Karine Tuil Die Zeit der Ruhelosen

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Inhaltsangabe zu „Die Zeit der Ruhelosen“ von Karine Tuil

Furios erzählt Karine Tuil von Menschen, die getrieben sind von dem Wunsch nach Anerkennung, Geld und Macht – und beinah tragisch daran scheitern. Ein grandioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit. Der Aufstieg des brillanten Managers François Vély scheint unaufhaltsam. Bis seine Exfrau sich aus dem Fenster stürzt, als sie erfährt, dass er wieder heiraten will. Der Tragödie folgt die Entdeckung, dass seine neue Lebensgefährtin in eine Affäre mit einem Offizier verstrickt ist, der völlig traumatisiert aus Afghanistan heimkehrt. Außerdem wird Vély ein Mediencoup zum Verhängnis, man bezichtigt ihn des Rassismus und Sexismus. Als er persönlich und beruflich am Ende ist, ergreift ausgerechnet der Politiker Osman Diboula Partei für ihn – dabei ist Diboula bekannt als Wortführer gegen eine weiße gesellschaftliche Elite. Wenige Wochen später kommt es im Irak zu einer Begegnung aller Beteiligten, die für Vély fatale Konsequenzen hat.   • Nominiert für den Prix Goncourt, wochenlang auf der Bestsellerliste - eine der relevantesten französischen Autorinnen • Lesung auf der lit.COLOGNE • Ein kluger, hochaktueller Gesellschaftsroman über den gnadenlosen Wettbewerb um Macht und sozialen Aufstieg

Ein eher düsteres und ernstes Buch mit starken Charakteren, welches sehr zum Nachdenken anregt & aktuelle Themen aufgreift

— AgnesM
AgnesM

Wäre dieser Roman ein Lied, wäre es in Moll geschrieben. Treffende, pressimistische Gesellschaftskritik.

— Lovely_Lila
Lovely_Lila

Ein sehr fesselnder gesellschaftlicher Roman- brandaktuell

— katrin297
katrin297

Intelligent, treffsicher, hochaktuell, politisch - mit Antihelden, die zutiefst menschlich wirken, auch, wenn man so nicht sein möchte

— StefanieFreigericht
StefanieFreigericht

Empfehlenswerter Roman über unsere heutige Zeit

— vielleser18
vielleser18

absolut lesenswert

— albiorix
albiorix

Eindringlicher Gesellschaftsroman, der auch den Leser ruhelos zurücklässt. Sehr lesenswert!

— Walli_Gabs
Walli_Gabs

Tuil zeigt anschaulich und überzeugend, was geschieht, wenn das Leben von einem Tag zum andern nur noch aus Unsicherheit besteht. Spannend!

— Xirxe
Xirxe

Wenn ein Buch als "meisterhaft" angekündigt wird, bin ich erfahrungsgemäß vorsichtig, aber hier kann ich nur begeistert zustimmen!

— vanessabln
vanessabln

Ein erschreckend realistisches Werk, das mit Blick auf die heutige Zeit und Politik nachdenklich stimmt.

— seschat
seschat

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  • Die Zeit der Ruhelosen

    Die Zeit der Ruhelosen
    AgnesM

    AgnesM

    13. May 2017 um 12:18

    François Vély, einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner Frankreichs, schwimmt in Geld, gehört zu der Oberschicht und genießt hier großes Ansehen. Er zieht machtvolle Verbündete an und schließt millionenschwere Verträge ab. Doch Geld allein macht nicht glücklich und das spürt er nachdem seine erste Ehefrau den Freitod gewählt hat, sich seine Kinder von ihm abwenden und seine neue Ehefrau mit dieser bedrückenden Situation nicht zurechtkommt und sich ihre Gefühle für Vély regelrecht in Luft auflösen. Der Super-Gau folgt nachdem Vély ein relativ harmloses Interview einem Journalisten gegeben hat und dieses veröffentlicht wird. Alles ändert sich urplötzlich, denn keiner konnte ahnen was für negative Konsequenzen diese Veröffentlichung nach sich ziehen würde. Vély stürzt gesellschaftlich ab und kann nicht glauben das alles, was er sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, von einem Tag auf den anderen zunichte gemacht wurde. Wie soll ein Mensch wie Vély aus der Schlucht, in die er gefallen ist, wieder aufsteigen und die gewohnte Macht zurückerlangen? Romain Roller kehrt aus Afghanistan als ein psychisches Wrack wieder. Der Soldat hat Dinge gesehen, gehört und erlebt, die sich tief in die Seele eines Menschen bohren und die man nie mehr vergisst. Schreckliche Träume, Panikattacken und eine Schreckhaftigkeit begleiten ihn und erschweren die Rückkehr in den normalen Alltag mit seiner Familie. Zuflucht findet er in einer Affäre mit einer Journalistin, die ihn alles um sich herum vergessen lässt. Doch ist diese Affäre der richtige Ausweg für ihn? Wird er je wieder ein normales Leben führen können? Osman Diboula ist schwarz und hat sich gegen die vorherrschenden Weißen im Palast des Präsidenten durchgesetzt und dort einen angesehenen Job ergattert. Er wohnte in einem der Ghettos in Paris und hat sich als Autodidakt vieles angeeignet, was ihm den politischen Aufstieg ermöglicht hat. Doch niemand ist vor einem Tritt in ein Fettnäpfchen gefeit und so begeht Diboula einen folgenschweren Fehler und verliert Macht, Ansehen und seine Anstellung. Seine Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt und seine Kollegen lassen ihn fallen. Kann er trotzdem den Wiederaufstieg bewältigen und seine politische Karriere fortführen? Alle drei Charaktere haben vieles gemeinsam. Sie alle streben nach Macht, Ansehen, einer Karriere, Geld und der großen Liebe. Aufgrund all dieser Begehren kreuzen sich ihre Wege früher oder später und all das hat Auswirkungen auf die Zukunft eines jeden einzelnen von ihnen. Alle drei sind ruhelos und streben verzweifelt nach einem inneren Frieden. Karine Tuil hat einen politischen und gesellschaftlichen Roman geschaffen der viele Themen und Probleme der modernen Gesellschaft direkt, aber auch unterschwellig anspricht - Macht, Sexismus, Geldgier, Krieg, Gewalt, Religion, Liebe, Kunst und Rassismus. Der ständige Drang der Menschen nach Ansehen und einer adäquaten Stellung in einer der besseren Schichten zieht sich durch den Roman. Auch die allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Wut wird thematisiert, so dass hier ein sehr abwechslungsreicher, spannender und zeitgenössischer Roman vorliegt. Die Lektüre wird nie langweilig, ist absolut nicht langatmig und die Mischung der so unterschiedlichen Themen finde ich sehr gut ausgearbeitet. Der Schreibstil ist klar, nicht verschnörkelt und die Kapitel haben allesamt eine gute Länge. Allgemein gesehen ist es ein eher düsteres und ernstes Buch mit starken Charakteren, welches sehr zum Nachdenken anregt.

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  • Fesselnd!

    Die Zeit der Ruhelosen
    HoroSoul

    HoroSoul

    21. April 2017 um 12:45

    "Die Zeit der Ruhelosen" ist ein sehr eindringliches, erschütterndes und beeindruckendes Buch. Die Wege der Hauptpersonen kreuzen sich immer wieder, obwohl sie nicht sonderlich viel gemeinsam haben. Ein Soldat der aus Afghanistan kommt und die schrecklichen Bilder des Krieges nicht mehr aus dem Kopf bekommt, ein jüdischer Geschäftsmann der in einen Skandal gewickelt wird und ein Politiker der Karriere gemacht hat aber auch einige Probleme hat. In dem Buch wird den Personen klar, dass ihre Vergangenheit sie einholt und sie ihre Herkunft nicht abschütteln können.Das Buch ist keine leichte Kost und sehr pessimistisch. Der Schreibstil ist flüssig aber auch irgendwie kalt und intensiv.Die Art wie beispielsweise der Afghanistan-Einsatz geschildert ist, ist zutiefst erschütternd und sehr hart; es regt zum Nachdenken an.Einen Stern Abzug gibt es jedoch, weil es für mich an einigen Stellen "zu viel" war und ich die Handlung mancher Personen nicht nachvollziehen konnte und deswegen manchmal nicht die Motivation hatte weiterzulesen.Alles in allem aber ein sehr gutes Buch, dass ein Portrait der Gegenwart wiedergibt. 

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  • Lesemarathon zu Ostern vom 14. - 17. April 2017 bei LovelyBooks

    LovelyBooks Spezial
    Marina_Nordbreze

    Marina_Nordbreze

    Hoppel-Hoppel – Mit LovelyBooks durch die Oster-Tage! Endlich ist es wieder soweit! Wir nutzen das lange Wochenende um Ostern, um uns gemeinsam mit euch in den nächsten Lesemarathon zu stürzen! Den Schoko-Osterhasen lassen wir links liegen (obwohl ... vielleicht auch nicht ;)), stattdessen widmen wir uns dem schönsten Zeitvertreib – Lesen! Auf gehts, wir starten in den Lesemarathon zu Ostern! Was ist ein Lesemarathon?Bei unserem Lesemarathon vom 14. - 17. April (Karfreitag bis Ostermontag) möchten wir uns ganz bewusst Zeit dafür nehmen, endlich einmal längere Zeit am Stück zu lesen. Sonst kommt doch immer der Alltag dazwischen und plötzlich hat man die schöne Lesezeit mit Putzen, Fernsehen usw. verbracht. Natürlich müsst ihr nicht die gesamten 4 Tage durchlesen, sondern es ist so gedacht, dass jeder mitmachen kann, wann und wie er möchte. Hier haben wir einen gemeinsamen Platz, an dem wir uns über unsere Lesefortschritte und die gelesenen Bücher austauschen können.Wie kann man mitmachen?Jeder ist herzlich willkommen hier jederzeit mitzumachen. Einfach drauflosschreiben und dabei sein – wir freuen uns über jeden, der uns ein kleines oder auch großes Stück unseres Lesemarathons begleiten möchte. Für die Abwechslung zwischendurch, werden wir hier im Zeitraum der 4 Tage kleine Fragen oder Aufgaben stellen, bei denen ihr gern mitmachen könnt. Natürlich ist das kein Muss, aber es macht immer wieder viel Spaß, auf diese Weise andere Leser kennen zu lernen, neue Bücher zu entdecken und sich sein eigenes Leseverhalten näher anzuschauen. Selbstverständlich könnt ihr gern auch über eure Blogs und Social Media Kanäle teilnehmen. Verwendet hierbei bitte den Hashtag #lblm - so können wir unsere Beiträge leicht wiederfinden.Jetzt heißt es nur noch, ein paar Tage warten und schon ist unser Lesemarathon da. Wir freuen uns auf viele fantastische, berührende, lustige und einfach nur schöne Lesestunden mit euch!

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    • 1293
  • Konnte mich nur teilweise überzeugen

    Die Zeit der Ruhelosen
    mondtaenzerin

    mondtaenzerin

    15. April 2017 um 22:44

    'Die Zeit der Ruhelosen' erzählt von drei unterschiedlichen Menschen, einem traumatisierten Soldaten, einem reichen Manager und dem Politiker Osman Diboula. Aufgrund ihres Berufes und ihrer sozialen Stellung nehmen sie das Leben völlig unterschiedlich wahr, sind aber doch alle durch die innere Unruhe vereint. Diesbezüglich finde ich den neugierig machenden Titel perfekt gewählt, da er das ganze Buch mit vier Worten zusammenfasst. Der Anfang hatte mir sehr gefallen, wobei ich besonders begeistert von der Erzählweise und Authentizität des Soldaten war, der mich als einziger Protagonist das ganze Buch über fesseln konnte. Den Kapiteln über den Manager hingegen fehlte es an Spannung, weshalb ich auch gerne einmal ein paar Seiten übersprungen habe und nicht wirklich viel verpasst habe.Der Schreibstil der Autorin ist der einzige Grund, weshalb das Buch auf drei Sterne in meiner Bewertung kommt. Man kann sich überhaupt nicht beschweren - im Gegensatz zu zahlreichen Jugendbüchern, die auf niedrigem Niveau geschrieben sind, besitzt dieses Buch ein solch hohes Niveau, das man sich bei ein paar Wörtern fragte, was sie denn eigentlich bedeuten. Die Sätze waren oftmals lang, aber doch so gut strukturiert, dass es flüssig zum Lesen war. Die Konzentration musste während des Lesen vollkommen auf dem Text liegen, da man sonst einen Satz wieder von Anfang an lesen musste. Das Buch bietet einen wunderschönen Blick in die unterschiedlichen Seiten unserer Gesellschaft. Auf das Ende habe ich mich sehr gefreut. Die Begegnung der drei Protagonisten hat mich dazu gebracht, das Buch immer weiter zu lesen, auch wenn manchmal nur elendig lange Beschreibungen vorzufinden waren. Das Ende an sich konnte mich zwar zufriedenstellen, aber ich hatte mir mehr erhofft. Es gab durchaus Überraschungen, doch nach diesem langatmigen Roman habe ich einen spannenderen Höhepunkt erwartet. Um es zusammenzufassen, 'Die Zeit der Ruhelosen' ist ein sprachlich niveauvoller Roman, der mich jedoch in seiner Ausführung nicht überzeugen konnte und zu viel Zeit beanspruchte. Es ist auf jeden Fall ein Roman, der einem ewig in Erinnerung bleibt und zu stundenlangem Denken anregt.       

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  • Ein Roman in Moll

    Die Zeit der Ruhelosen
    Lovely_Lila

    Lovely_Lila

    13. April 2017 um 13:20

    * Spoilerfreie Rezension! *~ Ein ernstes, pessimistisches Buch, das die Probleme unserer Gesellschaft treffend skizziert und besonders auf das Problem der Herkunft eingeht, die sich nicht abschütteln lässt. Der Schreibstil von Karine Tuil ist kühl, anspruchsvoll, und sprachlich ein Genuss; die ruhelosen Protagonisten sind nicht immer sympathisch, aber sehr glaubwürdig beschrieben, so dass man ständig wissen möchte, wie es ihnen weiterhin ergeht. Der Schluss ist rund und wunderschön, er bleibt lange im Gedächtnis, und regt, wie das ganze Buch, auch nach der Lektüre noch zum Nachdenken an. ~ InhaltKarine Tuil verbindet in ihrem Roman nach und nach die Leben und Schicksale dreier ganz unterschiedlicher Menschen: François Vély ist ein reicher, bekannter Manager, Osman Diboula ist ein aufstrebender junger Politiker und Romain Roller ist Soldat in Afghanistan. Sie alle zeichnen sich durch eine gewisse Ruhelosigkeit aus – ständig sind sie auf der Suche, nach Macht, Liebe, Einfluss, einem besserem Job, mehr Geld oder Adrenalin. Auf dem Weg zu ihrem Ziel sind sie bereit, vieles zu opfern, manches verlieren sie auch ganz unerwartet… InformationenErzählstil: überwiegend Personaler Erzähler; PräteritumPerspektive: hauptsächlich aus männlicher SichtKapitellänge: kurz bis sehr kurzMeine MeinungEinstieg & SchreibstilDer Einstieg fiel mir nicht wirklich leicht. Das liegt vor allem daran, dass es zu Beginn dauert, bis man sich von den verschiedenen Erzählsträngen und Protagonisten ein Bild gemacht hat, und daran, dass der Schreibstil für mich im Vergleich zu meiner üblichen Freizeitlektüre ungewohnt anspruchsvoll war. Die kurzen Kapitel erleichtern jedoch diese erste Phase erheblich. Nach einigen Seiten gewöhnt man sich an den komplexen Satzbau und die gehobene Wortwahl, und sobald man hineingefunden hat, ist der Schreibstil wirklich ein Genuss. Jedes einzelne Wort steht an der richtigen Stelle, es gibt keine Wortwiederholungen, und so manches neue Wort kann man hier bestimmt noch dazulernen. Karine Tuil hat einen ungewohnt nüchternen, kühlen, aber erstklassigen Schreibstil, mit dem sie den Leser verwöhnt.PersonenEs dauert einige Seiten, bis man die Protagonisten einzuschätzen weiß. Das liegt an den kurzen Kapiteln, durch die man immer nur bruchstückhaft Details aus dem Leben der Figuren erfährt. Bis zum Ende des Buches bleibt allerdings eine gewisse Distanz bestehen, richtig warm wurde ich mit den meisten Personen nicht. Das liegt nicht nur am nüchternen, Schreibstil, der relativ ruhig und unaufgeregt die dramatischen Erlebnisse im Leben der Figuren schildert, sondern auch an den Personen, die nicht wirklich mit Sympathie glänzen. Obwohl ich viele ihrer Handlungen verstehen konnte, hat mich ihr Egoismus und ihr rücksichtsloses Streben nach Macht streckenweise wirklich angewidert. Das ging jedoch nie so weit, dass ich die Lust am Lesen verloren hätte, denn ihre Motivationen wurden gut und nachvollziehbar erklärt. Dennoch wird man in diesem Buch wahrscheinlich kaum Lieblingsfiguren finden, an die man sich noch Jahre später mit einem warmen Gefühl im Bauch erinnert. Ein Beispiel: Der erfolgreiche Manager François Vély erklärt, dass er „zur Zerstreuung“ mit seiner Frau in Afrika auf Löwenjagd war. Wenn Menschen, die im Überfluss leben, zur Zerstreuung töten, dann braut sich Wut in meinem Bauch zusammen. Vielleicht, weil die Autorin auch hier wieder treffend die traurige Realität einfängt. Idee & ThemenViele Ideen, zahlreiche Probleme und wichtige Thematiken hat die Autorin in dieses Buch gepackt. Sie thematisiert subtilen, versteckten Rassismus, Sexismus, das Streben nach Macht und wie diese die Menschen verändern kann, Krieg, Geld, Religion, Verlust, Hoffnungslosigkeit, Liebe und, ganz wichtig, unsere Herkunft / Vergangenheit und wie sie anscheinend immer an uns kleben bleibt. Vor allem Letzteres wird im Buch ausführlich behandelt, denn den Figuren gelingt es nicht, ihre Herkunft „abzuschütteln“ und hinter sich zu lassen. Im Gegenteil, ihr Leben scheint durch sie ständig beeinflusst – mit allen negativen Konsequenzen. Die Themen, die Karine Tuil behandelt, behandelt sie mit der nötigen Ernsthaftigkeit, und trotz des eher nüchternen Schreibstiles zeichnet sie ein eher trauriges, trostloses Bild der französischen Gesellschaft. Diese Ruhelosigkeit unserer Zeit, dieses ständige Streben nach mehr Macht, Geld, Adrenalin, Glück oder Einfluss wird in diesem Roman wunderschön dargestellt. Wäre dieses Buch ein Lied, wäre es bestimmt in Moll geschrieben.Besonders loben möchte ich, wie gründlich die Autorin recherchiert und sich auf das Buch vorbereitet hat. Das wird nicht nur durch die Liste der verwendeten Werke deutlich, sondern auch durch die vielen Zitate und Informationshäppchen, die sie mit Leichtigkeit in die Geschichte einwebt, so dass ein schlüssiges, sehr gut gelungenes Ganzes entsteht. SpannungSobald man einmal ins Buch gefunden hat, will man ständig wissen, wie es weitergeht. Die 500 Seiten ziehen sich überraschenderweise nie.Mein FazitEin ernstes, pessimistisches Buch, das die Probleme unserer Gesellschaft treffend skizziert und besonders auf das Problem der Herkunft eingeht, die sich nicht abschütteln lässt. Der Schreibstil von Karine Tuil ist kühl, anspruchsvoll und sprachlich ein Genuss; die ruhelosen Protagonisten sind nicht immer sympathisch, aber sehr glaubwürdig beschrieben, so dass man ständig wissen möchte, wie es ihnen weiterhin ergeht. Der Schluss ist rund und wunderschön, er bleibt lange im Gedächtnis, und regt, wie das ganze Buch, auch nach der Lektüre noch zum Nachdenken an.Meine Empfehlung: Für alle, die Lust auf etwas Anspruchsvolleres haben, das zum Nachdenken anregt.Bewertung:Idee & Thematik: 5 Sterne ♥Ausführung: 5 Sterne Schreibstil: 5 Sterne Personen: 4 Sterne Spannung: 5 Sterne Regt zum Nachtdenken an!Insgesamt:❀❀❀❀❀Dieser zurecht gelobte Roman erhält von mir fünf Sterne!

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  • Frankreich im Ausnahmezustand

    Die Zeit der Ruhelosen
    Xirxe

    Xirxe

    11. April 2017 um 14:11

    Der Großteil Europas blickt voller Furcht auf Frankreich, wo am 23. April 2017 die Präsidentschaftswahlen stattfinden werden. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Rechtspopulistin Le Pen die Wahl gewinnen könnte und das zweite Land wäre, das den Ausstieg aus der EU beschließen würde. Frankreichs Gesellschaft steht kopf und allerorts wird diskutiert, wie es soweit kommen konnte.In einem ähnlichen Zustand befinden sich auch die Protagonisten dieses Buches der französischen Autorin Karine Tuil, die alle drei glaubten, sich in ihrem Leben eingerichtet zu haben, das ewig so weitergehen würde: Francois Vély, ein reicher brillianter Manager, dem nach einem scheinbar erst einmal eher nebensächlichen Skandal plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Osman Diboula, ein farbiger Sozialarbeiter, der in der Politik Karriere machte und plötzlich abserviert wird. Und Romain Roller, Soldat, der nach diversen Auslandseinsätzen nach seinem Afghanistanaufenthalt völlig gebrochen zurückkehrt und ein Verhältnis mit der Frau von Vély beginnt, ohne dies am Anfang jedoch zu wissen.Es sind drei völlig unterschiedliche Konflikte, in denen diese Männer stecken; doch was sie verbindet, ist ihr jeweils einsamer Kampf, sich daraus zu befreien und immer wieder einen neuen Rückschlag zu erleiden. Denn selbst als sich Alles (mehr oder weniger) in Wohlgefallen aufgelöst hat, wird es wohl nur ein vorübergehender Ruhezustand sein. Die Unsicherheiten und Ängste werden sie ein Leben lang begleiten - die Sorglosigkeit (so der Originaltitel) ihres bisherigen Lebens ist vorbei.Tuil stellt ein detailliertes Abbild eines Teils der Gesellschaft dar, wobei es sich bei Osman Diboula und Francois Vély um eher typisch französische 'Vertreter ihrer Art' handelt. Diboula hat sich aus den Banlieues von Paris auf die Ebene der Karrieristen der französischen Eliteuni ENA hochgearbeitet; etwas, das in dieser Form in Deutschland nicht existiert. Vermutlich ebensowenig wie dass ein Wirtschaftsboss wie Vély wegen seiner jüdischen Abstammung sozial 'hingerichtet' würde. Dennoch lässt sich dieser Roman in Vielem sicherlich auf Deutschland ebenso wie auf andere Länder übertragen: Die Fähigkeiten der modernen Medien, Menschen in kürzester Zeit zu demontieren und zu ruinieren; wie Macht Menschen korrumpiert und sie rücksichtslos alles hinter sich lassen, was ihnen einmal wichtig war; wie der Krieg Menschen zerstört - und zwar nicht nur im physischen sondern auch im psychischen Sinn. Es ist kein schönes Bild, was Karine Tuil hier entwirft - aber auf jeden Fall ein erhellendes, das vielleicht ein bisschen Licht in das Dunkel bringt: Weshalb die Welt so ist wie sie ist.Nur eine Frage lässt mir keine Ruhe: Weshalb sind die drei Hauptfiguren dieser Autorin Männer? Kommen Frauen mit der nicht mehr vorhandenen Sorglosigkeit besser klar? Sind sie die ständige Unsicherheit schon länger gewohnt?

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    • 3
  • Ein sehr fesselnder Roman

    Die Zeit der Ruhelosen
    katrin297

    katrin297

    10. April 2017 um 23:12

    „Die Zeit der Ruhelosen" ist ein sehr fesselndes Gesellschaftsdrame der heutigen Zeit. Die drei Protagonisten könnten nicht unterschiedlicher sein und doch sehnen sich alle drei letztendlich nach Liebe, Karriere und Annerkennung. Romain Roller ist ein französischer Soldat und ein traumatisierter Afghanistanheimkehrer. Gleich am Anfang wird der Leser mit dem Krieg in Afghanistan konfrontiert, so dass man gut nachvollziehen kann warum Romain große Schwierigkeiten hat sich in seinem altem bzw neuem Leben wieder zu finden und einen Sinn darin zu finden. Francoise Vély, ein sehr erfolgreicher Unternehmer mit jüdischen Wurzeln wird von einer bösartign antisemitischen Kampagne erpresst und fühlt sich ihr ausgesetzt. Auch Osman Diboula wird von seiner Vergangenheit heimgesucht und an seine Wurzeln erinnert. Er ist aus dem Vorort von Paris und ist politisch aufgestiegen ,so dass er sogar im Elysée Palast arbeitet. Die Autorin schildert eine sehr aktuelle Situation. Das Streben nach Macht und Anerkennung und gleichzeitig versuchen die Protagonisten ihre Vergangenheit zu verarbeiten bzw. mit ihr klar zu kommen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, kritsch und tiefgründig. Man fühlt mit den Charaktären mit ob in guten oder schlechten Zeiten. Die Geschichte ist nicht verschönert sondern schildert den Kampf des lebens und den Kampf ums Überleben. Ein Buch das ich jedem nur empfehlen kann.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareen anushka Arietta Arizona ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettin CaroasCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dion erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized Nane_M naninka Nil parden Petris Pocci Sandra_Halbe schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1096
  • „Ein grandioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit“

    Die Zeit der Ruhelosen
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    10. April 2017 um 21:38

    Der Klappentext nennt das Buch „ein grandioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit“ – und das passt. Der Rest vom Klappentext verrät etwas viel, wobei das hier nicht einmal schadet, weil es mehr darauf ankommt, WIE elegant Karine Tuil das tut – und welche eigenen Überlegungen das auslösen kann. Der Roman wechselt die Perspektiven zwischen drei Männern, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Reich geboren oder aus dem Problemviertel, als Kind von afrikanischen Einwanderern oder mit rein französischer Ahnenreihe, mit Hintergrund im Islam, im Katholizismus, im Judentum (oder sogar mit Kombinationen davon), erfolgreich, aufstrebend oder gebrochen. Überhaupt, gebrochen – alle von ihnen werden in diesem Roman in der einen oder anderen Weise zu Verlierern werden; der Text lebt davon, ihnen dabei zuzusehen. Ihr Scheitern ist dabei teils zutiefst menschlich – sie verlieben sich und Partnerschaften zerbrechen, Karrieren gehen kaputt, angebliche Freunde werden zu Verrätern - zur wirklichen Identifikationsfigur taugt mir keiner von ihnen: zu sehr finden sie ihre Identifikation in der Selbst-Zelebrierung als „Alpha-Männchen“; selbst die Frauen um sie herum sind kaum besser in ihrem Streben nach Durchsetzung eigener Machtbedürfnisse. Die Sprache ist eine Freude: gut verständlich, treffsicher, situativ changierend – ob von den Schrecken des Krieges handelnd: „Könnte der Übersetzer, der euch seine Dienste anbietet, nicht ein von den Taliban ferngesteuerter Spion sein, eine Geisel, die unter Zwang handelt? Es ist ein Leichtes, ihn zu erpressen, indem sie damit drohen, seine Familie zu töten, sie wissen, wo sie wohnt, sie kennen den Namen seines Vaters und seiner Schwester, du weißt, was wir deiner Schwester antun können, ja, er weiß es, sie werden ihr eine Kugel in den Kopf jagen oder sie mit Säure bespritzen, ein Strahl ins Gesicht, und sie ist für immer entstellt, als abschreckendes Beispiel.“ S. 20oder ob es um oft ernüchternde Schlussfolgerungen geht: „Er hatte die Liebe verschmäht. Nun musste er sich mit der Zuneigung seiner Familie begnügen, dem Trostpreis.“ S. 278 Mich hat der Text sehr zum Nachdenken angeregt – hinaus über das altbekannte Erwägen, wo Diskriminierung beginnt, inwieweit viele Förderungen verkappte Demütigungen beinhalten, wo die Zensur im Kopf stattfindet, hin dazu, wo die Demütigung geflissentlich ignoriert wird, um nicht als „Spielverderber“ dazustehen. Das ist kein rein französisches Thema, das lässt sich auch in deutschsprachigen Ländern exemplifizieren; ich war teils erschreckt, wie viele dumme (rassistische, sexistische, antisemitische,…) Sprüche aus dem Buch ich bereits im gesellschaftlichen Umgang gehört hatte, oft „natürlich“ ganz „harmlos“ gemeint. Das ist schon „ganz großes Kino“ von Karine Tuil. Andere Hintergründe im Roman wird man nur verstehen, wenn man sich ein wenig mit Frankreich auskennt, so die „Grandes Écoles“ unter den Universitäten, die quasi als Automatismus eine Karriere in Politik und Wirtschaft versprechen, und das spezielle Schulsystem mit den stark konkurrierenden vorbereitenden Gymnasien – aber andererseits werfen internationale Studien Deutschland vor, unterdurchschnittlich wenige Studenten hervorzubringen, die aus Nicht-Akademiker-Familien stammen (stimmt, das ist schon insgesamt etwas anderes, „normale“ Universitäten haben die Franzosen auch noch – und diese „besonderen“ Universitäten haben wir hier nicht, die Bedeutung von Rankings ist geringer, die Privat-Unis finden den Vergleich eher mit dem US-System). Lässt man das außen vor, liest sich das Buch nicht nur als „französische“ Gesellschaftsstudie, sondern durchaus als eine der westlichen Gesellschaftssysteme, bei der vielleicht die Eltern von Osman bei einem britischen Autor aus Indien kämen, bei einem deutschen Autor aus der Türkei, etc. Immer noch fasziniert mich das Ende – sehr geschickt, bei allen zwischendurch oft sehr ernüchternden Aussagen. Es bleibt, über einige von ihnen nachzudenken: „Die meisten Menschen ziehen die Bequemlichkeit dem Risiko vor, … weil sie Angst vor einer Veränderung oder einem Scheitern haben, dabei müssten sie am meisten Angst vor einem vergeudeten Leben haben.“ S. 496 Meine Empfehlung als Folgebuch:James Finn Garner: Politically Correct Bedtime-Stories (Märchen in „politisch-korrekt-Sprech“ – da sind „Zwerge“ stattdessen „vertically handicapped“ – sehr entlarvend und damit durchaus adäquat zu einem Zitat aus Tuil: „In unserer Gesellschaft ist etwas sehr Ungesundes im Gange, alles wird durch den Blickwinkel der Identität betrachtet.“ S. 285 alternativ werde ich selbst in den Büchern stöbern, die Paul Vély zum Trauern empfiehlt:Rainer Maria Rilke „Du musst das Leben nicht verstehen“Joan Didion „Das Jahr magischen Denkens“Roland Barthes „Tagebuch der Trauer“Jorge Semprún „Schreiben oder Leben“ mit dem schönen Zitat „Das Leben war noch lebbar. Es genügte zu vergessen, es mit Bestimmtheit, brutal zu beschließen.“ S. 487

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    • 3
  • eindrucksvoller Einblick

    Die Zeit der Ruhelosen
    vielleser18

    vielleser18

    09. April 2017 um 08:38

    Im Roman von Karine Tuil stehen vier Menschen im Vordergrund. Romain Roller, Soldat der französischen Armee und traumatisierter Afghanistan-Heimkehrer. Francoise Vely, reicher Unternehmer, mit einem außergewöhnlichen Kunstinteresse und jüdischen Wurzeln,und seine zweite Frau Marion. Die Beziehung der beiden fing durch den Selbstmord von Francoise erster Frau kurz vor der Heirat an zu bröckeln. Der Vierte, der hier im Blickpunkt steht, ist der farbige Mitarbeiter im Elysee-Palast, Osman Diboula. Aufgewachsen im sozialen Brennpunkt, im Banlieue, den Vororten Paris, hat Osman als Streetworker, Vermittler und Schlichter auf sich aufmerksam gemacht und danach eine steile Karriere im politischen Geschäft begonnen. Anfangs erzählt die Autorin abwechselnd in öfters kurzen Abschnitten von den vier Hauptprotagonisten, die sich anfangs weder kennen noch sonstige Berührungspunkte haben. Doch sie haben eines gemein: richtig glücklich und zufrieden mit sich und seinem Leben ist keiner. Es geht um die Suche nach Macht, weil manche der Protagonisten das Gefühl haben, nur dann glücklich/anerkannt/zufrieden zu sein. Es geht um die eigenen Wurzeln (bei Osman Diboula, aber auch bei Francoise Vely), die man abschütteln möchte, weil man dazu gehören möchte, nicht anders sein will.Es geht auch um das eigene Gewissen. Um das Abschütteln der Vergangenheit, nur mit dem Blick nach vorne zu leben. Ist das möglich ?Es geht um Beziehungen, Liebe und Ehen. Ehen, die aufgrund der Verschiedenheit der Ehepartner oder auch durch die Selbstsucht der Protagonisten zum Scheitern verurteilt sind. Es geht aber auch um die sozialen Netzwerke, Meinungsmache, Medien. Und um ihre Macht, die das Leben eines Einzelnen nicht nur verändern können.Und es ist eine Suche nach einem glücklichen Leben, das eigentlich jeder der Protagonisten sich wünscht. Als Leser verfolgt man gespannt ihre Anstrengungen, ihre Fehltritte, ihre Entscheidungen. Manchmal kann man als Leser Symphatiepunkte verteilen um diese im nächsten Augenblick wieder zu streichen. Es gibt bei den Protagonisten keine eindeutigen Helden oder Antihelden - irgendwie steckt in jedem beides.  Anfangs sind es vier Erzählstränge, die aber nach und nach sich immer mehr verwickeln, nach und nach berühren sich die Leben der vier Protagonisten, am Ende kennen sich alle Protagonisten und sind in unterschiedlichen Konstellationen auch voneinander abhängig. Am Ende muss man tief durchatmen und das Ganze Geschehen, die ganze Geschichte erst einmal sacken lassen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, wenn man sich mit den Protagonisten vertraut gemacht hat, ist man gespannt auf den Fortgang. Auch wenn alles aus der Erzählwarte eher kühl, diagnostisch, seziert erzählt wird, verfolgt man als Leser gespannt das Auf und Ab der Protagonisten mit. Irgendwie herrscht in ihrem Leben auch nie Ruhe, es ist immer Entwicklung, immer Bewegung - egal in welche Richtung - vorhanden. "Die Zeit der Ruhelosen" - ein Roman aus unserer heutigen Zeit, den ich empfehle kann.

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  • Macht und Anerkennung

    Die Zeit der Ruhelosen
    albiorix

    albiorix

    06. April 2017 um 07:54

    Inhalt und meine Meinung:Karine Tuil wirft in ihrem Roman den Blick auf drei völlig unterschiedliche Menschen und Lebensweisen, die alle miteinander verknüpft sind. Der Manager eines Telekommunikationsunternehmens Francois Vély, der einen rasanten Aufstieg hinter sich hat, gerät dank eines Mediencoups in eine schier unaufhaltsame Abwärtsspirale. Der Abstieg beginnt schon damit, dass sich seine Exfrau aus dem Fenster stürzt als er ihr eröffnet, dass er wieder heiraten will. Seine neue Frau Marion, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt, beginnt unterdessen eine Affäre mit dem Offizier Romain Roller, der gerade aus dem Afghanistan-Krieg heimgekehrt ist. Er  versucht sein Trauma in den Griff zu bekommen und wieder im Leben Fuß zu fassen und Halt zu finden, dies ist für ihn eine große persönliche Herausforderung. Der Politiker Osman Diboula ist die dritte Hauptfigur im Roman, er stammt aus einem Pariser Problemviertel und war früher Sozialarbeiter. Diboula hat auch den schnellen Aufstieg und Fall selbst erlebt und ergreift in der Debatte um Rassismus und Sexismus ausgerechnet für Francois Vély Partei. Schließlich treffen alle im Irak aufeinander, eine Begegnung die für alle Beteiligten schwerwiegende Konsequenzen haben wird.Dieses kritische Gesellschaftsdrama von Karine Tuil hat mich von Beginn an sehr gut unterhalten. Ich konnte mich schnell in die Handlung einfinden. Besonders gut hat mir die Aufteilung der Kapitel gefallen, so wusste man als Leser immer sofort, mit welchem Teil des verwobenen Handlungsstranges man es gerade zu tun hatte. Die Autorin beschreibt anschaulich und mit gutem Gespür und Feingefühl die Ereignisse und Hintergründe. Ein Roman über die gesellschaftliche Stellung, Diskriminierung und Rassismus, vom schnellen Aufstieg und genauso schnellen rasanten Fall. Ein kritisch beäugtes, tiefgründig, durchdachtes und gut recherchiertes Drama der Gesellschaft.       

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  • Mehr erwartet

    Die Zeit der Ruhelosen
    Sonntag16

    Sonntag16

    04. April 2017 um 18:44

    Interese weckt das Buch durch sein Thema und seine hohe Anpreisung. Auch das Cover ist vielversprechend. Zu Beginn wirkt die Geschichte spannend, da aus der PErspektive verschiedener Personen erzählt wird. Auch gibt es spannende Momente, jedoch erscheint die Handlung ein bloßer Ausschnitt eines Größeren zu sein. So fühlt es sich an, als würde man nur einen abgesteckten Ausschnitt von etwas lesen ohne die Geschichte einordnen zu können, ohne, dass sie auf einen Höhepunkt zusteuert. Das ist sehr schade. Nicht mal zum Weiterdenken regt die Geschcichte an, sie bleibt lediglich als wages Gefühl hängen. Einen weiteren Kritikpunkt sehe ich in der Beschreibung des Charakters, der als Geisel genommen und gefoltert wird. Dieser Part wirkt weniger authentisch, vieleher unrealistisch.Alles in allem beherbergt diese Geschichte interessante Charaktere und ist sprachlich tadellos verfasst, jedoch fehlt eine runde Geschichte und damit meine ich nicht ein Happy End.

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  • Von Aufstiegen, Niedergängen und der Unmöglichkeit, der eigenen Herkunft zu entkommen

    Die Zeit der Ruhelosen
    Walli_Gabs

    Walli_Gabs

    04. April 2017 um 17:55

    „Die Zeit der Ruhelosen“ liest sich sehr intensiv. Schon der Einstieg – die Schilderung eines Afghanistan-Einsatzes aus der Sicht eines französischen Soldaten – ist hart und gleichzeitig die Vorbereitung des Lesers auf das, was noch folgt: Zwar sind Krieg und Terror nicht die Hauptthemen des Buches, tauchen aber immer wieder auf. Die Protagonisten in Karine Tuils Roman kommen, wie der Titel schon sagt, nicht zur Ruhe: Ein Afghanistan-Heimkehrer, ein erfolgreicher Geschäftsmann und ein politischer Aufsteiger. Zwar kreuzen sich ihre Wege im Verlauf des Buches, doch sie haben kaum etwas miteinander gemeinsam. Jeder von ihnen ist ein Einzelkämpfer und strebt nach dem, was ihm wichtig ist: Karriere, Anerkennung, Liebe. Immer wieder geht es dabei um Macht. Die Macht, etwas zu bewirken, zu beeinflussen oder zu kontrollieren. In ihrem Streben kommen die Hauptfiguren ins Straucheln und müssen mehr oder weniger schmerzhaft feststellen, dass sie nicht frei agieren können, dass insbesondere ihre Herkunft sie nicht loslässt. Sie können ihre Vergangenheit nicht abschütteln, sie holt sie ein, egal, wie sehr sie sich innerlich und äußerlich von ihr distanzieren. Der Soldat wurde durch seinen letzten Einsatz traumatisiert, der Geschäftsmann muss sich durch die Presse daran erinnern lassen, dass er als Jude geboren wurde und sieht sich bald einer bösartigen antisemitischen Kampagne ausgesetzt. Der politische Aufsteiger entfernt sich gerne und schnell von seinen Banlieue-Wurzeln, doch sowohl seine neuen Kollegen als auch ein alter Freund, der sich religiös radikalisiert hat, lassen nicht zu, dass er diese vergessen kann.Doch in „Zeit der Ruhelosen“ wird auch geliebt und geweint. Es ist ein vielschichtiges Buch, dass mich sehr gefesselt hat. Ich konnte mit den Protagonisten mitfühlen, denn auch wenn sich meine Sympathien bisweilen in Grenzen hielten: Karine Tuil zeigt nachvollziehnbar, was jeden einzelnen antreibt. Parallel ist man bei Aufstiegen und Untergängen der einzelnen Figuren dabei. Mich hat beeindruckt, wie gut die Autorin die Erlebniswelt der drei so unterschiedlichen Protagonisten erfasst hat: Man zieht mit ihnen in den Krieg, die PR-Schlacht, den Élysée-Palast. Karine Tuil beschreibt Atmosphären, Orte und Gefühle so eindringlich, dass man als Leser kaum näher dran sein könnte. Und so ist auch das Leseerlebnis ruhelos, und genauso lässt einen das Buch nach seinem dramatischen Finale zurück. Ein großer Roman, den es sich unbedingt zu lesen lohnt.

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  • Wirtschaftsgipfel

    Die Zeit der Ruhelosen
    AngiF

    AngiF

    02. April 2017 um 15:01

    Romain Roller hat es als Soldat schon an schlimme, krisenreiche Plätze dieser Erde gebracht, er war im Kosovo, an der Elfenbeinküste, doch zerbrochen ist er am Einsatz in Afghanistan. Nun ist er auf dem Heimweg, in Zypern soll er sich erholen von den Kriegswirren. Hier lernt er die Journalistin Marion Decker kennen und beginnt eine Affäre mit ihr. Er weiß nicht, dass sie verheiratet ist, mit einem der erfolgreichsten und mächtigsten Manager Frankreichs – François Vély. Der, jüdischstämmige Mann, wird selbst gerade in einen Skandal verwickelt. Für ein Hochglanzmagazin posiert er vor einer Statue und wird als Rassist beschimpft. Von unerwarteter Seite erhält er jedoch Unterstützung: Osman Diboula. Ein Jugendfreund Romains, der inzwischen Kariere in der Politik gemacht hat. Auch er hat Probleme, fühlt sich im Élysée gemobbt. Sie alle treffen aufeinander im Irak auf einem Wirtschaftsgipfel. Eine grandios erzählte Geschichte, fulminant, ergreifend. „Die Zeit der Ruhelosen“ könnte auch eine Momentaufnahme unserer Zeit sein, alles muss schneller gehen, jeder möchte mehr Erfolg, mehr Geld. Im norwegischen Fernsehen gibt es bereits Entschleunigungsprogramme, wo den Zuschauern ein langsam fahrender Zug über 24 Stunden gezeigt wird. Doch so weit sind Karine Tuils Figuren noch lange nicht, sie stecken mitten in der Ruhelosigkeit. Gekonnte hat die Autorin ihren Charakteren Leben eingehaucht und lässt sie alle perfekt miteinander spielen. Die Sprache ist schön und ansprechend. Sehr gerne vergebe ich diesem Werk seine wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es absolut weiter. Den Leser erwartet eine Geschichte, die auf höchstem Niveau erzählt wird. Keine leichte Kost für mal eben zwischendurch; dieses Buch bedeutet ein wenig Arbeit und Zeit. Aber dafür wird der Leser belohnt und hält ein Buch in den Händen, das man so schnell nicht wieder vergisst. http://angisbuecherkiste.blogspot.se/2017/04/die-zeit-der-ruhelosen-von-karine-tuil.html

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  • Ein kühles Bild der französischen Gesellschaft

    Die Zeit der Ruhelosen
    Curin

    Curin

    01. April 2017 um 13:02

    Soldat Romain Roller kommt aus Afghanistan zurück und bekommt die Bilder und den Schrecken der Krieges nicht mehr aus dem Kopf. Während er in einem Hotel auf Zypern zur Erholung untergebracht ist, fängt er eine verhängnisvolle Affäre mit der Journalistin Marion Decker an. Diese ist die Ehefrau des bekannten Managers Francois Vely, der gerade mit furchtbaren Gerüchten zu kämpfen hat und dabei Unterstützung von unerwarteter Seite erhält... .Karine Tuil hat hier ein beeindruckendes Buch geschrieben, welches die französische Gegenwart unglaublich echt wirkend und authentisch darstellt. Dabei werden die politische und die gesellschaftliche Situation in den Mittelpunkt gestellt und so auch für Menschen, die nicht in Frankreich leben, anschaulich und greifbar gemacht.Besonders gefesselt haben mich die Beschreibungen des Krieges aus der Sicht des Soldaten Romain Roller. Fast schon wie ein Bewusstseinsstrom wird aus seiner Perspektive ein realistisches Bild von Afghanistan und der Situation der Menschen und auch der dort stationierten Armee gezeichnet. Es ist wirklich erschreckend zu lesen, was in diesem traumatisierten Mann vorgeht. Umso unglaublicher scheint es mir, dass man im Buch, aber auch in unserer Realität  von den Soldaten nach ihrem Kriegseinsatz verlangt, fast ohne Unterbrechung direkt wieder in ihr altes Leben zurückzukehren und alles Erlebte zu vergessen.Auch die anderen Figuren im Buch wirken alles andere als konstruiert. Jeder hat seine Schwierigkeiten und muss sich über Ungerechtigkeiten hinwegsetzen, was nicht immer gelingt. So ist zum Beispiel Osman Diboula ein gebildeter Mann, der aber aufgrund seiner Herkunft in der Politik eine nur unsichere Stellung hat und deswegen nie den selben Status wie seine Mitstreiter erreichen kann.Karine Tuil hat einen gut lesbaren und sehr nüchternen Schreibstil. Ohne viel Gefühlsduselei schildert sie die oft schwierige Situation ihrer Figuren und zeichnet so ein Bild der französischen Gesellschaft, welches es in sich hat.Mir persönlich hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Allerdings schreibt Frau Tuil mir manchmal zu kühl und sie hätte auch ruhig ein paar mehr positive Aspekte hineinbringen können. Dennoch empfehle das Buch sehr gerne weiter.

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