„Der unsichtbare Garten“ von Karine Lambert ist für mich ein besonderer Roman, der mit feinem Gespür für Emotionen, glaubwürdiger Stimmung und einem starken Thema überzeugt. Gerade weil vieles eher leise erzählt wird, bleibt der Blick für das Wesentliche, und für die Hoffnung, die auch in der Dunkelheit wachsen kann.
Vincent, ehemaliger Tennisprofi und Trainer, erfährt, dass er an einer seltenen Augenkrankheit leidet und sein Augenlicht in wenigen Wochen verlieren wird. Statt nur abzuwarten, arbeitet er an einer Liste letzter Wünsche und Erinnerungen, und findet auf seiner letzten Reise zu einem vertrauten Ort aus der Kindheit nach und nach neue Perspektiven: den verwilderten Garten seines Großvaters und ganz eigene Bilder aus der Vergangenheit. Mit Unterstützung seines Freundes Arnaude und der jungen Nachbarin beginnt Vincents Zurückhaltung langsam zu bröckeln.
Ich fand den Schreibstil angenehm und flüssig, emotional, aber nicht kitschig. Auch das Setting hat mir gut gefallen. Ein bisschen mehr vom „unsichtbaren Garten“ hätte ich mir im Verlauf zwar gewünscht, dramaturgisch liegt der Fokus aber klar auf Vincents innerem Wandel. Die Figuren sind eher dezent gezeichnet, sodass man viel Raum für die eigene Vorstellung hat. Für mich war der Protagonist nicht ganz so nah, wie ich es mir gewünscht hätte, dafür haben mich Nebenfiguren wie Coline oder Arnaud stärker fasziniert.
Besonders berührt haben mich die kurzen Passagen rund um die Selbsthilfegruppen: Als Sehender macht man sich über vieles oft zu wenig Gedanken, und hier wird das richtig sichtbar. Kein Pageturner, aber ein Buch, das zum Nachdenken einlädt.














