Wenn man kaum etwas über die Türkei weiß, dann ist das Buch ganz nett. Es ist kurzweilig geschrieben und gibt einen guten Einblick in die Zerrissenheit des türkischen Volkes in zwei Gruppen. Auf der einen Seite stehen die säkulären modernen westlich gewandten Türken und auf der anderen Seite die konservative Türken, die den Großteil der ländlichen Bevölkerung ausmachen und Erdogan zujubeln.
Wenn man sich mit der Türkei eingehend beschäftigt hat, wird man nicht viel Neues erfahren. Dann weiß man, dass das türkische Fernsehen lieber Dokumentationen statt Demonstrationen zeigt. Man kennt die vielen Einkaufszentren, weiß, wo man in Instanbul ausgeht, weiß, dass in der Türkei eher früh geheiratet wird. Ataktürk in den Schulen verehrt wird usw.
Eine Schwäche des Buches ist, dass es sich am Laufenden Band in jedem Kapitel auf Gezi bezieht. Gezi, Gezi und nochmal Gezi... dies lässt es relativ schnell überholt wirken. Auch wiederholen sich die Autorinnen im Buch recht oft.
Man sollte sich bewusst sein, dass das Buch 2015 erschienen ist und deshalb die neueren Ereignisse nicht mehr enthalten sein können. Mit dem Putschversuch am 15. Juli 2016 hat für die Türken eigentlich eine neue Zeitrechnung begonnen, die Erdogan noch mehr Macht verschafft hat.
Politische und historische Fakten kommen oft viel zu kurz. Man wird hier nichts Genaues über den Kurdenkonflikt, den Völkermord an den Armeniern oder die Güllenbewegung erfahren. Diese Themen werden nur am Rand erwähnt.
Ein kurzweiliges Sachbuch. Leider fehlt es oft an Tiefe und die vielen Wiederholungen nerven.
Kurzweilig... ganz nett.



