Ich liebe ja Hüte und Mützen, Wärme im Winter, Sonnenschutz im Sommer. Daher hat mich das Buch gleich interessiert. Aber manche denken vielleicht: Hüte, das ist ja langweilig. Aber tatsächlich weit gefehlt. Denn wenn du dieses Buch in die Hand nimmst, erfährst du noch viel mehr als über Hüte: Zu unterschiedlichen Kulturen, wie manche Kopfbedeckungen Statussymbole sind und manche nicht. Wie Wetter die Form beeinflusst oder Religion manche Vorgaben macht. Wie der Ladenhüter Melone bei Männern, plötzlich eine Marketingidee für Frauen wurde, die noch heute funktioniert. Und wie Menschen all das und noch viel mehr dann dazu nutzen, Schönheit in den Alltag zu bringen. Viele Hutmodelle und Kopfbedeckungen werden als einzelne Ausprägung vorgestellt: Kennst du schon den Fascinataor, der als Blickfang bei Festen oder britischen Pferderennen dient. Dazu gibt es ein paar Überblickstexte, z.B. zu Helmen, Perücken oder Hutwerkstätten.
Faszinierend ist alleine schon, wie viele unterschiedliche Kopfbedeckungen sich Menschen ausgedacht haben. Manche kennst du vermutlich, wie die Kufiya oder den Fahrradhelm, aber den Chullo oder das Nemes-Kopftuch? Oder weißt du, warum die königliche Garde der britischen König*innen eine Bärenfellmütze tragen? Die Illustrationen sind farbenfroh und zeigen die Kopfbedeckungen in all ihrer Schönheit. Die dazugehörigen Texte sind prägnant und liefern doch spannende Fakten und Hintergründe.
Besonders begeistert mich, dass Karen Exner absolut respektvoll schreibt. Kopftücher werden als Tradition in ganz vielen unterschiedlichen Ländern erzählt. Der Hijab als persönliche Entscheidung benannt, aber die Pflicht in der islamischen Republik Iran genauso benannt.
(Eine Mini-Kritik, weil an einer Stelle steht, dass Väter ihre Töchter zum Altar führen: Das ist nämlich in Deutschland ursprünglich nicht der Fall und kommt nun erst durch Hollywoodfilme seit einiger Zeit in Mode.)
Wirklich ein tolles Kinderbuch, bei dem ich auch als Erwachsene noch einiges gelernt habe. 5 von 5 Sternen.



