Karen Duve Dies ist kein Liebeslied

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Inhaltsangabe zu „Dies ist kein Liebeslied“ von Karen Duve

Die dreißigjährige, übergewichtige Anne Strelau hat einen Entschluss gefasst: Sie wird nicht länger von Peter Hemstedt träumen, in den sie seit zwölf Jahren unglücklich verliebt ist, sondern alles auf eine Karte setzen und ihre unerwiderte Jugendliebe ein letztes Mal treffen. Vielleicht kann sie dann endlich aufhören zu glauben, dass sie eine Andere werden muss ...

Eine Reminiszenz an das Leben in den 80er-Jahren. Damals war es auch nicht besser, gefangen auf dem Dorf und im zu dicken Körper ...

— Buchstabenliebhaberin

Der beste von Duve wie ich finde

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Ein deprimierendes Buch. Aber Frau Duve finde ich einzigartig fantastisch!

— Tine_Kempf

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    Dies ist kein Liebeslied

    Buchstabenliebhaberin

    17. July 2017 um 18:05

    Eine tragische weibliche Erwachsenenwerdung eines Mädchens. Anne, zu groß, zu dick, zu schlagfertig. Geschlagen auch mit sportlichen, unsolidarischen Geschwistern, einer tablettensüchtigen unglücklichen Mutter und einem phlegmatischen, unleidlichen Vater. Als Kind geht es ihr am besten, sie hat einen besten Freund und ihr Froschhospital - besser wird es nimmer. Leider bekommt der kleine Freund komische Anfälle und torpediert sich damit selber raus. Und so geht es irgendwie weiter in ihrem Leben.Anne ist die zweitschwerste in ihrer Klasse. Das belastet sie schwer und begleitet sie fortan ihr Leben lang. Hungern, fressen, langweilen, doofe Liebschaften haben, unglücklich verliebt sein, nie dass zu bekommen was sie sich wünscht. Was ein Leben.Karen Duve beschreibt das Leben auf dem Land in den 80er-Jahren unglaublich treffend, die Lieb- und Sprachlosigkeit ganz normaler Familien, enttäuschte Hoffnungen und Leben, überdurchschnittliche Kinderwünsche (Hund, Pferd, Gitarre) die nicht in Erfüllung gehen.Annes Lebensinhalt: Schlanker sein. Dann folgt das Glück ... Klappt alles nicht so richtig. Als fixe Idee spinnt ihr Hemstedt durch den Kopf, ihre idealisierte Jugendliebe, ein Durchschnittstyp, der sich nicht für sie interessiert und damit umso interessanter wirkt.Und weil alles nichts hilft, versucht sie es auch mit Therapie. Herrlich, wie Duve die Charaktere beschreibt, die Selbstherrlichkeit des Therapeuten und die verqueren Wahrnehmungen der erleuchteten Therapieprofis ... Und auch dort ist keine echte Liebe zu finden.So wird Anne immer dicker und unglücklicher. Und lebt halt irgendwie.Das Ende ist leider total unspektakulär und auch unnötig, aber vielleicht musste das auch so sein, weil es eigentlich konsequent zu dieser Art Leben passt. Vermeintlich aber letztendlich kein bisschen befreiend.Ich konnte viel lachen und schmunzeln, auch wenn der Grundtenor eher ein trauriger ist. Es ist so unglaublich aus dem Leben gegriffen, das wird es wohl sein. Ein sehr nettes Buch für zwischendurch.

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    • 2
  • Ein Buch, das berührt

    Dies ist kein Liebeslied

    WildRose

    22. June 2014 um 10:31

    Karen Duves "Dies ist kein Liebeslied" bewertete ich, nachdem ich es zum ersten Mal gelesen hatte, mit nur drei Sternen. Ein Jahr später erstaunt mich dies sehr, denn nach nochmaliger Lektüre halte ich diesen Roman für wirklich berührend, aufrichtig und weise. Karen Duve schilderte das Leben der Außenseiterin Anne, welche schon in ihrer Kindheit Probleme mit ihrem Aussehen hatte und unter einem geringen Selbstbewusstsein litt. Je älter Anne wird, desto verfahrener und auswegsloser erscheint auch ihre Lebenssituation, denn nie schafft sie es wirklich, ihren eigenen Weg zu gehen und sich von gesellschaftlichen Zwängen und Konventionen zu befreien. Die unerwiderte Liebe, die Anne auch nach Jahren noch für Peter, einen ehemaligen Klassenkameraden empfindet, wird zum wichtigen Symbol in diesem Buch und bietet eine gelungene Rahmenhandlung. Selten geht Fiktion so unter die Haut wie "Dies ist kein Liebeslied". Wer sich in diesem Buch ein bisschen wiedererkennt - so wie ich -, kann gar nicht anders, als mit Anne mitzuleiden und mitzuhoffen.

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  • Gut...

    Dies ist kein Liebeslied

    WildRose

    20. May 2013 um 21:28

    "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve hat mir insgesamt ganz gut gefallen. Erzählt wird aus der Sicht von Anne Strelau, die ein sehr unglückliches Leben lebt und seit Jahren Gefühle für einen Mann hat, der sich aber längst ein eigenes Leben aufgebaut hat. Zudem ist Anne schwer essgestört und leidet auch unter anderen psychischen Problemen. Die Thematik des Buches empfand ich beim Lesen als sehr interessant, auch wenn der Schreibstil nicht unbedingt meinen Beifall gefunden hat. Schade fand ich das sehr abrupte und offene Ende des Romans. Sehr vieles bleibt einfach ungeklärt und ich fand es schade, dass Anne bis zuletzt eigentlich keinen richtigen Weg fand. 200 Seiten mehr und das Buch wäre meiner Meinung nach noch eindringlicher und berührender geworden. So aber empfand ich vor allem das Ende als recht unbefriedigend. Nichtsdestotrotz ein Buch, das zum Nachdenken anregt und mich gelegentlich sogar an eigene Denk- und Verhaltensmuster erinnert hat.

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  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    Christa_Schyboll

    21. August 2012 um 20:02

    Karin Duve ist für mich so etwas wie Urlaub. Gerade dann, wenn ich mir einmal wieder viele schwierige Lektüre verordnet habe, greife ich gern einmal zu ihren Büchern. Dieses hier hat mich besonders erheitert. Das Erfrischende daran war die krasse Wahrheit in jener schnöden Alltäglicheit, die einmal wieder die Phantasie toppte. Ich habe viel gelacht, vor allem wohl auch, weil ich es gern drastisch mag.

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  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    1000Seiten

    16. April 2012 um 12:11

    Da hat sich die "Brigitte" ja mal kolossal geirrt. _Lustig_ fand ich "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve jedenfalls nicht. Die Geschichte der dicklichen Anne, die sich mit ihrem Körper, ihrer Familie, ihren Freunden auseinandersetzt und dabei ständig nur ihre (vermeintlichen) Unzulänglichkeiten vor Augen geführt bekommt, liess mich zumindest nur selten schmunzeln. Eher war ich traurig und schockiert, wie Anne leidet und was sie im Laufe der Zeit alles unternimmt, um dieses Leiden zu mindern und damit umzugehen. Diäten, wahllose Liebschaften, Drogen: Das Panorama eines unglücklichen und unzufriedenen Menschen. Die Sprache Duves ist dabei hart und lässt nichts im Dunkeln. Jeder Gedanke dieses traurigen Mädchens wird gnadenlos formuliert, jedes Handeln bis ins Detail ausgeleuchtet. Auch als Anne älter wird, bleibt ihr Leben trostlos, es ändert sich nicht wirklich etwas. Das Mädchen wird erwachsen, aber nur äusserlich. Teilweise wirklich schrecklich zu lesen, hinterliess es bei mir einen deprimierenden Eindruck. Dennoch enthält das Buch viel Wahres und ist lohnenswerte Lektüre.

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  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    JED

    10. August 2011 um 11:01

    Kurzinhalt: Anne, übergewichtig und seit über 20 Jahren unglücklich in den selben Mann verliebt, fliegt nach London, um eben diesen wiederzusehen. Im Flugzeug erinnert sie sich zurück an ihre Kindheit und Jugend in den 70er/80er Jahren. Erinnert sich an Persönliches genauso wie damals aktuell Politisches (interessant und ein Aha-Erlebnis für jene, die in eben dieser Zeit ausgewachsen sind). Und denkt vor allem immer an einen: Peter Hemstedt, in den sie sich als Schülerin verliebte und der sie nie wirklich zurückgeliebt hat, während sie mit ihrem Gewicht kämpfte, welches mittlerweile 120 kg beträgt. Meine Meinung: Das titelgebende "Dies ist kein Liebeslied" spielte Peter Anne vor vielen Jahren auf eine Musikcassette (damals, als Jungs Mädchen noch Cassetten aufnahmen). Es sollte nicht die einzige Cassette sein, die Anne sich von Peter holte. Immer, wenn er mit einem Mädchen Schluss machte, fragt sie ihn nach einer weiteren. Worauf hofft sie? Warum quält sie sich so? Es ist eine unglückliche, verzweifelte Liebe, die hier beschrieben wird und die auch kein Ende findet. So sehr ich es auch nachvollziehen kann, dass jemand so sehr an einem anderen hängt (und ihm offenbar zumindest über die Musik, die er eigenhändig aufgenommen hat, nah sein will), erschien mir der Umstand, dass solch eine Liebe das Teenager-Alter überdauert und jemand noch im Erwachsenenalter seinem damaligen Schwarm verfolgt, doch sehr unwahrscheinlich. Doch es ist, als wäre dies, neben Annes Übergewicht, die einzige Konstante in ihrem Leben. Sie sagt es selbst von sich: Während alle anderen studieren, ihren Weg gehen, bekommt sie nichts auf die Reihe und fährt stattdessen (autobiografische Anleihen von Karen Duve sind offenbar) Taxi: Roman. Es wird nicht ganz klar, ob ihr Übergewicht Ursache für ihr verkorkstes Leben wird oder eher eine Auswirkung dessen ist. Ihr Selbstwertgefühl liegt jedenfalls bei Null, unbedachte Sprüche ihrer Mitschüler forcieren dies nur zusätzlich. Schon früh beginnt sie mit Diäten, Appetitzüglern - und verliert dennoch den Kampf gegen sich selbst. Fazit: Was beim Leser bleibt ist vor allem der Eindruch von Resignation, von Aufgeben, der sich selbst-erfüllenden Prophezeiung. Und das macht traurig. Und man möchte selbst eigentlich sofort raus zum Sport gehen und den Rest seines Lebens Salat essen, nur um das Gefühl zu haben, sich selbst besser im Griff zu haben. Nur die Liebe, die kann niemand beeinflussen. Nein, dies ist kein Liebeslied, sondern ein zutiefst trauriger Roman mit einer Protagonistin, von der man nicht weiß, ob man sie lieber schütteln oder umarmen möchte. Dieses Auf-der-Stelle-treten, diese fehlende Entwicklung war mir unheimlich und unauthentisch zugleich. Insofern bin ich sehr zwiegespalten, was die Bewertung angeht.

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  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    wikingr

    26. June 2011 um 21:16

    Im Gegensatz zu ihrem ersten Roman Der Regenmacher, den ich interessant, aber nicht sonderlich beeindruckend fand, hat mich dieses Buch von Duve sehr gefesselt. Es erzählt von der Kindheit und Jugend einer jetzt 30jährigen Frau deren emotionale Entwicklung wesentlich von ihrer Tendenz zum Dicksein bestimmt ist. Als dickes Kind war es meistens Außenseiter. Bemühungen, in den Mittelpunkt zu rücken, scheiterten früh, so dass sie sich bald freiwillig an die Seite stellte.Roter Faden der Geschichte ist die seit 12 Jahren unerfüllte Liebe zu Peter Hemstadt, den sie jetzt in London besuchen will. Während der Reise dorthin rekapituliert sie das Auf und Ab ihrer Entwicklung.Sie schläft mit Peter oder er mit ihr, aber sie spürt, dass er sie nicht liebt und deshalb reist sie noch in der Liebesnacht wieder ab.Es ist die lakonische manchmal rücksichtslose, ja schamlose, oft bittersüße selbstironische Art, in der sie über sich erzählt" die das Lesen zum Vergnügen macht.

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  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    skaramel

    26. June 2011 um 12:03

    Eine Frau im Schlankheitswahn: Karen Duve erzählt in ihrem Roman „Dies ist kein Liebeslied“ von einem Leben, dass sich nach der Zahl auf der Waage und nach der Anerkennung der Umwelt richtet. Eine Geschichte über eine Frau, die selbst Werther um seine Empfindsamkeit beneidet. In seinem Leben ist jeder mindestens einmal unglücklich verliebt und leidet. Das gehört zur Jugend genauso dazu, wie auf Partys zu gehen, Freunde zu treffen und auf Klassenfahrten Flaschendrehen zu spielen. Es entsteht ein Wir und man gehört zusammen. Doch das ist nicht immer selbstverständlich. Es geht um Anne, Anne Strelau. Sie ist dick, hässlich und hat keinen Funken Selbstbewusstsein. Ihre Familie ist zerrüttet, vom Vater nicht geliebt, von der Mutter zu sehr in Schutz genommen. Bis sie sieben Jahre alt ist, fühlt sich Anne wohl, ist sie selbst. Sie und ihr bester Freund führen im hauseigenen Garten eine Tierarztpraxis, zur Verarztung von Laubfröschen. Doch dann der Wendepunkt. Ihr bester Freund findet ihren Hintern dick. Plötzlich sieht sie es auch – ihre Klassenkameradinnen sind dünner. Schon mit zehn Jahren beginnt Duves Protagonistin mit ihrer ersten Diät, und ab da an geht es in ihrem Leben nur noch bergab. Anne definiert sich fortan ausschließlich durch ihren Körper und ihr Leben dreht sich nun um die magische Zahl 67, unter die sie ihr Körpergewicht bringen will. Erzählerisch beginnt Karen Duve im Flugzeug: Anne, erwachsen und 117 kg schwer, im Flugzeug. Sie ist eingezwängt in einen viel zu kleinen Sitz, für ihre viel zu voluminösen Oberschenkel. Sie ist auf dem Weg zu ihrer großen, unerwiderten, großen Liebe: Peter Hemstedt. Während des Fluges und ihrer panischen Angst vor dem Start, sowie der Landung reflektiert sie ihr Leben: Diäten, Pillen, Sex, Bulimie, Affären, Misserfolge, Unverständnis. „Wer glücklich ist, hat etwas zu verlieren“, sagte Anne Strelau immer wieder – es ist ihr Leitsatz, der sie durch ihr Leben führt. Passiv steht sie neben sich, wirft Pillen ein um schlank zu werden und verliert sich dabei immer mehr selbst. Sie baut keine normale Bindung zu ihren Eltern auf, hat keine relevanten Freunde. Beziehungen zu Männern äußern sich nicht durch Liebe, sondern nur durch Bestätigung ihrer selbst. Männer haben für sie den Zweck, ihr Selbstwertgefühl zu steigern, obwohl sie die Nähe nicht genießt. Anne begründet es so: „Trotzdem konnte ich nicht nein sagen, als er mich fragte, ob ich mit ihm gehen wolle. Drei Mädchen aus meiner Klasse waren in ihn verliebt.“ Das Gefühl der Anerkennung für einen Freund zählt, nicht das Gefühl mit ihm. Die Hamburgerin Karen Duve setzte mit ihrem Erstlingswerk Regenroman und den Erzählungen Keine Ahnung hohe Maßstäbe. Gelobt wurde stets ihre Erzählkunst, die auch in verschiedenen Preisen, wie dem „Preis für junge Prosa“ und dem „Literaturförderpreis Hamburg“ ausgezeichnet wurden. Stilistisch gesehen ist der Roman geglückt. Karen Duve erzählt mit einer Leichtigkeit, dass die Seiten nur so vergehen. Man liest gern, honoriert ihre Wortgewandtheit und ein wenig wird die schwere Kost der Frustration über Liebesgeschichten, Therapien und Demütigungen leichter. Ja, damit hätte es ein Buch werden können, das über ein Mädchen erzählt, das nicht zu dem Wir der Jugend gehört, das viel Leid erträgt und nicht in das eigene Leben passt. Es hätte sich eingliedern können in die Reihe Werke diese Art. Auch Benjamin von Stuckrad-Barres Soloalbum, als auch Christian Krachts Faserland spielen mit den unsympathischen, teils lethargischen Hauptpersonen, die neben ihrem Leben stehen. Sei es die Phase nach dem Verlassen, als der Road-Trip als Selbstfindungsversuch. Doch hier ist es anders: Anne ist anstrengend, ausnahmslos. Duve startet zwar mit viel Witz und den leichten Worten: „Mit sieben schwor ich, niemals zu lieben. Mit achtzehn tat ich es trotzdem.“ Das Schmunzeln ist auf ihrer Seite. Man versteht Anne, wenn sie ihre Erfahrungen aus der Schule reflektiert. Wer kennt es nicht? Die Angst vor dem Völkerball oder dem ersten Streit mit den Klassenkameradinnen. Doch: Umso mehr Karen Duve erzählt, umso unerträglicher scheint Anne Strelau zu werden und umso schwerer wird das Lesen. Zunächst täuscht Anne noch Krankheiten vor, damit ihr die Schule erspart bleibt - da ist sie sieben. Mit dreizehn will sie keine Freunde haben, distanziert sich deutlich von allen Klassenkameraden und bleibt lieber auf dem Klo, anstatt mit den anderen auf dem Pausenhof zu spielen. Doch mit dem siebzehnten Lebensjahr steigert sich Annes Situation drastisch. Kein Selbstbewusstsein, stattdessen Selbstmitleid. Pillen zum Abnehmen, Sex mit wahllosen Jungs, feiern damit die Nacht vergeht. Das Lesen fällt schwerer, denn die Sympathie fällt fortan weg. Man steht nicht hinter der Figur, man versteht sie nicht. Denn: Anne Strelau will sterben, das steht fest – doch nicht weil sie sich hässlich fühlt, was sie zweifelslos ohne Pause anmerkt, sondern weil sie dadurch die Beachtung kriegen würde, die sie sich so sehr erwünscht. Es ist jedoch nie still in ihrem Leben gewesen, denn sie füllt ihr Leben mit einer Reihe von Jungs und Affären. Sie geht auf Partys, sie trifft andere Menschen, sie hat Freunde, die sie nicht als solches sieht. Doch sie ist nur dabei, nicht mitten drin. Immer öfter wiederholt sie ihren Sterbewunsch, meint es letztendlich doch nie so. Schlimmer wird es, wenn Anne über eine mögliche Krankheit – möglichst schwer natürlich– sinniert. Diese könnte ihr Mitleid und falsche Freunde verschaffen. So viel Selbstzweifel und Selbstmitleid ist auf 280 Seiten kaum zu ertragen. So wünscht sie sich in einem kleinen Moment, in dem sie sich wohl fühlt einen Autounfall herbei: „Dann würde ich eine Querschnittslähmung bekommen, und es gäbe endlich einen vernünftigen Grund dafür, warum ich in vielen Dingen nicht so funktionierte wie normale Menschen, und meine Eltern würden voller Reue doch noch einen eigenen Hund schenken, und ich würde Jost und Peter Hemstedt Geld geben, damit sie mir die richtigen Schallplatten besorgten: den Gefallen würden sie einem armen Krüppel, wohl nicht abschlagen.“ Doch damit nicht genug, es ist Annes Hang zur Dramatisierung. Niemandem wird eine gleichwertige Chance zur Melancholie oder Traurigkeit eingeräumt, entweder sie beneidet die Kranken und Armen, oder sie pauschalisiert es. Selbst Goethes Werther kriegt sein Fett weg, immerhin sei er ein „zickiger, eingebildeter Sack“, denn er könnte schließlich mit seiner Empfindsamkeit mehr Gefühle haben, als sie. Das geht nicht im Leben der Anne Strelau. Es scheint, als sei Duves Protagonistin nicht einen Moment frei von ihrem Kopf, von ihren Gedanken,, ja, genau das ist ihr Problem. Doch genau das ist auch das Problem des Buches. Annes Leben, Karen Duves Geschichte, sie bleibt aussichtslos, erfolglos. Anne verändert sich nicht, sie kämpft nicht. Sie jammert, sie leidet. Sie sagt und denkt viel, aber handeln bleibt aus. Anne kriegt das Wir der Jugend nicht mit, und bleibt in ihrem Mikrokosmos. Bekannte werden keinen Freunde, sondern Randfiguren in ihrem Leben, in dem noch nicht mal ihre große Liebe Peter Platz finden kann. Die Gründe sind jedoch nicht das Aussehen, das Gewicht oder eine ihrer Affären, Anne ist sich selbst das Problem. Sie steht sich selbst in ihrem Weg. Ein gutes Werk braucht kein Happy End, um ein gutes Werk zu sein. Das Happy End gibt es auch hier nicht, es scheint jedoch nicht so, als würde es überhaupt ein End geben. Anne steht dort, wo sie auch mit vierzehn stand, mitten in ihrem Kopf, mit vielen Fragen und vielen Wünschen, weit weg vom Wir.

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  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    Coco206

    13. April 2009 um 13:09

    Ich kam nicht über 60 Seiten hinaus, dann hab ich es abgebrochen.
    So langweilig und unnötig in meinen Augen. Die Handlung ermüdend, der Schreibstil auch nichts Besonderes.
    Nein, da möchte ich mich nicht weiter durchquälen.

  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    glowinggloom

    22. January 2009 um 21:22

    Der Roman erzählt vom Leben eines Mädchens, das in den1960-70er Jahren in Hamburg aufwächst. Sie hat viele Probleme, mit der Schule, den Eltern und Geschwistern, den Jungs, hat ständig mit Übergewicht zu kämpfen, gerät dauernd an Männer, die sie nicht liebt und geht jahrelang zum Psychotherapeuten. Habe selten so gelacht, beim lesen eines Romanes. Die Verhältnisse sind witzig erzählt und verursachen bei mir reihenweise deja-vu Erlebnisse.

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  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    schaggy

    06. January 2009 um 23:17

    Ich kam mit Sprache und Thema nicht zurecht.

  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    Babz

    10. September 2008 um 19:46

    Das Buch beschreibt das Leben von Anne, welche sich schon als Kind zu dick und extrem minderwertig fühlt und ein durchschnittliches Leben hart am Abgrund führt. Die Geschichte wird begleitet von einem musikalischen Einblick in die letzten Jahrzehnte. Kurz gesagt: Einfach das beste Buch der Welt. Traurig, witzig, herzzerreißend, völlig irre und dabei doch absolut realistisch.

  • Rezension zu "Dies ist kein Liebeslied" von Karen Duve

    Dies ist kein Liebeslied

    nic

    11. July 2007 um 06:19

    Eigentlich hatte ich das Buch aus dem Grund gekauft, weil ich etwas Lustiges lesen wollte und die Geschichte in der Rubrik "Humor" zu finden war. Es ist aber nicht (nur) komisch; stellenweise ist die Geschichte von Anne sogar recht tragisch. In der Schule gilt sie als Außenseiterin; teilweise weil sie sich selbst dazu gemacht hat, oft ist sie schon als junges Mädchen von Hass erfüllt - besonders dann, als ihr Vater sie vor den Kopf stößt und sie praktisch ablehnt, weil er es nicht mehr ertragen kann, ihre Bezugsperson zu sein. Er will sie nicht mehr um sich haben während seinen Spaziergängen und verhält sich abweisend. Denoch ist an der Geschichte nichts weinerliches zu finden, die Sprache ist immer humorvoll, aber keinesfalls wird etwas ins Lächerliche gezogen. Es gibt immer wieder Stellen, die wirklich zum Totlachen sind. Gegen Ende wurde es mir kurzzeitig mal zu viel... das Buch kann einen wirklich in Depressionen treiben. Alles in allem finde ich es dennoch lesenswert. In die Kategorie Humor passt es allerdings mE doch nicht ganz.

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