Karel Čapek Der Krieg mit den Molchen

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Inhaltsangabe zu „Der Krieg mit den Molchen“ von Karel Čapek

Die brillanteste Satire gegen Fortschritt und Profit

Kapitän van Toch entdeckt auf den indonesischen Inseln eine seltsame Molchart, die sich zu allerlei Arbeiten abrichten lässt. Manager wittern ein Riesengeschäft, ein gigantisches »Salamandersyndikat« entsteht. Das Molchzeitalter scheint angebrochen. Doch bald sind die Tiere so clever, dass sie den Spieß umdrehen und ihre einstigen Herren bedrohen.

»Lange hat mich keine Erzählung mehr so gefesselt und gepackt. Ihr satirischer Blick für die abgründige Narrheit Europas hat etwas absonderlich Großartiges.« Thomas Mann

Bittere Menschenkenntnis und großartige Satire führen zu einer hervorragenden Dystopie

— cynthor

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  • Hervorragende Dystopie

    Der Krieg mit den Molchen

    cynthor

    09. May 2017 um 17:23

    Inhalt Čapek, ein überaus produktiver tschechischer Schriftsteller (1890 – 1938),  schreibt über die Konsequenzen des Aufeinanderprallens zweier sehr unterschiedlicher Kulturen, die gegenseitigen Abhängigkeiten und Verstrickungen und letztendlich den Kampf um den Platz an der Spitze der Pyramide der Macht. In Südostasien entdeckt der Kapitän eines Handelsschiffes auf einer abgelegenen Insel eine unbekannte Tierart: große, intelligente Molche, die abgesehen von gelegentlichen Kämpfen gegen ihr Erzfeinde, die Haie, vollkommen friedlich und anspruchslos in den Buchten des unbekannten Eilands leben. Der etwas naive, aber bauernschlaue Kapitän van Toch erkennt die Intelligenz der Tiere und beginnt einen Tauschhandel. Die Molche suchen den Meeresgrund nach Perlmuscheln ab, während er ihnen Waffen liefert, mit denen sich die Tiere selbst verteidigen können. Um den Handel auszuweiten, braucht van Toch große finanzielle Mittel, die er von einem Großindustriellen erhält, ein wirtschaftliches Bündnis, das Schritt für Schritt in die Katastrophe führt. Nachdem das Geheimnis der geheim gehaltenen Molche an die Öffentlichkeit gedrungen ist, entwickelt sich schnell ein florierender Handel mit den Tieren, die als billige Arbeitskräfte für Hafenanlagen und, weiterhin konsequent, später auch als Marinesoldaten eingesetzt werden. Eher früher als später rächt sich die Ausbeutung der intelligenten Tiere, die zunehmend eigene Interessen durchzusetzen versuchen und schließlich den Krieg gegen die Menschen beginnen. Meinung Gleich vorneweg: die literarische Mischung aus Satire, Dystopie, Parodie, SchwarzerHumor, bitterer Menschenkenntnis und Science-Fiction führt zu einem Roman, den ich allen Freunden obiger Rubriken uneingeschränkt empfehlen kann. Čapeks Schreibstil ist unterhaltsam, sein Humor feinsinnig und überaus schwarz. Wenn man die Existenz der intelligenten Amphibien akzeptiert, ist der Lauf der Geschichte, beginnend bei dem erstmaligen Kontakt mit den Molchen bis zum Weltkrieg gegen sie, detailliert und derart vollkommen logisch geschildert, dass der Leser selbst von der Entwicklung gewissermaßen überrollt wird. Man muss sich der Frage stellen, ab welchem Punkt der Geschichte das drohende Verhängnis eigentlich klar zu erkennen war, und was man hätte tun können, um es zu verhindern. Eine geniale Idee ist auch die Umsetzung des Romans, der anfangs klassisch das Leben van Tochs schildert, im zweiten Teil aber zur Arbeit fiktionaler Historiker wird, die anhand Tausender Zeitungsberichten versuchen herauszufinden, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Mit ausufernden Fußnoten im Stile eines Pratchetts, in denen viele der Zeitungsartikel z.T. wörtlich abgedruckt sind, gelingt es Čapek, die (eigentlich absurde?) Ausgangssituation erschreckend real erscheinen zu lassen. Ein weiterer Pluspunkt sind die bissigen und sarkastischen Zwischenbemerkungen, von denen sich nicht wenige auf den Faschismus und den drohenden zweiten Weltkrieg beziehen (das Buch erschien 1936). Nachdem sich beispielsweise jede Küstennation mit eigenen Molchtruppen versorgt hat, gilt in Deutschland nach Erfolgen im marinen Baugewerbe folgende Parole: Solche Erfolche erreichen nur deutsche Molche! England andererseits, verbietet den Handel mit Molchen im Empire, und wenn ein paar Seiten später trotzdem englische und französische Molche im Ärmelkanal gegeneinander kämpfen, wundert sich der Leser nicht wirklich über Realsatire moderner Politik, die vordergründig Versprechungen macht ohne überhaupt den Versuch zu machen, sie zu halten. Čapeks Pessimismus zieht sich ungetrübt und ungestört durchs ganze Buch hindurch. Selbst, als Molche gegen Menschen kämpfen, werden sie noch von manchen Staaten mit Waffen versorgt, weil sonst das globale Wirtschaftsgefüge  auseinander bricht, und man fühlt sich unwillkürlich an gewisse Konflikte in Afrika und dem Nahen Osten erinnert. Zuletzt sei angemerkt,  dass Čapek nach einem brillant düsteren Roman ein nur schwaches Ende gelungen ist. Beinahe hat man den Eindruck, als wollte er das Buch endlich abschließen, und er hakt auf wenigen Seiten ab, was er durchaus hätte ausführlicher schildern können. Auch der erneute Stilwechsel, hin zu einem Selbstgespräch zwischen menschlichem und beobachtendem Selbstaspekt des Autors passt nicht zu der vorhergehend aufgebauten historischen Fiktionalität, die in wenigen Sätzen gnadenlos zerstört wird. Trotz des Endes ein herrlich tiefgründiges Werk vollgepackt mit Zynismus, schwarzem Humor und einem schwermütigen Fatalismus, das zu Lesen wirklich Vergnügen bereitet. Sonnige Tage und erholsame Nächte! PS: Wem der Stil meiner Rezension bzw. die Auswahl der vorgestellten Bücher gefällt, findet auf meinem Blog (https://cynthor.wordpress.com) weitere „Bücherschätze“ und auch Infos zu meinem eigenen Roman Ethopia – Erwachen.

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  • Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek

    Der Krieg mit den Molchen

    Akiragirl

    29. August 2012 um 17:11

    Die Geschichte beginnt grotesk: Ein Kapitän entdeckt bei einer unerforschten Insel eine Molchart, die bis dahin abgeschieden von den Menschen lebte. Diese Molche sind nicht nur sehr klug und handwerklich begabt, sondern auch noch strebsam und zeigen keinerlei Hang zur Aggressivität. Schnell entdeckt man, wie wunderbar sie sich als billige Arbeitskräfte einsetzen lassen. Eine erschreckend realistische Wirtschaftsdystopie, welche die Probleme unseres Systems augenzwinkernd entlarvt.

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  • Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek

    Der Krieg mit den Molchen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. March 2010 um 12:20

    Kapitän van Toch befindet sich auf einer seiner unzähligen (See)Reisen, als er auf einer entlegenen Insel eine neue Molchart entdeckt, die man sehr leicht dazu abrichten kann Perlen zu suchen und diese dem Menschen zu übergeben. Van Toch ist natürlich begeistert und mit der Unterstützung eines reichen Landsmannes verbreitet er die Molchart weiter, um auch auf anderen Inseln Perlen suchen lassen zu können. Einige Jahre später, kurz nach van Tochs Tod, wird schließlich das Molchsyndikat gegründet, das in großem Stil Molche züchtet und verkauft, denn wie man festgestellt hat, lassen sich die Molche auch gut für andere Arbeiten im Wasser verwenden. Während zunächst ein Molch-Hype ausbricht, beginnen sich die ersten zu fragen: Worin soll das eigentlich enden? Denn die Molche vermehren sich rasant und bilden eine wesentlich größere Population als die Menschen... Das Buch wurde bereits 1936 von Karel Čapek geschrieben, also unter den Vorboten des Zweiten Weltkriegs. Thomas Mann fand damals (lt. Klappentext) großen Gefallen an diesem Roman - und tatsächlich ist es wirklich lesenswert (und leider oftmals realistisch) mit welcher Arroganz und Kurzsichtigkeit die Menschen zu Werke gehen, in dem Glauben, sie hätten alles unter Kontrolle. Im mittleren Teil des Buches wird der Aufstieg der Molche, Stufe um Stufe zur Zivilisation, mit Hilfe von Zeitungsartikeln beschrieben, was eine recht gelungene Abwechslung darstellt. Zum Ende hin hat mir das Buch jedoch nicht mehr ganz so gut gefallen, weil es schließlich mehr oder weniger offensichtlich ist wie es enden wird. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt, als weite Teile der Kontinente bereits versenkt sind, hat die Menschheit noch nichts dazu gelernt... Lest selbst!

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  • Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek

    Der Krieg mit den Molchen

    Jerron

    22. September 2009 um 01:35

    Ein schrulliger Kapitän entdeckt auf einem abgelegener Südseeinsel eine Gruppe im Meer lebender Molche, die auf zwei Beinen laufen und äußerst gelehrig sind. Mit der Hilfe eines Investors macht er sich daran, die Molche auf andere Inseln zu verfrachten, um sie dort als Perlentaucher einzusetzen. Dadurch verbreiten sich die Molche dermaßen, dass nach und nach auch andere Menschen auf sie aufmerksam werden. Als wissenschaftliche Sensation werden sie gefeiert, stellen sich als eifrige und wissbegierige Wesen dar, die schnell die menschlichen Eigenschaften, Sprache, Umgang mit Werkzeugen etc. imitieren. Nach dem Tod des Kapitäns werden die Molche im großen Stil als Unterwasserarbeiter eingesetzt. Getrieben von menschlicher Gier vermehren sie sich unaufhaltsam und prägen immer mehr die Welt, ohne dass sie von den Menschen jemals auch nur annähernd ernst genommen oder für eine intelligente Lebensform gehalten werden. Von der menschlichen Zivilisation übernehmen sie alles was praktikabel und sinnvoll ist, den ganzen überflüssigen kulturellen gefühlsduseligen Kram lassen sie weg und sind somit praktisch gesehen erfolgreicher als die Menschheit. Nach ein paar Jahrzehnten ist die Anzahl der Molche auf mehrere Milliarden angewachsen, und selbst als die Molche anfangen, die Festlandsküsten nach und nach abzutragen, weil sie "mehr Raum" brauchen, entscheiden sich die meisten menschlichen Regierungen dazu, ihnen weiterhin Nahrung, Werkzeuge und Waffen zu liefern, da sich mit ihnen kein vernünftiger Krieg führen lässt und man mehr Geld damit verdienen kann, den Molchen beim Weltuntergang zu helfen. Da sollen sie doch lieber China und Brasilien unter Wasser setzen. Vielleicht kommen sie ja dann nicht zu uns... 1936 geschrieben, steht diese Satire ganz im Zeichen aufkeimender internationaler Spannungen und dräuendem Weltkrieg, jedoch ist die ganze Handlung, die Dummheit, Arroganz und Verblendung der Menschen durchaus zeitlos und universell anzusehen. Anhand zahlreicher Episoden, Zeitungsausschnitte und wissenschaftlicher, philosophischer, wirtschaftlicher etc. Artikel zeichnet Capek voll beißendem Spott eine Ereigniskette nach, die den Aufstieg der Molche logisch und in sich schlüssig erscheinen lässt. Wie die Molche vom Menschen geprägt werden, auf welchen physiobilologischen Umständen die spätere Überlegenheit der Molche beruht, wie sich die Menschheit unweigerlich kopfüber ins eigene Verderben stürzt. Am Ende kann Capek es doch nicht so recht übers Herz bringen, die Menschheit auszulöschen, er weiß aber nicht, wie er sie noch retten könnte. Schließlich fällt ihm als einzige Möglichkeit ein, dass die kalten, emotionslosen, gleichartigen, durchschnittlichen Molche irgendwann das menschliche Konzept der Unterschiedlichkeit erlernen müssten, um schlißelich Krieg untereinander zu führen. Wenn sie auch noch diesen Fehler der Menschheit übernähmen, dann wären sie endlich besiegbar. Ein äußerst unterhaltsamer und kurzweilig geschriebener Klassiker, der mit spöttischen Seitenhieben auf die Makel der menschlichen Rasse selbiger einen Spiegel vorhält.

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  • Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek

    Der Krieg mit den Molchen

    Bernhard

    27. June 2008 um 09:14

    Merkwürdige Zukunftsvision, welche
    unübertroffen die Gefährlichkeit der Dummheit entlarvt.
    Sie ist der Nährboden, auf dem Arroganz und Selbstüberschätzung gedeihen, welche letztlich immer in den Untergang führen.

  • Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek

    Der Krieg mit den Molchen

    FlorianTietgen

    01. February 2008 um 14:03

    Ein Buch, das seiner Zeit voraus war oder bis heute nichts von seiner erschreckenden Aktualität eingebüßt hat. Eine böse Satire auf die Menschen, die sich alles zu Untertan machen. In diesem Falle werden Molche domestiziert bis sie zurückschlagen.
    Für mich ein grandioses Buch.

  • Rezension zu "Der Krieg mit den Molchen" von Karel Capek

    Der Krieg mit den Molchen

    Wolf

    05. August 2007 um 18:41

    Man glaubt es nicht, dass dieses Buch bereits 1936 geschrieben wurde. Viele Parallelen zur heutigen alltäglichen Politik - es hat sich überhaupt nichts geändert. Rassis-, Nationalis- und Faschismus, die Geschichte wiederholt sich. Karel Čapek gelingt es mit seinem feinen tschechischen Humor in unnachahmlicher Weise ein Szenario aufzubauen, das so einfach und doch so genial in seiner Abfolge ist - bis der Autor letztlich vor dem Dilemma steht, ob er den Leser tatsächlich so aus der Geschichte entlassen soll. Brillant geschrieben und wunderbar aus Geschichtsdaten eine Geschichte gemacht. Warum sich bisher noch kein Regisseur an diesen Stoff gemacht hat, liegt wohl daran, dass man nicht so einfach mehrere Milliarden Molche aus dem Boden bzw. aus dem Laich stampfen kann. Čapek hat nicht nur das Dritten Reiches vorausgeahnt. "(...Nein. Der Chief Salamander ist ein Mensch. Er heißt eigentlich Andreas Schultze und war im Weltkrieg irgendwo Feldwebel.) - Anspielung auf Adolf Hitler (Alois Schickelgruber), der im ersten Weltkrieg als Gefreiter diente. Auch die Welt der Massenvernichtungswaffen hat er genau so visionär gesehen wie eine Welt der Massenproduktion. Aldous Huxley hat sich in seiner "Schönen neuen Welt" ebenso wie George Orwell in "1984" wohl bei Čapek bedient. Weitere Literatur von Čapek empfiehlt sich.

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