Rezension zu "Vor dem Aug der Stille – Ante el ojo del silencio" von Karin Monteiro-Zwahlen
Trishen77"Zwischen uns liegt ein geheimer Schmerz: der Tag, der uns trennen wird", heißt es bei Sandra Wöhe. Es liegen aber auch weniger geheime Dinge zwischen uns: Landesgrenzen, Sprachen, Ressentiments. Weniger endgültig als der Tod, halten sich dennoch hartnäckig als Grund, zwischen Menschen zu differenzieren, ihnen Herkunft und Hintergrund, Sprache und Aussehen wie eine Tat auszulegen.
In Karin Monteiro-Zwahlens Gedichten, zweisprachig verfasst (Spanisch und Deutsch), geht es viel um persönliche Erfahrungen mit Migration, Identität und Befremden, manche Gedichte machen aber auch den kollektiven Erfahrungskontext auf. Das lyrische Ich durchläuft dabei zahlreiche Empfindung, darunter Freude, Angst, Zorn, Zärtlichkeit, Hoffnung und Verzweiflung. Jedes Gefühl darf dabei für sich sprechen und reüssieren.
Traum und Wirklichkeit, sie beide kommen in diesen Gedichten, in denen immer wieder das Meer ein wichtiges Element ist, wie kräftige Wellen herangerollt — trennen tut sie nicht die Erschütterung, sondern die Ernüchterung, die die Wirklichkeit oft mitführt. Aber man kann noch hoffen, dass die Ernüchterung eines Tages ausbleibt. Manchmal fühlt es sich an, als wäre es schon soweit.
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