Kai Strittmatter

 4 Sterne bei 40 Bewertungen

Lebenslauf von Kai Strittmatter

Kai Strittmatter, Jahrgang 1965, studierte Sinologie in München, Xi’an (Volksrepublik China) und Taipei (Taiwan). Für die »Süddeutsche Zeitung« war er ab 1997 acht Jahre lang Korrespondent in Peking. Von 2005 bis 2012 berichtete er für die SZ von Istanbul aus über die Türkei und Griechenland, von 2012 bis 2018 war er wieder deren Korrespondent in Peking. Inzwischen ist er Skandinavien-Korrespondent für die Zeitung. Er gilt als einer der besten China-Kenner Deutschlands. Bei Piper von ihm erschienen: »Gebrauchsanweisung für China«, »Gebrauchsanweisung für Istanbul«, »Die Neuerfindung der Diktatur« und »Chinas neue Macht«.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Die Neuerfindung der Diktatur

 (5)
Neu erschienen am 02.06.2020 als Taschenbuch bei Piper.

Chinas neue Macht

Neu erschienen am 15.05.2020 als Taschenbuch bei Piper.

Die Neuerfindung der Diktatur

Neu erschienen am 06.05.2020 als Hörbuch bei Audio Verlag München.

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Cover des Buches Gebrauchsanweisung für China (ISBN: 9783492059770)

Gebrauchsanweisung für China

 (21)
Erschienen am 06.04.2018
Cover des Buches Gebrauchsanweisung für Istanbul (ISBN: 9783492275927)

Gebrauchsanweisung für Istanbul

 (9)
Erschienen am 01.04.2010
Cover des Buches Die Neuerfindung der Diktatur (ISBN: 9783492316293)

Die Neuerfindung der Diktatur

 (5)
Erschienen am 02.06.2020
Cover des Buches Vorwärts, Genossen! (ISBN: 9783854527787)

Vorwärts, Genossen!

 (1)
Erschienen am 01.08.2003
Cover des Buches Chinas neue Macht (ISBN: 9783492316187)

Chinas neue Macht

 (0)
Erschienen am 15.05.2020
Cover des Buches Die Neuerfindung der Diktatur (ISBN: 9783748401377)

Die Neuerfindung der Diktatur

 (0)
Erschienen am 06.05.2020

Neue Rezensionen zu Kai Strittmatter

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Rezension zu "Die Neuerfindung der Diktatur" von Kai Strittmatter

Internet-Zensur in China
HansDurrervor 8 Monaten

Im Jahre 2002 habe ich während eines Semesters in der chinesischen Provinz Fukkien Englisch unterrichtet. Als ich in die Schweiz zurückkehrte, meinte mein langjähriger Coiffeur, mir fielen die Haare aus. Vor Ort in China war mir das nicht aufgefallen, dort hatte ich nur bemerkt, dass ich manchmal unter Schwindel litt, mich allgemein angeschlagen fühlte und häufig Angst empfand. Erst im Nachhinein begriff ich das alles als Ausprägungen eines beklemmenden, tief liegenden Unwohlseins, das auch dadurch befördert wurde, dass man in China ständig überwacht wird. Auf dem Campus, im Klassenzimmer, aber auch bei Ausflügen in die benachbarte Stadt.

Daran erinnerte ich mich unter anderem, als ich Kai Strittmatters Die Neuerfindung der Diktatur. Wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert las. Wie soll die westliche Welt den zunehmend autoritären Tendenzen der KP Chinas begegnen? „Man sollte die Menschen hinauswerfen in die grosse, ungemütliche Welt, man müsste die Weltenschau zur Pflicht machen für all die arglosen Europäer, alle sollten sie einmal ein Jahr ausserhalb ihrer Gemütlichkeitszone leben. Man könnte sie in die Türkei schicken, wo sich die Demokratie in rasender Geschwindigkeit zerlegt. Oder nach Russland, auch dort sind Zynismus und Lüge längst zur Staats- und Lebensräson geworden (...) Am besten aber schickte man sie nach China. In China nämlich stünde den Menschen dann auch noch der Mund offen angesichts des Ehrgeizes, des Tempos und des Zukunftsglaubens, angesichts des gnadenlosen Wettstreits aller mit allen und der durch nichts gezügelten Lust auf Reichtum und Macht. Ein Treiben ist das, das den Leuten den Atem nähme, das sie aber hoffentlich auch aufschreckte aus Trägheit und Ignoranz.“

Mir gefallen diese Gedanken auch deshalb so gut, weil ich generell der Auffassung bin, dass eine Konfrontation mit der Realität das Ernüchterndste, Heilsamste und Sinnvollste ist, das der Mensch in seinem Erdendasein tun kann – auch wenn es das so ziemlich Letzte ist, worauf er Lust hat.

Kai Strittmatters Die Neuerfindung der Diktatur ist weit mehr als der Untertitel Wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert besagt – es ist ein erfreulich nüchterner Blick auf die (hauptsächlich politische) Welt, der den westlichen Gesellschaften zu Recht vorwirft, naiv zu sein. Nicht nur der Westen behauptet frei, demokratisch und rechtsstaatlich zu sein, China tut das auch. Und natürlich lügen beide, denn die westliche Demokratie des Geldes und die diktatorische Version Chinas haben beide mit echter Volksherrschaft recht wenig zu tun. Klar, es gibt Unterschiede, wesentliche, doch dass der Westen die eigenen Demokratien nicht realistisch sieht, ist keine gute Voraussetzung, China realistisch zu sehen.

Realistisch ist Strittmatters Sicht auf die Macht. „Es liegt im Wesen der Macht, dass sie, egal wie stark, ihrer selbst nie vollkommen sicher ist. Die Paranoia, die Angst vor der Schwächung und dem Verlust seiner Macht liegt in der Natur des Mächtigen. Deshalb sein Drang, die Masse immer wieder aufs Neue zu überwältigen. Dazu dient ihm die Lüge.“

Herrschaftsausübung läuft auch über die Sprache, George Orwell lässt grüssen. So wird etwa „harmonisch“ besonders oft gebraucht in China. Die Harmonie, die die Partei im Sinn hat, „ist die Harmonie zwischen Partei und Gehorsam. Harmonie ist, wenn das Volk Ruhe gibt.“

Internet-Zensur funktioniert nicht, glauben viele, vor allem im Westen, denn jede Mauer lässt sich durchbrechen. Nur eben: China zeigt gerade, dass sie funktioniert und demonstriert, wie die Lüge über die Wahrheit triumphiert.

Die kommunistische Partei verfügt über das Gewaltmonopol (und nicht etwa der Staat), obwohl im kapitalistischen China so ziemlich gar nichts kommunistisch ist. „Viele der Probleme Chinas kommen daher, dass der gelebte Kapitalismus als Sozialismus gepredigt wird“, schrieb 2013 der Intellektuelle Rong Jian, „den das Massaker von 1989 vom Marxismusforscher zum Kunstgaleristen hat werden lassen.“

Lügen, Einschüchterung, Verwirrung – die Unterscheidung von Wahrheit und Lüge soll abgeschafft werden. Strittmatter zitiert Hannah Arendt: „Wenn jeder dich immerzu anlügt, dann ist die Folge nicht, dass du die Lügen glaubst, sondern vielmehr, dass keiner mehr irgendetwas glaubt.“

In China herrscht ein totalitäres Regime, dass die Digitalisierung nutzt – je mehr die Menschen digital unterwegs sind, je mehr weiss das System über sie – , um noch totalitärer zu herrschen. Die chinesischen Kommunisten sind Meister darin, Angst zu verbreiten. Wer nicht spurt, wird abserviert und an den Pranger gestellt. Der bestens informierte Kai Strittmatter zeigt das in diesem Buch an zahlreichen Beispielen. Er macht zudem deutlich, dass die westliche Sicht auf China weitestgehend naiv ist.

Es geht auf der Welt nicht nur um Einfluss und Vorherrschaft, es geht den politisch Mächtigen um Unterwerfung. Und China hat nicht die geringsten Hemmungen (wie übrigens auch Amerika nicht, was bei der gegenwärtigen US-Regierung besonders offensichtlich ist), die eigenen Interessen durchzusetzen. Daimler zitiert in seiner Werbung den Dalai Lama, China heult auf; Lady Gaga unterhält sich mit dem Dalai Lama über Yoga, China ist beleidigt – Daimler wirft sich in den Staub und entschuldigt sich händeringend, Lady Gaga kann man seither in China nicht mehr hören.

Fazit: Mehr als notwendige Aufklärung – Pflichtlektüre! 

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Rezension zu "Die Neuerfindung der Diktatur" von Kai Strittmatter

Verklärung und Aufklärung gehen Hand in Hand.
Wedmavor einem Jahr

Bei diesem Buch bin ich keiner besonders positiven Meinung. Es gibt Pros und Kontras.

Der Autor kennt sich in China und in der Geschichte des Landes offensichtlich aus. Er wirft darauf einen sehr kritischen Blick und formuliert entsprechend unverblümt.

Allerdings gibt es auch Dinge, die meine Begeisterung über dieses Werk sehr in Grenzen hielten, und die mir bis zum Ende des Buches gehörig auf die Nerven gingen. Ich musste oft genug nach nur paar Seiten das Buch weglegen, und mich dann lange motivieren, es wieder aufzunehmen. Dabei bin ich das Sachbücherlesen gewohnt. Großes Interesse am Thema war auch da.

Der lässige Schreibstil, der oft herablassende Ton eines glühenden Anhängers der "westlichen Wertegemeinschaft", der sich für deutlich überlegen hält, da er einem, nach seinem Dafürhalten, besseren gesellschaftspolitischen System angehört, und sich deshalb in der Lage sieht, dort, wo er hinschaut, nach Fehlern zu suchen und diese in aller Schärfe und Häme anzuprangern, solche Dinge waren schon eine Herausforderung. Strittmatter schreibt mit klarer Intention so, dass die Reaktion a lá „Oh Schreck! Wie schlimm!“, bei den Lesern entsteht.

Diese Haltung, „Wir sind die Guten“ (Es ist auch zugleich der Titel eines sehr lesenswerten Buches von Mathias Broeckers und Paul Schreyer, das diese Haltung zwar in einem anderen Zusammenhang, aber prima, den Tatsachen entsprechend, beleuchtet), liest sich zwar eher zwischen den Zeilen heraus, dafür aber sehr deutlich. Ich musste mich in der gesamten Länge wundern, was für eine verklärte Sicht auf den Westen der werte Autor an den Tag legt. (Wer von den Leitmedien erzogen worden ist, dem wird es vermutlich gar nicht auffallen.)

Oft musste ich auch an „Machtbeben“ von Dirk Müller denken, ein sehr lesenswertes Buch übrigens, insb. an folgende Stelle: „Allzu viele glauben noch immer, dass Wirtschaft und Demokratie völlig unbeeinflusst von größeren Interessen einflussreicher Personen und Organisationen ihren demokratischen Gang gehen. Wer davon überzeugt ist, der ist allerdings auch überzeugt, dass Zitronenfalter Zitronen falten…“ Und genauso kam mir der werte Autor vor. Er prangert voller Empörung bestimmte Gegebenheiten in China an, blendet dabei völlig aus, dass es diese im Westen schon längst gibt. Die Chinesen haben das Rad nicht neu erfunden. Viele „schöne Dinge“, i.e. Werkzeuge der autoritären Führung und Massenunterdrückung wurden von den westlichen Plutokraten abgeschaut und, an die lokalen Gegebenheiten angepasst, bei sich eingepflegt. Aber das alles will der werte Autor nicht sehen. Er ist der Meinung, da wird die Diktatur neu erfunden, was man im Titel seines Werkes auch liest.

Jedenfalls, die o.g. Haltung eines Autors, der den Eindruck erweckt, dass er davon überzeugt ist, dass Zitronenfalter Zitronen falten, wirft auch die Glaubwürdigkeitsfragen auf sein ganzes Buch, i.e. wenn es um seine Ausführungen China betreffend geht. Zum Schluss relativiert er mit paar Sätzen diese Haltung. Das nutzt aber wenig, wenn man sich in der gesamten Länge darüber ärgert.

Zudem fehlten mir oft genug an wichtigen Stellen die Quellenangaben. So manche Behauptung blieb für mich kaum nachvollziehbar, da nicht belegt. Da wurde einfach vorausgesetzt, dass man dem Autor glaubt, und damit hatte ich so meine Probleme, s.o. Zitronenfalter.

Wenn man sich das Inhaltsverzeichnis anschaut, klingen die Überschriften interessant. Und ja, diese Themen wurden auch mehr oder minder ausführlich besprochen. Da hatte ich nicht den Eindruck, dass man am Thema vorbeiredet. So manches Grundsätzliches, was z.B. Propaganda und ihre Funktionsweise angeht, ist ganz gut beschrieben worden. Bloß wie gesagt, von solchen Dingen, i.e. Werkzeugen der Plutokraten, um ihre Völker in Schach zu halten, gab es und gibt es reichlich hüben wie drüben, s. z.B. „Warum schweigen die Lämmer?“ von Rainer Mausfeld, „Lügen die Medien?“ Jens Wernicke, „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ von Shoshana Zuboff, „Schönes neues Geld“ von Norbert Häring, „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“ von Ulrich Mies und Jens Wernicke.

Nach diesem Muster, das man in diesem Werk vorfindet, hätte man ein Buch über jedes Land der Welt schreiben können.

Fazit: Das WAS ist schon interessant, vorausgesetzt dass man dem Ganzen Glauben schenken kann. An dem WIE hätte man gern noch feilen können.

Wer sich nicht sicher ist, Leseprobe aufmerksam lesen, so in etwa wird es bis zum Ende bleiben.

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Rezension zu "Gebrauchsanweisung für Istanbul" von Kai Strittmatter

'Diese Stadt bläst die Klischees zu Staub [...]'
sabatayn76vor 7 Jahren

Inhalt:

Für seine 'Gebrauchsanweisung für Istanbul' hat Kai Strittmatter allerlei Wissenswertes über die Stadt am Bosporus zusammengetragen. So finden sich Informationen zur türkischen Sprache, zur Geschichte der Stadt, zur Kaffee- und Teekultur, zu Tabak und Speisen, zu Politik und Fußball, zu Literatur und Schriftstellern, zu Winden und den Prinzeninseln, zu Sufismus und Musik, zu Erdbeben, zu Straßenhunden und -katzen.


Mein Eindruck:

Die Fülle der oben erwähnten Themen (wobei meine Liste nicht vollständig ist) zeigt bereits, dass Kai Strittmatter mit seinem Buch ein komplexes Istanbuls zeichnen wollte. Dies ist ihm hervorragend gelungen. Natürlich sind nicht alle Kapitel gleich spannend, aber die Vielfalt der Themen ist wirklich beeindruckend, macht große Lust auf Istanbul und informiert den Leser auf sehr unterhaltsame Art und Weise.

Die Sprache des Buches wirkt, als würde der Autor neben dem Leser in einem Café sitzen und ihm eine Geschichte erzählen. Mir hat diese eher ungewöhnliche Art des Schreibens gut gefallen, denn so wird das Erzählte sehr lebendig geschildert, und die Lektüre macht großen Spaß.

'Gebrauchsanweisung für Istanbul' eignet sich meiner Meinung nach sehr gut zur Reisevorbereitung, wobei das Buch zwar keinen Reiseführer ersetzt, aber Wissen vermittelt, das man in gewöhnlichen Reiseführern vergeblich sucht. Der Autor hat mir wirklich etwas von der Mentalität der Bewohner Istanbuls und von seiner Liebe zur Stadt nahe gebracht und meine Begeisterung geweckt.


Mein Resümee:

Witzig, informativ, unterhaltsam, spannend und lehrreich. Morgen werde ich erstmals die Stadt am Bosporus betreten, und ich fühle mich durch die Lektüre des Buches gut vorbereitet, wurde neugierig gemacht und bin sehr gespannt.


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