In Gesellschaft kleiner Bomben

von Karan Mahajan 
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In Gesellschaft kleiner Bomben
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Mahajan reißt den Leser mit in eine Welt des Verlustes, der Verdächtigungen und des Schmerzes. Bedrückend.

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Packend, informativ, emotional - Mahajan gibt sehr lesenswert Einblick in die Hintergründe und Folgen von Terror und Gewalt!

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Inhaltsangabe zu "In Gesellschaft kleiner Bomben"

Auf der Litrom-Bestenliste »Weltempfänger« Winter 2017/18
»Eins der 25 wichtigsten Bücher der Saison.« Spiegel-Online
»Eins der 10 besten Bücher des Jahres.« New York Times

Das Buch
Die Khurana-Brüder schlendern zusammen mit ihrem Schulkameraden Mansoor Ahmed über einen gut besuchten Markt in Delhi. Ohne Vorwarnung kommt es zur Katastrophe: Neben ihnen explodiert eine Bombe – eine der vielen »kleinen« Bomben, die von der Welt kaum beachtet werden – und reißt die Khurana-Brüder in den Tod. Mansoor überlebt, doch der Bombenanschlag hinterlässt Spuren an Körper und Seele.

Nach einem kurzen Aufenthalt an einer amerikanischen Universität kehrt Mansoor nach Delhi zurück, wo seine Suche nach einem Platz im Leben immer radikalere Formen annimmt …

Eng verwoben mit der Geschichte der Familien Khurana und Ahmed ist die des kaschmirischen Bombenbauers Shockie, der bereit ist, sein Leben für die Unabhängigkeit seines Vaterlands zu opfern.

Karan Mahajans Roman ist außergewöhnlich komponiert: Er beginnt buchstäblich mit dem großen Knall – und zeichnet dann die vielen Druckwellen nach, die die Bombenexplosion bei allen Beteiligten ausgelöst hat: Welche Auswirkungen hat ein solcher Terrorakt auf die Betroffenen? Auf die Angehörigen? Auf die Gesellschaft? Wie werden Menschen zu Terroristen? Mahajan folgt keinen wohlbekannten Narrativen über Terrortäter und ihre Opfer. Er nähert sich differenziert, originell und nicht ohne Humor einigen der wichtigsten Fragen unserer Zeit.

Warum es uns gefällt
Karan Mahajan schreibt lebendig und originell über die Auswirkungen des Terrorismus auf Opfer und Täter. Vom Close-up bis zur Luftaufnahme, von der empathischen Innensicht bis zur spöttischen Distanzbetrachtung beherrscht Mahajan eine große Bandbreite an literarischen Perspektiven. Einer der relevantesten literarischen Beiträge zu einem der wichtigsten Themen unserer Zeit.

Pressestimmen Deutschland (Auswahl)
»Eins der 25 wichtigsten Bücher der Saison.« Spiegel-Online

»Ein erkenntnisreiches, bewegendes und unglaublich wichtiges und lesenswertes Buch über die Frage, wie entsteht Terrorismus und wie werden Menschen radikal? Der Roman ist grandios, detailliert und mit subtilem Humor, d.h. Sarkasmus gewürzt. Ein berührender und stets spannender Text, der die moralischen Grundfragen der Gegenwart kunstvoll darstellt und in Frage stellt.« Hauke Harder, Leseschatz

»Schonungslos und voller Mitgefühl porträtiert Karan Mahajan einen Bombenanschlag in Delhi … Sein Roman stellt die gängigen Bilder des Terrors auf den Kopf … Der Autor zeichnet seine Bilder mit enormer sprachlicher Präzision und scharfsinnigem Witz … Seine Stimme ist eine globale, universelle, die das Konstrukt einer Nationalliteratur alt aussehen lässt.» Jana Volkmann, Buchkultur

»Karan Mahajans Roman ist sprachgewaltig, aufwühlend und spannend … Er seziert die Ängste und Beweggründe der Terroristen ebenso scharfsinnig und mitfühlend wie das Leid der Opfer des Anschlags und deren Angehörigen. Dabei verzichtet er auf ein plakatives Gegenüber von Opfern und Tätern, von Gut und Böse. Stattdessen legt er bei all seinen Figuren die Wunden frei und macht sie dadurch umso glaubwürdiger.« Jörg E. Mayer, Deutschlandfunk

»Mahajan stellt einen Link her zwischen allen, die mit so einem Anschlag zu tun haben. Die Wirkung ist erstaunlich: Der Terror verliert Glanz und Gloria seines demonstrativen Nihilismus, er steht nackt da und stumm in seiner ganzen Erbärmlichkeit – sein Schrecken verpufft. Abgesehen davon: Ein untypisch unblumiger Blick auf die indische Gesellschaft, spannend zu lesen gerade wegen seiner unaufgeregten, versiert inszenierten Nüchternheit.« Ulrich Noller, WDR

»Der Autor verzichtet bewusst auf einen Erklärungsversuch, wie ein Mensch zu einem Terroristen wird. Vielmehr entsteht ein Kaleidoskop unterschiedlicher Gefühls- und Erlebniswelten, innerhalb derer Mahajan in origineller Weise nachzeichnet, welche Folgen eine kleine, von der Welt schnell wieder vergessene Explosion auf diejenigen haben kann, die direkt mit ihr in Kontakt geraten sind.« Paul Geck, Literaturkritik.de

»Eine bestechende Erkundung über die Natur der Bombe … Wer den Roman liest, wird verstehen, warum junge Muslime … sich … radikalisieren, angesichts von staatlicher Ausgrenzung und Diskriminierung, polizeilicher Willkür und Gewalt … Ein Entkommen, das legt [Mahajans] so kluger wie einfühlsamer Roman unausgesprochen nahe, wird es erst dann geben, wenn die Muslime nicht mehr als Muslime, sondern als Bürger und Menschen wahrgenommen werden … dringliche Lektüre.« Claudia Kramatschek, NZZ

»Der US-indische Autor beschreibt in seinem prämierten Roman „In Gesellschaft kleiner Bomben“ die Nachwirkungen eines Bombenattentats. Nicht nur im Persönlichen, sondern auch im Sozialen.«Dominik Kamalzadeh, Der Standard

»Karan Mahajan erzählt bewundernswert real von den Auswirkungen eines Anschlags aus Sicht von Opfern und Tätern.« NDR

»“Ich sehe Terrorismus als menschliche Ausdrucksform“ – Der Autor Karan Mahajan erzählt von einem Anschlag auf einen Marktplatz in Delhi – aus Sicht der Opfer wie der Täter.« SPON-Interview von Felix Bayer

»Karan Mahajans vielfach ausgezeichneter Roman „In Gesellschaft kleiner Bomben“ schildert mit leisen Tönen ein Ereignis von mörderischer Wucht. Subtil entfaltet er nicht nur Trauer und Tragödien der Hinterbliebenen, sondern auch die Perspektive der Täter. Es ist ein weiteres Verdienst des Autors, dabei keineswegs in Düsternis zu versinken.« Buchjournal

»Großartig nutzt Karan Mahajan verschiedene Perspektiven, um Einblicke in Denk- und Verhaltensmuster zu geben. Dabei konzentriert er sich klugerweise auf einen bestimmten Schauplatz und eine Gesellschaft, die wiederholt mit Gewalt konfrontiert ist. Dadurch zeigt er, wie Gewalt und Terror in ihr nachwirkt, wie sie sie nach und nach zersetzen.« Sonja Hartl, CulturMag

»Man sollte sich den mehrfach ausgezeichneten Roman dieses jungen indischen, nunmehr in Amerika lebenden Autors (geb. 1986) keinesfalls entgehen lassen. Selten wird so intensiv und authentisch über die Hintergründe und komplexen Motive des Terrorismus erzählt – ohne die Täter unnötig zu dämonisieren.« Helmer Passon, Borromäusverein

»Sachlich und überraschenderweise sehr humorvoll beleuchtet dieses Buch eine tief zerrissene Gesellschaft, beleuchtet Differenzen und widmet sich ausgiebig der dünnen Lackschicht Kultur.« Tania Folaji, Elektro vs. Print

»Ein fesselnder Roman in einer bildreichen souveränen Sprache.« Ruth liest

»Mahajan nimmt uns beinahe sanft an der Hand und schiebt den Leser, anstatt ihn zu stoßen – mitten hinein in die Handlung … ein in allen Belangen lesenswerter und vor allem lohnender Roman.« Stefan Heidsiek, Crimealley

»Ein hochaktuelles Buch, welches man gelesen haben muss.« Marc Richter, Lesen macht glücklich

»Mahajan besticht mit seiner relaxt fließenden Prosa, mit der er starke Bilder zeichnet und eine scharfsinnige Analyse liefert.« Michaela Mottinger, Mottingers Meinung

Gewinner des Young Lions Fiction Award 2017 (USA)
Gewinner des Rosenthal Family Foundation Award der AAoAL 2017 (USA)
Gewinner des Bard Fiction Prize 2017 (USA)
Gewinner des Anisfield-Wolf Book Award for Fiction 2017 (USA)
Gewinner des Muse India Young Writer Award 2016 (Indien)
Auf der Shortlist für den National Book Award 2016 (USA)
Auf der Shortlist für den Tata Literature Live »Book of the Year« Prize 2016 (Indien)
Auf der Longlist für den FT/Oppenheimer Emerging Voices Award 2017 (USA)
Auf den Jahresbestenlisten von
Washington Post, TIME, NYT, Esquire, Buzzfeed, Huffington Post, Vulture.com u.a.
Eins von Flavorwire’s 50 »Zeichen der Hoffnung für die Kultur« 2016
Besprechungen in allen wichtigen Medien in u.a. den USA, Kanada, England, Indien, Singapur

Internationale Stimmen
»Wundervoll, überraschend und zutiefst berührend … Bahnbrechend in seinem Mitgefühl, intelligent in seiner Schärfe. Wir schlagen vor, Sie gehen los und kaufen das Buch. Sofort.«
The New York Times Book Review

»In einer Welt nach 9/11 sollte dieser Roman als ein Muss betrachtet werden.«
The Huffington Post

Karan Mahajan schreibt lebendig und originell über die Auswirkungen des Terrorismus auf Opfer und Täter. Vom Close-up bis zur Luftaufnahme, von der empathischen Innensicht bis zur spöttischen Distanzbetrachtung beherrscht Mahajan eine große Bandbreite an literarischen Perspektiven. Einer der relevantesten literarischen Beiträge zu einem der wichtigsten Themen unserer Zeit.

»Großartig, beunruhigend, extrem spannend. Das beste was ich bisher gelesen habe, wenn es darum geht, die Verlockungen und die Kraft der alles vernichtenden mörderisch-verdrehten Logik einzufangen, die immer stärker von unserem Planeten Besitz ergreift.«
The Wall Street Journal

»Ein grandioser Roman. Indem er die Struktur eines Bombenanschlags nachahmt, erschafft Mahajan das genaue Gegenteil: ein behutsames, differenziertes und moralisches Kunstwerk.« The Financial Times (UK)

»Mahajan präsentiert das Schauspiel der Bombenexplosion in beiläufig ballettmäßiger Schönheit, seine relaxt komponierte Prosa kontrastiert auf aufregende Weise die Gewalt der Geschehnisse, die er beschreibt. Sein scharfsinniger Humor, sein Talent für hinreißende Formulierungen erschafft viele Passagen von bildstarker, aufsehenerregender Wucht.« The New Yorker

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783959880220
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:376 Seiten
Verlag:CulturBooks Verlag
Erscheinungsdatum:01.08.2017

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    Beusts avatar
    Beustvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Mahajan reißt den Leser mit in eine Welt des Verlustes, der Verdächtigungen und des Schmerzes. Bedrückend.
    „Ich habe gar nicht überlebt. Ich brauche nur länger, um zu sterben.“

    Das Attentat von gestern vergessen wir schnell. Vor allem wenn es nur wenige Tote gefordert hat. Wenn nur eine kleine Bombe gezündet wurde. Wenn es einen Landstrich getroffen hat, mit dem wir nichts verbinden. Wenn es um einen politischen Kampf geht, den die Mehrheit nicht versteht. Diese kleinen Bomben fordern dennoch Jahr für Jahr Opfer, in der Summe auch viele Todesopfer, und darüber hinaus auch viele Versehrte, Verkrüppelte, Verschreckte und Verdorbene.

    Mahajans wichtiger Roman bringt uns ganz nah an eine dieser „kleinen Bomben“ heran, lässt uns sogar in starken Passagen zur Bombe werden, die die Augen aufreißt, und führt uns an die Opfer und Täter heran, die mit der Detonation der Bombe schicksalhaft verbunden werden: Täter, Opfer, Angehörige, Nachbarn, Aktivisten und Helfer. Als auf dem Markt Lajpat Nagar die kleine Bombe hochgeht, verlieren die Khuranas ihre beiden Söhne, deren Freund Mansoor aber überlebt. Das Ehepaar Khurana und Mansoor stehen im Mittelpunkt der Handlung - wir begleiten ihre Gefühle, Gedanken und Entwicklung eng und ungefiltert. Die Stärke des Romans ist die unsentimentale Abschaffung der Distanz zum Innenleben der Opfer, und diese Stärke tut weh. Noch mehr schmerzt Mansoors Transformation vom Bombenopfer zum Propagandaopfer, sein Weg aus dem Explosionsschatten hinaus in die Welt der Brandstifter und Verführer: „Ich habe gar nicht überlebt. Ich brauche nur länger, um zu sterben.“ (S. 215)  An diese übergibt der Rom an den Staffelstab der Handlung, genauer: an den umgedrehten Pazifisten Ayub, dessen erschreckendem Wandel wir erneut zu nahe kommen, als dass wir uns abwenden könnten.

    Was in Opfern und Tätern vorgeht, wie aus Menschen Mörder werden, das es unerheblich ist, wie groß oder klein die Bombe ist - das führt dieser wichtige Roman unmittelbar und ungetrübt vor Augen. Ein wichtiges Buch, das beim Begreifen dessen hilft, was uns die aktuelle Gewalt des Terrors in der Welt für Aufgaben als Menschen stellt.

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 10 Monaten
    Was macht die Bombe mit den Überlebenden?

    Der erste Satz: »Der Bombenanschlag, bei dem Mr. und Mrs. Khurana nicht anwesend waren, breitete sich flach und dröhnend aus und hatte seinen Ursprung unter der Kühlerhaube eines geparkten Maruti 800, wobei dieses Detail, das Detail mit dem Wagen, natürlich erst später bestätigt werden konnte.«

    1996, Mansoor Ahmed, dreizehn Jahre alt, Muslim, befindet sich mit zwei Freunden, Brüdern, auf einem Markt in Delhi, als eine Bombe explodiert. Er ist leicht verletzt, hat einen Bombensplitter im Arm, verletzte Hände, die Freunde sterben. Was bedeutet dieser Anschlag für die Familien? Die Toten finden ihre Ruhe, aber die Zurückgebliebenen müssen mit dem Trauma leben. Vikas und Deepa Khuranad, Kaschmirs, die Eltern der toten Jungen, verarbeiten den Verlust auf verschiedene Art. Sie suchen im Gefängnis einen der Männer auf, der anscheinend für die Tat verantwortlich ist, der dann vor den Augen der Eltern ihres vermeidlichen Opfers gefoltert wird. Vikas ist Wirtschaftsprüfer, schmeißt seinen Job, um den als Dokumentarfilmer zu intensivieren, nun auf der Suche nach einem Anschlag, er will filmen, was bei einem Anschlag passiert, die Reaktion der Menschen festhalten. Deepa versteckt ihre Trauer hinter der Geburt der Tochter, die nach dem Anschlag gezeugt wird, umsorgt sie, lässt sie nie alleine, die Angst vor einer Bombe ist zu groß. Das Paar gründet eine Selbsthilfegruppe für Angehörige, die durch Bombenanschläge Familienmitglieder verloren haben: «Die Gesellschaft kleiner Bomben».

    »Deepa stellt sich vor, die Terroristen mit kochendem Öl zu verbrühen. Vikas schlug mit stumpfen Metallstangen auf ihre Köpfe ein. Afsheen dachte seltsamerweise darüber nach, ihnen etwas in die Augen zu injizieren. Sharif, eigentlich der übellaunigste von ihnen allen, war noch am zurückhaltendsten in seiner Fantasie. Ihnen rasch die Kehle durchzuschneiden würde reichen, dachte er.«

    Mansoor, der gern Programmierer werden möchte, studiert später in den USA Informatik. Dort erlebt er 9/11 und wird aufgrund seiner Religion erneut diskriminiert. Nach einer Zeit bekommt er unsägliche Schmerzen in den Armen und Händen, Nachwirkungen der Verletzungen, ein Phantomschmerz als Nachwirkung seines Traumas oder Überlastung? Er kehrt zurück nach Indien.

    »Sie können einfach nicht in Frieden leben, diese Muslime. Egal, wo sie auftauchen, befinden sie sich im Krieg.«

    Diese kleine Bombe setzt in kleinen Dosen ihr Gift weiter hinaus in die Welt, zerstört letztendlich die beiden Familien. Mansoors Eltern haben ein Geschäft in Delhi, können nicht wegziehen, leiden unter Demütigungen, denen muslimische Familien ausgesetzt sind. Durch die Betrügerei eines Hindus sind sie bankrott, Mansoor kann nicht in die USA zurück, das Studium weiterführen. Auch die Freundschaft zwischen den beiden liberalen Familien bröckelt unter der Religionslast und dem Bomben-Trauma. Der einen Familie war das Kind geblieben, der anderen waren zwei Kinder genommen.

    Mansoor engagiert sich nun bei einer NGO-Gruppe, die für bessere Haftbedingungen für mutmaßliche Terroristen eintritt. Die NGO geht davon aus, dass man meist die Falschen verhaftet hat. Es geht um genau diese Terroristen, die an dem Anschlag beteiligt waren, bei dem Mansoor verletzt wurde. Hier lernt er ein gleichaltriges Paar kennen, Ayub und Tara. Ayub ist aus Kaschmir. Als Tara ihn nach Jahren verlässt, fällt er in tiefe Depression.

    »Die Kaschmiri waren immer schon dreckig. Ein ganzer Winter geht vorüber, und sie baden nicht. Deshalb stinkt es so sehr in Srinagar.«

    Die Bombe damals hatte Shockie gelegt, der für die „Jammu und Kashmir Islamic Force“ kämpft, er ist der begnadetste Bombenbauer im Kaschmir. Viele kleine Bomben, die auf Märkten explodieren, die verglichen mit großen terroristischen Anschlägen nur wenig Unheil anrichten. Unheil genug für die Betroffenen. Shockie möchte auf die ungerechte Behandlung der muslimischen Bevölkerung aufmerksam machen. In seiner Trauer um Tara wendet sich Ayub an Shockie. Mansoor versinkt derweil in Gebete in der Moschee, engagiert sich bei der NGO.

    »Und weißt du, was passiert, wenn eine Bombe hochgeht? Dann zeigt sich die Wahrheit über die Menschen. Männer lassen ihre Kinder im Stich und laufen weg. Ladenbesitzer stoßen ihre Frauen zur Seite und versuchen, ihr Geld zu retten. Leute kommen und plündern die Läden. Eine Explosion enthüllt die Wahrheit über Orte. Vergiss nicht, dass das, was du tust, nobel ist.«

    Die Bombe, sei sie noch so klein, tötet nicht nur ihre Opfer, sie hinterlässt auch etwas bei Hinterbliebenen, bei allen, die sie hautnah miterlebten. Karan Mahajan geht hinein in seine Protagonisten, lässt den Leser erleben, was in ihnen vorgeht. Weshalb legt jemand Bomben, wie kommt er dazu, und was löst eine Bombe gesellschaftlich aus, auch bei denen, die gar nichts damit zu tun haben. Eine Sicht aus vielen Perspektiven, Täter und Opfer, Böse gegen Gute, wo verschieben sich diese Grenzen, wechselt einer die Seiten?

    »Nie hatte er jemanden mit solcher Leidenschaft gehasst wie Modi. … Es gab so viele Mörder in der Geschichte Indiens, aber keiner war so reuelos und ohne Scham wie dieses kapitalistische Politikerschwein.«

    Autor Karan Mahajan wurde 1984 in den USA geboren, wuchs in Neu-Delhi auf und lebt in Austin, Texas. Sein erster Roman, »Family Planning« war für den »Dylan Thomas Prize« nominiert. Mit »In Gesellschaft kleiner Bomben« war auf der Shortlist für den »National Book Award 2016« und bekam den »Bard Fiction Prize », den »Young Lions Fiction Award 2017«, den »Rosenthal Family Foundation Award« der American Academy for Arts and Letters 2017, den »Muse India Young Writer Award 2016«, sowie den »Anisfield-Wolf Book Award for Fiction 2017«. Karan Mahajan steht auf »Grantas Liste der Best Young American Novelists 2017«.

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    DieBuchkolumnistins avatar
    DieBuchkolumnistinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Packend, informativ, emotional - Mahajan gibt sehr lesenswert Einblick in die Hintergründe und Folgen von Terror und Gewalt!
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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 8 Monaten
    Stefan83s avatar
    Stefan83vor einem Jahr
    Jas_Min1s avatar
    Jas_Min1vor einem Jahr

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