuggets serbische Art für kosmischen Halt. Müllermilch vom dt. Jung- / bullen, Bratwurstkranz mit Kartoffelfrau, Fleischtomaten aus dem Schinken, / angereichert mit unwirksamen Mineralien, Würfel mit Stauraum für den Flug- / zeugsitz, tolle Effekte im Dunkeln mit 10.000 Perlen [...] / oder ›Lerne Sara (32) kennen! /‹ oder ›Tauche ein in die Wanne der Astronomie!‹ / oder ›Erkunde die Stadt mit einem digitalen Stift!‹ / oder ›Schließe dich 200 Followern an!‹ / oder ›Jetzt schnell zu Gulag-Reisen und Frühwucherbonus sichern!‹«. Soviel zum Totalitarismus der Ökonomie, der in und durch unseren Sprachgebrauch herrscht.
In manchen Montagen liegt die politische Relevanz bereits in der Historizität des bearbeiteten Materials. Wie konnte sich, so fragt man sich beim Lesen von »Kleine Anleitung zum Faulsein«, die Selbstzweckhaftigkeit von Arbeit in unserem Denken derart zementieren, dass sich eine kritische Position von 1848 beinahe nahtlos an ein Manifest von 1999 anschließen lässt.
Der Band besteht aus drei Teilen beginnend mit einer Reihe von Langgedichten neueren Datums. Das zweite mit restposten überschriebene Kapitel umfasst kürzere Gedichte, die teilweise bis in die 1980er Jahre zurückreichen, den umfangreichsten Teil jedoch bilden die drei Kapitel montagen, in dem diverse Spielarten des Cut-up versammelt sind. Seine dekonstruktivistischen Verfahren betreibt Kai Pohl auch jenseits sprachlicher Zeichenhaftigkeit. Das Kapitel »montagen zwei« umfasst Graphiken auf der Grundlage von Firmenlogos. Durch minimale Verfremdung wird »Burger King« zu »Bürgerkrieg«, »Tuk« zu »Cut« und das »Erste Deutsche Fernsehen« zum »Letzten«.
Das mit Plakatumschlag ausgestattete Buch wurde von Michael Wagener gesetzt und gestaltet (unter Verwendung graphischer Arbeiten von Kai Pohl und Fotografien aus der Serie Schnee von Michael Wagener).

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