Kaouther Adimi

 4,4 Sterne bei 9 Bewertungen
Autorin von Was uns kostbar ist, Steine in meiner Hand und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Kaouther Adimi

Cover des Buches Was uns kostbar ist (ISBN: 9783857874857)

Was uns kostbar ist

 (4)
Erschienen am 31.05.2018
Cover des Buches Steine in meiner Hand (ISBN: 9783857878114)

Steine in meiner Hand

 (3)
Erschienen am 30.07.2019
Cover des Buches Dezemberkids (ISBN: 9783039250004)

Dezemberkids

 (2)
Erschienen am 13.10.2020

Neue Rezensionen zu Kaouther Adimi

Cover des Buches Was uns kostbar ist (ISBN: 9783857874857)M

Rezension zu "Was uns kostbar ist" von Kaouther Adimi

Eine interessante, großartig erzählte Geschichte, nicht nur für Bücherfreunde
Magicsunsetvor 10 Monaten

„Es wird eine Bibliothek sein, eine Buchhandlung, ein Verlag, aber in erster Linie ein Ort für die Freunde, die die Literatur und das Mittelmeer lieben.“ (Zitat Seite 40)

 

Inhalt

Seit den 1990er Jahren ist es keine Buchhandlung mehr, sondern eine Außenstelle der Nationalbibliothek Algier, dennoch war sie zwanzig Jahre lang der Lebensmittelpunkt von Abdallah, ein alter Mann unbestimmten Alters. Nun ist die Buchhandlung endgültig geschlossen und verkauft. Abdallah beobachtet täglich den jungen Mann, er heißt Ryad und ist ein Student, der einen Praktikumsnachweis benötigt. Vierzehn Tage hat Ryad Zeit, die Buchhandlung vollständig zu räumen, die Bücher zu entsorgen und die Wände zu streichen, denn in Zukunft werden hier Beignets verkauft. Als Student der Fachrichtung Ingenieurswesen hat Ryad keine Ahnung, was für ein besonderer Ort der Literatur dies hier ist, auf dessen Stufen einst auch Albert Camus gesessen ist und er weiß nicht, wer Edmond Charlot war, der Mann auf dem großen Portrait, der ihm zusieht.

 

Thema und Genre

Im Mittelpunkt dieses Romans stehen die Literatur und die legendäre Buchhandlung Les Vraies Richesses in Algier, ihre Geschichte von der Gründung 1936 bis heute. Eng damit verbunden ist das Leben des Verlegers Edmond Charlots. Gleichzeitig ist dieser Roman auch ein Streifzug durch die wechselvolle Geschichte Algeriens, mit Unterdrückung und Bürgerkrieg auf dem Weg in die Unabhängigkeit.

 

Charaktere

Edmond Charlot war ein Verleger und Literaturförderer, der sowohl in Algier, als auch in Paris im Verlagswesen tätig war. Er förderte bekannte Schriftsteller des 20. Jahrhunderts vom Beginn ihrer Laufbahn an, lebte für die Literatur und das friedliche kulturelle Miteinander und ließ sich auch durch politischen Druck nicht beeinflussen.

 

Handlung und Schreibstil

Die Geschichte wird, was interessant und in modernen Romanen eher ungewöhnlich ist, teilweise auktorial erzählt. Einerseits erfahren wir die aktuelle Geschichte mit Ryad und Abdallah, andererseits die Geschichte der Buchhandlung und des Verlages. Geschildert wird das ereignisreiche Leben von Edmond Charlot mit seinen Geschäftspartnern, Freunden und aufstrebenden Schriftstellern vor dem realen geschichtlichen Hintergrund, Algerien im Spannungsfeld der politischen Umbrüche im Mittelmeerraum zwischen 1930 und 1961. Parallel dazu lesen wir das fiktive Tagebuch, die persönlichen Aufzeichnungen von Edmond Charlot, beginnend 1935 und endend 1961.

 

Fazit

Eine einfühlsam und packend erzählte Geschichte eines legendären Verlegers und seiner besonderen Buchhandlung, wo Schriftsteller und Leser aus allen Mittelmeerländern willkommen waren, egal, welche Sprache sie sprachen und welcher Religion sie angehörten. „Das heisst eine Buchhandlung, die Neues und Altes verkauft, die Werke ausleiht und die nicht einfach ein Laden wäre, sondern ein Ort der Begegnung und Lektüre.“ (Zitat Seite 31)        

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Cover des Buches Dezemberkids (ISBN: 9783039250004)A

Rezension zu "Dezemberkids" von Kaouther Adimi

Ein Einblick in die algerische Gesellschaft
Ann-KathrinSpeckmannvor 2 Jahren

Inhalt:
Der Klappentext enthält schon beinahe die komplette Handlung: Kinder beschützen ihren Bolzplatz gegen Erwachsenen, die dort Willen bauen wollen. Die Autorin fokussiert sich aber nicht nur auf diesen Kampf, sondern geht in jedem Kapitel auf die Sichtweise und den Hintergrund einer anderen mehr oder weniger beteiligten Person ein.

Schreibstil:
Das Buch lässt sich gut lesen. Der Stil ist angenehm und der Leser kommt trotz der vielen Perspektivwechsel gut mit. Ein paar Mal ist die Autorin für meinen Geschmack etwas zu weit abgedriftet, aber dann ging es auch immer wieder flott zurück zum roten Faden.

Vermitteltes Wissen:
Ich für meinen Teil hatte vor dem Buch keinen Bezug zu Algerien. Mit den Nachbarländern verbinde ich jeweils wenigstens irgendwas, aber Algerien kannte ich nur vom Namen. Von daher prägt das Bild automatisch mein Bild von Algerien, obwohl ich mir natürlich bewusst bin, dass ein Buch nicht für ein ganzes Land stehen kann. Trotzdem wird das Buch mein erster Anknüpfungspunkt für weitere Informationen sein. Gerade deshalb finde ich es toll, dass so viele verschiedene Personen, Generationen und Gesellschaftsschichten zu Wort kommen.

Andererseits kommen sie alle immer nur sehr kurz zu Wort, sodass ich mich kaum in jemanden wirklich reinfühlen konnte. Mitfiebern hat sowieso nicht viel gebracht, weil jeder in der Regel nur einmal drankam. Das Buch ist also eher als Momentaufnahme zu sehen, weniger als lange Geschichte. Viele Stellen haben mich an Reportagen erinnert, in die die Journalistin nicht mehr reinschreibt, als sie recherchieren konnte. Für sich genommen ist das alles toll. Für einen Roman hätte ich mir etwas mehr Zeit für einzelne Personen gewünscht. Manche Personen hingen auch nur sehr lose am roten Faden. Vielleicht wäre für sie ein eigener Roman besser gewesen.

Gut fand ich wiederum, dass alles sehr realistisch wirkte. Natürlich mag der Protest etwas überspitzt sein. Aber nach dem Klappentext hatte ich mit bösen, gewalttätigen Polizisten und idealisierten Kindern gerechnet. Ich dachte erst, das hätte mit unterbewussten Vorurteilen gegenüber Algerien zu tun, aber mittlerweile denke ich, dass Bücher und Filme einfach sehr oft genau so funktionieren. Und zwar egal, ob sie in den USA, Indien, Ägypten oder Deutschland spielen. Extreme verkaufen sich halt gut. Die Autorin hat hier dagegen Wert darauf gelegt, niemanden dermaßen zu überhöhen. Klar sind mir die Steine werfenden Kinder sympathischer, als die völlig überraschten Generäle, die glauben im Recht zu sein. Aber jeder hatte Motive, die der Leser auch erfährt.

Spannung:
Trotz der vielen Perspektiven, läuft doch immer wieder alles auf die Proteste der Kinder zu. Und das Thema ist so wunderbar universal, dass sich einfach jeder reinfühlen kann. Die gleiche Geschichte hätte überall auf der Welt stattfinden können. Und die Kinder hätten überall das gleiche Ziel gehabt. Nur die Interpretationen und Geschichten der Erwachsenen würden sich unterscheiden. Da kommt unweigerlich Spannung auf. Außerdem regt die Geschichte zum Nachdenken an. 

Empfehlung:
Das Schöne an dem Buch ist, dass Du keinerlei Vorkenntnisse über Algerien oder irgendwas anderes brauchst. Neugierig auf verschiedene Menschen und Gesellschaftsschichten solltest Du aber schon sein. Wenn Du das bist, empfehle ich Dir das Buch uneingeschränkt weiter.

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Cover des Buches Was uns kostbar ist (ISBN: 9783857874857)A

Rezension zu "Was uns kostbar ist" von Kaouther Adimi

Hommage an einen vergessenen Visionär
Almut_Scheller_Mahmoudvor 2 Jahren


Beim Lesen ist es mir, als ob ich den Duft der Bücher einatme, der Bücher, die mit Liebe und Sorgfalt gestaltet, gedruckt, gebunden und verlegt wurden. Meine Finger, wie in Trance, gleiten über die Ein-bände, fühlen sie tastend ab wie der blinde Youcef: leider kann ich nicht wie er eine einzige Zeile aus dem Gedächtnis zitieren. Ich spüre die Passion eines bibliophilen Menschen, der sich mit Phantasie und Leidenschaft, mit Hingabe und immer neuen Ideen in sein ganz persönliches Abenteuer stürzte. 

Ein Abenteuer, das im Jahre 1936 mit der Eröffnung der Buchhand-lung “Les Vrais Richesses” in Algier begann und 2004 in Pézenas endete.  Ein reiches Leben, trotz Schulden, Zerwürfnissen mit Freunden und Autoren, trotz Papiermangel und vor allem trotz des zweiten Weltkriegs, des algerischen Unabhängigkeits- und des algerischen Bürgerkriegs.

Edmond Charlot, ein Algerienfranzose, eröffnete im Jahre 1936 eine Buchhandlung in Algier, angeregt durch die Leihbücherei der Mada-me Monnier in Paris. Eine Buchhandlung mit einem ganz besonderen Namen „Les Vrais Richesses“, eine Novelle von Jean Giono als Taufpa-te.  Eine Buchhandlung mit dem Slogan „Junges, von Jungen, für Jun-ge“ und die fensterscheibig  Wertvolles verspricht: „Ein Mensch, der liest, ist doppelt wert“. 

Charlots Vision:  die Literatur  und die Kultur des Mittelmeerraumes zu erobern, zu verlegen und zu präsentieren.  Einen Ort der Begeg-nungen zu schaffen. Mit liebevoll gestalteten Büchern,  mit Kunstaus-stellungen und Lesungen. Mit einem Publikum aus Lehrern, Studen-ten, Künstlern und auch aus Arbeitern, aus Franzosen und Nativen. Das Mare Nostrum als Wiege der europäischen Zivilisation. Als Kno-tenpunkt von Sprachen und Schriften, von Religionen und Philo-sophien, von Kunst und Kultur. Er verlegte Albert Camus’ erstes Buch  und später so namhafte Autoren wie Rilke, Saint-Exupery, Gide, Bernanos, Giono, Bosco, Silone, Austen, Woolf, Moravia. Aber auch algerische und kabylische Autoren wie Kateb Yacine. 

Er war ein literarischer Abenteuerer, ein „Buch-Macher“, auch im spielerischen Sinne: alles oder nichts , ein Bücher-Aktivist. Das Schreiben war für ihn ein kontemplativer Prozess, den er lieber seinen Autoren überließ. Er jedoch musste publizieren, sammeln, entdecken, fördern, fordern. Er war schon damals „gut vernetzt“. Er war eine lebende Quelle der Ideen, der Begeisterung, der Träume und er musste sich selbst Schranken setzen, um sich nicht zu verzet-teln, sich nicht in „Zettel- Träumen“ zu verlieren.

Bücher sind Schätze, Kostbarkeiten, wollen aber auch Teil des alltäg-lichen Lebens sein, mit Eselsohren, Notizen und Unterstreichungen

1944 musste er im befreiten Paris seinen seinen Militärdienst ab-leisten. Dort gründete er eine Dependance der Editions Charlot in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Bordells, das durchaus litera-rischen Bezug hatte: ein berühmter Kunde war Guillaume Apollinaire. Er pendelte zwischen Algier und Paris und konnte seine Familie kaum ernähren, Geldschulden, Probleme mit den Freunden und  Probleme mit der Papierbeschaffung. Als Leserin und Bücher-sammlerin kann ich mir Papier als eine Mangelware gar nicht vor-stellen. Charlot erfand den Klappentext, ein Novum in der französischen Verlagsbranche, die ihn und seine Freunde als algerische Hinterwäldler betrachtete.

Für mich ist der alte Abdallah eine Schlüsselfigur des Romans, eine wun-derbare Figur: Wächter der Bücher und der den Studenten Ryad, dem die Entrümpelung der alten Buchhandlung, die Jahre später als Stadtteilleih-bücherei gedient hatte, oblag, einen Buchhandlungszerstörer nannte. Die Räume sollten ein Restaurant für Beignetes werden. Was für eine Profanität! Abdallah, der die alten Räume mit einem Blick umarmte, der sich von den Büchern tagtäglich begleitet und behütet fühlte, obwohl er selbst ungern las und das Lesen erst sehr spät erlernt hatte. 

Die Autorin verknüpft geschickt alternierend das Heute mit dem Gestern und dem Vorgestern. Sie lässt uns teilhaben an den Visionen und Träumen eines Büchernarren, sie  führt uns durch die koloniale und postkoloniale, blutige Geschichte Algeriens. 

Es gibt drei narrative Ebenen: die fiktiven – und doch realen – Aufzeich-nungen von Edmond Charlot, die Erlebnisse des Studenten Ryad und die Beschreibungen der jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Situation: Die Erniedrigungen und Demütigungen des algeri-schen Volkes durch die Franzosen – in einem Stakkato an menschen-verachtenden, demütigenden, erniedrigenden Begriffen, die die Selbstüberhöhung der kolonialen Herrscher zementieren. 

Ansonsten leise Schreibtöne, die uns das Leben in Algier, damals und heute, nahe bringen, Details, Stimmungen, Gassen, und vor allem Menschen wie die Parfumverkäuferin, Abdallah oder Ryad oder auch Moussa. Und natürlich Youcef.

Kaoutha Adimi führt uns in eine untergegangene Welt:  heute regieren amazon, Bestsellerlisten, ebooks und Großbuchhandlungen. Alles schnell, schrill, gehipt, gelikt. Da gibt es keine Visionen mehr, keine Phantasie, keinen Charme. Es ist der Autorin zu danken, dass sie uns diesen kreativen, obsessiven Menschen liebevoll vorstellt, uns teilha-ben lässt an seinen Ideen, an seinem Erfolg und auch an seinen Prob-lemen. Charlot starb verarmt. Und ohne ihre Hommage an Charlot, an „Les Vrais Richesses“ und auch an Algier wären wir als Leser ein Stückchen ärmer.


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