"Die Vögel jubeln - lichtgeweckt -,
die blauen Weiten füllt der Schall aus;
im Kaiserpark das alte Ballhaus
ist ganz mit Blüten überdeckt.
Die Sonne schreibt sich hoffungsvoll
ins junge Gras mit großen Lettern.
Nur dorten unter welken Blättern,
seufzt traurig noch ein Steinapoll."
Larenopfer, der erste Gedichtband Rainer Maria Rilkes, erschien 1896, als Rilke 21 war. Später, als er die fast tiefste, fast reifste Art gereimter Dichtung erreicht hatte, die es in der deutschen Literatur je gegeben hat, wollte er die meisten seiner Frühwerke, so auch dies erste, nicht mehr gelten lassen.
Zum Teil kann man das verstehen. Immerhin liegt, gerade in Sachen Tiefe und Symbolik eine geradezu unüberwindbare Kluft zwischen diesen frühen Natur-, Stadt- und Landbildern und denn feingliedrigen, die Dinge genau abbildenden Gedichten aus den Neuen Gedichten oder den tiefsinnigen Meditationen und Betrachtungen und Bildern aus dem Das Buch der Bilder .
Jedoch, bei all den zahlreichen etwas unförmigen Gedichten (z.B. einem ziemlich seichten Gedichtzyklus über den dreißigjährigen Krieg) ist auch in diesem frühsten Werk eine kleine Anzahl an wunderschönen Gedichten enthalten. Sie bestechen meist durch ihre glückselige, warme Stimmung, doch da es oft um Kindheitserlebnisse und -erinnerungen geht, ist dies kein Manko. Jedoch alle guten Gedichte schlagen schon den Pfad ein, dem Rilke sein ganzes Leben lang folgen wird: In der Balance zwischen melancholischer Sehnsucht und feinsinniger Hoffnung. Seine Gedichte suchen nicht, sie malen die geistigen Abbilder dessen, was sie empfinden auf und das stets elegant.
"Träume scheinen mir wie Orchideen. -
So wie jene sind sie bunt und reich.
Aus dem Riesenstamm der Lebenssäfte
ziehn sie just wie jene ihre Kräfte,
brüsten sich mit dem ersaugten Blute,
freuen in der flüchtigen Minute,
in der nächsten sind sie tot und bleich. -
Und wenn Welten oben leise gehen,
fühlst du's dann nicht wie von den Düften wehen?
Träume scheinen mir wie Orchideen. -"
Wer sehr romantische und doch elegante Gedichte mag, wird hier immer noch ein wenig fündig werden. Ansonsten ist dieser Gedichtband, trotz allem, nicht der beste von Rilke, ganz klar. Allerdings zu empfehlen ist der Band Mir zur Feier , auch ein früher, aber auch später noch von Rilke anerkannter Band (man lese auch meine Rezension dort), voller schöner Poesien.
"Der Tag ging aus mit mildem Tone,
so wie ein Hammerschlag verklang.
Wie eine gelbe Goldmelone,
lag groß der Mond im Kraut am Hang."
Die frühsten Verse Rilkes










