Karin Nungeßer, geb. 1966, ist Literatur- und Theaterwissenschaftlerin und lebt als Lektorin und freie Redakteurin in Berlin und Brandenburg. Sie studierte in den Neunzigerjahren an der Freien Universität Berlin und schrieb ihre Magisterarbeit über Art Spiegelmans Graphic Novel ›Maus‹. Danach arbeitete sie mehrere Jahre als Journalistin und befasste sich vor allem mit Gerechtigkeitsfragen, mit Frauen- und Geschlechterthemen sowie mit Rechtsextremismus und den Nachwirkungen des Nationalsozialismus. 2006 wurde ihr Wettbewerbsbeitrag "Fremde Freundschaft" von der Jungen Akademie in die Anthologie „Wer hat die Wahl?“ aufgenommen. Ihr 60-minütiger Dokumentarfilm ›100 werden‹, ein Porträt ihrer Großmutter Johanna Nungeßer, wurde 2016/2017 in Rotterdam und Berlin gezeigt.
Der Essayband "Das eigensinnige Kind: Vom Umgang mit einem sehr deutschen Gefühl" ist ihr erstes Buch. Es entstand als Gemeinschaftsarbeit mit Wolfram Ette und in Anknüpfung an dessen erste Veröffentlichung zum gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm. Der 2023 erschienene zweite Band der beiden Autor*innen versammelt ganz unterschiedliche Texte und Perspektiven - kurze philologische Analysen, Biografisch-Literarisches und Politisches - und verknüpft sie zu einer umfassenden Gesellschaftsanalyse der Gegenwart. Ein wichtiger Bezugspunkt sind dabei die NS-Erziehungsratgeber von Johanna Haarer, mit denen Kindern der Eigensinn ein für alle Mal ausgetrieben werden sollte und die in der Bundesrepublik bis in die Achtzigerjahre gekauft und gelesen wurden. Ein rund einstündiges Radioninterview, das Lukas Holfeld während des Schreibens mit den Autor*innen über Haarer geführt hat, ist nachzuhören auf https://www.youtube.com/watch?v=WLiNzsSTxM0.
Karin Nungeßer ist Inhaberin der textwerkstatt r46 und des Ladensalons r46. Wolfram Ette und sie lesen regelmäßig aus "Das eigensinnige Kind" und freuen sich, mit Leser*innen darüber ins Gespräch zu kommen. Kontakt und Termine unter: https://karinnungesser.wordpress.com/