Der eigenwillige Satz der Buchstaben im Titel dieses mit Erzählungen gefüllten Bandes macht mich neugierig, regt mich zum Nachdenken an. Und animiert mich zum Spielen, wozu das kindliche Pink des Hintergrunds und die pastelligen Töne der Buchstaben, die sich alle gegenseitig berühren, noch beitragen. WO-ORT-ART-RAT-WART- RAU-WAR. Man verändert die Position nur eines Buchstaben und erhält einen völlig neuen Sinn. Das Cover ist Programm. Gleich die erste Erzählung enthält Reflexionen über Zeichen, Buchstaben, Worte, Sätze. Kleinste Elemente, die für sich genommen nur Zeichen sind, doch zusammengesetzt etwas Großes ergeben. Karina Lotz sinniert über die historische Bedeutung von Buchstaben, reflektiert das Schreiben in einer digitalen Welt und berichtet von der Freude mit Feder und Tinte Worte auf Papier entstehen zu lassen. So wird auch eine Verbindung zu dem Logo des Verlags edition federleicht gesponnen – der Feder.
Der Band enthält zahlreiche prägnante Erzählungen, verfasst in glasklarer Prosa mit opaker Bedeutung. Karina Lotz wirft den Leser kopfüber in unbekannte Situationen hinein, stellt ihm in unterschiedlichen Genres interessante und eigenwillige Charaktere vor, die so menschlich sind, auch wenn sie nicht alle Menschen sind. Figuren, die am Scheideweg stehen, die etwas erleben, was ihr Leben für immer verändert. Sie entwirft mit einem minimalistischen Einsatz von Worten komplexe Szenarien und diese lassen dem Leser viel Raum für Interpretationen. Konsequent verzichtet sie auf die „Moral von der Geschicht‘“. Die Erzählungen kreisen um große, zeitlose Themen, Hoffnung, Vergänglichkeit, Liebe, Passionen, Glück, Träume, Freiheit. Sie hinterfragen, was man aus dem Leben macht, was das Leben ausmacht, was man versäumt. Die meisten Erzählungen sind kurz und prägnant. Einige wenige sind etwas länger, so wie die Parabel vom Tod, der einen Pakt anbietet, den ich persönlich nicht ablehnen würde (meine Lieblingserzählung in diesem Band) oder die des Kletterers, der einen Gipfel erklimmen möchte oder das Märchen, dessen Handlung auf dem tiefen Grund des Meeres spielt. Die Verschiedenartigkeit der Erzählungen zeigt nicht nur das literarische Talent der Verfasserin, sondern eben auch, welch eine große Vielfalt an unterschiedlichen Welten man auf geringem Raum (99 Seiten) mit wenigen Worten erschaffen kann. Und immer wieder enthalten sie eine metafiktionale Komponente, denn Karina Lotz kommt stets wieder auf den Prozess des Schreibens selbst zurück.
Und ohne groß darüber nachzudenken, habe ich mir beim Schreiben ein paar Notizen gemacht, Gedanken festgehalten, Punkte notiert, über die ich später noch einmal nachdenken möchte – ganz klassisch mit einem orangefarbenen Bleistift auf einem gelben Notizblock.









