Karine Tuil Die Gierigen

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Inhaltsangabe zu „Die Gierigen“ von Karine Tuil

„Ein grandioses Sittengemälde unserer Zeit.“ titel thesen temperamente Sam hat erreicht, wovon er immer träumte: Er lebt als Staranwalt in New York und ist mit der einflussreichen Ruth Berg verheiratet. Doch sein Leben beruht auf einer Lüge: Um seine arabische Herkunft zu verbergen, bediente er sich der Identität seines jüdischen Freundes Samuel, der als Schriftsteller gescheitert ist. Ihre Freundschaft zerbrach einst an Nina, der Frau, die beide Männer leidenschaftlich liebten. Zwanzig Jahre später treffen sich die drei in Paris wieder – und das Schicksal zieht jeden Einzelnen zur Rechenschaft. „Wie Karine Tuil ‚Die Gierigen‘ aufeinanderprallen lässt, ist so rasend beschrieben, dass man manchmal schneller liest, als man die Worte fassen kann.“ Brigitte

Sehr gut, gesellschaftskritisch, bewegend,schonungslos. Aktuell, politisch. Die Herkunft ist in der heutigen Zeit nicht einfach......

— Ankili
Ankili

Es geht um Identität, um Herkunft und Familie, Aufrichtigkeit und Fälschung.

— Notizhefte
Notizhefte

Unglaublich fesselnder Roman über Liebe, Lügen und Lebensentwürfe.

— SignorinaVespucci
SignorinaVespucci

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    Die Gierigen
    Notizhefte

    Notizhefte

    21. August 2016 um 15:11

    Es ist der neunte Roman der im Jahr 1972 geborenen Autorin seit 2001. Sie verarbeitet darin Probleme des Moslemisch- und des Jüdischseins, schreibt über Aufsteiger, Freundschaften und Liebesbeziehungen, Enttäuschungen und deren Nachwehen, über die Gesellschaft in Frankreich und in den USA. Es geht um Identität, um Herkunft und Familie, Aufrichtigkeit und Fälschung. Das Buch ist eine packend geschriebene Tour de force, Fußnoten erläutern biographische Detail zu erfundenen Nebenpersonen, auch lange Sätze haben einen staccatohaften Stil. Perspektivwechsel im kleinen wie im großen erhöhen das Tempo des Textes weiter. Die Lüge verhalf zu Akzeptanz und zu positiven Perspektiven. Das Leben war ein Roman, den man Tag für Tag fortschrieb. Ein Roman, dessen Held er war. (S. 95) Beruflicher Aufstieg, das Erklimmen einer gesellschaftlichen Stellung, Reichtum – all das ist möglich, hat aber seinen Preis. Es treffen Welten aufeinander. Er kommt von ganz unten, aus Kellern und Tiefgaragen, und er schafft es bis in ein 300-Quadratmeter-Penthouse mit Blick auf den Central Park, geschätzter Wert 17 Millionen Dollar. Harte Arbeit, Aufstiegswille und eine strategische Heirat sind die Mittel zum Erreichen dieses Ziels. Leistung, Erfolg, Reichtum, Macht – das sind die Parameter seines neuen Lebens als Anwalt an der Seite seiner Frau, die er mit jeder anderen betrügt, die „nicht bei drei auf den Bäumen ist“, wie man so unschön sagt. Er ist sexbesessen und skrupellos, liebt die Gefahr von Ansteckung und Erpreßtwerden – beides vermeidet er erfolgreich –, hat sich eine Lebens- und Familiengeschichte erfunden und will nie mehr zurück nach unten. Die vollständige Besprechung gibt es unter: https://notizhefte.com/2016/01/23/die-gierigen-von-karine-tuil/

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  • Die Gierigen

    Die Gierigen
    Angel10

    Angel10

    27. February 2015 um 08:31

    Die Autorin erzählt die Lebnesläufe von Samir, Samuel und Nina und wirft gleichzeitig aktuelle gesellschaftliche Fragen auf. Alle Charaktere sind vielschichtig. Samir schafft es ein Top-Anwalt zu werden, allerdings ist der Preis hoch. Er gibt sich als jemand anderes aus. Nina, eine Schönheit, arbeitet immer noch als Katalog-Model, ohne sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen. Samuel ist mit Nina zusammen, ist sich ihrer aber nicht sicher. Aus dieser Personenkonstellation enwtickelt die Autorin ein Bild, das man einen "Schnappschus" der heutigen westlichen Welt bezeichnen könnte. Die Abstürze sind meiner Meinung nach zu drastisch.

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  • Intensiver und ambitionierter Roman

    Die Gierigen
    bieberbruda

    bieberbruda

    14. February 2015 um 09:47

    Karine Tuil Gesellschaftsroman spricht aktuellen Themen an. Nicht nur Macht, Gier, Lügen und Scheitern sondern auch Fremdenhass, Diskriminierung und die Angst vor dem islamischem Terrorismus werden thematisiert. Kling nach viel? Ist es auch! Die Story: Sam Tahar scheint ein perfektes Leben zu führen. Er ist ein erfolgreicher Anwalt, wohlhabend und hat eine wunderschöne Frau. Doch dieses Leben fußt auf einer Lüge: Sam Tahar heißt eigentlich Samir und ist kein Jude, sondern Moslem. Diese kleine Notlüge hat er bei der Suche nach einem Job benutzt und nie berichtigt. Ganz im Gegenteil: Die vorgegaukelte Herkunft aus gutem Hause ist eigentlich das Leben seines Jugendfreundes Samuel. Er kommt aus einer intellektuellen, wohlhabenden Familie und ist nun ein unbedeutender Schriftsteller. Die beiden Freunde haben sich aus den Augen verloren, als sie in Nina verliebt waren. Nina entschied sich damals für Samuel und Samir zog daraufhin von Paris nach New York. Als Samuel und Nina zufällig den "Juden" Sam Tahar im Fernsehen sehen, nehmen sie Kontakt zu ihm auf. Als er mit seiner wahren Identität konfrontiert wird, beginnt gerät Sams "Bilderbuchleben" vollkommen aus den Fugen... Meine Meinung: Die Geschichte, die Karine Tuil um die drei Hauptprotagonisten spinnt, ist komplex und ambitioniert. In der Einleitung habe ich ja schon angedeutet, dass neben der komplizierten Dreiecksbeziehung sehr viele Themen behandelt werden. In den knapp 480 Seiten steckt deshalb eigentlich Stoff für mehrere Bücher. Aus diesem Grund war das Buch keine leichte Kost, das man mal eben so liest. Ich musste die vielen Eindrücke immer mal wieder sacken lassen, denn das Buch hat mich angestrengt, aber auch fasziniert! Man kann es ganz gut mit dem Sprichwort "Hochmut kommt vor dem Fall" zusammenfassen. Ich habe die drei Figuren dieses Dramas sehr gerne begleitet und war etwas enttäuscht, dass das Buch dann doch so schnell vorbei war. Fazit: Ein intensiver und ambitionierter Roman, der sowohl fasziniert als auch anstrengt. Ich vergebe 4 Sterne!

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  • Leserunde zu "Die Gierigen" von Karine Tuil

    Die Gierigen
    TinaLiest

    TinaLiest

    Über die Lügen des Lebens, Schein und Sein, Liebe und Verrat Die französische Autorin Karine Tuil hat mit ihrem Roman "Die Gierigen" einen großen Gesellschaftsroman geschrieben - intensiv, aufwühlend, leidenschaftlich. Sie erzählt darin von den Lügen des Lebens, zerstörerischen Ambitionen und dem Scheitern daran. Ihr habt nun die Möglichkeit, dieses vielschichtige Buch in unserer Leserunde zu entdecken! Mehr zum Buch: Nina, Samuel und Samir – mit zwanzig Jahren sind die drei Freunde unzertrennlich, sie teilen dieselben Werte, erträumen sich eine Zukunft, in der sie ihre Ideale verwirklichen werden. Nina und Samuel sind ein Paar, doch als Nina eine leidenschaftliche Affäre mit Samir beginnt, sind Liebe, Freundschaft und Vertrauen zerstört. Samir verschwindet aus Frankreich und aus dem Leben der beiden Freunde – bis sie ihn zwanzig Jahre später durch Zufall im Fernsehen wiedersehen. Samir lebt als Staranwalt in New York, er trägt maßgeschneiderte Anzüge und das Lächeln der Erfolgreichen zur Schau, während Nina und Samuel ein tristes Dasein am Rand der Gesellschaft führen. Samuel brennt vor Eifersucht, zumal der Aufstieg des Rivalen auf seiner eigenen tragischen Lebensgeschichte beruht. Und so initiiert er ein Treffen in Paris, um sich an Samir zu rächen – doch am Ende fordert das Schicksal jeden Einzelnen zur Rechenschaft. Ihr möchtet mehr erfahren über Nina, Samuel und Samir - über ihre Beziehung, ihr Scheitern, ihr Leben? Dann bewerbt euch gleich für die Leserunde! Gemeinsam mit dem Aufbau Verlag vergeben wir 25 Exemplare von "Die Gierigen" von Karine Tuil für eine Leserunde*. Wenn ihr mitlesen möchtet, dann beantwortet uns einfach folgende Frage: Habt ihr einen alten Freund aus der Vergangenheit, den ihr gerne mal wieder sehen möchtet oder wissen möchtet, was er oder sie heute so macht? Oder gab es vielleicht schon ein solches Wiedersehen bei euch? *Bitte beachtet, dass ihr euch im Gewinnfall zur aktiven Teilnahme an der Diskussion in allen Leseabschnitten und zum Verfassen einer abschließenden Rezension verpflichtet.

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    • 412
  • kleine Lügen habe große Folgen

    Die Gierigen
    Simi159

    Simi159

    30. January 2015 um 16:52

    Sam, Nina und Samir sind Freunde. Sam und Nina sind ein Paar. Sam’s Eltern sterben bei Verkehrsunfall, und während es bei der Beerdigung in Israel ist, betrügt Nina ihn mit Samir. Sam kommt dahinter und begeht einen Selbstmordversuch. Nina bleibt aus Mitleid und wegen ihrer Schuldgefühle bei ihm. Sie leben in bescheidenen Verhältnissen. Samir beendet sein Jurastudium, sogar mit Auszeichnung, doch da er Moslem ist, kämpft er bei seinen Bewerbungen gegen viele Vorurteile. Als er bei einem Gespräch in einer jüdischen Kanzlei für einen Juden gehalten wird, deckt er dieses Missverständnis nicht auf. Er geht sogar so weit, dass er seinen Namen in Sam ändert und dessen Identität annimmt, als er in New York eine neue Filiale seiner Kanzlei aufbauen soll. Um nicht aufzufliegen leugnet er sogar die Existenz seine Mutter und seinen Halbruders, er sagt schlicht, dass er gar keine Verwandten mehr habe. Samir, macht als Sam Karriere, heiratet in eine angesehene Jüdische Familie ein, bekommt mit seiner Frau Ruth Kinder und genießt sein Leben, den Ruhm und den Reichtum. Bis 20 Jahre später ein Bericht im französischen Fernsehen über ihn gesendet wird. Den auch Nina und der echte Sam sehen. Nicht zuletzt aus Neid, aber auch wegen der falschen Identität nehmen sie Kontakt zu Samir auf…. …und so nehmen die Dinge ihren Lauf. Fazit: Es fällt mir schwer ein einfaches Urteil über „Die Gierigen“ von Karine Tuil abzugeben, denn nicht nur das aktuelle Thema bewegt einen beim Lesen dieses Buches. Ihr Schreibstil ist sehr rasant und bildlich. Bis ins kleinste Detail werden Personen und ihre Stammbäume dargestellt, meist in Fußnoten. Das irritiert am Anfang, doch nach ein-zwei Kapiteln gehört das einfach dazu. Man wird von dieser Geschichte, dem Buch und der Wortgewalt der Autorin so in das Buch gezogen, dass man gar nicht mehr aufhören kann, es zu lesen. Es ist ein regelrechter Sog und vor allem gesellschaftpolitisch legt Karine Tuil den Finger auf die Wunde. Man spürt regelrecht ihre Wut…. Die Hauptcharaktere kann man mögen, wobei man oder besser ich, Samir nicht so toll mochte. Er lügt, er betrügt und scheint das alles noch zu mögen. Sam, der Stille, wächst einem da schon eher ans Herz. Bei Nina bin ich gespalten, sie sucht Liebe und Geborgenheit und geht dabei auch nicht immer den rechten Weg….und so habe ich sie nicht so recht in mein Herz schließen können. Dennoch alle drei entwickeln sich… Und so eine Geschichte gibt es im wahren Leben bestimmt häufiger als man es merkt. Von mir gibt es dafür 4 STERNE.  

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  • Ohne Rücksicht auf Verluste

    Die Gierigen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    08. January 2015 um 18:08

    Die Geschichte handelt von drei ehemaligen Jugenfreunden Nina, Samuel und Samir. Das letzte Mal hatten sie vor zwanzig Jahren das letzte Mal miteinander Kontakt. Inzwischen gehen sie getrennte Wege. Eines Tages sieht Samuel seinen ehemaligen Studienfreund Samir allerdings in einer Talkshow bei CNN. Inzwischen scheint Samir ein sehr erfolgreicher Anwalt in Amerika geworden zu sein, der sich für die Rechte von ehemaligen Afghanistan Soldaten einsetzt.  Während sich Samir mit einer vermeintlichen jüdischen Identität den Weg zu Ruhm und Ansehen erschwindelt hat und Unmengen an Geld verdient, fristen Nina und Samuel im Gegensatz dazu ein eher karges Dasein. Beide beschließen nach dem Fernsehinterview wieder Kontakt zu ihrem ehemaligen Freund aufzunehmen. Eine intensive Dreiecksgeschichte ist die Folge, in der jeder auf seine Weise immer mehr zum Betrogenen wird, bis schließlich das ganze Lügenkonstrukt der Jugendfreunde zusammen bricht. Meine Meinung: Karine Tuil schreibt unverblümt und bringt die Dinge schnell auf den Punkt. Es gibt keine langen Vorreden oder ein langsames Herantasten an die Themen. Bisweilen wirkt ihre Erzählweise recht skrupellos. Das zügige Erzähltempo hält sie hoch und bleibt ihm bis zum Ende hin treu. Der Autorin ist ein gesellschaftskritischer Roman gelungen, der sich mit den Prinzipien des Strebens nach Erfolg, Macht und Ansehen in einer Gesellschaft beschäftigt. Die Protagonisten streben gierig nach immer mehr von diesen Dingen, auch wenn sie dafür Lügen und Verrat in Kauf nehmen müssen und sich dadurch selbst zunehmend verlieren. Doch auch vor Migrationsschwierigkeiten oder Vorurteilen hinsichtlich der Religion macht Frau Tuil keinen Halt und macht sie zum Thema. Die einzelnen Charaktere werden für den Leser detailiert, aber auch mitleidslos beschrieben. Ich muss gestehen, dass ich z.B. den Protagonist Samuel recht anstrengend fand. Er fühlt sich stehts im Nachteil, um einen möglichen Erfolg betrogen und ist meist am lamentieren. Grundsätzlich fand ich keine Figur sehr sympathisch, doch ihn mochte ich am wenigsten. Dennoch schließlich geht es ja hier nicht um andere Dinge als um das Sammeln von Sympathiepunkten. Fazit: Ein temporeicher und kritischer Roman, der durch seine schonungslose Erzählweise den Leser bisweilen auch etwas verschrecken kann.

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  • Die Lügen der Anderen

    Die Gierigen
    hundertwasser

    hundertwasser

    06. January 2015 um 21:13

    Das Debüt der Französin Karine Tuil ist ein famoses Stück über Täuschung, Identität, Verrat, Begehren und gesellschaftliche Normen. „Die Gierigen“ entführt den Leser von Frankreich nach New York. Dorthin hat sich Samir aufgemacht, um ein geachteter und reicher Staranwalt zu werden. Früher waren er, der Jude Samuel und Nina, die die Begehrlichkeiten der beiden Jungen auf sich zog, ein befreundetes Triumvirat. Nina und Samuel leben nun in Paris in bescheidenen Verhältnissen, während es Samir Jay Gatsby gleich getan hat und sich selbst neu erfunden hat. Eines Tages erfährt das Pariser Ehepaar vom Aufstieg Samirs und muss feststellen, dass sich Samir Teile von Samuels Identität zu eigen gemacht hat, um seinen Aufstieg zu begründen. Geschockt fordert Samuel eine Aussprache zwischen den Dreien, infolge der sich alle Verhältnisse umkehren und Geheimnisse ans Tageslicht gezerrt werden, die ebendieses besser nicht mehr erblickt hätten. Eine große Katastrophe für alle Beteiligten nimmt ihren Lauf. Karine Tuil hat einen Roman geschrieben, der deutlich mehr enthält, als der Klappentext vielleicht verraten mag. Neben den Feldern der Identität und Herkunft behandelt sie auch Themen wie das Judentum und den Islamismsu und die gesellschaftliche Stellung der Religion in verschiedenen Gesellschaften. Sie kreist permanent um die Lebensentwürfe der drei Hauptprotagonisten und wechselt die Perspektiven. Selbst jeder Nebencharakter wird von ihr noch mit einer Fußnote bedacht. Neben dem klug komponierten Inhalt auffällt, ist die Art, mit der Karine Tuil ihre Erzählung über 400 Seiten vorantreibt. Die Autorin schaut unbarmherzig auf die Lebensentwürfe und leuchtet diese mit ihrem geschärften Sprachsensorium aus. So besticht „Die Gierigen“ durch einen kraftvollen Sound, der die Erzählung nicht nur trägt sondern auch vorwärts treibt. Das Buch erinnert in manchen Passagen an die Theaterstücke Yasmina Rezas oder „Der Vorname“, da hier ähnlich unbarmherzig Lebensentwürfe seziert werden. Insgesamt ein kluges Buch, das mit den unterschiedlichsten Themen prall gefüllt daherkommt und dem viele Leser zu wünschen sind!

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  • Gesellschaftskritischer Roman aus Frankreich

    Die Gierigen
    fabalia

    fabalia

    22. December 2014 um 18:49

    "Samir führt in New York scheinbar ein Leben wie im Bilderbuch: Er ist nicht nur ein brillanter Anwalt, sondern auch mit der Tochter eines der reichsten Männer des Landes verheiratet. Doch sein Aufstieg beruht auf einer Lüge - um seine Herkuunft zu verschleiern bediente er sich der Identität seines Freundes Samuel. Ihre Freundschaft zerbrach einst in Pais an Nina, der Frau, die beide Männer leidenschaftlich liebten. Zwanzig Jahre später treffen sich Nina, Samuel und Samir wieder - und das Schicksal zieht jeden Einzelnen für den Verrat an ihren Idealen zur Rechenschaft." Zwei Männer, eine Frau - eine klassische Thematik in vielen Romanen, die hier etwas anders aufgerollt wird. Es handelt sich hierbei viel mehr um das Rollengefüge der Protagonisten in der Gesellschaft, Lügen, Betrügereien und Doppelleben. Der poetische und sehr eigene Schreibstil der Autorin, macht das Buch anfangs etwas schwer lesbar. Gegen Ende habe ich mich jedoch daran gewöhnt und auch Gefallen daran gefunden. Dies ist jedoch einer der wenigen Gründe, wieso das Buch in den Regalen vieler Leserinnen und Leser stehen sollte. Häufige Szenenwechsel und Sprünge zwischen Vergangenheit und Jetztzeit gestalten das Lesen schwierig. Das Buch ist definitiv nichts für einen Abend nach der Arbeit oder Schule, an dem einem der Kopf noch schwirrt von anderen Dingen. Ich kann dieses Buch alljenen empfehlen, die sich gerne in interessanten und dennoch komplizierten Handlungen wiederfinden und gesellschaftskritische Romane lieben, in denen zu guter Letzt doch noch jeder das bekommt, was er verdient hat. Von mir gibt es für "Die Gierigen" von Karine Tuil nur einen Stern, da mich die Thematik nicht allzu sehr begeistert hat und ich mich aufgrund der Erzähltechnik nicht in die Charaktere hineinfühlen konnte.

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  • Intrigen, Verrat, Lügen - Aufstieg und Fall

    Die Gierigen
    Maritahenriette

    Maritahenriette

    11. December 2014 um 10:36

    Sam, Nina und Samir sind miteinander befreundet. Bei einem Verkehrsunfall kommen Sam' Eltern ums Leben.  Der jüdische Sohn fährt zur Beerdigung nach Israel.  Während dieserZeit betrügt Nina ihn mit dem Freund Samir.  Sam kommt schnell dahinter und begeht einen Selbstmordversuch.  Nina bleibt aus Mitleid und Schuldbewusstsein bei Sam. Beide leben in Armut zusammen.  Samir beendet sein Jurastudium mit Auszeichnung. Bei seinen Bewerbungen merkt er schnell, dass er als Muslem mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Bei einem Vorstellungsgespräch in einer jüdischen Kanzlei wird er fälschlicherweise als Jude gehalten und er deckt das Missverständnisse nicht auf. Als sein Chef den jungen Mann nach New York zum Aufbau einer Filiale schickt geht Samir so weit, dass er seinen Vornamen in Sam umändert. Er nimmt sogar die Identität seines damaligen Freundes Sam an, leugnet seine Mutter und Halbbruder und behauptete er hätte keine Verwandte mehr. Später heiratet er in eine angesehene jüdische Familie ein und bekommt mit seiner Frau Ruth zwei Kinder. So lebt er als angesagter jüdischer Anwalt, genießt seinen Reichtum und betrügt seine Frau immer wieder mit anderen Frauen. Das geht zwanzig Jahre gut.  BIS ein Bericht über ihn im französischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Diesen sehen Sam und Nina und beschließen, nicht ohne Neid, aber auch wegen dem Identitätsklau, Kontakt zu Samir aufzunehmen. Als dann noch sein Halbbruder bei ihm aufkreuzt kann Samir seine Lügen nicht mehr aufrecht halten und er gelangt sogar ins Gefängnis.  Meine Meinung : "Die Gierigen " von Karine Tuil im Aufbau - Verlag ist rasant und bildlich geschrieben.  Beim Lesen wurde ich schnell in den Bann des Buches gezogen. Gesellschaftspolitisch legt die Autorin den Finger in die Wunde. Die Geschichte ist schonungslos, brutal und spannend.  Doch auch die Erotik darf nicht fehlen. Ihre Protagonisten werden sehr authentisch und lebensnah beschrieben. Der Inhalt des Buches über Rassismus, Radikalisierung und Vorurteile ist sehr aktuell in unserer Zeit. Das Buch hat mich nachdenklich gemacht. Zeitweise konnte ich es nicht aus der Hand legen. Allerdings gab es auch Passagen, bei denen ich es bewusst aus der Hand legen musste. Samir's Konstrukt seines Lebens führt schonungslos in den Abgrund. Am Ende müssen alle drei Protagonisten ihr Leben neu ausrichten und sind nicht ohne Wunden davon gekommen. Diese Zeit ist für mich ein wenig zu kurz gekommen.  Fazit : Karine Tuil hat mit ihrem Buch "Die Gierigen " ein sehr aktuelles Thema angerissen. Selten war es für mich so schwer über ein Buch zu schreiben. Eigentlich ist alles was ich mit meiner Rezension angebe nicht genug über diesen Roman und doch auch wieder zu viel. Er lässt mich nachdenklich zurück. Ich kann das 477 seitige Hartcover - Buch zu einem Preis von 19,95 Euro nur empfehlen zu lesen und sich selber eine Meinung zu bilden. Es lohnt sich auf alle Fälle. 

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  • Oberflächliche Tragik

    Die Gierigen
    Liseron

    Liseron

    Die drei Protagonisten bewegen sich im Zeithorizont um 2007 mit Rückschau auf 30 Jahre, sie haben sich vor 20 Jahren das letzte Mal gesehen. Das Personal ist durch die Bank nicht besonders sympathisch, die so genannte Elite (Schauplätze Frankreich und USA) wird gnadenlos demaskiert. Es ist das klassische Motiv, eine Frau zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Samuel, der intellektuelle Loser, hat Nina seinerzeit durch einen dramatischen Selbstmordversuch beeinflusst, sich für ihn und gegen Samir zu entscheiden. Samir, sexsüchtig und erfolgreich bei den Frauen, hat eine steile Karriere als Anwalt eingeschlagen. Er hat sich von Samuel dessen vermeintliche jüdische Identität geliehen und über seine ärmliche arabische Herkunft gestülpt, was ihm in New York den Zutritt zu Reichtum und gesellschaftlichem Aufstieg verschafft. Nina und Samuel sehen ihren alten Studienfreund im Fernsehen und nehmen Kontakt auf. Beide setzen ganz bewusst ihre jahrelange Beziehung aufs Spiel, Nina lässt sich auf eine Affäre im goldenen Käfig ein. Samir führt ein riskantes Doppelleben, letztlich explodiert es, da er den Kontakt zu seiner Familie nicht völlig abbrechen lässt und seinen Bruder, zwar nicht ganz uneigennützig, aber immerhin unterstützt. Parallel erlebt Samuel seinen künstlerischen Durchbruch, etwas unglaubwürdig bei seinem Drogenkonsum. Die Handlung wird rasant vorangetrieben, die Szenen wechseln zwischen den Personen, verschiedentlich wird der Leser durch Cliffhanger fortgezogen. Die Struktur hat etwas von einer Tragödie, der fallende Held, Hybris, retardierende Elemente, Familie als Quelle der Katastrophe und am Ende die Läuterung. Der Originaltitel Die Erfindung unserer Leben trifft das Thema des Romans meines Erachtens besser, es wird mit Rollen und Identitäten jongliert, die Oberfläche dominiert. Religion und ethnische Zugehörigkeit sind Etiketten im gesellschaftlichen Theater, wer die Etiketten vertauscht, wird aus dem Upper-Class-Warenhaus entfernt. Dass man sich hat täuschen lassen, lässt Vergebung nicht zu. Spannend zu lesen, zweifelsohne, letztlich lässt mich aber das Schicksal der Figuren, die eher Typen als Charakteren gleichen, kalt. Dies gilt in besonderem Maße für die Frauen. Sprachlich unkompliziert, liest sich der Roman allzu glatt runter. Nett die Idee mit den Fußnoten, die fiktive und reale Personen erläutern, häufig kristallisierte Lebensgeschichten, die in Kurzform Lebenstraum und -wirklichkeit gegenüberstellen. Die Trilogismen, die mal aufzählend, mal als Variation oder Steigerung fungieren, verdichten den Text, nutzen sich als Stilmittel aber auf Dauer ab. Einige poetische Anklänge am Ende kommen etwas spät.

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    • 3
  • Schade, dass man keine halben Sterne vergeben kann...

    Die Gierigen
    Mira123

    Mira123

    23. November 2014 um 17:54

    ....denn dann bekäme das Buch auf jeden Fall noch einen halben Punkt dazu! Inhalt: Die Lügen des Lebens - das Meisterwerk aus Frankreich Nina, Samuel und Samir - mit zwanzig Jahren sind die drei Freunde unzertrennlich, sie teilen dieselben Werte, erträumen sich eine Zukunft, in der sie ihre Ideale verwirklichen werden. Nina und Samuel sind ein Paar, doch als Nina eine leidenschaftliche Affäre mit Samir beginnt, sind Liebe, Freundschaft und Vertrauen zerstört. Samir verschwindet aus Frankreich und aus dem Leben der beiden Freunde - bis sie ihn zwanzig Jahre später durch Zufall im Fernsehen wiedersehen. Samir lebt als Staranwalt in New York, er trägt maßgeschneiderte Anzüge und das Lächeln der Erfolgreichen zur Schau, während Nina und Samuel ein tristes Dasein am Rand der Gesellschaft führen. Samuel brennt vor Eifersucht, zumal der Aufstieg des Rivalen auf seiner eigenen tragischen Lebensgeschichte beruht. Und so initiiert er ein Treffen in Paris, um sich an Samir zu rächen - doch am Ende fordert das Schicksal jeden Einzelnen zur Rechenschaft. Ein großer Gesellschaftsroman über die Lügen des Lebens, über Schein und Sein, über Liebe und Verrat, über zerstörerische Ambitionen und das Scheitern daran. Mein Kommentar: "Die Gierigen" ist ein astreiner Gesellschaftsroman über die Hochs und Tiefs des Lebens. Die Protagonisten gewinnen und verlieren alles, sie streiten, machen Fehler, haben Angst, lügen, betrügen, u.s.w. Mir gefiel es gut, dass jede noch so kleine Nebenfigur in einer Fußnote einen kleinen Eintrag zu seinen/ihren Wünschen und Leben bekommt und so ein Gesicht.

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  • Die Gierigen

    Die Gierigen
    kolokele

    kolokele

    18. November 2014 um 18:23

    Der Roma dreht sich um die ehemaligen Studienfreunde Nina, Samuel und Samir. Erstere sind immer noch ein Paar, Samir (inzwischen Sam) hat sich vor langer Zeit kurz in ihre Beziehung gedrängt und danach sein altes Leben hinter sich gelassen. Nun sehen Nina und Samuel Sam(ir) im Fernsehen, Sam ein erfolgreicher Anwalt in den weit entfernten USA hat eine Wandlung durchgemacht, welche die Beiden in Staunen versetzt. Sie überlegen und entscheiden sich dafür mit ihm Kontakt aufzunehmen. Das und die Tatsache, dass Sam nie den Kontakt zu seinem alten Leben komplett abgebrochen hat, er besucht offenbar noch ab und zu seine Mutter (und somit auch seinen ungeliebten Halbbruder), machen ihn auf einmal angreifbar. Seine schöne neue Welt, sein konstruiertes Leben in der High Society ist in Gefahr. Als auch noch sein Halbbruder als Terrorist unter Verdacht steht und in diesem Zug auch Sam als sein Unterstützer in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerät, fliegt seine Identität auf und alles ist anders als zuvor. Karin Tuil ist ein intensiver Roman gelungen, der mitreißt und ein sehr aktuelles Thema aufs Tablett bringt. Sie verwebt verschiedene Ebenen miteinander und lässt erkennen, dass man nicht über seine Herkunft hinwegkommen kann, sie immer ein Teil von einem bleibt.

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  • Gut geschriebene Gesellschaftskritik

    Die Gierigen
    Whovian

    Whovian

    05. November 2014 um 17:19

    Zum Inhalt: Samuel und Nina sehen im Fernsehen, wie ihr ehemaliger Studienfreund Samir erfolgreicher Anwalt in Amerika geworden ist. Sie vereinbaren ein Treffen und Nina verlässt Samuel für Samir. Doch dann schreibt Samuel einen Besteller-Roman, Samir verfängt sich in seinen Lügen und muss letztendlich die Konsequenzen auf grausame Art tragen und Nina bemerkt, dass sie trotz ihrer Schönheit nicht unbedingt ein glückliches Leben führt. Meine Meinung: Ein sehr gelungener Roman mit gesellschaftskritischen Inhalt und wunderbarem Schreibstil. Der Schreibstil ist flüssig aber trotzdem anspruchsvoll. Außerdem hat mir gefallen, wie vielschichtig die Protagonisten waren. Sie waren mir nicht unbedingt sympathisch aber ich konnte trotzdem nachvollziehen warum sie wie handeln. Ich mochte auch die Entwicklung die die Protagonisten durchgemacht haben und dass sie sich am Ende dann doch mit ihrem Leben abgefunden haben, teilweise sogar eine Zufriedenheit in sich trugen, die man in dieser Situation möglicherweise gar nicht erwarten würde. Denn ihr Leben schien zerbrochen, es hat ihnen allen drei übel mitgespielt, gebrochen von den Erwartungen der Gesellschaft und negativen Gefühlen, aber trotzdem scheinen sie sich damit abzufinden, den Umstand zu akzeptieren. Ich hatte allerdings mehr von dem Ende erwartet, teilweise waren mir die Kapitel auch zu umfassend, im Sinne davon, dass die Beschreibungen mir fast zu detailliert waren, beispielsweise das Kapitel über Francois. Das Ende war mir dann fast zu unspektakulär, aber auch wenn ich etwas zu schwach fand, hat es durchaus zum Gesamtwerk gepasst. Alles in allem ein sehr kritischer Roman, die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund und sie spricht umfangreich über Klischees und Vorurteile. Ein gelungener und Lesenswerter Roman!

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  • Mit einer Lüge kommt man durch die ganze Welt, aber nicht wieder zurück - sagen sie

    Die Gierigen
    MiraBerlin

    MiraBerlin

    25. October 2014 um 15:31

    Inhalt Die Lügen des Lebens - das Meisterwerk aus Frankreich Nina, Samuel und Samir - mit zwanzig Jahren sind die drei Freunde unzertrennlich, sie teilen dieselben Werte, erträumen sich eine Zukunft, in der sie ihre Ideale verwirklichen werden. Nina und Samuel sind ein Paar, doch als Nina eine leidenschaftliche Affäre mit Samir beginnt, sind Liebe, Freundschaft und Vertrauen zerstört. Samir verschwindet aus Frankreich und aus dem Leben der beiden Freunde - bis sie ihn zwanzig Jahre später durch Zufall im Fernsehen wiedersehen. Samir lebt als Staranwalt in New York, er trägt maßgeschneiderte Anzüge und das Lächeln der Erfolgreichen zur Schau, während Nina und Samuel ein tristes Dasein am Rand der Gesellschaft führen. Samuel brennt vor Eifersucht, zumal der Aufstieg des Rivalen auf seiner eigenen tragischen Lebensgeschichte beruht. Und so initiiert er ein Treffen in Paris, um sich an Samir zu rächen - doch am Ende fordert das Schicksal jeden Einzelnen zur Rechenschaft. Das Buch ist aus mehreren Perspektiven geschrieben, darunter auch aus den Perspektiven der drei Freunde. Insgesamt lässt sich niemand als eine Hauptfigur bezeichnen, da die meisten dieser Personen sehr verstrickte und komplexe Geschichten haben. Als ich dieses Buch zu lesen began, wusste ich nicht, was mich erwartete. Zunächst allerdings setzte bei mir die Ernüchterung ein. Durch die ständig wechselnde Perspektive, die allerdings nur in den einzelnen Kapiteln jeweils einmal erfolgt, war es für mich zu Beginn sehr schwer, aufgrund der Namen Samir und Samuel nicht durcheinander zu geraten. Das Problem hierbei ist nämlich, dass Samir die Geschichte von Samuel zu seinem eigenen Nutzen geklaut hat. Dies sorgt beim Leser zunächst für immense Irritation. Besonders begeistert hat mich an diesem Buch, wie sehr einen doch die Gegebenheiten des Lebens verändern und auch voneinander entfremden können. Denn zunächst waren diese drei Menschen Freunde. Als sie dann wieder einmal in Paris aufeinander treffen, merkt man dennoch, wie sehr einen das Leben doch zeichnen kann, sodass man selbst den engsten Menschen fremd wird. Gerade diese Entwicklung des menschlichen Charakters hat mich sehr überzeugt und fasziniert in diesem Buch, da alle drei eine absolut überraschende Entwicklung absolvieren, die einem als Leser auch eine andere Sicht auf das Leben und seine Mitmenschen vermittelt. Dennoch ist es mir als Leserin in diesem Buch nie passiert, dass ich mich mit einer der Figuren identifiziert habe oder gar mit ihr sympathisiert habe. In der Regel war ich froh, dass ich solche Menschen nicht (gut) kenne und dass ich nicht deren Leben führen muss. Aber dennoch dringt das Schicksal dieser Personen in einen ein, auch wenn man selbst und auch durch den Schreibstil eigentlich die Distanz wahrt. Gerade das ist das Unheimliche an dem Buch, was einen aber zugleich auch so fesselt: man ist "mitten" im Geschehen, aber in Wirklichkeit doch nur ein heimlicher Beobachter. Die Schreibweise dieses Buches ist schonungslos offen und von Gefühlen geprägt. Man versteht die Menschen nicht durch ihre Handlungen, sondern nur durch ihre Gedanken und Gefühlsregungen. Würde man nur nach ihren Handlungen gehen, würde man das Wesen dieser Figuren niemals entschlüsseln können. Dennoch wird man aus den Personen nie ganz schlau und taucht so nur noch tiefer in ihre Welt ab. Im Original heißt dieses Buch übrigens "L'invention de nos vies", zu Deutsch "Die Erfindung unserer Leben". Meiner Meinung nach passt dieser Titel deutlich besser zu dem Buch, da hier mehr Schein als Realität vorherrscht. Die Menschen geben vor, jemand zu sein, der sie nicht sind, und scheitern vergeblich. Mit diesem Prozess des Scheiterns setzt sich das Buch auseinander. Insgesamt hat mich das Buch in seinen Bann gezogen und wird mir auch noch lange im Gedächtnis bleiben. Nachdem die ersten Anfangsschwierigkeiten mit den Namen überstanden waren, konnte ich mich nur noch schwer von dem Buch lösen. Aufgrund seiner hohen emotionalen Komplexität war es mir aber dennoch nicht möglich, das Buch in einem Rutsch durchzulesen, da ich manche Kapitel immer erst einmal sacken lassen musste. Für mich ist es aber ein Buch, das jeder einmal gelesen haben sollte, da es so einen schonungslosen Einblick in das Denken der Menschen bietet und nicht nur die schönen Seten des Lebens zeigt...

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  • Neid, Geld, Gier & Macht.

    Die Gierigen
    simone_richter

    simone_richter

    23. October 2014 um 14:34

    Falsche Identität, besessene Liebe, soziale Macht und krankhafter Ehrgeiz, das sind die Zutaten aus denen "Die Gierigen" schöpfen. Inhalt: Samir, Samuel und Nina kennen sich seit dem Studium. Erst waren sie unzertrennliche Freunde, dann kam ihnen die Liebe in die Quere und riss die enge Freundschaft auseinander. Zwanzig Jahre später lebt Samir, der sich jetzt Sam nennt, als gefeierter Staranwalt in New York und ist verheiratet mit der Tochter einer der reichsten und wichtigsten jüdischen Familien der USA. Als Nina und Samuel, die immer noch als Paar in einem heruntergekommenen Stadtteil von Paris leben, ihn im Fernsehen erblicken, gerät das Leben der beiden in eine gefährliche Schieflage. Samuel erkennt, dass Samir ihm seine Identität gestohlen hat, um in seiner jüdischen Kanzlei aufzusteigen. Die uralte Eifersucht auf seinen Rivalen flammt wieder auf. Nina soll nach New York fliegen, um Samir zur Rede – und seine alte Leidenschaft für sie – erneut auf die Probe zu stellen. Ab diesem Zeitpunkt wird nicht nur das Leben, die Gefühle und die Erwartungen von Samuel und Nina komplett auf den Kopf gestellt, denn Samir hat nämlich nicht nur seinen ehemaligen Freund hinters Licht geführt, sondern er hat alle angelogen, seine Frau, seine Kinder, seinen Schwiegervater und seinen früheren Mentor Pierre Lévy in Paris. Alle halten ihn für einen extrem erfolgreichen jüdischen Anwalt, treuen Ehemann und liebevollen Vater. Er ist jedoch Araber - ist karrierebesessen und sexsüchtig. Er betrügt seit Jahren seine Ehefrau und hält sich später Nina als Zweitfrau. Die Gierigen ist ein Gesellschaftsdrama, welches Migrationsprobleme behandelt und aus dem alles erreichten sich als Juden ausgebenden Sam(ir), wird ein Terrorverdächtiger - er gilt als Geldgeber von Dschihadisten. Er wird verhaftet und verhört. Die Story ist von Tuil flüssig und leicht verständlich geschrieben. Sie erschüttert einen teilweise und man hat Mitleid mit den Protagonisten, ob ihres Scheiterns, die sie sich alle selbst eingebrockt haben nach ihrer vorhergehenden Sucht nach kompromisslosen Erfolg und Macht: "Immer besser, immer höher, immer mehr". Alle zahlen zum Schluss einen großen Preis für ihre Gier.

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