Kanae Minato Geständnisse: Roman

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Inhaltsangabe zu „Geständnisse: Roman“ von Kanae Minato

Die kleine Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Moriguchi ist im Schulschwimmbad ertrunken; ein tragischer Unfall, wie es scheint. Wenige Wochen später kündigt Moriguchi ihre Stelle an der Schule, doch zuvor will sie ihrer Klasse noch eine letzte Lektion mit auf den Weg geben. Denn sie weiß, dass ihre Schüler Schuld am Tod ihrer Tochter haben. Mit einer erschütternden Offenbarung setzt sie unter ihnen ein tödliches Drama um Schuld und Rache, um Gewalt und Wahnsinn in Gang, an dessen Ende keiner – weder Kind noch Erwachsener – ungeschoren davonkommt. Mit immenser Sogwirkung und einem unbestechlichen Blick auf die menschlichen Abgründe erzählt die ehemalige Lehrerin Kanae Minato eine faszinierend-verstörende Geschichte voller unerwarteter Wendungen. Ein packender Roman, dessen Stimmen den Leser noch lange begleiten.

Großartiges Psychogramm einer unaufhaltsam entgleisenden Situation. Klar, dicht, spannend - und vor allem bitterböse!

— rumble-bee
rumble-bee
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    Geständnisse: Roman
    rumble-bee

    rumble-bee

    10. August 2017 um 22:37

    Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich um das Erstlingswerk einer japanischen Autorin. Das mag ich allerdings nach der Lektüre kaum glauben, so psychologisch komplex, so menschlich abgründig, und vor allem so innovativ erzählt ist dieses Kabinettstück. Ohne Umschweife würde ich es als das Spannendste bezeichnen, das ich seit Langem gelesen habe - ein Thriller von internationalem Rang,  der den Vergleich mit Meistern des Fachs nicht zu scheuen braucht. Eines vorweg: blutrünstigen Thrill und gruselige Einzelheiten darf man hier nicht erwarten. Die Spannung liegt eher in der Unaufhaltsamkeit, mit der sich die Tragödie entfaltet. Sie liegt auch in der Erzählweise : denn dem Leser werden sechs verschiedene Perspektiven vorgestellt, aus denen das Verbrechen beleuchtet wird. Man kann hinterher gar nicht mehr so recht entscheiden, wer hier eigentlich "böse" war -letztlich liegt ein grundsätzlicher Fehler wohl auch im japanischen Gesellschafts- und  Schulsystem, in das man interessante Einblicke bekommt. Doch worum geht es? Ein vierjähriges Mädchen, die Tochter einer Lehrerin, ist im Pool einer Mittelschule ertrunken. Man hält es für einen Unfall - doch schon im ersten Kapitel wird klar, dass es eben keiner war.  Die Lehrerin tritt vor ihre Klasse und hält eine Rede, in der sie  die Hintergründe des Ganzen aus ihrer Sicht beleuchtet. Sie beginnt ganz harmlos, aber man spürt von Anfang an, dass das dicke Ende noch kommen wird. Und richtig: die Lehrerin beschließt ihren Vortrag mit der Verkündigung, dass sie an den beiden mutmaßlichen Tätern  (beides Schüler ihrer Klasse)  perfide Rache geübt hat. Damit ist der Reigen eröffnet. Nacheinander kommen eine Mitschülerin, beide Täter, eine Mutter, eine Schwester und ein weiterer Lehrer zu Wort. Jeder wendet sich in mündlicher, direkter Rede an den Leser; mal in einem Aufsatz, einem Brief oder einem Tagebucheintrag. Immer wieder kommen neue Facetten des Geschehens zum Vorschein. Tragisch verkompliziert wird das Ganze dadurch, dass der Leser erkennt, an welchen Stellen sich die handelnden Personen grundlegend missverstehen und anders hätten handeln können. Doch genau das ist in einem rigiden System wie dem japanischen wohl nicht möglich. Das mörderische Karussell endet wieder mit der Lehrerin, die in ihrer Rachsucht zu psychologischer Höchstform aufläuft.  Man ahnt es, und doch kommen die letzten Sätze wie ein Paukenschlag. Ein Knalleffekt, wie er im Buche steht! Ich war so verblüfft und begeistert, dass ich am liebsten noch einmal von vorne begonnen hätte ...!Ich kann das Buch wirklich jedem Thrillerfan wärmstens empfehlen, der Tiefgründigkeit und eine Prise Gesellschaftskritik schätzt. Allerdings sollte man offen sein für bitterbösen Humor,  und auch die durchgehend mündliche Erzählweise verlangt Konzentration. Ansonsten ist das Buch ein wahrer Hochgenuss!  Ich werde mir  mit Sicherheit auch den zweiten Band der Autorin besorgen, der auf Englisch bereits vorliegt. 

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