Kamel Daoud

 3.2 Sterne bei 13 Bewertungen
Autor von Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung, Zabor und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Kamel Daoud

Offen und ehrlich: Kamel Daoud, geboren 1970 in Algerien, studierte Mathematik und Literatur, als Einziger in seiner Familie besuchte er die Universität. Ab 1994 begann er, bei der französischsprachigen Zeitung Le Quotidien d’Oran zu arbeiten und war mehrere Jahre lang als Chefredakteur dort tätig. Zu dieser Zeit schrieb er sein erstes Buch, „Raina raïkoum“, eine Zusammenstellung seiner bisherigen Texte, und prägte seine zynische Haltung gegenüber verschiedenen kritischen Themen wie algerischen Machthabern aus. Mit seinen Büchern hat sich Daoud auch in Deutschland einen Namen gemacht. Er lebt heute in Oran, hat zwei Kinder, ist aber nicht mehr verheiratet.

Alle Bücher von Kamel Daoud

Cover des Buches Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung (ISBN:9783462050608)

Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung

 (11)
Erschienen am 17.08.2017
Cover des Buches Zabor (ISBN:9783462052022)

Zabor

 (1)
Erschienen am 07.03.2019
Cover des Buches Minotaurus 504 (ISBN:9783924652388)

Minotaurus 504

 (0)
Erschienen am 10.10.2012
Cover des Buches Meursault, contre-enquête (ISBN:9782330064488)

Meursault, contre-enquête

 (1)
Erschienen am 04.05.2016
Cover des Buches Le Minotaure 504 (ISBN:9782330039462)

Le Minotaure 504

 (0)
Erschienen am 04.02.2015

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Neue Rezensionen zu Kamel Daoud

Neu

Rezension zu "Zabor" von Kamel Daoud

Sehr anspruchsvoll
czytelniczka73vor 8 Monaten

"Bei uns versteht man das Lesen als Mittel zum Herrschen und nicht etwa,um die Welt zu entziffern,es bedeutet gleichermaßen Wissen,Gesetz und Besitz."


Inhalt:

" Ismaël, der sich selbst Zabor nennt, verliert früh seine Mutter. Der Vater verstößt ihn, Stiefmutter und Halbgeschwister wollen das Kind nicht im Haus haben. Zabor wächst bei seiner altjüngferlichen Tante und dem stummen Großvater auf. Trost und Zuflucht findet er in der Literatur, er verschlingt alles, was er in die Finger kriegen kann. Viel ist das jedoch nicht in einem algerischen Dorf, das im Süden bereits an die Sahara grenzt, und so beginnt Zabor, seine eigenen Geschichten zu schreiben und entdeckt dabei schon früh ein besonderes Talent: Er hat die Gabe, das Leben von Sterbenden zu verlängern. So lange er über die Leute schreibt, so lange hält er den Tod auf Abstand. Wenn der Arzt und das Heilige Buch nicht mehr helfen können, dann holt man Zabor. So auch, als eines Tages sein Vater im Sterben liegt."



Meinung:

Zabor lebt in einem kleinen Dorf in Algerien.Er ist gerade vier Jahre alt,als sein Vater ihn verstöst und seit dem wohnt Zabor mit seiner Tante und seinem Großvater,getrennt von der reichen Familie.Mit sechs Jahren lernt er das Lesen und ist fasziniert von der Welt der Literatur,liest alles was er in die Finger bekommt.Leider gibt es in seinem Dorf nicht sehr viele Bücher,also fängt Zabor an,selbst Geschichten zu schreiben und endeckt,dass seine Geschichten das Leben der Sterbenden verlängern können.Als Jahre später sein Vater im Sterben liegt,fühlt sich Zabor verpflichtet seine Geschichte zu schreiben,gleichzeitig hat er Bedenken,ob er das überhaupt will.
"Ich hatte die Wahl eines Gottes: schreiben oder schweigen."

Vielschichtig und anspruchsvoll,inhaltlich ist dieses Buch sehr gehaltsvoll-eine Lobeshymne für die Literatur,ein kritischer Blick auf die moderne arabische Welt verbunden mit der Geschichte Algeriens und mittendrin ein Held,der sich bemüht seinem Vater zu vergeben.Eine komplexe Geschichte,die den Leser mit vielen Eindrücken und Informationen berreichert,leider aber sehr schwierig zum lesen.Der Schreibstil ist eigenwillig und anstrengend,mit vielen Metaphern,die für mich sehr fremdartig und gewöhnungsbedürftig waren.Kein Buch zum durchlesen,nach 3-4 Kapiteln war ich von der verschnökeltenSprache müde und brauchte Pause.Die Geschichte entwickelt aber eine Sogwirkung und so bin ich zu dem Buch immer wieder zurückgekommen.So gesehen ist das Buch keine leichte Kost,ich finde es aber wirklich lesenswert.Für mich hat sich die Mühe wirklich geloht und ich bin sehr froh dieses Buch gelesen zu haben.

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Rezension zu "Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung" von Kamel Daoud

Eine Gegendarstellung
JoBerlinvor 4 Jahren

Kamel Daouds Gegendarstellung zum Fall Meursault bezieht sich auf das Buch „Der Fremde“ von Albert Camus. In diesem Roman mit Handlungsort Algerien wird ein Araber getötet. Es gibt keine wirkliche kriminalistische Untersuchung, der Täter Meursault, ein algerischer Franzose, ist schnell gefasst, er leugnet nicht. Ein Exempel soll statuiert werden, der Staat fordert die Todesstrafe.


„Der Fall Meursault“ ist nicht die erste literarische Replik auf Camus – das ist verständlich, ein so sinnloser Mord wie hier geschildert, provoziert geradezu die Weiterbeschäftigung mit der Untat.
Kamel Daoud möchte dem Gemordeten ein Gesicht, eine Geschichte, einen Namen geben. Dabei wird impliziert, dass sein Zuhörer, also sein Leser, sozusagen der gegnerischen Gruppe der verhassten Kolonialherren angehört, er wird süffisant-sarkastisch mal als „Herr Kommissar“, mal als „Herr Literaturwissenschaftler“ tituliert. Die Überheblichkeit, die der Erzähler der Leserschaft unterstellt ist jedoch nicht stimmig, vielmehr entsteht der Eindruck, als möchte er sich als Rechtsanwalt seiner selbst erhöhen. Und hat er nicht vielmehr eigene, ganz private Gründe für seinen Hass auf den Mörder und seinen Autor Albert Camus? „Während ich nach Spuren meines Bruders suchte, fand ich mich selbst wiedergespiegelt und entdeckte mich fast als Doppelgänger des Mörders“. 


Interessant und wichtig ist die Darstellung von Frauengestalten, denn eine Frau war die Auslöserin der tödlichen Auseinandersetzung im Roman Camus‘. Doch ihre Persönlichkeit, ihre Leiden interessieren Daoud nicht und werden also auch nicht weiter untersucht. Frauen sind entweder Mütter oder Schwestern oder eben Huren. Und doch ist da eine zum Verlieben - „sie gehörte zu einer Art von Frauen, die es heute in diesem Land nicht mehr gibt: frei, bereit sich erobern zu lassen und zu erobern, niemanden unterworfen sein und ihren Körper als Gabe zu leben und nicht wie eine Sünde oder Schande“ – doch sie verlässt ihn, selbstbewusst und frei eben.


So werden nach und nach Motive aus „Der Fremde“ abgearbeitet: die ungeliebte Mutter, die unglückliche Liebe, die hoffnungslose Religion. Auch wenn Daoud behauptet „das ist keine banale Geschichte von Vergeltung und Rache, das ist ein Fluch, eine Falle“ wiederholt sich in seiner Roman-Spiegelung beständig und ermüdend der grundsätzliche Vorwurf: Der Mord an einem namenlosen Araber durch einen blasierten Franzosen. 

 
Im Fazit muss sein Roman als misslungen bezeichnet werden, geht seine Gegendarstellung komplett an Sinn und Inhalt von „Der Fremde“ vorbei und kann Camus mit seiner Kritik niemals erreichen. Camus geht es gar nicht um Schuld und Sühne eines Mordes, noch um Dispute zwischen Arabern und Franzosen , sondern um die Darstellung der Gleichgültigkeit der Welt. Hinter unseren Taten, unseren kleinen Leben, steht kein tieferer Sinn. Der Mensch steht nicht im Einklang mit Gott oder mit der Natur. Er steht allein und kann nur selbstbestimmt für sich eine Sinnhaftigkeit des Daseins schaffen.
Daoud hat dazu nichts zu sagen. Absurd.

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Rezension zu "Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung" von Kamel Daoud

Braucht das Opfer einen Namen?
Herbstrosevor 4 Jahren


Diesem Roman liegt der Klassiker von Albert Camus, „Der Fremde“, zugrunde, in dem der Protagonist Meursault einen Araber ermordet. Während bei Camus das Mordopfer namenlos bleibt, erhält er hier bei Kamel Daoud einen Namen: „Moussa (Moses) Ould el-Assasse“. Siebzig Jahre später sitzt der Bruder des Ermordeten in einer Bar in Oran und erzählt seine Geschichte einem jungen französischen Journalisten. Lange musste er warten, bis er einen geduldigen Zuhörer fand, doch jetzt endlich kann er sich von der Seele reden, wie der Mord sein Leben und das seiner Mutter beeinflusst hat …

Eine interessante Grundidee des Romans, die ich persönlich aber nicht als ‚Gegendarstellung‘ bezeichnen würde. Auf weiten Strecken empfand ich die Geschichte mehr als ‚Umformulierung‘ von Camus‘ Roman. Der arabische Erzähler hat auch hier keinen Namen, erst auf einer der letzten Buchseiten wird sein Name einmal erwähnt: „Haroun“. Im Verlaufe der Geschichte nimmt der Erzähler mehr und mehr die Charakterzüge Meursaults an. Um die Rachegelüste der Mutter zu befriedigen mordet auch er, genau so unmotiviert und grundlos wie Meursault erschießt er einen, diesmal nicht namenlosen, Franzosen. Meursault bezahlt für die Tat mit seinem Leben, doch dieser Mord bleibt ungesühnt. In Camus‘ Roman lehnt Meursault jegliche Religion und besonders das Christentum ab, Daoud lässt seinen Protagonisten den Islam und seine Praktiken kritisieren.

Während bei Camus keine Art von Rassismus wahrzunehmen ist, ist er im vorliegenden Buch deutlich zu spüren, Franzosen werden sehr oft mit dem Schimpfwort ‚Roumi’ bezeichnet. Ab und zu entwickelt Daoud abstruse Theorien, warum und wieso Meursault den Mord verübt haben soll und gelegentlich wird der Autor des Buches „Der Fremde“ gar als Mörder betitelt:
S.82: „Als er aus dem Gefängnis kommt, schreibt der Mörder ein Buch, das berühmt wird und in dem er erzählt, wie er seinem Gott, einem Priester und dem Absurden die Stirn geboten hat…“ 
S.174 : … „dass sie Dozentin sei uns sich mit einem Buch über die Geschichte meines Bruders beschäftigte, und das Buch hatte der Mörder geschrieben.“

Ob allerdings der Ermordete aus Camus‘ „Der Fremde“ überhaupt einen Namen braucht, wage ich zu bezweifeln. Gerade das namenlose, unbekannte Opfer bringt doch die Sinnlosigkeit des Mordes sowie die Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit Meursaults sehr gut zum Ausdruck.

Um für dieses Buch Verständnis aufzubringen, sollte man unbedingt vorher „Der Fremde“ von Albert Camus gelesen haben.

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Kamel Daoud wurde am 17. Juni 1970 in Mesra (Algerien) geboren.

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