Karin Altenberg

 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Island of Wings.

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Island of Wings

Island of Wings

 (2)
Erschienen am 27.12.2011

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Rezension zu "Island of Wings" von Karin Altenberg

Insel mit Flügeln
Saralondevor 3 Jahren

Schottland, 1830: Der junge Pfarrer Neil Mackenzie zieht mit seiner Frau Lizzie nach St. Kilda, der abgelegenen Insel jenseits der Hebriden, um dort ein Gemeindewesen aufzubauen. Für ihn ist es Pflichterfüllung, für seine Frau eine Reise in die Einsamkeit. Denn auf der Insel wird nur Gälisch gesprochen, das sie nicht beherrscht. Zudem herrschen auf der Insel schockierende hygienische Zustände, und der junge Pfarrer macht sich die Verbesserung der Lebensumstände, aber insbesondere die Bekehrung der Inselbewohner zu einem reinen Christentum zur Lebensaufgabe. Denn den tief verwurzelten Aberglaube der Menschen gilt es auszumerzen.

Fiktionalisierte Romanfassungen des Lebens historischer Personen gehören zu meinen liebsten Lesestoffen. Auch Karin Altenbergs Charaktere haben wirklich gelebt und sie vermag es, sie mit einer tiefgehenden Charakterzeichnung wiederauferstehen zu lassen. Neil ist pragmatisch, ein Kind seiner Zeit, der die euphemistisch ausgedrückte “Umsiedelung” der schottischen Landbevölkerung für notwendig hält. Die Zivilisation schreitet voran, alte Sitten und Gebräuche oder gar Glaubensvorstellungen haben in der Moderne keinen Platz. Dass Neil sich ausgerechnet auf die abgelegene Insel St. Kilda oder Hirta schicken lässt, ist teilweise auch seinem schlechten Gewissen geschuldet, denn bei einem Seeunfall, den er überlebte, starb ein Freund. Neils Ambitionen auf St. Kilda schlagen in überzogenen Ehrgeiz und Arroganz um, er beginnt, sich mehr und mehr als Herrscher der Insel zu sehen, und gegenüber seiner jungen Frau entwickelt er ein völlig unberechtigtes Misstrauen. Er wird hart und kalt, hat kein Verständnis für ihre Bedürfnisse und ihre zaghaften Versuche, sich an die Sitten der Inselbevölkerung anzupassen. Lizzie, die ihm vermeintlich so sehr unterlegen ist, die Sprache nicht spricht und sie auch nie lernt, besitzt hingegen ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, sie erkennt Neils Fehler und mangelnde Empathie. So leidet sie nicht nur unter der Einsamkeit auf der Insel, sondern auch unter der zunehmenden Entfremdung von ihrem Mann. Letztlich ist sie der stärkere der beiden Charaktere

Die Schilderungen des Insellebens lassen den Leser erschaudern, die hygenischen Zustände, die Behausungen sind für uns aus heutiger Sicht schier unglaublich. Dies schlägt sich auch in der äußerst hohen Säuglingssterblichkeit nieder, einer der tragischsten Aspekte der Inselhistorie. Andererseits leben die Bewohner im Einklang mit der Natur, sie sind gänzlich frei und haben eine flaches demokratisches System, das regelrecht utopisch erscheint. Die größte Rolle für die Wirtschaft der Insel spielen die Seevögel, deren Bejagung uns heute freilich etwas grausam anmutet. (Wer würde heute noch einen Papageientaucher essen ;-))

Wer weiß, dass St. Kilda letztendlich verlassen wurde, wird das Buch auch mit Melancholie lesen. Tatsächlich verließen die letzten Bewohner 100 Jahre nach dem Einsetzen der Handlung die Insel. So zeugen heute nicht mehr nur die steinzeitlichen Anlagen, sondern auch die verlassenen Häuser des während der Handlung neu gebauten Dorfes von der einstigen Besiedlung.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich werde gerne mehr von Karin Altenberg lesen.

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