Karel Čapek

 4.6 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von Der Krieg mit den Molchen, Das Jahr des Gärtners und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Seltsames England

Erscheint am 28.02.2019 als Taschenbuch bei Lenos.

Das Jahr des Gärtners - Sonderausgabe (MP3-CD)

Erscheint am 05.03.2019 als Hörbuch bei Audiobuch.

Alle Bücher von Karel Čapek

Der Krieg mit den Molchen

Der Krieg mit den Molchen

 (33)
Erschienen am 10.12.2008
Das Jahr des Gärtners

Das Jahr des Gärtners

 (3)
Erschienen am 03.04.2014
Seltsames England

Seltsames England

 (0)
Erschienen am 28.02.2019
Das Jahr des Gärtners

Das Jahr des Gärtners

 (1)
Erschienen am 03.03.2014

Neue Rezensionen zu Karel Čapek

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Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Čapek

Hervorragende Dystopie
cynthorvor 2 Jahren

Inhalt

Čapek, ein überaus produktiver tschechischer Schriftsteller (1890 – 1938),  schreibt über die Konsequenzen des Aufeinanderprallens zweier sehr unterschiedlicher Kulturen, die gegenseitigen Abhängigkeiten und Verstrickungen und letztendlich den Kampf um den Platz an der Spitze der Pyramide der Macht. In Südostasien entdeckt der Kapitän eines Handelsschiffes auf einer abgelegenen Insel eine unbekannte Tierart: große, intelligente Molche, die abgesehen von gelegentlichen Kämpfen gegen ihr Erzfeinde, die Haie, vollkommen friedlich und anspruchslos in den Buchten des unbekannten Eilands leben. Der etwas naive, aber bauernschlaue Kapitän van Toch erkennt die Intelligenz der Tiere und beginnt einen Tauschhandel. Die Molche suchen den Meeresgrund nach Perlmuscheln ab, während er ihnen Waffen liefert, mit denen sich die Tiere selbst verteidigen können.
Um den Handel auszuweiten, braucht van Toch große finanzielle Mittel, die er von einem Großindustriellen erhält, ein wirtschaftliches Bündnis, das Schritt für Schritt in die Katastrophe führt. Nachdem das Geheimnis der geheim gehaltenen Molche an die Öffentlichkeit gedrungen ist, entwickelt sich schnell ein florierender Handel mit den Tieren, die als billige Arbeitskräfte für Hafenanlagen und, weiterhin konsequent, später auch als Marinesoldaten eingesetzt werden.
Eher früher als später rächt sich die Ausbeutung der intelligenten Tiere, die zunehmend eigene Interessen durchzusetzen versuchen und schließlich den Krieg gegen die Menschen beginnen.

Meinung

Gleich vorneweg: die literarische Mischung aus Satire, Dystopie, Parodie, SchwarzerHumor, bitterer Menschenkenntnis und Science-Fiction führt zu einem Roman, den ich allen Freunden obiger Rubriken uneingeschränkt empfehlen kann.

Čapeks Schreibstil ist unterhaltsam, sein Humor feinsinnig und überaus schwarz. Wenn man die Existenz der intelligenten Amphibien akzeptiert, ist der Lauf der Geschichte, beginnend bei dem erstmaligen Kontakt mit den Molchen bis zum Weltkrieg gegen sie, detailliert und derart vollkommen logisch geschildert, dass der Leser selbst von der Entwicklung gewissermaßen überrollt wird. Man muss sich der Frage stellen, ab welchem Punkt der Geschichte das drohende Verhängnis eigentlich klar zu erkennen war, und was man hätte tun können, um es zu verhindern.
Eine geniale Idee ist auch die Umsetzung des Romans, der anfangs klassisch das Leben van Tochs schildert, im zweiten Teil aber zur Arbeit fiktionaler Historiker wird, die anhand Tausender Zeitungsberichten versuchen herauszufinden, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Mit ausufernden Fußnoten im Stile eines Pratchetts, in denen viele der Zeitungsartikel z.T. wörtlich abgedruckt sind, gelingt es Čapek, die (eigentlich absurde?) Ausgangssituation erschreckend real erscheinen zu lassen.

Ein weiterer Pluspunkt sind die bissigen und sarkastischen Zwischenbemerkungen, von denen sich nicht wenige auf den Faschismus und den drohenden zweiten Weltkrieg beziehen (das Buch erschien 1936). Nachdem sich beispielsweise jede Küstennation mit eigenen Molchtruppen versorgt hat, gilt in Deutschland nach Erfolgen im marinen Baugewerbe folgende Parole:

Solche Erfolche
erreichen nur deutsche Molche!

England andererseits, verbietet den Handel mit Molchen im Empire, und wenn ein paar Seiten später trotzdem englische und französische Molche im Ärmelkanal gegeneinander kämpfen, wundert sich der Leser nicht wirklich über Realsatire moderner Politik, die vordergründig Versprechungen macht ohne überhaupt den Versuch zu machen, sie zu halten.

Čapeks Pessimismus zieht sich ungetrübt und ungestört durchs ganze Buch hindurch. Selbst, als Molche gegen Menschen kämpfen, werden sie noch von manchen Staaten mit Waffen versorgt, weil sonst das globale Wirtschaftsgefüge  auseinander bricht, und man fühlt sich unwillkürlich an gewisse Konflikte in Afrika und dem Nahen Osten erinnert.

Zuletzt sei angemerkt,  dass Čapek nach einem brillant düsteren Roman ein nur schwaches Ende gelungen ist. Beinahe hat man den Eindruck, als wollte er das Buch endlich abschließen, und er hakt auf wenigen Seiten ab, was er durchaus hätte ausführlicher schildern können. Auch der erneute Stilwechsel, hin zu einem Selbstgespräch zwischen menschlichem und beobachtendem Selbstaspekt des Autors passt nicht zu der vorhergehend aufgebauten historischen Fiktionalität, die in wenigen Sätzen gnadenlos zerstört wird.

Trotz des Endes ein herrlich tiefgründiges Werk vollgepackt mit Zynismus, schwarzem Humor und einem schwermütigen Fatalismus, das zu Lesen wirklich Vergnügen bereitet.

Sonnige Tage und erholsame Nächte!

PS: Wem der Stil meiner Rezension bzw. die Auswahl der vorgestellten Bücher gefällt, findet auf meinem Blog (https://cynthor.wordpress.com) weitere „Bücherschätze“ und auch Infos zu meinem eigenen Roman Ethopia – Erwachen.

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claudiaausgrones avatar

Rezension zu "Das Jahr des Gärtners" von Karel Čapek

Hörbuch mit Genuss: Das Jahr des Gärtners von Karel Čapek
claudiaausgronevor 5 Jahren

Nur kurz und hoffentlich bündig: dieser kleine Führer durchs Gartenjahr ist herrlich nuanciert gelesen. (Selbst)ironisch werden in Monatsepisoden die Gedanken und Versuche, die Irrungen und Wirrungen des Gärtners berichtet, mit Humor und einigen kleinen versteckten politischen Anspielungen (das Buch entstand 1929). Teilweise musste ich laut auflachen.
Ein Muss für Gartenfans, eine Freude für Freunde des Feuilleton.

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Akiragirls avatar

Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Čapek

Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek
Akiragirlvor 6 Jahren

Die Geschichte beginnt grotesk: Ein Kapitän entdeckt bei einer unerforschten Insel eine Molchart, die bis dahin abgeschieden von den Menschen lebte. Diese Molche sind nicht nur sehr klug und handwerklich begabt, sondern auch noch strebsam und zeigen keinerlei Hang zur Aggressivität. Schnell entdeckt man, wie wunderbar sie sich als billige Arbeitskräfte einsetzen lassen. Eine erschreckend realistische Wirtschaftsdystopie, welche die Probleme unseres Systems augenzwinkernd entlarvt.

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