Wir haben Raketen geangelt

von Karen Köhler 
4,5 Sterne bei84 Bewertungen
Wir haben Raketen geangelt
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Geschichten voller Sehnsucht, Verzweiflung, Schmerz. Urban, provinziell, verrückt, naturverbunden, familiär. Jede ein eigenes Universum.

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Verdammt brilliant!

Alle 84 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Wir haben Raketen geangelt"

Es gibt diesen Moment, in dem das eigene
Universum zerbricht und weit und breit kein
neues in Sicht ist: Eine junge Frau strandet mittel-
los und dehydriert im Death Valley. Als plötzlich
ein Indianer vor ihr steht und ihr das Leben retten
will, glaubt sie zu phantasieren. Doch das Univer-
sum setzt sich nach seinen eigenen Regeln wieder
zusammen. – Mit heiterer Melancholie und dras-
tischer Leichtigkeit erzählt Karen Köhler von den
dramatischen Augenblicken im Leben. Ihre Figuren
sind wahre Meisterinnen im Überleben: Kapitulieren
kommt für sie nicht infrage.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423144742
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:248 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:19.02.2016
Das aktuelle Hörbuch ist am 19.02.2015 bei tacheles! erschienen.

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    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Geschichten voller Sehnsucht, Verzweiflung, Schmerz. Urban, provinziell, verrückt, naturverbunden, familiär. Jede ein eigenes Universum.
    Was dann

    Im Klappentext steht, die Erzählungen wären unsentimental. Mich haben mehrere zu Tränen gerührt. Traurig sind sie alle. Manche sind verrückt schön, wie Il Comandante mit dem Banana Split oder der Cowboy ohne Mobiltelefon mit den zugeschwollenen Augen. Andere strotzen vor Unabhängigkeit, die sich erzwungen oder einfach nur unschlüssig oder verzweifelt anfühlt. Da sind abgebrochene Leben, wo derjenige plötzlich nicht mehr weiter weiß. Oder nicht mehr weiter kann. Oder irgendwie weiter macht. Machen muss?


    Die Sprache ist so besonders. Kurze Sätze, gern aus zwei Worten. Wie mit ganz viel Bedacht vorsichtig gehämmert. Dafür ganz lange Fantasiewörter:

    "Befinde mich auf der Erbsensuppenüberholspur."(S.142)

    "Herrlich findest du Luft und Stille, dabei ist es gar nicht still, und es stinkt nach Land. In den Häuseraugen sind Lichter an. ... Hocken alle vor der Glotze. Würde ich ja auch, wenn du nicht geklingelt hättest."(S.115)

    "Zeit kann nicht in eine andere Richtung. Kann nicht zurück. Immer nur vorwärts. Ordnung zerstören. Bis irgendwann, eines Tages, auch der letzte Stern erst explodiert, dann erloschen sein wird und das Universum träge und tot zur Ruhe kommt." (S.152f.)

    Das muss man mögen, der Stil ist speziell. Ich liebe diesen Stil.

    Er ist weit entfernt von romantisch oder verspielt, hier plätschert nichts an der Oberfläche, der Leser wird hineingezogen in den Schmerz, das Chaos, die Ruhe nach dem Sturm. Voll auf die Zwölf, mitten ins Herz. Die Geschichten wecken Erinnerungen, machen nachdenklich, lösen Emotionen aus. Gleichzeitig strahlen sie Trost und Schönheit aus. Das ist echt verdamm schwierig zu beschreiben. 

    Ich muss mehr von Karen Köhler lesen.

    Kommentare: 5
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    thisishers avatar
    thisishervor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Verdammt brilliant!
    Lieblingsbuch!

    Es ist tatsächlich mein absolutes Lieblingsbuch! Geschrieben von Karen Köhler besteht es aus 9 voneinander weitgehend unabhängigen Erzählungen mit vorwiegend weiblichen Protagonistinnen. Jede einzelne dieser Erzählungen hat mich in ihren Bann gezogen und ich habe das Buch an einem Tag gelesen. Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, nachdem ich angefangen hatte zu lesen.

    Die Autorin schreibt mit einer so poetischen, klaren Stimme, dass man für jede Figur sofort ein Gefühl bekommt, auch wenn man manchmal erst auf der letzten Seite erfährt, worum es in der Geschichte eigentlich ging. 
    Die für mich herausragendsten Geschichten waren 'Starcode Red' und 'Cowboy und Indianer'.

    'Starcode Red' beginnt mit dem Satz "Ich bin die schönste Qualle." Die Hauptfigur arbeitet auf einem Kreuzfahrschiff, um ihrem vorherigen Leben zu entkommen. Man bekommt die Enge des eigentlich so riesigen Schiffs mit, die Privatsphäre, die nicht vorhanden ist, weil überall Menschen sind, man fühlt sich gefangen. Eine beklemmende Situation, die mit der leichtfüßigen Sprache aufgefangen wird. 

    Die bedeutsamsten Dinge, werden einfach im Nebensatz erwähnt, darin steckt für mich die größte Stärke dieses Buches. Die schwierigen und wichtigen Dinge werden am besten mit Leichtigkeit erzählt. Wer mehr wissen will, (muss) darf(!) selbst lesen.

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    buecher-beas avatar
    buecher-beavor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Die Autorin schreibt in einem frischen, ehrlichen, philosophischen Stil, der sich lohnt zu lesen.
    Von Menschen in Extremsituationen - Menschen mitten im Leben

    Leider sehr spät komme ich zu dieser Rezension, das Buch ist schon etwas älter, aber immer noch faszinierend.

    Karen Köhler hat neun Erzählungen in diesem Band publiziert, die vom Leben und den Weggabelungen darin handeln. Es sind kraftvolle emotionale Blitzlichter mit Familien, Freunden oder in extremen Situationen wie z.B. Verlust von Angehörigen oder Partnern. Und fast alle Menschen, von denen sie erzählt, überstehen diese Situationen lebend, was beim Lesen immense Hoffnung gibt. In den Fällen, wo die Hauptpersonen ihre Erzählung nicht überstehen, haben sie sich dazu bewusst entschieden, was auch einen gewissen Frieden ausstrahlt.

    Die Autorin schreibt zudem in einem frischen, ehrlichen, philosophischen Stil, der sich lohnt zu lesen. Man kann als SchnellleserIn den Text erfassen oder auch in Ruhe jeden Satz genießen und die Tollkühnheit der Autorin für ihre Wortneuschöpfungen und die ungewöhnlichen Beschreibungen feiern. Ich könnte mir auch gut vorstellen, wie die Erzählungen auf Poetry Slams vorgelesen werden.
    Absolut lesenswert! 

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    franzzis avatar
    franzzivor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Vom Weglaufen und Aushalten erzählen diese Geschichten. Vom Verlieren und Nichtloslassenkönnen. Von schwindenden&unüberwindlichen Schatten.
    Vom Weglaufen und Ankommen

    Karen Köhlers Protagonisten reisen viel, laufen weg, laufen davon vor düsteren Erlebnissen. Manche wortwörtlich, manche im übertragenen Sinne. Fast alle sind blockiert durch diese Schatten. Erzählen davon. Alle Geschichten in der Ich-Form. Manche erlöst es, manche trifft es erst recht. Manche kommen an, andere kommen nicht weiter.

    Vor allem »Cowboy&Indianer« habe ich geliebt. Eine Geschichte, in der Köhler all ihre Stärken ausspielen kann. Das Leitmotiv von Cowboy und Indianer, Jäger und Gejagtem, Mächtigen und Ohnmächtigen. Das Spiel mit der Sprache, mit dem Angedeutetem, dem Ungesagten. Sie hat ja nur wenige Seiten, um die Protagonisten und ihre Geschichten an uns zu tragen. Den meisten Platz nimmt sich die 1974 geborene Autorin, für Cowboy&Indianer. Zum Glück.

    Köhler, die sonst Theaterstücke schreibt, macht die Welt mit wenigen Worten für den Leser schier greifbar. Sie schafft in fast allen Geschichten, die Distanz zwischen Leser und Erzähler abzuschmelzen. Nicht nur in jener, in der die Ich-Erzählerin kurz vor dem Verdursten in der amerikanischen Wüste von einem auch so verkleideten Indianer gerettet wird und einen nervenaufreibenden Roadtrip durch die Staaten - und durch ihr Trauma antritt. Auch »Findling«, die Geschichte buchstäblicher Aussteiger, lebt davon. Ebenso das titelgebende »Wir haben Raketen geangelt«.

    Andere Geschichten wie »Starcode Red« wirken nicht so zu Ende gefeilt, ihr fehlen die Stringenz, die Tiefe, der Sog. Sie hinterlassen eher Achselzucken als ein Gefühl. Doch das bleiben die Ausnahmen. Die meisten Helden, starke wie schwache - meist beides zur gleichen Zeit - rühren, machen nachdenklich, rütteln am Alltagstrott und rufen: Angel Raketen mit den Guten, solange Du kannst. Und es wirkt.

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    uli123s avatar
    uli123vor 4 Jahren
    Schicksale

    Auf dieses Buch aufmerksam geworden bin ich durch die wöchentlich veröffentlichte Liste der zehn am häufigsten verkauften Bücher in meiner Hausbuchhandlung. Lange Zeit auf den vordersten Plätzen gelistet, muss das Buch einfach lesenswert sein, sagte ich mir. Aufmerksam heischend sind zudem das aufwändig gestaltete Buchcover und der nicht alltägliche Buchtitel. Die Buchhülle lässt sich auseinanderfalten und enthält die Abbildungen von Tierspuren im Schnee sowie die Titel aller neun zusammengetragenen Kurzgeschichten. Im Inneren des vorderen und hinteren Bucheinbandes finden sich Sternbilder. Der Buchtitel ist zugleich der Titel der mittleren Kurzgeschichte.

    Wie schon angedeutet, handelt es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten. Neun Stück sind es an der Zahl, unterschiedlich lang und unabhängig von den übrigen zu lesen, an keine bestimmte Reihenfolge gebunden. Ihre einzige Gemeinsamkeit besteht in der Schilderung eines tragischen Momentes im Leben der Romanfiguren, wodurch dieses aus den Fugen gerät. Es geht um Themen wie Vergewaltigung, Verlassen und Verlassen werden, Krankheit, Tod, Suizid, Trauer, Homosexualität, Außenseiter- und Aussteigertum. Allesamt regen sie zum Nachdenken an, ohne aber eine depressive Stimmung zu verbreiten. Die Orientierung stellt sich meistens erst im Verlauf der Lektüre der Geschichten ein. Sie laden auf jeden Fall zum wiederholten Lesen ein. Der Sprachstil wirkt modern. Für Abwechslung sorgt die individuelle sprachliche Gestaltung jeder Geschichte. So finden sich neben Prosatexten auch Postkartentexte, durchnummerierte Absätze, datierte Tagebuchnotizen.

     

    Ein schnell zu lesendes Buch, geeignet für das wiederholte Lesen.

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    Linsenliebes avatar
    Linsenliebevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Wahnsinnig toll geschrieben und super ergreifend! Ging mir sehr unter die Haut.
    Kurzgeschichten, die mitten ins Herz treffen

    Der Inhalt ist schwierig zusammenzufassen da es sich um Kurzgeschichten handelt und jede eine eigene kleine Welt beschreibt, in die der Leser hineingezogen wird. Die Protagonisten sind meist weiblich und uns oft auch namentlich nicht bekannt. Da gibt es Frauen, die auf Schiffen leben, Mädchen, die in der Wüste umherstreifen, Frauen, deren Leben zu Ende geht und Frauen, die gegen den Tod kämpfen.

    Karen Köhler hat mit "Wir haben Raketen geangelt" eine einzigartige Sammlung von Kurzgeschichten erschaffen, mit der sie mich wirklich tief berührt hat.
    Ich bin eigentlich kein großer Fan von Kurzgeschichten da sie mir meist nicht lange im Gedächtnis bleiben. Ich mag es wenn ich mit einer Geschichte viel Zeit verbringen kann, die Protagonisten sich entwickeln und ich als Leser dabei bin. Bei Kurzgeschichten geht mir das meist zu schnell, ist zu komprimiert oder sogar abgeackt. Karen Köhler hat es aber wirklich geschafft, für jede ihrer Geschichte ein ganzes Universum von Gedanken in meinem Kopf entstehen zu lassen. All ihr Erzählungen sind mitten aus dem Leben gerissen. Man weiß genau, da war vorher etwas und da wird eventuell auch etwas danach sein. Ich spinne die Geschichten beim lesen weiter, überlege mir Beweggründe, denke mir aus was aus dem Protagonisten werden könnte. 
    Ich bin ohne alles. Ich bin frei. Ich habe nur noch mich, ein Cap und eine Plastiksonnenbrille. Von mir fällt etwas ab. - Seite 44
    Das ist eine wahnsinnig fantastische Eigenschaft, so mit den Gedanken des Lesers spielen zu können und besonders bei den Geschichten "Polarkreis" und "Wild ist scheu" hatte ich wirklich Gänsehaut und wollte, dass sie niemals zu Ende gehen. Beim Ende von "Wild ist scheu" hatte ich tatsächlich Tränen in den Augen.
    "Wir haben Raketen geangelt" ist wirklich fantastisch. Wunderbar geschrieben geht jedes Wort unter die Haut und lässt mich auch einige Tage nach dem lesen noch nicht los. Ich bin begeistert und werde die Autorin auf jeden Fall im Auge behalten. Da haben wir noch viel zu erwarten, glaube ich!
    Ich will das Buch nun nicht totinterpretieren, ihr müsst es einfach selbst lesen um zu verstehen, was ich meine. Ich wurde verzaubert :)

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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Eine Sammlung von handfesten Kurzgeschichten voller Geist und Leben, mir rauem Charme und lebhafter Vitalität, beeindruckend unkonventionell
    Kurz, knapp, berührend, fesselnd

    Neun Kurzgeschichten enthält dieses Buch:

    Il Commandante: Ein Woche Tagebuch einer junge Frau mit Krebs,  über Krankheit, Leben, Tod und Hoffnung

    Cowboys und Indianer: Auf einem Roadtrip zwischen Vergangenheit und Gegenwart, schildert eine völlig erschöpfte junge Frau ihre schicksalhaften Begegnungen.

    Polarkreis: Eine Geschichte in Postkarten und Briefen aus Italien, über Eindrücke, Beziehungen und Entscheidungen.

    Name. Tier. Beruf.: Eine Frau trifft nach 15 Jahren auf ihre erste große Liebe. Vergangenheit und Gegenwart mischen sich.

    Wir haben Raketen geangelt: Gedanken und Erinnerung aus dem Leben zweier Freunde, Mann und Frau. Mehr Freunde und weniger Liebende.

    Familienportraits: Hoffnungslosigkeit und Unverständnis sind die Gemeinsamkeiten von sechs völlig unterschiedlichen Charakteren und ihren Schicksalen.

    Starcode Red: Eine Frau auf der Flucht ihren eigenen Erinnerungen.

    Wild ist scheu: Eine Frau hat sich auf einen Hochsitz an einer kleinen Lichtung im Wald geflüchtet. Erschütternd wie diese Frau sich Stück für Stück selbst verliert.

    Findling: Eine Frau ist auf primitivste Verhältnisse zurückgeworfene und erzählt aus ihrem Leben.

    Angst vor dem Verlassenwerden, Flucht und Ausbruch aus dem Alltag, sowie Krankheit und Tod - das sind die Themen oder einfach: Erfahrungen mit Grenzen, die überschreiten werden oder an denen man scheitern. Karen Köhler beleuchtet Themen, über die man eigentlich nicht spricht. Verlorene und Suchende bevölkern die Kurzgeschichten. Sie zaubert Kleinigkeiten in die Szenen. Darin liegt sowohl die Spannung als auch die Schönheit jede ihrer Geschichten.

    Einfache, klare, bewegende Sprache. Weich und bilderreich. Ganz außergewöhnlich. Mit sehr viel Zartgefühl beobachtet und beschreibt Karen Köhler die fragilen Existenzen ihrer Geschichten.

    Eine Sammlung von handfesten Kurzgeschichten voller Geist und Leben, mir rauem Charme und lebhafter Vitalität, beeindruckend unkonventionell. Sie brauchen etwas Zeit und Geduld, um die Schönheit jeder Geschichte zu würdigen. Sie sollten sich auch auf kleine Experimente mit Text und Erzählformen einlassen können und wollen. Wer sonderbare Geschichten liebt, ist hier genau richtig.

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    steffchen3010s avatar
    steffchen3010vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ich tauche in eine Welt voller Emotionen: während wir sanft und behutsam durchs Wasser gleiten, tanzen über mir die Wellen, laut und heftig.
    Gebrochene Seelen

    “Wollt ihr Geschichten, die euch wärmen in kalten, kalten Nächten? Wollt ihr nochmal Indianer sein? Wollt ihr Raketen? Ja, hier! Hier! Hier!”

    Saša Stanišić

    Es ist eine Welt voller Emotionen, in die ich mit Karen Köhler eintauche. Während wir sanft und behutsam durchs Wasser gleiten, tanzen über uns die Wellen, laut und heftig. Auf ungewohnt leichtfüßige Art und Weise erzählt mir die Autorin Karen Köhler Geschichten voller Trauer und Schmerz. Jede einzelne offenbart uns eine Lebensgeschichte. Es sind allesamt Geschichten von gebrochenen Seelen: Lebenswege von Frauen, in denen Liebe, Schmerz und Verlust eine große Rolle spielen. Ihre Geschichten sind einzigartig und berühren. Und obwohl jede Geschichte für sich alleine steht, scheinen ihre Protagonisten eines gemeinsam zu haben: den Wunsch nach Seelenfrieden.

    “Wir fahren mit Wind in den Fenstern. Wir fahren mit Musik in den Ohren. Wir sind zwei Delphine im Wasser. Einer davon ist fast blind. Wir könnten Helden sein. Nur für einen Tag. Ich, ich wäre der König. Und du, du wärst die Königin.”

    Zitat, Seite 80

    Es sind kleine Universen, die in “Wir haben Raketen geangelt” zerbrechen. Universen von Frauen, die Phasen von Einsamkeit, Wut, Trauer und Verlust durchleben. Köhlers Zeilen sprühen dabei vor Intensität und sprachlicher Finesse. Die Autorin verleiht ihren Erzählungen trotz ihrer Schwere einen eigenen Charme und schenkt den Zeilen Intensität und Lebendigkeit. So angeln wir u.a. zusammen Raketen, begegnen einem Indianer in der Wüste, beherbergen schwarze Tränen in unserer Hosentasche, verspüren Geruchs-Fata-Morganas und erleben einen Jahrhundertherbst.

    “Ich weiß, dass das hier eine Scheißwüste ist, in der ich gestrandet bin, und ich weiß, dass da eben jemand war, mit Federhaube, der mir zu trinken gab und eine Träne von Mutter Erde. Weil ich aber nicht weiß, wie dieser Traum weitergeht, stecke ich das Steinchen in meine Hosentasche und warte.”

    Zitat, Seite 39

    Auf die einzelnen Erzählungen aus “Wir haben Raketen geangelt” möchte ich ungern eingehen, weil ich glaube, dass die Magie der Geschichten u.a. vom Überraschungseffekt lebt und ich dieses berauschende Erlebnis niemandem nehmen möchte. Sicher ist, dass dieses Erzählband etwas ganz Besonderes für mich ist und es einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal bekommen wird. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es jemanden gibt, auf den nicht der Funke von “Wir haben Raketen geangelt” überspringt. Die liebevolle Illustration des Einbands, die auch auf das Konto von Karen Köhler geht, setzt dem Büchlein die verdiente Krone auf. Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch – trifft es wohl genau! <3

    “Ich weiß, ich schulde dir alles. Eine Erklärung. Eine Antwort. Ein Leben vielleicht.”

    Zitat, Seite 91

    “Ich möchte etwas sagen, irgendetwas, aber ich bin leer, mir fällt nichts ein, nichts, was nicht belanglos wäre. Die Zeit wird dick und ich unter ihrem Gewicht ganz krumm. Mit jedem Augenblick, der verstreicht, wird das Schweigen zwischen uns größer, und die Möglichkeit, es zu überwinden, schrumpft zu einem sehr überschaubaren Häufchen.”

    Zitat, Seite 150

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    kiraras avatar
    kiraravor 4 Jahren
    so lala

    Inhalt: Es handelt sich hier um mehrere Kurzgeschichten unterschiedlicher Art, sowohl inhaltlich als auch stilistisch.

    Meine Meinung: Das Buch ist wie gesagt so lala. Ein paar der Geschichten haben mir gut gefallen, der überwiegende Teil war durchschnittlich und bei dreien habe ich mir gedacht "ist scheiße". Toll und interessant ist aber, dass Karen Köhler mit verschiedenen Schreibstilen und selten genutzten Kurzgeschichtenformen spielt und immer wieder neue und für Geschichten untypische Orte für die Handlung auswählt, was das Buch sehr abwechslungsreich macht. Ich habe es gerne gelesen, vor allem, weil es selten Bücher mit Kurzgeschichten gibt. Weiterempfehlen würde ich es denjenigen, die einfach einmal Lust auf nur kurze Geschichten haben und auf neue Schreibstile stoßen wollen.

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    Moeps avatar
    Moepvor 4 Jahren
    Ein kleines, wunderschönes Kunstwerk

    Bei diesem Buch handelt es sich um eine ganz besondere Sammlung einzigartiger Kurzgeschichten wie sie berührender und vielfältiger nicht geschrieben sein könnten. Wer Kurzgeschichten liebt, der wird von diesen hier begeistert sein. Denn sie haben die knackige Kürze und diesen ganz speziellen Schreibstil, den nur wahre Kurzgeschichten haben können. Der Autorin gelingt es hier nämlich ganz wunderbar, die einzelnen Geschichten geschickt miteinander zu verknüpfen und sie durch ihren Ausdruck atmosphärisch ausgesprochen dicht zu gestalten.

    Doch die Geschichten aus Karin Köhlers Debüt überzeugen nicht nur durch ihre sprachliche Aufmachung, sondern vielmehr auch durch ihren Inhalt. Hier wagt man sich an die ganz großen Themen, die das Leben zu bieten hat, denn es geht um Leben und Tod, um Trauriges und Glückliches und im Großen und Ganzen um Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

    Alles in allem hat mich dieses Buch durch und durch berührt, meine nicht besonders hohen Erwartungen weit übertroffen und mich sehr nachdenklich zurückgelassen. Sicherlich werde ich noch das ein oder andere Mal in diesem Buch lesen, denn die Themen lassen einen nicht los, sind sie doch so aktuell und manchmal auch einfach nur erschütternd. Ein sehr ehrliches, aufrichtiges und doch wunderschönes Buch, das sich an all jene Menschen empfehlen lässt, die Literatur in ihrer schönsten Form zu schätzen wissen. Sprachlich und inhaltlich ein kleines Kunstwerk.

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