Der britische Geschichtsprofessor Hunt wird bei der Einreise in die Vereinigten Staaten am Flughafen in New York aufgehalten und muss eine Nacht in der Arrestzelle verbringen. In seiner Wohnung in London wurde sein Nachbar Gerald Fraser tot aufgefunden, wofür er keine Erklärung hat. Zurück in London bittet ihn die M16-Agentin Emma Spencer, die an der Aufklärung des Mordfalls beteiligt ist, um Mithilfe. In Hunts Wohnung hat früher die Geheimagentin Daphne Parson gelebt und Emma vermutet darin einen Zusammenhang mit Frasers Tod.
1948 arbeitet Daphne Parson in Wien für eine Spezialabteilung des MI6. Sie hört in einem geheimen Tunnel sowjetische Gespräche ab. Bei einem Telefonat erkennt sie einen SS-Mann wieder, der sie während des Zeiten Weltkriegs in Griechenland gefoltert hatte. Aus dem Konzept gebracht, verpatzt sie einen verdeckten Einsatz. Um den Fehler wiedergutzumachen, muss sie sich sich einer Filmcrew anschließen, um verdeckt in den sowjetischen Sektor Wiens zu gelangen.
"Das Haus am Gordon Place" handelt auf zwei Zeitebenen und wird in kurzen Kapiteln aus vielen verschiedenen Perspektiven geschildert. Die Autorin ist Historikerin und verbindet geschickt historische Fakten mit einer fiktiven Geschichte, wobei einige der handelnden Figuren tatsächlichen Personen angelehnt sind.
Hauptteil ist die Spionagetätigkeit britischer Geheimagenten in Wien der Nachkriegszeit. Lebendig wird dargestellt, wie der MI6 zur Zeit des Kalten Krieges agierte, wie die Zivilbevölkerung zur Zusammenarbeit bewegte wurde und welche Rolle ehemalige Nazi-Schergen spielten. Verbindendes Element mit der Gegenwart ist das Haus am Gordon Place, in dem viele MI6-Agenten wohnten. In Daphne Parsons ehemaliger Wohnung wird ein Mann ermordet und es ist zu vermuten, das dort etwas gesucht wurde, was Daphne vor langer Zeit versteckt hatte.
Beide Zeitebenen sind spannend und unterhaltsam geschildert, wobei der schnelle Szenenwechsel und die vielen handelnden Personen die Aufmerksamkeit des Lesers fordern. Gegenwart und Vergangenheit werden dabei inquisitiv mit einander kombiniert und ergänzen sich gegenseitig. Was Hunt in der Gegenwart herausfindet, wird in der Vergangenheit noch ausführlicher dargelegt. Neben der strategischen Vorgehensweise aus Tarnen und Täuschen eines Geheimdienstes, spielen auch die persönlichen Hintergründe, insbesondere die Kriegstrauma eine Rolle, die die Handlungen der Personen beeinflussen. Sowohl die Lebensbedingungen der damaligen Zeit als auch die persönlichen Befindlichkeiten und Beziehungen der Personen untereinander zeugen von Empathie und zeigen, dass auch die "Guten" nicht frei von Fehlern waren.
Je tiefer man in die politischen Machenschaften eintaucht und je mehr Details über die Vergangenheit bekannt werden, desto spannender wird, wie die Personen in der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zusammenhängen und was damit das Motiv für den Mord des unscheinbaren Nachbarn über 70 Jähre später sein könnte.
Darüber hinaus sorgen die persönlichen Hintergründe, die Schrecken der Kriegs- und Nachkriegszeit, der unermüdliche Einsatz für Ideale und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, für dramatische Szenen und wecken Emotionen.
Das Nachwort der Autorin ergänzt den Roman und erklärt, was Wahrheit und Fiktion ist. "Das Haus am Gordon Place" ist als historischer Roman ein Beleg dafür, dass das wahre Leben immer noch die spannendsten Geschichten schreibt.
Karina Urbach

Lebenslauf
Neue Bücher
Alle Bücher von Karina Urbach
Das Haus am Gordon Place
Die Zeit der Verräter - Cambridge Five
Das Buch Alice
Queen Victoria
Queen Victoria
Hitlers heimliche Helfer
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Das Buch Alice
Neue Rezensionen zu Karina Urbach
Im Jahr 1948 ist auch Wien in Besatzungszonen aufgeteilt. Und natürlich belauern sich die Besatzer. Die Stadt wimmelt vor Spionen. Im Untergrund Wiens haben die Briten Abhörtunnel eingerichtet. In der Gegenwart wird Professor Hunt am Flughafen von New York in Gewahrsam genommen. Er hat eigentlich nichts gemacht, oder? Als die Britin Emma Spencer in befragt, vermutet er, sie sei Konsularbeamtin und wolle ihm helfen. Welch ein Irrtum. Es erweist sich, dass die Dame gewissermaßen bei der Polizei ist. Sie erzählt ihm, ihn seiner Wohnung am vornehmen Gordon Place in London ist sein älterer Nachbar umgebracht worden und er, Hunt, ist der erste Verdächtige.
Eine Spionagegeschichte aus der Nachkriegszeit kann tatsächlich noch Auswirkungen bis lange Zeit in die Zukunft haben. Wann Hunts Gegenwart genau stattfindet, bleibt unklar. So ist auch das Alter einiger Beteiligter nicht ganz klar. Emma Spencer stellt schnell fest, dass Hunt aus zeitlichen Gründen nicht der Täter sein kann. Also nimmt sie kurzerhand seine Erfahrungen als Historiker in Anspruch, um einen anderen Blickwinkel zu dem Mord zu bekommen. In der Vergangenheit lernen sich verschiedene Menschen kennen, die für den britischen Geheimdienst arbeiten. Trotz ihrer unterschiedlichen Aufgaben bilden sie ein eingeschworenes Team.
Auf sehr fesselnde Weise sind hier Vergangenheit und Gegenwart verknüpft. Die Spionagetätigkeit der einzelnen Geheimdienste, hier der britischen, würde unter normalen Umständen wie eine Mär aus fernen Zeiten klingen. Was damals wie ein spannendes Abenteuer wirke, ist heute leider nicht verschwunden, sondern in seiner technisierten Form mindestens ebenso gefährlich, wenn nicht schlimmer. Wie unterschiedliche Einflüsse die Menschen aufeinander hatten und dazu noch die Einbindung eines bekannten Films, das ist einfach gut gelungen. Die Geschichte wird einem nahegebracht, sowohl indem man sie quasi miterleben kann und auch mit dem historischen Blickwinkel. Ein besonderer Aufhänger ist auch die Anfangssequenz, von dem man nicht möchte, dass sie einem selbst widerfährt, die aber sehr aberwitzig und damit auch lustig zu lesen ist. Ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman mit historischem Bezug.
Bei „Das Haus am Gordon Place“ handelt es sich um einen spannend verfassten Kriminal- als auch Spionageroman, der kaum einen Wunsch offenlässt. Immer wieder entführt die Autorin ihre Leser mal in die Gegenwart und dann wieder zurück nach Wien im Jahr 1948. Im letzteren treffen wir auf die junge Daphne Parson, die in einem der vielen unterirdischen Tunnel für den britischen Geheimdienst arbeitet. Doch auch die Russen haben ihre Finger mit im Spiel und schon bald wird Daphne in eine Situation hineinkatapultiert, die einen tödlichen Ausgang hat … auch in der Gegenwart geht es nicht ohne Tote ab, denn in der Wohnung von Prof. Hunt, die einst genannter Daphne Parson gehörte, wird ein Mann tot gefunden, der eindeutig Opfer eines Mordes wurde. Was also verbindet diese beiden Zeitschienen? Und wie passen die Dreharbeiten zu dem berühmten Film „Der dritte Mann“ ins Bild?
Karina Umbach, die schon für ihre Recherche Arbeiten zu den Büchern über Queen Victoria und „Das Buch Alice“ bekannt geworden ist, hat auch hier wieder eine hervorragende Arbeit geleistet. Geschickt verbindet sie Fakt und Fiktion und knüpft daraus einen rasanten Agentenkrimi, der seine Leser spielerisch bei der Stange hält. Tiefe Einblicke in das Leben einer Spionin und noch viel mehr runden die Story ab und dafür vergebe ich gerne vier von fünf Sternen. Sehr hilfreich fand ich übrigens auch das Nachwort der Autorin, in dem sie ein wenig erklärt, was wahr und was erfunden ist. Von mir eine Empfehlung.
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