Karel Beckman

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Wenn die Demokratie zusammenbricht

Wenn die Demokratie zusammenbricht

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Erschienen am 10.08.2012

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Rezension zu "Wenn die Demokratie zusammenbricht" von Karel Beckman

Mehr Demokratie bedeutet weniger Freiheit
R_Mantheyvor 3 Jahren

Vielleicht klingt das schockierend, denn es verstößt gegen ein Tabu. Die demokratische Grundordnung hat sich zu einer Art Heiligtum entwickelt, das nicht mehr infrage gestellt werden darf. Wer die Demokratie abschaffen möchte, der wird schnell verdächtigt, sie durch eine Diktatur, eine Monarchie oder gar durch Anarchie ersetzen zu wollen. Das demokratische Prinzip scheint tatsächlich alternativlos zu sein.

Die beiden niederländischen Autoren dieses Büchleins räumen mit dieser Vorstellung gründlich auf. Zunächst einmal erinnern sie mehrfach daran, dass die Gründungsväter der USA, also Leute wie Franklin, Jefferson oder Adams, das demokratische Prinzip grundsätzlich ablehnten. Sie hatten dafür gute Gründe. Leider sind all ihre Voraussagen über die Folgen einer demokratischen Staatsordnung eingetroffen.

Wenn wir ehrlich sind, dann lehnen wir im persönlichen Bereich demokratische Entscheidungen ab. Wir nehmen uns die Freiheit, unsere Dinge so zu regeln, wie wir das für richtig halten. Doch der demokratische Staat greift in solche persönlichen Entscheidungsfindungen immer häufiger und immer tiefer ein. Er versucht, selbst einfache Dinge bürokratisch zu regeln. Entstanden ist ein Wohlstand verschlingendes und Konflikte erzeugendes, parasitäres, scheindemokratisches und extrem ineffizientes Monster, das wohl bei kaum jemandem noch Sympathie erzeugt.

Die beiden Autoren beschäftigen sich nach einer Einleitung, in der sie das demokratische Prinzip als Weg in den Kollektivismus entlarven, mit zahlreichen Mythen, die man gewöhnlich mit Demokratien verbindet, und zeigen, wie die Tatsachen dahinter aussehen.

Solche Mythen sind: (1) Jede Stimme zählt, (2) In einer Demokratie herrscht das Volk, (3) Die Mehrheit hat recht, (4) Demokratie ist politisch neutral, (5) Demokratie führt zu Wohlstand, (6) Demokratie ist notwendig, um eine faire Verteilung des Wohlstandes zu gewährleisten und den Armen zu helfen, (7) Demokratie ist notwendig für ein harmonisches Zusammenleben, (8) Demokratie ist unverzichtbar für ein Gemeinschaftsgefühl, (9) Demokratie ist das Gleiche wie Freiheit und Toleranz, (10) Demokratie fördert den Frieden und hilft, Korruption zu bekämpfen, (11) In einer Demokratie bekommen die Leute, was sie wollen, (12) Wir sind alle Demokraten, (13) Es gibt keine (bessere) Alternative.

In einem zweiten Teil erklären die Autoren dann, welche Sünden sich mit Demokratien verbinden und warum sie immer schlimmer werden und letztlich zum Zentralismus führen. Man muss nicht viel suchen, um dafür Beispiele zu finden. Die meisten Gesetze, die in Deutschland noch formal beschlossen werden, stammen von der EU-Kommission, deren Legitimation selbst in einer Demokratie mehr als zweifelhaft scheint.

Am Ende des Buches unterbreiten die Autoren dann im dritten Teil Vorschläge für eine alternative gesellschaftliche Organisation. Das ist leider der schwächste Teil dieses Textes. Ihre Ideale einer freien Gesellschaft ähneln dem Internet. Es gelten einige wenige einfache Regeln, an die sich alle zu halten haben. Man kann sich organisieren wie man will, solange man diese Regeln nicht verletzt, alles auf Freiwilligkeit beruht und anderen kein Schaden zugefügt wird.

"Eine anständige Gesellschaft sollte auf Verträgen gegründet sein, in denen Rechte respektiert werden und alle Parteien wissen, woran sie sind. Wo die Regeln nicht während des Spiels durch den Spielmacher geändert werden können."

Die Autoren bevorzugen eine dezentralisierte Organisation der Gesellschaft, die sich auf Freiheitsrechten ihrer Mitglieder gründet. Als Beispiel wird das Kanton-System der Schweiz angeführt.

Obwohl einige Fragen unbeantwortet gelassen werden, erweist sich dieser Text in meinen Augen als eine hervorragende Grundlage, um das gegenwärtige demokratische System infrage zustellen und Alternativen zu diskutieren. Das ist bitter nötig, wie die Autoren betonen, denn die Krise in den westlichen Staaten, die durch eine systembedingte Überschuldung verursacht wurde, kann schlecht mit den Mitteln gelöst werden, die sie erst herbeigeführt haben.

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