Karina Urbach

 4.4 Sterne bei 17 Bewertungen
Autorenbild von Karina Urbach (©Quelle: C.H. Beck)

Lebenslauf von Karina Urbach

Karina Urbach ist als Senior Research Fellow an der Universität in London tätig. Sie hat an der LMU in München studiert und in Cambridge promoviert. Im Jahr 2009 schrieb sie über politische Verknüpfungen des europäischen Adels im 20. Jahrhundert. Sie war an BBC Dokus beteiligt, welche sich um das viktorianische Zeitalter drehten. Ihr Hauptinteresse in der Forschung gilt den deutsch-britischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert, der Geschichte der internationalen Beziehungen und der jüdischen Familiengeschichte.

Alle Bücher von Karina Urbach

Cover des Buches Queen Victoria (ISBN:9783406727535)

Queen Victoria

 (6)
Erschienen am 18.09.2018
Cover des Buches Hitlers heimliche Helfer (ISBN:9783806233834)

Hitlers heimliche Helfer

 (0)
Erschienen am 01.09.2016

Neue Rezensionen zu Karina Urbach

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Rezension zu "Hitlers heimliche Helfer: Der Adel im Dienst der Macht" von Karina Urbach

Interessante Thematik, exzellent recherchiert
Patnovor 5 Monaten

Cover und Titel erregten meine Aufmerksamkeit. Über diese Zeitepoche habe ich schon viel gelesen und dennoch waren mir „Hitlers heimliche Helfer“ gänzlich unbekannt. Karina Urbachs Buch ist bei wbg Theiss im Januar 2019 neu erschienen und umfasst 464 Seiten inclusive Illustrationen, Anmerkungen und Register. Heimliche Helfer, auch Go Betweens genannt, sind Privatiers, die aufgrund ihrer internationalen Kontakte von Politikern benutzt werden, um geheime Verhandlungen zu führen. Diese Treffen finden inoffiziell und nicht öffentlich statt. Daher können Diplomaten nicht selbst in Erscheinung treten. In der Einführung zum Buch beschreibt Karine Urbach eine Szene, die mich überrascht: „Es ist ein schönes Sommermotiv: zwei kleine Mädchen spielen im Garten, ihre Mutter und ihr Onkel betrachten Sie wohlwollend. Der Vater filmt die Idylle. Nach einer Weile reckt die Mutter den Arm zum Hitlergruß und der Onkel animiert die Kinder, das Gleiche zu tun. Kurz darauf reißt auch er den Arm in die Höhe.“ (Auszug aus dem Buch) Nun ist diese Filmszene aus dem Jahre 1933/34 vermutlich nichts Ungewöhnliches, außer es handelt sich um die prominenteste Familie Großbritanniens, die Royal Family. Mit dem Einstieg ins Buch hatte mich die Autorin. Ich war gespannt, was europäische Adelige wie z.B. der Herzog von Coburg oder die Prinzessin Stephanie Hohenlohe dazu brachte, sich in den Dienst der Nazis zu stellen. Karina Urbach hat exzellent recherchiert, alle verfügbaren Unterlagen gesichtet und wissenschaftlich ausgewertet. Sie betont allerdings, dass einige Quellen von Adelsfamilien für Historiker verschlossen bleiben. Verständlicherweise wollen die Nachkommen nicht mit solch brisanten Verwicklungen in Verbindung gebracht werden. Die Thematik ist interessant. Trotzdem war das Buch für mich eine Herausforderung. Das lag daran, dass ich nur wenige Vorkenntnisse über Adel und Monarchie in Europa besaß. Ich habe mich schwer getan, die Namen und Verwandtschaftsgrade miteinander zu verbinden. Auf den ersten 200 Seiten geht die Buchautorin weit zurück, beleuchtet die europäische Aristokratie ausführlich. Hinsichtlich des Buchtitels hatte ich hier zunächst etwas anders erwartet. Erst den zweiten Teil des Buches widmet Karina Urbach Hitler und seinen Helfern. Diesen Abschnitt fand ich spannend und aufschlussreich. Besonders spektakulär schien mir die Geschichte um Prinzessin Stephanie Hohenlohe. Die Dame wusste sich in Szene zu setzen, stand gern im Mittelpunkt. Obwohl Hitlers Spionin, wie Hohenlohe genannt wurde, Halbjüdin war, verstand sie es exzellent, sich in Nazikreisen zu bewegen und die Männer dabei um den Finger zu wickeln. Es hat mich überrascht, wie sich die Adligen in den Dienst der Macht stellten und ihr Fähnchen nach dem Wind richteten. Übrigens, noch heute kommen heimliche Helfer zum Einsatz, auch wenn sie inzwischen nicht mehr aus Adelskreisen kommen. „Allen Forderungen nach mehr Transparenz zum Trotz werden die „heimlichen Helfer“ uns auch in Zukunft beschäftigen. ( Auszug aus dem Buch) „Hitlers heimliche Leser“ ist kein leichter Lesestoff und erfordert ein hohes Maß an Konzentration, um all die Zusammenhänge zu erfassen. Wer sich für Adel und Monarchie interessiert, sollte bei diesem Buch zugreifen.

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Rezension zu "Queen Victoria" von Karina Urbach

Die Unbeugsame
Books_mytruepassionvor 7 Monaten

https://booksmytruepassion.blogspot.com/2019/05/rezension-zu-queen-victoria-biografie.html?m=1#more
Nach ihr wurde ein Zeitalter benannt, sie hat ganze Generationen geprägt und sie hat ein ganzes Empire erschaffen - Queen Victoria. Mit 18. Jahren wurde sie zur Königin von Großbritannien und damit hatte sie die Macht über eines der einflussreichsten Länder der Welt. Auch wenn viele nicht an die junge, naive Königin geglaubt haben und sie für unfähig hielten, hat sie den Kritikern und Gegnern der Monarchie immer wieder das Gegenteil bewiesen. Victoria hat sich nie unterkriegen lassen. Mit der Hilfe von einigen Premierminister und ihren geliebten Ehemann, Prinz Albert. Zusammen haben sie die Monarchie neu geformt und dem Volk neue Möglichkeiten verschafft. Vor allem für die ärmeren Menschen haben sich beide eingesetzt und wurden so, für viele Menschen ein Symbol der Hoffnung.
Mich interessiert die britische Monarchie schon seit längerem und besonders die weiblichen Monarchen sind beindruckend. Es ist einfach unglaublich zu sehen, was Queen Victoria in ihrer gesamten Regierungszeit geschaffen hat. In dem Buch sind die Schlüsselpunkte in ihrem Leben ausführlich geschildert. Außerdem hat die Autorin viel Abwechslung in das Buch gebracht und somit hielt es sich immer spannend. Mir hat gefallen, dass es leicht verständlich war und nicht so viele Fachwörter benutzt wurden.
Es ist erstaunlich, wie stark Queen Victoria, auch noch nach ihrem Tod, Generationen beeinflusst und auch ihre Nachfahren. Victoria hat ihr ganzes Leben lang Tagebücher geschrieben und, dass was man aus diesen Büchern an Informationen bekommt, hat die Autorin in ihr Buch eingearbeitet. Auch wenn vieles von ihren Tagebüchern zensiert wurde, hat man eine bessere Vorstellung davon, wer sie wirklich war.
Die Bilder und die Stammbäume haben dem Buch eine gewisse Tiefe verleiht und den Inhalt unterstrichen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und wunderbar zu lesen. Es ist nicht zu trocken geschrieben, so dass man nicht die Lust an dem Buch verliert. 

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Rezension zu "Hitlers heimliche Helfer: Der Adel im Dienst der Macht" von Karina Urbach

Networking ist keine Erfindung des digitalen Zeitalters
Bellis-Perennisvor 8 Monaten

Die britische Historikerin Karina Urbach hat in diesem Buch die Rolle des Adels als inoffizielle Botschafter des Deutschen Reichs untersucht. 

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: 

  • „Heimliche Helfer in der Ära VOR Hitler“
  • „Hitlers heimliche Helfer“ 

Im ersten Teil, der recht lang ausfällt, wird der Begriff „Go-Betweens“ genau erklärt, der sich von (Berufs)Diplomaten und Geheimdiensten unterscheidet. Diesen „Go-Betweens“ kommt in der Zeit vom Ersten bis weit in den Zweiten Weltkrieg eine große geopolitische Bedeutung zu. Vornehmlich Mitglieder von europäischen Adelshäusern engagieren sich als Vermittler und Türöffner. Die adeligen Familien Europas sind untereinander mehrfach verwandt und verschwägert und können auf ein weitverzweigtes Netzwerk verfügen. Wer würde hinter einem gemütlichen Familienbesuch eine diplomatische Mission vermuten? Eben!  

Auch die diversen Netzwerke der Frauen sind nicht zu unterschätzen. Oft als literarische Zirkel getarnt, wird dennoch handfeste Politik gemacht (S.149). 

Dass das manchmal auch schiefgehen kann, beweist die als „Sixtus-Affäre“ bekannten Bemühungen von Kaiserin Zita von Österreich-Ungarn, die ihre Brüder mit ihrem Ersuchen um einen Separatfrieden nach Frankreich entsendet hat. Damit hat sie nicht nur ihren Ehemann Kaiser Karl desavouiert, sondern den Untergang der Habsburger-Monarchie beschleunigt. 

Auch nach dem Ende der großen europäischen Monarchien sind die Netzwerke aktiv. Von Durchlaucht zu Durchlaucht redet es sich einfach besser. Man ist unter sich und kennt die diversen Sprachregelungen.

Außerdem haben die Adelsfamilien eine weitere Gemeinsamkeit: Die Angst vor den Bolschewiki. Die Ermordung und Enteignung von Mitgliedern der Adelshäuser in Russland versetzen auch ihre Verwandten in Angst und Schrecken.

„Der Faschismus ist zwar auch eine Gewaltherrschaft, aber immerhin lässt er Raum für Fortschritt, Schönheit, Kunst, Literatur, für ein Heim und für das gesellschaftliche Leben, für gute Sitten und Sauberkeit; der Bolschewismus hingegen macht das alles zunichte.“ (S. 213).

Damit haben wir gleich die Überleitung zu Teil zwei. Warum haben sich viele Adelige den Nazis so bereitwillig angedient?

Zum einen liegt es wohl daran, dass viele männliche Adelige keinen zivilen Beruf erlernt haben, sondern als Offiziere in den diversen Armeen im Ersten Weltkrieg kämpften. Zum anderen scheint die NS-Diktatur anfangs Stabilität in das Staatsgefüge zu bringen. Nach den diversen Experimenten wie Weimarer Republik oder der Bayrischen Räterepublik in Deutschland und dem Ständestaat in Österreich, glauben einige Mitglieder an eine Wiedererstarkung des Adels. 

Dass sie dabei bei Hitler auf Granit beißen, der ja den Adel hasst, ist vielen erst später bewusst. Natürlich bedient sich das Regime der (salopp ausgedrückt) „nützlichen Idioten“, die sich geradezu aufdrängen. 

Als Beispiel führt die Autorin u.a. Carl Eduard, den Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha (ein Enkel Königin Victorias), Max von Hohenlohe-Langenburg, Lord Rothermere und Prinzessin Stephanie von Hohenlohe an. Als Stephanie Richter in Wien geboren, umgibt sich die ehrgeizige junge Frau bald mit einflussreichen, meist verheirateten Männern. Nach der Heirat mit Friedrich Franz Augustin Maria Prinz zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst hat sie Zugang in adelige Kreise. Schon kurz nach der Scheidung 1920 begibt sie sich als Geheimdiplomatin des ungarischen Reichsverwesers Miklos Horthy nach England und macht die Bekanntschaft mit Lord Rothermere. 

Einige Mitglieder des britischen Königshauses haben, wie wir ja wissen, gewisse Sympathien für Hitler und Nazi-Deutschland. Diese Konstellation beleuchtet Karina Urbach ebenso, wie den Umstand, dass Hohenlohe sich dann ein wenig später mit Fritz Wiedemann verbündet und ein eigenes Süppchen kocht. Das lässt wiederum den Minister des Auswärtigen Amtes, Joachim von Ribbentrop, im Quadrat springen (S.345). Nicht einmal die Tatsache, dass Hohenlohe eigentlich Jüdin ist, kann ihren Umtrieben etwas anhaben. 

Ein interessantes Kapitel ist auch dem "Abgesang“ der „Go-Betweens“ gewidmet. Was ist mit ihnen nach dem Ende der NS-Zeit passiert?

Stephanie Hohenlohe reist schon in den 1940 in die USA, um Wiedemann zu folgen, der Botschafter wird. Allerdings wird sie mit Unterbrechungen bis 1945 interniert. Später trifft sie sich mit Männern wie Harry Truman, John F. Kennedy oder Lyndon B. Johnson. Sie wird ihre Schäfchen ins Trockene bringen und mit dem Axel-Springer-Verlag einen lukrativen Vertrag abschließen.

Offiziell werden die Go-Betweens heute nicht mehr eingesetzt, doch wenn man die aktiven Lobbyisten z.B. bei der EU in Brüssel oder zwischen großen Firmen genauer betrachtet, wird der eine oder andere illustre Namen wieder aufscheinen.

Was die Autorin auch nicht verschweigt, sind Schwierigkeiten, die sie bei der Recherche und Akteneinsicht für dieses Buch hatte. Viele Familienarchive sind nicht zugänglich, und die die es sind, sind häufig einem „Reinigungsprozess“ unterworfen worden, bei dem allzu kompromittierende Stellen entfernt worden sind. Hier ist z.B. die Biografie von Stephanie von Hohenlohe („Stephanie. Meine Mutter“) zu nennen, die ihr Sohn Franz von belastendem Material gesäubert hat. Martha Schads Biografie „Stephanie. Hitlers Spionin“ dagegen ist sauber recherchiert und bringt auch ein paar unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht.  

Viele bislang unbekannte Fotos, ein ausführliches Quellen- und Literaturverzeichnis lassen die Herzen der Sachbuchleser höher schlagen. 

Fazit:

Dieses Buch ist penibel recherchiert, informativ, aufschlussreich, spannend und gut strukturiert. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und 5 Sterne.


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