Karen Minden

 5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Eisbären.

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Cover des Buches Eisbären (ISBN:9783942795821)

Eisbären

 (2)
Erschienen am 22.07.2019

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Rezension zu "Eisbären" von Karen Minden

»Eisbären«, die Novelle ist Kaschnitz-Fans geläufig - schön illustrierte Ausgabe.
Gwhynwhyfarvor 7 Monaten

»Das vom Zoo, sagte der Mann. Dass du auf keinen anderen gewartet hast. Ich habe auf dich gewartet, sagte die Frau. Ich habe dich nicht gekannt, aber man kann auch auf jemanden warten, den man noch nie gesehen hat.«

Marie Luise Kaschnitz war in meiner Jugendzeit meine Lieblingsautorin und so war für mich dies illustriere Buch ein Genuss. Die Geschichte ist Kaschnitz-Fans geläufig: Eine Frau hatte schon geschlafen, wacht auf vom Geräusch des Türschlosses. Endlich kommt ihr Mann nach Hause. Doch er macht kein Licht. Ein Einbrecher? Seine Stimme bittet sie, das Licht nicht auszulassen. Sie soll die Wahrheit erzählen – damals im Zoo – auf wen habe sie gewartet?

»Ich habe Walter gern gehabt, aber ich habe ihn nicht aus Liebe geheiratet, sondern weil ich nicht allein bleiben wollte.«

Sie hatte Walter im Zoo kennengelernt und sie hatte Walter geheiratet. Den anderen, auf den sie wartete, hat sie geliebt, nie vergessen. Eine wundervolle Kurzprosa von Marie Luise Kaschnitz, bei der es um eine Lebenslüge geht. Romane, Erzählungen, Essays und Gedichte, sie war eine begnadete Autorin, eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit.

»Immer ist es mir vorgekommen, als wenn du auf diesen Spaziergängen jemanden suchtest. Immer hast du deinen Kopf nach rechts und links gewendet wie die Eisbären, die die Freiheit suchen, oder etwas, von dem wir nichts wissen, und ich habe dich oft meinen Eisbären genannt.«

Karen Minden hat diese Kurzgeschichte illustriert. Feine Bleistiftzeichnungen setzen sich stimmungsvoll mit der Geschichte auseinander, untermalen sie emotional. Das erste Bild ist ein schlicht schwarzes Quadrat. Das dunkle Zimmer. Auf dem zweiten Bild kommt rechts oben eine Nuance von Dunkelgrau dazu, die Wohnungstür geht auf. Am Ende der einsame Eisbär, die Stimme aus den Off eine Illusion – oder doch nicht? Kaschnitz war Meisterin der Worte: Knapp auf den Punkt bringen. Karen Minden ist virtuos mit dem Bleistift. Die Emotion der Sprache knapp ins Bild setzen. Text und Zeichnung ergänzen sich zum Ganzen. Dieses Buch ist ein schönes Geschenk für Kaschnitz-Liebhaber, aber nicht nur für die.

Karen Minden, 1989 in Berlin geboren und aufgewachsen, studierte im Bachelor Druckgrafik an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris und Visuelle Kommunikation an der Weißensee Kunsthochschule Berlin. Dort entwickelte sich ihre Liebe zum Bleistift, die auch nach Abschluss ihres Masterstudiums an der Universität der Künste Berlin im Fachbereich Illustration nicht erloschen ist.


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Rezension zu "Eisbären" von Karen Minden

Kurz, knapp, mit sehr viel Tiefgang
aus-erlesenvor 8 Monaten

Eine Frau liegt in ihrem Bett. Ihr Mann muss noch arbeiten. Dann endlich! Er ist da! Endlich ist ihr Mann wieder zuhause. Doch die Situation ist ein bisschen fremdartig. Sie solle das Licht ausgeschaltet lassen. Sie will reden. Er auch. 
Fünf Jahre sind sie nun schon Sie und Walther. Er nennt sieliebevoll Eisbär. Immer wieder läuft ihr ein wohliger Schauer über den Rücken, wenn er sie mit diesem Kosenamen ruft. Seit damals als sie sich im Zoo – bei den Eisbären – kennengelernt haben. 
Und seit diesem Tag ist ihre Liebe unverbrüchlich. Sie wächst sogar mit jedem Tag, den sie gemeinsam verbringen. In dem Gespräch im Dunkeln – was man als Synonym ansehen kann – ziehen jedoch kleine dunkle Wolken am Horizont auf. Wie war das damals? Als sich bei den Eisbären trafen. Sie wartete. Nicht auf Walther. Auf einen anderen. Walther war der Charmeur, der einem Fahrradfahrer Benzin verkaufen kann. Und schon war es um sie, um sie beide geschehen. 
Fünf Jahre ist das nun her. Sie wartet voller Sehnsucht, dass er endlich nach Hause kommt. Ihr Schlafzimmer ist tief ins Schwarz der Nacht getaucht. Ein Geräusch. Ja, es ist Walther. Und dann dieses Gespräch. Kein Smalltalk unter Eheleuten á la „Wie war Dein Tag?“.  Je tiefer die Nacht die Szenerie aufsaugt, desto düsterer wird den beiden ihr eigenes Schicksal klarer vor Augen geführt…
Über 50 Jahre ist diese Kurzgeschichte von Marie Luise Kaschnitz nun schon alt. Alters- oder gar Gebrauchsspuren sucht man vergebens. Das Ende … das Ende könnte selbst ein Stephen King nicht plötzlicher auf Tapet bringen. Das Außergewöhnliche an dieser Ausgabe der Kunstanstifter ist seine künstlerische Gestaltung. Karen Minden hüllt die anfangs unscheinbare Story in eine anfangs wattegefütterte Auflage. Man möchte sich einkuscheln, um der Frau und ihrem Walther nahe zu sein. Denn so viele Zuneigung verlangt nach Teilen mit Anderen. Mit reduzierter Farbpalette in Blau, Weiß und Schwarz taucht man ein in eine Welt, in der am Ende nicht mehr ist wie es anfänglich war. Marie Luise Kaschnitz als auch Karen Minden brauchen nur wenige Sätze bzw. Pinselstriche, um den Leser in ihren Phantasien zu fesseln.

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