Kai Weyand Applaus für Bronikowski

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Inhaltsangabe zu „Applaus für Bronikowski“ von Kai Weyand

Nun ist Nies schon über dreißig, aber manchmal wirkt er noch alles andere als erwachsen. Er wirft lieber Eier und Tomaten an Hauswände, als wie sein Bruder in einer Bank zu arbeiten. Und dass seine Eltern ihn als Kind ziemlich früh allein gelassen haben, taugt auch nicht ewig zur Entschuldigung, selbst wenn Nies an seinem trotzigen Spitznamen aus jener Zeit eisern festhält. Er ist ein Beobachter, ein Spieler, der sich auf alles einen eigenen Reim macht. Eher durch Zufall findet er plötzlich doch noch einen Job: in einem Bestattungsinstitut. Die Begegnung mit dem Tod verlangt ihm einiges ab, gerade auch weil Verantwortungsgefühl bislang nicht eben zu seinen herausragenden Fähigkeiten zählte. Mit Improvisationstalent kann er einiges wettmachen, und im Grunde ist er ja auch ein grundanständiger Typ. Was auch immer für Klischees existieren mögen - Bestattungshelfer ist ein hochabwechslungsreicher Beruf. Und die Würde des Menschen endet nicht mit seinem Tod. Kai Weyand ist ein Erzähler mit Sinn für Absurdes und das Ineinanderübergehen von Ernst und Spaß.

Arbeit in einem Bestattungsinstitut - nicht schlecht, aber mit Mängeln

— Vinschen
Vinschen

Unterhaltsames Leseerlebnis mit einem interessanten Protagonisten.

— Sikal
Sikal

Begeistert sprachlich,hängt dem inhaltlich leider etwas hinterher. Dennoch absolut lesenswert.

— Helles_Leuchten
Helles_Leuchten

Ein Protagonist, der an einen Schelm erinnert, ein Roman mit unvergleichlichem Sprachwitz - für mich die Überraschung des Jahres!!

— CCS1749
CCS1749

Ein Buch, das für die Würde von lebenden und toten Menschen kämpft.

— Gruenente
Gruenente

Ein meisterhaftes Buch, das mit Worten spielt. Dazu eine Geschichte, die einen nachdenken lässt über den Tod und seine Würde.

— vielleser18
vielleser18

Ein ziemlich schräger Roman mit tiefschwarzem Humor, der mir, auch aufgrund seines Sprachstils, wirklich außerordentlich gefallen hat!!!

— MarinaB
MarinaB

Ein kurzweiliges Buch mit detailliertem Einblick in den Berufsalltag eines Bestatters.

— Julino
Julino

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  • Kai Weyand - Applaus für Bronikowski

    Applaus für Bronikowski
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    01. January 2017 um 07:31

    Ein Lottogewinn wird alles ändern für Nies und seine Familie. Doch die Zukunftspläne der Eltern, das neue Leben in Kanada, sehen irgendwie nicht vor, dass die beiden Kinder sie begleiten. So bleiben Nies und sein Bruder schon als Jugendliche allein in Deutschland zurück. Aus Protest gibt er sich einen neuen Namen: NC – No Canada. Seine Beziehungen zu Menschen bleiben schwierig, meist ist er allein mit seinen Gedanken und den scharfen Beobachtungen seiner Mitmenschen. Als er zufällig in einer Bäckerei eine Empfehlung von einer Verkäuferin erhält, fragt er sich auch noch, wohin er jetzt spazieren solle. Der Tipp wird sein Leben verändern, führt sein Weg ihn zu einem Beerdigungsinstitut, wo man auch gerade einen Mitarbeiter sucht. Mit den Lebenden kommt NC nur schlecht zurecht, aber für die Toten hat er ein Händchen und er schafft es auch, aus unmöglichen Situationen mit Einfallsreichtum wieder herauszukommen.Kai Weyands Protagonist ist schon sehr eigen geraten, als Sympathieträger kann man ihn nicht unbedingt sehen, dafür kann er weder zu den Figuren in seiner fiktionalen Welt noch zu dem Leser eine wirkliche Bindung aufbauen. Das einzige, das ihn sympathisch erscheinen lässt, ist der Umgang mit den Toten, denen er Respekt und Fürsorge entgegenbringt und sie nicht als Körper sieht, sondern als Menschen. Auch dass er durchaus bemüht ist, dem Jungen, den er im Bus kennenlernt, beiseite zu stehen, wenn dieser wieder den Angriffen der anderen ausgesetzt ist, zeigt, dass er eigentlich kein schlechter Typ ist. Trotzdem bleibt er zurückgezogen für sich.Das Buch lebt weniger von seiner Hauptfigur als viel mehr von den absurden Situationen, in die sich NC manövriert, und seinen schrägen Ideen, um den Toten ihre letzten Wünsche zu erfüllen. So gelingt es dem Autor, neben dem todernsten Thema Bestattung und Umgang mit dem Tod, immer wieder auch urkomische Momente zu schaffen und zu zeigen, dass der Fokus weniger auf dem Verlust als auf den positiven Erinnerungen liegen sollte. Ein Beruf, der Bestatter, eher zur literarischen Randgruppe gehörend, kommt bei Kai Weyand in unerwartet komisch daher und dem Autor gelingt der Spagat zwischen unterhaltsam und ernsthaft bei diesem heiklen Thema. 

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  • NC auf der Suche

    Applaus für Bronikowski
    Sikal

    Sikal

    NC, eigentlich Nies ist Anfang 30 und auf der Suche – nach Empfehlungen, nach innerer Ruhe, nach einer Bestimmung. Schwer getroffen hat ihn in frühester Jugend der Kanada-Lebenstraum seiner Eltern, in dem die beiden Kinder keinen Platz mehr hatten. Daher beschloss er auch, seinen Vornamen in NC (No Canadian) umzuwandeln. Während sein älterer Bruder ein rational denkender und strukturiert handelnder Mensch ist, wandelt NC auf anderen Pfaden – kreativ, impulsiv, verträumt und mit einem Hang Sprache zu visualisieren, hat er es nicht besonders leicht auf seinem Weg. Der Zufall führt ihn in ein Bestattungsunternehmen, in dem er einen Assistenzjob findet. Er schätzt dort die Ruhe und die Würde, die Toten entgegengebracht wird. Als er seine Gabe, Sprache und Gedanken in Bilder zu verwandeln, eigenmächtig nutzt, kommen auf NC Schwierigkeiten– für den Leser jedoch ein einzigartiges, unterhaltsames Leseerlebnis - zu. Der Autor greift hier auf eine eher ungewöhnliche Berufsgruppe zu und schafft es mit einer Leichtigkeit, dem Buch Humor und doch Tiefgang zu verleihen. Der Applaus für Bronikowski fällt dermaßen bildgewaltig aus, dass man es hier bestimmt schafft, zumindest ansatzweise zu schmunzeln (bei mir war es lautes Gelächter). Einfach herrlich! Sprachlich kann das Buch mit einer großen Portion Wortwitz punkten, viele sprachliche Finessen und Wortspielereien lassen Seite um Seite verfliegen. Das Sinnieren des Protagonisten über Wörter, Silben und Buchstaben finde ich hier sehr gelungen und auf alle Fälle lesenswert.

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    • 2
    Milagro

    Milagro

    16. May 2016 um 13:30
  • Die Würdes des Menschen ist unantastbar

    Applaus für Bronikowski
    Gruenente

    Gruenente

    Die Überschrift dieses Beitrags könnte vielleicht NCs Motto sein. NC ist ein selbstgewählter Name. Es steht für "No Canadian". Nies wählte ihn als Jugendlicher, als seine Eltern sich nach einem Lottogewinn einen Traum verwirklichten und nach Kanada auswanderten. Ohne ihre Söhne. Nies lebte danach mit seinem bereits volljährigem Bruder zusammen. Er schafft es nicht den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen und "macht nichts aus seinem Leben". Er hat verschiedenen Jobs, schmeisst sie aber alle irgendwann. Bis er eines Tages vor einem Beerdigungsinstutut steht. Dort wird ein Helfer gesucht. NC überwindet seine Hemmungen und findet seine Bestimmung darin auch Toten zu Würde zu verhelfen. Doch irgendwie geht alles schief. Mit einer missglückten, symbolischen Seebestattung. Geht alles den Berg runter. Dabei hat NC eigentlich viel zu bieten. Er liebt die Sprache, Wörter, sinniert über einzelne Buchstaben. Er ist allein, wirkt aber nicht einsam und füllt sein Leben mit Zufallsbegegnungen. Frau März, die Bäckerifachverkäuferin, Marcel, der gemobbte Junge und November, der dreibeinige Hund. Auf humorvolle Art wird das Leben eines modernen Philantrophen erzählt.

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    • 2
    Milagro

    Milagro

    22. December 2015 um 10:23
  • Große Verlosung zum Leserpreis 2015: 5 Buchpakete mit je 50 Büchern!

    Ein ganz neues Leben
    Daniliesing

    Daniliesing

    Lust auf eins von 5 riesigen Buchpaketen zum Leserpreis 2015? Es ist wieder soweit - für den Leserpreis 2015 suchen wir eure Lieblingsbücher. Wir sind schon wahnsinnig gespannt, welche Bücher euch in diesem Jahr am meisten begeistern konnten und können das Ergebnis, das am 26. November feststehen wird, gar nicht erwarten! PS: Die Gewinner stehen mittlerweile fest! Hier könnt ihr alle Preisträger und Platzierungen sehen! Unsere große Verlosung für euch! Jedes Jahr, wenn der Leserpreis näher rückt, dann kommt bei uns eine ganz besondere Stimmung auf. Es ist ein bisschen, als würde Weihnachten einfach mal 2 Monate nach vorn gezogen und würde ganz lange dauern :-) Deshalb möchten wir euch neben den tollen Buchempfehlungen und der Möglichkeit selbst mitzuentscheiden, auch eine ganz besondere Verlosung bieten. Wir werden nach der Bekanntgabe der Leserpreis-Gewinner insgesamt 5 Buchpakete mit jeweils 50 Neuerscheinungen verlosen. Fünf Gewinner dürfen sich also über eine ordentliche Ladung neuen Lesestoff freuen! Und mal ehrlich - davon kann man doch nie genug haben, oder? 1. Um an der Verlosung teilzunehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten - 3 der 5 Buchpakete verlosen wir unter allen Bloggern, die auf ihrem Blog über den Leserpreis berichten und darauf verlinken. Bitte teilt uns den Link zu eurem Blogbeitrag hier mit, indem ihr oben auf den blauen "Jetzt bewerben"-Button klickt und das Formular komplett ausfüllt! http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ Grafikmaterial findet ihr hier! 2. Wenn ihr keinen Blog habt, könnt ihr alternativ auf den Social Media Kanälen wie Facebook, Twitter, Google + und ähnlichen auf den Leserpreis hinweisen. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 2 Buchpakete mit jeweils 50 Büchern. Wichtig ist hier, dass ihr euren Beitrag öffentlich teilt und ihn uns hier verlinkt. Bitte verlinkt, indem ihr oben auf den blauen "Jetzt bewerben"-Button klickt und das Formular komplett ausfüllt, direkt auf eurer Posting und nicht auf euer gesamtes Profil. Außerdem müssen in eurem Social-Media-Posting unbedingt der Link zum Leserpreis und der Hashtag #Leserpreis enthalten sein. http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ 3. Ihr habt weder einen Blog, noch seid ihr auf einem der Social Media Kanäle aktiv? Dann verratet uns, indem ihr oben auf den blauen "Jetzt bewerben"-Button klickt und das Formular komplett ausfüllt, ein Buch, das ihr durch den diesjährigen Leserpreis entdeckt habt und das ihr jetzt unbedingt lesen möchtet. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 5 einzelne Bücher, die die jeweiligen Gewinner auf ihren Wunschzetteln haben. Ihr dürft natürlich auch 1 & 2 oder 1, 2 & 3 kombinieren und so eure Chancen steigern :-) Die Teilnahme ist bis einschließlich 29. November möglich! Wir wünschen euch ganz viel Spaß & schaut doch mal rein, welche Bücher in diesem Jahr das Rennen gemacht haben! PS: Die angehängten Bücher sind ein paar Beispiele, was sich im Buchpaket befinden könnte. Wir haben hier aber eine ganz bunte Auswahl und ihr könnt euch dann von einem riesigen Überraschungsbuchpaket begeistern lassen!

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    • 1599
  • Ein Buch voller Wortwitz

    Applaus für Bronikowski
    vielleser18

    vielleser18

    NC heißt eigentlich Nies. Als seine Eltern nach einem Lottogewinn beschliessen ihren sogenannten Lebenstraum zu erfüllen und nach Kanada auswandern, lassen sie den 14jährigen Nies mit seinem älteren Bruder zurück. Nies ist geschockt, verletzt und aus der Bahn geworfen. Fortan beschließt er seinen Namen in NC "No Canadian" zu ändern. Sein Bruder ist ein Zahlenmensch, Banker, NC hingegen ein Wortmensch, der Buchstaben und Wörter mag, sie auf ihre Eigenarten untersucht, sie wörtlich nimmt.Er kommt mit dem "normalen" Leben nicht zurecht, weder mit Freundschaften, noch mit Arbeitsstellen. Doch dann will es der Zufall, dass er an seinem 31. Geburtstag einen neuen Job findet, in einem Bestattungsinstitut. Kai Weyand kann mit Wörtern jonglieren, sein Stil ist eine leise Erzählart, wie ein sanfter Fluss, ohne großartigen Stromschnellen, dennoch lässt es einen durch diese Geschichte rauschen. Es lässt einen Nachdenken über Wörter, Buchstaben, Sätze. "Aber er blieb stehen und bemerkte, dass Tod ein einsilbiges Wort war. Das gefiel ihm. Komplizierte Dinge bestanden aus mindestens zwei Silben, das Wort Liebe zum Beispiel. Noch schlimmer; Liebesverhältnis. Zwei Hauptwörter, fünf Silben. Wahnsinn." (Zitat, S. 34) Der Protagonist ist kein einfacher Mensch. Einer, der aneckt, der große soziale Probleme hat und bei dem wir über viele Handlungen den Kopf schütteln. Keiner, der uns im echten Leben vielleicht symphatisch wäre. Dennoch schafft es Kai Weyand, dass man sich ihm verbunden fühlt, ihn manchmal auch versteht. Trotz aller Ernsthaftigkeit, die dieser Roman über den Tod und die Toten vermittelt, über den Beruf des Bestatters und das Leben an sich, gibt es sehr viele humorigen Szenen, die alles auch wieder erden. "NC dachte, dass er bei solchem Wetter nicht sterben wollte. Er wollte keinen Aufruhr, keinen Sturm, Regen, Hagel oder Schneefall. Für den Aufstieg seiner Seele wünschte er sich angenehme vierundzwanzig Grad und Windstille. Bei Licht betrachtet gab es nur wenige Tage im Jahr, die zum Sterben geeignet waren." (Zitat, S. 165) Fazit: Ein meisterhaftes Buch, das mit Worten spielt. Dazu eine Geschichte, die einen nachdenken lässt über den Tod und seine Würde, und die dabei trotzdem voller Humor und Ironie ist.

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    • 3
  • Applaus für Kai Weyand

    Applaus für Bronikowski
    MarinaB

    MarinaB

    16. October 2015 um 13:35

    "Nach der Arbeit ging NC spazieren. Er lief zum Friedhof, um sich dort auf eine Bank zu setzen und für eine Weile die Augen zu schließen. Der Friedhof war ein Ort, der ihn ruhig werden ließ, egal wie aufgeregt er war. NC glaubte schon, dass das mit den vielen Toten zusammenhing, die unter der Erde lagen. Wenn tausende Seelen Ruhe signalisieren, kann ein einzelnes Herz nicht dagegenhalten, ganz gleich, wie schnell es schlug." Zugegeben: Die Story könnte starker Tobak sein, wäre da nicht die liebenswerte frech-frische Erzählweise Weyands. Nies oder NC, wie er sich auch nennt, wird mit 13 in der Obhut seines 18-jährigen Bruders zurückgelassen, weil die Eltern sich ihren Traum vom freien Leben in Kanada verwirklichen wollen. Die Brüder verstehen sich überhaupt nicht und NC (No Canadian!) entwickelt sich zum Aussenseiter, zum Sonderling. Er findet sich im Leben nicht so richtig zurecht, jobbt mal hier, mal da, macht sich viele Gedanken über den Sinn von Worten, Lebensträumen oder wie ein Hund mit nur drei Beinen pinkelt ohne umzufallen, kann aber auch ganz schön aggressiv werden. Dann wirft er schon mal mit Eiern auf Häuserfassaden ... Nun hat er keinen Job mehr, keine Freundin und so zieht er an seinem Geburtstag alleine ziellos durch die Stadt und lässt sich von einer sympathischen Bäckereifach(!)verkäuferin ein Gebäckteilchen und weil es ihm gerade einfällt, eine Straße empfehlen.  Diese Straße, die Holpenstraße, führt ihn schließlich zu einem Bestattungsinstitut, wo er einen Job findet. Er arbeitet sich erstaunlich schnell ein und kommt gut mit den manchmal unappetitlichen Arbeiten und den skurrilen Kollegen zurecht. "Wenn du hier arbeitest, sagte Manfred, arbeitest du als Anwalt der Toten. Du wirst ihnen zu ihrem Recht verhelfen, bis sie unter der Erde sind. NC nickte. Es war das erste Mal, dass jemand Wert darauf legte, etwas zu pflegen, was unnütz war, was zu Staub zerfiel. Das war ja vollkommener ökonomischer Unsinn, dachte NC.  Es war das Beste, was er seit langem gehört hatte." Doch bereitet er seinem Chef schließlich durch seine ungewöhnlichen Einfälle (z. B. eine sehr eigenartige Seebestattung!), die immer öfter unbeabsichtigt in Affronts gegen die Hinterbliebenen ausarten, Kopfzerbrechen. Als er einem verstorbenen Schauspieler, dem alten Bronikowski, in Anwesenheit der Angehörigen auf denkwürdige Weise seinen letzten Auftritt verschafft, scheint das Maß voll. Und so finden sich am Schluss Nies und der dreibeinige Hund zusammen, um herauszufinden, was nun weiter mit diesem Leben anzufangen sei ...

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  • Ich schlage dieses Buch vor.....

    Applaus für Bronikowski
    Milagro

    Milagro

    Nies bleibt als Junge bei seinem gerade erwachsenen Bruder, weil die Eltern dank eines Lottogewinns ihren Lebenstraum verwirklichen können und sich nach Kanada absetzen. Die Geschichte beginnt gleich mit dem Unverständnis, das man als Leserin den Eltern und dem -natürlich- völlig überforderten Bruder entgegen bringt, zwingt dazu, den Protagonisten ins Herz zu schließen, obwohl er wirklich seltsam ist. Aber wir wissen ja um die Hintergründe, der arme Kerl. Er nennt sich NC (no  Canadian!), er versucht zurecht zu kommen. Er ist ein merkwürdiger Vogel, vermutlich jemand, den wir in der Realität beäugen würden. Aber er bekommt es hin, wird erwachsen und dank des Vorschlags einer Bäckereifachverkäuferin macht er sich auf seinen Weg, holprig, verschroben, gleichwohl liebenswert. Es gibt zu Herzen gehende Dialoge, Abschiede, wirklich spaßige Situationen, mit denen man nicht rechnet und das Gefühl, ein wirklich großartiges Buch entdeckt zu haben. 

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    • 2
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    10. September 2015 um 16:07
  • Beruf Bestatter

    Applaus für Bronikowski
    serendipity3012

    serendipity3012

    Beruf Bestatter Auch ich bin eine von denen, die jedes Jahr mit Interesse die Longlist des Deutschen Buchpreises studieren, kaum dass sie erschienen ist. Und natürlich fehlen auch mir einige Titel auf der Liste. So hielt ich die Romane Stephan Thomes und Klaus Modicks für gesetzt, gefreut hätte ich mich sehr für Ulla Lenze und Alain Claude Sulzer, mit den Romanen von Peter Richter und Feridun Zaimoglu hatte ich gerechnet und lag damit richtig. Die Romane von Rolf Lappert und Jenny Erpenbeck stehen schon auf meiner Wunschliste, ganz unabhängig vom Buchpreis. Aber jedes Jahr gibt es auch jene Bücher, von denen ich noch nichts gehört oder die ich kaum wahrgenommen hatte. Einige dieser Bücher sprechen mich nicht an, andere Bücher interessieren aber bei näherem Hinsehen sehr wohl. Einer dieser Romane ist „Applaus für Bronikowski“ von Kai Weyand. Der Held des kurzen Romans ist Nies, der sich selbst NC nennt (und Wert darauf legt, dass das C englisch ausgesprochen wird), NC für No Canadian. Als NC 13 war, verkündeten seine Eltern ihm und seinem älteren Bruder Bernd, dass sie im Lotto gewonnen hätten und sich nun ihren Lebenstraum erfüllen würden: die Auswanderung nach Kanada. Die beiden Söhne kamen in diesem Traum nicht vor, NC sollte die Jahre bis zur Volljährigkeit in Bernds Obhut verbringen. Am Anfang dachte ich: Wirklich? Ein Lottogewinn und Eltern, die es kaum erwarten können, die beiden Söhne auf einem anderen Kontinent zurückzulassen? Einfach so? Das erschien mir doch arg konstruiert. Außerdem empfand ich diesen NC als so betont witzig und anders, dass ich schon versucht war, das Buch zur Seite zu legen. Aber dann nahm mich die Geschichte mehr und mehr gefangen. NC ist nun Anfang 30, seine Freundin hat ihn verlassen, seinen Job hat er verloren, Freunde hat er sowieso nicht. Der Bruder ist erfolgreicher Banker in London, seine Eltern melden sich sporadisch aus Kanada und fragen nach seinem Leben. NC hat ihnen ihren Weggang zu einer Zeit, in der er sie gebraucht hätte, niemals ganz verziehen, Thema ist das aber nicht mehr. Zufällig findet er einen Job in einem Bestattungsunternehmen. Zunächst noch etwas skeptisch, lässt er sich darauf ein, widmet sich völlig dieser neuen Lebensaufgabe und geht darin auf. Seine Familie ist entsetzt und fragt sich, ob mit NC alles in Ordnung ist. Und auch seine Ex-Freundin, der er davon erzählt, glaubt, dass NC nun völlig verrückt geworden ist. Aber NC genießt seinen neuen Alltag bei Bestatter Manfred, den er zunächst nur „Lincoln“ nennt, dessen Frau Sabine, die darauf besteht, dass man Witze über ihre Kleinwüchsigkeit macht und dem Kasachen Viktor, der seine eigene Logik bei der Sicht auf die Welt mitbringt. „Seine Erfahrungen als Gewichtheber hatten seine Weltanschauung geprägt. Das Leben war für ihn wie eine Hantelstange, die es zu stemmen galt. Und dafür brauchte es nur die Entscheidung, es in die Hand zu nehmen. […] Der Tod war etwas, das nicht zu stemmen war. Deshalb lehnte Viktor es ab, sich Gedanken über den Tod zu machen. […] Ihm gefiel das deutsche Wort Kopfzerbrechen. Für ihn steckte in dem Wort viel Wahrheit: Wenn man zu viel nachdachte, zerbrach man sich den Kopf und starb früher.“ S. 69 „Applaus für Bronikowski“ ist die Geschichte eines jungen Mannes, der nicht so recht weiß, wohin er gehört, wohin sein Weg ihn führt, ja, was er überhaupt will. Die Arbeit mit den Toten macht ihn nachdenklich. „Die Toten spielten nichts vor, alles an ihnen war echt und wahrhaftig. Nur auf den ersten, flüchtigen Blick war die Begegnung mit ihnen unheimlich, auf den zweiten sah man auf den Gesichtern die Entspannung und nicht selten ein Lächeln. Bei den Lebenden kam es ihm oft umgekehrt vor. Auf den ersten Blick schienen sie freundlich und ehrlich, und erst auf den zweiten Blick erkannte man die Maske, das Falsche, das Verlogene.“ S.68 Schon nach wenigen Seiten empfand ich diesen NC nicht mehr als aufgesetzt, sondern als etwas eigenwilligen Mann mit dem Herz am rechten Fleck. Die Geschichte hält einige absurde Wendungen bereit, die die Frage in den Mittelpunkt rücken, was Würde eigentlich ist und wie auch die Toten sie noch erfahren können. NC sieht sich nicht nur als Dienstleister und so kommt er auf unkonventionelle Ideen, die nicht nur auf Gegenliebe stoßen. Alles in allem ist „Applaus für Bronikowski“ eine meist leichte Geschichte, die ein ernstes Thema in den Mittelpunkt stellt, um einen Protagonisten, der sein unkonventionelles Leben so lebt, wie es ihm passt. Zuweilen sehr komisch mit einem teils schrulligen Figurenpersonal und einer Hauptfigur, die nach einem Sinn sucht. Das alles auf unterhaltsame Weise. Ein Roman, der den Deutschen Buchpreis wohl nicht gewinnen wird, aber lesenswert ist er allemal. 

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    • 2
  • Job im Bestattungsinstitut als Ausweg aus der Lebenskrise

    Applaus für Bronikowski
    Julino

    Julino

    04. August 2015 um 18:54

    Nies sollte mit Anfang Dreißig eigentlich mitten im Leben angekommen sein, so sieht es unsere Gesellschaft doch mit Anfang-Dreißig-Jährigen vor, oder nicht? In der Mitte steht Nies schon einmal, um ihn herum befinden sich jedoch lauter schwierige Verhältnisse. Seine Eltern sind, ohne Rücksicht auf ihn und seinen Bruder zu nehmen, nach Kanada ausgewandert, als Nies dreizehn Jahre alt war. Seitdem nennt er sich NC, No Canadian. Mit seinem Bruder verbindet NC nicht viel mehr als eine leider unauflösliche Verwandtschaftsbeziehung. Zu alledem wurde NC vor Kurzem auch noch von seiner Freundin Kornelia verlassen und im Berufsleben sieht es auch nicht gerade rosig aus. NC steht am Anfang des Romans eher orientierungs- und ankerlos in seiner Wohnung. Als er sich in die Stadt hinaustraut, findet er durch Zufall schließlich einen neuen Job, der seinem Leben wieder eine Richtung geben soll: Er beginnt, in einem Bestattungsunternehmen zu arbeiten. Dort lernt NC, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen und warum die Würde des Menschen auch über den Tod hinaus unantastbar ist. Aber vor allem lernt er sich selbst besser kennen und schätzen. Im Bestattungsinstitut wundert er sich zunächst über augenscheinlich unökonomische Dinge, wie das Waschen der Toten. Doch schnell realisiert er, dass diese Form von Würdigung eines Menschenlebens das Schönste ist, was er seit Langem erlebt hat. Die kleinen Dinge im Alltag sind es nun, die NC lächeln lassen. Doch der Job als Bestattungshelfer birgt nicht nur Freuden. NC muss sich mit starken Vorurteilen seiner Mitmenschen auseinandersetzen und einsehen, dass der Tod letztendlich auch nur eine Konsequenz des Lebens ist: Bestattungsinstitut also. Bei dem Blick auf das zweieinhalbstöckige Gebäude dachte NC, dass das menschliche Leben im Grunde genommen eine Abfolge von Gebäuden war, in denen man sich aufhielt: Krankenhaus, Elternhaus, Kindergarten, Schule, […] Bestattungsinstitut. Und ganz am Ende auf dem Friedhof kam man dann noch unter einen Stein, den Grabstein. Kai Weyand legt mit seinem nun schon dritten Roman eine unterhaltsame Geschichte vor, die vor allem durch ihren unsicheren Protagonisten besticht. Bei all seiner Ziellosigkeit ist NC dennoch ein Mensch, der sich auch tiefer gehenden Gedanken hingeben kann, vor allem solchen über Sprache: Er wollte hinter das Geheimnis der Wörter kommen, wollte verstehen, was sie in ihrem Kern bedeuteten, warum manche so tief in einen eindrangen, als wären sie Messer, und manche an einem abprallten, als wären sie Gummibälle […] und warum man ihnen hilflos ausgeliefert war. Das Nachdenken über und Experimentieren mit Sprache gelingt NC zwar nicht immer ganz perfekt, dafür nutzt er seine ausgeprägte Beobachtungsgabe, um Neues über die Menschen, aber auch Tiere in seiner Umgebung zu lernen. So ist er unglaublich fasziniert von einem kleinen Hund namens November, der nur noch drei Beine hat: Vor allem November, der auf drei Beinen lief, als hätte er vier, beeindruckte NC. Der Hund war ein Künstler. Er zeigte etwas, das man nicht für möglich gehalten hätte: krank durch die Welt zu gehen, als wäre man gesund. Auch in der Liebe scheint es in kleinen Schritten wieder bergauf zu gehen. Eine ganz besondere Verbindung pflegt NC zu einer Bäckereifachverkäuferin, die ihm ohne Kommunikation jeden Tag aufs Neue eine leckere Backware aussucht, welche NC dann wortlos entgegennimmt. Dieses „Verstehen-ohne-Worte“ wird im späteren Verlauf der Geschichte durch ein Aufeinanderprallen von Privatleben und Berufsalltag aufgelöst, wobei auch der titelgebende Bronikowski eine entschiedende Rolle spielt. Mehr sei aber an dieser Stelle noch nicht verraten. Applaus für Bronikowski ist ein kurzweiliger, humorvoller Roman über einen Spätadoleszenten, der anfangs nicht so genau weiß, wo er hingehört, doch letzten Endes durch eine bemerkenswerte Auffassungsgabe seine Nische im Leben findet.

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