Karen Swassjan Nietzsche, Versuch einer Gottwerdung

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Inhaltsangabe zu „Nietzsche, Versuch einer Gottwerdung“ von Karen Swassjan

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  • Rezension zu "Nietzsche, Versuch einer Gottwerdung" von Karen Swassjan

    Nietzsche, Versuch einer Gottwerdung
    Christa_Schyboll

    Christa_Schyboll

    21. August 2012 um 20:35

    "Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit!" Ist das geistige Schicksal Nietzsches dasjenige eines unbedachten Schöpfers, dem sein Geschöpf zum Albtraum wurde, wie Swassjan vermutet? Es lohnt sich, in diesem erhellenden Buch dieser Vermutung kritisch nachzugehen, wo der Autor in seiner scharfsinnigen Analyse den Gottlosen, den Antichristen, Streitenden mit fast weiblicher Milde und erlesenen Manieren mit seinem "Gott ist tot" in ein neues Licht stellt, wie es auf diese Art wohl einzigartig sein dürfte. Swassjan versteht es, die Besonderheit Nietzsches in vielen neuen Facetten herauszukristallisieren, "der wie kein anderer lehrte, durch die Verneinung zu bejahen, durch den Verzicht anzunehmen, durch den Hass zu lieben." Swassjan, selbst Wortakrobatiker auf höchstem Niveau, führt uns Nietzsche als jene Ausnahme vor, die nie und nimmer zur Regel werden kann und zeigt uns den "unwiederholbaren und unnachahmbaren tragischen Kriegsmann der Erkenntnis, der seinen Gedanken nach dem Index des Radikalismus und des Katastrophismus gestimmt und sich bis zu Wahnsinn und Tod zerdacht hat. In jeder Zelle seines Gedankens schlägt sein ganzes Wesen." Der Autor zeigt auf, wo er Verführer und Hasser war - aber auch, wo er missinterpretiert wurde und warum er "in den Giftschrank des Jahrhunderts" verschlossen wurde, jenes Jahrhundert, das sich durch "erstaunliche Verdrehungen einer ideologischen Flachgeisterei" erwies (deren Zeuge wir täglich werden). Als besonders spannend und erhellend zugleich sind die Ausführungen des Autors zum Nihilismus und seinen spezifischen Hintergründen im Falle Nietzsches, die ein Kernstück zum Verständnis sind. Moralin und Nihilin, diese von Nietzsche geschaffenen Termini, werden zu Schlüsselworten und zum Verständnis der Anamnese der Krankheit, die auf Jahrtausende zurückzuführen ist: "... das Fazit aller seiner Arbeiten über die Moral liegt eben darin, das die tausendjährige Schwangerschaft der Moral keine andere war als die vom Nihilismus und das endlich die Zeit einer furchtbaren Entbindung gekommen ist."... Der reine Salon-Nihilismus des 19. Jahrhunderts, "rüstete sich zu einem gigantischen Experiment, dessen Truppenübungsplatz sich über das ganze 20. Jahrhundert erstreckte." Swassjan zeigt, wie sich der an die Macht gekommene Nihilismus an dem furchtlosen Diagnostiker grausam rächte, "nicht so sehr durch die Umnachtung seines Bewusstseins, als vielmehr durch die Umnachtung dieses Bewusstseins in uns. Unsere Antwort an Nietzsche war Verleumdung und Lüge, mit nihilistischem Blick sahen wir ihn an uns sahen in ihm nichts als das Nichts. Wurden aber nicht in allen Zeiten nur die .... Wahrsager so gestraft?". Man lese und staune und prüfe, wie sich Nietzsches Kassandrarufe in der Entfesselung der Kräft zeigt(e). - Ein Buch, wie Dynamit! - Aber auch eines, das volle Konzentration erfordert!

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