Die Zeit der Ruhelosen

von Karine Tuil 
4,2 Sterne bei54 Bewertungen
Die Zeit der Ruhelosen
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Positiv (43):
Alexlauras avatar

Geschichte über die aktuelle Situation in Frankreich aus verschiedenen Persepektiven erzählt, die miteinander verzahnt sind

Kritisch (3):
Lakritzschneckes avatar

Gut geschrieben, keine Frage. Für meine Begriffe reißt die Autorin jedoch zu viele Themen zu oberflächlich an.

Alle 54 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Die Zeit der Ruhelosen"

Furios erzählt Karine Tuil von Menschen, die getrieben sind von dem Wunsch nach Anerkennung, Geld und Macht – und beinah tragisch daran scheitern. Ein grandioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit.

Der Aufstieg des brillanten Managers François Vély scheint unaufhaltsam. Bis seine Exfrau sich aus dem Fenster stürzt, als sie erfährt, dass er wieder heiraten will. Der Tragödie folgt die Entdeckung, dass seine neue Lebensgefährtin in eine Affäre mit einem Offizier verstrickt ist, der völlig traumatisiert aus Afghanistan heimkehrt. Außerdem wird Vély ein Mediencoup zum Verhängnis, man bezichtigt ihn des Rassismus und Sexismus. Als er persönlich und beruflich am Ende ist, ergreift ausgerechnet der Politiker Osman Diboula Partei für ihn – dabei ist Diboula bekannt als Wortführer gegen eine weiße gesellschaftliche Elite. Wenige Wochen später kommt es im Irak zu einer Begegnung aller Beteiligten, die für Vély fatale Konsequenzen hat.

• Nominiert für den Prix Goncourt, wochenlang auf der Bestsellerliste - eine der relevantesten französischen Autorinnen

• Ein kluger, hochaktueller Gesellschaftsroman über den gnadenlosen Wettbewerb um Macht und sozialen Aufstieg

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548290546
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:06.04.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor einem Jahr
    Ein französisches Bild der Gesellschaft

    »Ein Muslim, der nach Afghanistan geht, tötet seine Brüder und ist ein dreckiger Mörder.«

    Frankreich, eine gespaltene Gesellschaft, oben, unten, schwarz und weiß, Religionen, ein Konflikt ohne Ende, Rassismus, Privilegien, brennende Vorstädte. Menschen, die sich alles nehmen, andere die mimosenhaft jede Vokabel untersuchen, ob nicht irgendwo eine Diskriminierung im Satz versteckt sei. Völlig verschiedene Typen, die in diesem Plot auf den Show-down zureiten. Eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

    Mit Romain Roller beginnt der Roman, ein Soldat, der aus Afghanistan zurückkehrt, völlig traumatisiert nach einem Anschlag. Er hat überlebt. Ein Freund ist tot, Farid, der andere, liegt gelähmt im Krankenhaus, die Beine amputiert. Warum durfte Romain weiterleben? Er fühlt sich wie ein Zombie, innen ist alles tot, niemand, der nicht in Afghanistan war, kann begreifen, was dort passiert, kann ihn begreifen, fühlen, was er fühlt. Bevor die Soldaten in die Heimat kehren, werden sie in eine Art Touristenhotel gebracht, damit sie entspannt nach Hause fahren. Dort trifft Romain auf die Journalistin Marion und eine Amor fou beginnt. Sie können nicht voneinander lassen, auch als Romain wieder bei seiner Familie lebt. Romain reagiert hektisch auf »normale« Situationen, Geräusche, Kindergeschrei, ein Auto, dass auf der Autobahn überholt, identifiziert er innerlich als Feind, zu seiner Frau findet er keinen Zugang. Marion ist seine Obsession.

    Marion wiederum ist mit dem schwerreichen Geschäftsmann Francois Vély verheiratet. Ein Fettnäpfchentreter, der sorglos durch die Welt stapft, nicht bedenkt, was sein Verhalten als berühmter Mensch auslösen könnte. Nach seiner Scheidung heiratet er Marion, nimmt seiner Frau die Kinder weg. Die Frau bringt sich später um, was ihm öffentlich zur Last gelegt wird. Die Kinder akzeptieren die neue Familie nicht, sind renitent. Vély ist katholisch, sein Vater hieß noch Lévy, war Jude, wechselte ins Christentum.

    »Andere Bürgersöhne wurden Anarchisten, Thibault lebte seine Ablehnung jeglicher Autorität als Spieler aus. All diese Rebellen, diese Versehrten mussten sich nach ihrer überbehüteten Kindheit das Leiden selbst erschaffen, sie waren Vatersöhne, die glaubten., sie könnten ihrem vorgezeichneten Weg entgehen, indem sie in den besetzten Häusern von Belle-ville oder Barbès Joins rauchten, die sie aus der Kasse ihrer Väter und Mütter bezahlten.«

    Vélys Sohn, Thibault, mutiert plötzlich zum erzkonservativen Juden, will den Thalmud in den USA studieren. Ein Journalist möchte ein Interview mit Francois Vély und er fotografiert den Unternehmer mitten in einem diskussionswürdigen Kunstwerk, das als rassistisch bezeichnet wird. Vély denkt sich nichts dabei, wie immer. Ist doch bloß Kunst, Provokation.

    »Francois hatte die politische Brisanz der Skulptur nicht erkannt, Kunstwerke waren ein Teil seines Lebens, er war immun gegen Schockelemente.« – »Mehrere User teilten den Post, die Empörung schaukelte sich hoch, die Nachricht wurde überall aufgegriffen, auf der ganzen Welt verbreitet … auch das Image seines Unternehmens litt, auf ihm lastete nun der Verdacht des Rassismus und der Diskriminierung.«

    Und dann schlägt die Presse zu: Er sei ein Rassist, stinkreicher Unternehmer, der die Menschen in anderen Kontinenten ausbeutet, ein moderner Sklavenhalter. Der Jude schlechthin, der geldgeile. Vély kapiert nicht, was hier abgeht. Immer weiter wird der Fall medial aufgeblasen. Francois hat nicht einen Hauch der Chance, sich zu wehren, irgendetwas richtigzustellen.

    »Es wurde stillschweigend angenommen, dass seine Hautfarbe bei der Entscheidung des Präsidenten den Ausschlag gegeben hatte, dass es um Diversität gegangen war.«

    Osman Diboula, schwarz, stammt aus dem Problemviertel Clichy-sur-Bois, hat sich als Streetworker einen Namen gemacht. Der Präsident war auf ihn aufmerksam geworden. Ein Farbiger aus den Slums, so einen suchte er für sein Team als Berater. Aufgestiegen in den Präsidentenpalast lernt er dort Sonia kennen. Sie ist auch farbig, entstammt aber einer reichen Familie, hat die besten Universitäten besucht. Sie sind ein Paar.

    »Sonia, es ist keine Ausnahme. Sie lassen uns ständig spüren, dass wir nicht dazugehören! Das kannst du doch nicht leugnen!«

    Osman fühlt sich in einer Sitzung beleidigt von einem Konservativen, diskriminiert. Er steht auf und verlässt den Raum, obwohl ihn der Präsident auffordert zu bleiben. Osman verliert seinen Job. Er ist stolz, lässt sich nicht beleidigen. Sonia ist anderer Meinung. Sie glaubt, wenn man weghört, sich nicht auf den Schlips getreten fühlt, kann man seinen Weg gehen. Sie ist doppelt unter Beschuss in der Politik, sie ist schwarz und Frau. Wer sich umdreht und geht, hat verloren. Nur Weicheier und Dumme fühlen sich beleidigt, nehmen das als Entschuldigung für die eigene Unzulänglichkeit. Sonia hasst die die Familie und die alten Freunde von Osman, denn sie interpretieren alles um sich herum als Rassismus, das einzige Thema, das sie haben. Issa, ist einer von ihnen, machtgeil, Kleinunternehmer, der sich in islamistische Verschwörungstheorien verläuft.

    »Am Tisch wurde über die Wirtschaftsabkommen mir Afrika gesprochen. Osman hörte, wie einige die ›afrofranzösische Diaspora‹ beschworen, dabei fühlte er sich als Franzose, einer mit afrikanischen Wurzeln, ja, aber Franzose. Er war in Frankreich geboren und überhaupt nur dreimal im Leben mit seinen Eltern in die Ferien an die Elfenbeinküste gefahren, er fühlte sich Afrika emotional nicht besonders verbunden. Das Land interessierte ihn als Tourist. Nicht als Anker. Nicht als Bezugspunkt.«

    Karine Tuil zeigt verschiedene Gesellschaftsschichten des modernen Frankreichs. Sie lässt die Protagonisten sprechen, mit all ihrer Arroganz, mit Hass, mit Verzweiflung, zeigt somit alle Positionen auf, in allen Widersprüchen, die Schwierigkeit, einen Konsens zu finden. Die Autorin wertet nie, nicht einmal hat man das Gefühl, auf eine Seite gezogen zu werden. Der Leser fühlt sich als Zuschauer in einem Spiel, das ständig die Positionen wechselt. In kurzen Kapiteln springen wir von einem zum anderen Protagonisten, werden durch den Roman gejagt, wie die Protagonisten, die angetrieben durch ihr Leben hetzen: Die Ruhelosen. Das Buch ist ein Gesellschaftsroman, aber auch ein Politthriller, bitterbös, abgründig, komplex, absolut spannend, mitreißend, mitdenkend. »Die Moral ist eine variable Größe«, heißt es, und darum geht es. Scheitern kann jeder, ob oben oder unten, ganz schnell reißt die Menge dir die Beine weg, wenn du versuchst aufzustehen. Ein Gesellschaftsbild des heutigen Frankreichs, atemberaubend.

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    L
    Littlebookdreamsvor einem Jahr
    Sehr düsteres, nachdenkliches Buch


              "Es ist eine atemlose Gegenwart, die Karine Tuil beschreibt. Eine Gegenwart, in der die unterschiedlichsten Temperamente und Schichten aufeinanderprallen."
    So beschreibt die FAZ den Roman in ein paar Worten sehr treffend. 


    Die Grundstory besteht aus drei vermeintlich unterschiedlichen Schicksalen der drei männlichen Protagonisten, die allerdings eine Sache miteinander verbindet- das unaufhaltsame Streben nach Macht, Anerkennung und Liebe. 


    Zum einen geht es um François Vély einen der erfolgreichsten Unternehmer in Frankreich, der nachdem seine Ehefrau Selbstmord begeht, sowohl im Privaten mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und zusätzlich seine Firma, die er jahrelang aufgebaut hat den Bach runter geht. 


    Zum anderen geht es um den Soldaten Romain Roller, der von einem Auslandseinsatz aus Afghanistan zurückkehrt und so viele schlimme Bilder dort gesehen, sodass er von diesen heimgejagt wird.


    Der letzte und dritte Protagonist ist der schwarze Osman Diboula, der sich von ganz unten aus einem Pariser Getto nach oben gearbeitet hat und nun einen begehrenswerte Anstellung innehält, doch auch er hat mit dem sozialen Abstieg zu kämpfen. 


    Wenn man dieses Buch liest, muss einem klar sein, dass es nicht sonderlich positive Themen behandelt, allerdings tagesaktuelle, die zum Nachdenken anregen. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und die Geschichte zu jedem Zeitpunkt spannend. Ich kann dieses Buch jedem weiterempfehlen, der sich auch in Büchern mit der Gesellschaft und Politik auseinandersetzen will. 






            

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor einem Jahr
    Die Zeit der Ruhelosen

    Inhalt des Buches:
    In diesem Buch wird das Leben von dem schwarzen Politiker Osman Diboula, dem Manager Francois Vely und dem traumatisierten Soldaten Romain Roller beleuchtet. Das Leben der einzelnen Personen sind ineinander verwoben und der Leser begleitet die Personen, die sich am Ende alle im Irak wiedersehen.

    Eigene Meinung:
    Dieses Buch hat mir außergewöhnlich gut gefallen. Besonders haben mich die Beschreibungen von Afghanistan und das Kriegsgeschehen mich sehr beeindruckt. Darüber hinaus hat mir sehr gut die Meinung der Autorin über den Krieg und das sinnlose Sterben der Soldaten gefallen.
    Es ist ein Buch, welches sehr sachlich geschrieben wurde.
    Für mich war es ein Lesehighlight und am Ende war ich wirklich traurig als ich das Buch beendet hatte.

    Fazit:
    Eine klare Leseempfehlung!

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    T
    Tara01092012vor einem Jahr
    leider nichts für mich

    Nach dem Lesen der Inhaltsangabe war ich mir sicher, dass dies ein Buch sein könnte, dass mir gefällt, doch leider habe ich mich da ein wenig getäuscht.
    Das Buch war leider überhaupt nichts für mich. Ich konnte keine Spannung aufbauen und die Handlung hat mich irgendwie so gar nicht interessiert...

    Sehr schade, denn ich hatte schon recht hohe Erwartungen an das Buch durch das Thema und die Inhaltsbeschreibung, doch leider wurde diese nicht wirklich erfüllt.

    Das Cover fand ich interessant und vielversprechend. Den Anfang des Buch fand ich noch interessant, leider ging das nur wenige Seiten so. Und nach ca der Hälfte hab ich das Buch ehrlich gesagt weggelegt und auch nicht wieder in die Hände genommen!

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    E
    echidnavor einem Jahr
    Ungeahnte Entwicklungen


              "Die Zeit der Ruhelosen" wird aus drei Perspektiven geschrieben: der Offizier Romain Roller, der gerade zutiefst traumatisiert aus Afghanistan zurückgekommen ist, der erfolgreiche Unternehmer Francois Vely, dessen gesamtes Leben durch einen Faux-Pas vor dem Aus steht und Osman Diboula, der sich aus dem Pariser Problemviertel Banlieue hochgearbeitet hat und mittlerweile zum engsten Stab um den Präsidenten gehört. Doch auch seine Karriere ist gefährdet.
    Jede dieser drei Figuren hat eine Vergangenheit, die sie stark geprägt hat. Und jede dieser Figuren muss sich nun durch Schicksalsschläge oder eigenem Unvermögen zurück in die Gesellschaft kämpfen und ihren Platz behaupten.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da ich die Charaktere gut ausgearbeitet fand und sie mir auch alle in ihrer eigenen Art und Weise sympathisch waren, so dass ich wirklich mit ihnen mitleiden konnte. Es war interessant zu sehen, wie sich die Geschichten der drei sich anfangs völlig fremden Charaktere im Laufe der Zeit immer weiter ineinander verwoben haben. Die Charaktere haben eine Entwicklung durchgemacht, die nachvollziehbar, aber dennoch nicht von Anfang an zu erwarten war. Diese Entwicklung erklärt auch die Länge des Buches. Für Leser, die viel Spannung und Handlung in einem Buch erwarten, könnten manche Passagen vielleicht langatmig sein, doch mir kam es nicht so vor, da mich so vielschichtige Charaktere, die sich stetig weiter entwickeln, interessieren.


    Ich würde das Buch auf jeden Fall weiter empfehlen, aber nur an Leser, denen auch die Charaktere und nicht nur die Spannung in einem Buch wichtig sind.
            

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    AgnesMs avatar
    AgnesMvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein eher düsteres und ernstes Buch mit starken Charakteren, welches sehr zum Nachdenken anregt & aktuelle Themen aufgreift
    Die Zeit der Ruhelosen

    François Vély, einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner Frankreichs, schwimmt in Geld, gehört zu der Oberschicht und genießt hier großes Ansehen. Er zieht machtvolle Verbündete an und schließt millionenschwere Verträge ab. Doch Geld allein macht nicht glücklich und das spürt er nachdem seine erste Ehefrau den Freitod gewählt hat, sich seine Kinder von ihm abwenden und seine neue Ehefrau mit dieser bedrückenden Situation nicht zurechtkommt und sich ihre Gefühle für Vély regelrecht in Luft auflösen. Der Super-Gau folgt nachdem Vély ein relativ harmloses Interview einem Journalisten gegeben hat und dieses veröffentlicht wird. Alles ändert sich urplötzlich, denn keiner konnte ahnen was für negative Konsequenzen diese Veröffentlichung nach sich ziehen würde. Vély stürzt gesellschaftlich ab und kann nicht glauben das alles, was er sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, von einem Tag auf den anderen zunichte gemacht wurde. Wie soll ein Mensch wie Vély aus der Schlucht, in die er gefallen ist, wieder aufsteigen und die gewohnte Macht zurückerlangen?

    Romain Roller kehrt aus Afghanistan als ein psychisches Wrack wieder. Der Soldat hat Dinge gesehen, gehört und erlebt, die sich tief in die Seele eines Menschen bohren und die man nie mehr vergisst. Schreckliche Träume, Panikattacken und eine Schreckhaftigkeit begleiten ihn und erschweren die Rückkehr in den normalen Alltag mit seiner Familie. Zuflucht findet er in einer Affäre mit einer Journalistin, die ihn alles um sich herum vergessen lässt. Doch ist diese Affäre der richtige Ausweg für ihn? Wird er je wieder ein normales Leben führen können?

    Osman Diboula ist schwarz und hat sich gegen die vorherrschenden Weißen im Palast des Präsidenten durchgesetzt und dort einen angesehenen Job ergattert. Er wohnte in einem der Ghettos in Paris und hat sich als Autodidakt vieles angeeignet, was ihm den politischen Aufstieg ermöglicht hat. Doch niemand ist vor einem Tritt in ein Fettnäpfchen gefeit und so begeht Diboula einen folgenschweren Fehler und verliert Macht, Ansehen und seine Anstellung. Seine Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt und seine Kollegen lassen ihn fallen. Kann er trotzdem den Wiederaufstieg bewältigen und seine politische Karriere fortführen?

    Alle drei Charaktere haben vieles gemeinsam. Sie alle streben nach Macht, Ansehen, einer Karriere, Geld und der großen Liebe. Aufgrund all dieser Begehren kreuzen sich ihre Wege früher oder später und all das hat Auswirkungen auf die Zukunft eines jeden einzelnen von ihnen. Alle drei sind ruhelos und streben verzweifelt nach einem inneren Frieden.

    Karine Tuil hat einen politischen und gesellschaftlichen Roman geschaffen der viele Themen und Probleme der modernen Gesellschaft direkt, aber auch unterschwellig anspricht - Macht, Sexismus, Geldgier, Krieg, Gewalt, Religion, Liebe, Kunst und Rassismus. Der ständige Drang der Menschen nach Ansehen und einer adäquaten Stellung in einer der besseren Schichten zieht sich durch den Roman. Auch die allgegenwärtige Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Wut wird thematisiert, so dass hier ein sehr abwechslungsreicher, spannender und zeitgenössischer Roman vorliegt. Die Lektüre wird nie langweilig, ist absolut nicht langatmig und die Mischung der so unterschiedlichen Themen finde ich sehr gut ausgearbeitet. Der Schreibstil ist klar, nicht verschnörkelt und die Kapitel haben allesamt eine gute Länge. Allgemein gesehen ist es ein eher düsteres und ernstes Buch mit starken Charakteren, welches sehr zum Nachdenken anregt.

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    HoroSouls avatar
    HoroSoulvor einem Jahr
    Fesselnd!


    "Die Zeit der Ruhelosen" ist ein sehr eindringliches, erschütterndes und beeindruckendes Buch. Die Wege der Hauptpersonen kreuzen sich immer wieder, obwohl sie nicht sonderlich viel gemeinsam haben. Ein Soldat der aus Afghanistan kommt und die schrecklichen Bilder des Krieges nicht mehr aus dem Kopf bekommt, ein jüdischer Geschäftsmann der in einen Skandal gewickelt wird und ein Politiker der Karriere gemacht hat aber auch einige Probleme hat. In dem Buch wird den Personen klar, dass ihre Vergangenheit sie einholt und sie ihre Herkunft nicht abschütteln können.
    Das Buch ist keine leichte Kost und sehr pessimistisch. Der Schreibstil ist flüssig aber auch irgendwie kalt und intensiv.
    Die Art wie beispielsweise der Afghanistan-Einsatz geschildert ist, ist zutiefst erschütternd und sehr hart; es regt zum Nachdenken an.
    Einen Stern Abzug gibt es jedoch, weil es für mich an einigen Stellen "zu viel" war und ich die Handlung mancher Personen nicht nachvollziehen konnte und deswegen manchmal nicht die Motivation hatte weiterzulesen.
    Alles in allem aber ein sehr gutes Buch, dass ein Portrait der Gegenwart wiedergibt. 

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Konnte mich nur teilweise überzeugen


    'Die Zeit der Ruhelosen' erzählt von drei unterschiedlichen Menschen, einem traumatisierten Soldaten, einem reichen Manager und dem Politiker Osman Diboula. Aufgrund ihres Berufes und ihrer sozialen Stellung nehmen sie das Leben völlig unterschiedlich wahr, sind aber doch alle durch die innere Unruhe vereint. Diesbezüglich finde ich den neugierig machenden Titel perfekt gewählt, da er das ganze Buch mit vier Worten zusammenfasst.
    Der Anfang hatte mir sehr gefallen, wobei ich besonders begeistert von der Erzählweise und Authentizität des Soldaten war, der mich als einziger Protagonist das ganze Buch über fesseln konnte. Den Kapiteln über den Manager hingegen fehlte es an Spannung, weshalb ich auch gerne einmal ein paar Seiten übersprungen habe und nicht wirklich viel verpasst habe.
    Der Schreibstil der Autorin ist der einzige Grund, weshalb das Buch auf drei Sterne in meiner Bewertung kommt. Man kann sich überhaupt nicht beschweren - im Gegensatz zu zahlreichen Jugendbüchern, die auf niedrigem Niveau geschrieben sind, besitzt dieses Buch ein solch hohes Niveau, das man sich bei ein paar Wörtern fragte, was sie denn eigentlich bedeuten. Die Sätze waren oftmals lang, aber doch so gut strukturiert, dass es flüssig zum Lesen war. Die Konzentration musste während des Lesen vollkommen auf dem Text liegen, da man sonst einen Satz wieder von Anfang an lesen musste.
    Das Buch bietet einen wunderschönen Blick in die unterschiedlichen Seiten unserer Gesellschaft. Auf das Ende habe ich mich sehr gefreut. Die Begegnung der drei Protagonisten hat mich dazu gebracht, das Buch immer weiter zu lesen, auch wenn manchmal nur elendig lange Beschreibungen vorzufinden waren.
    Das Ende an sich konnte mich zwar zufriedenstellen, aber ich hatte mir mehr erhofft. Es gab durchaus Überraschungen, doch nach diesem langatmigen Roman habe ich einen spannenderen Höhepunkt erwartet.
    Um es zusammenzufassen, 'Die Zeit der Ruhelosen' ist ein sprachlich niveauvoller Roman, der mich jedoch in seiner Ausführung nicht überzeugen konnte und zu viel Zeit beanspruchte. Es ist auf jeden Fall ein Roman, der einem ewig in Erinnerung bleibt und zu stundenlangem Denken anregt.
           

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    Lovely_Lilas avatar
    Lovely_Lilavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wäre dieser Roman ein Lied, wäre es in Moll geschrieben. Treffende, pressimistische Gesellschaftskritik.
    Ein Roman in Moll

    * Spoilerfreie Rezension! *

    ~ Ein ernstes, pessimistisches Buch, das die Probleme unserer Gesellschaft treffend skizziert und besonders auf das Problem der Herkunft eingeht, die sich nicht abschütteln lässt. Der Schreibstil von Karine Tuil ist kühl, anspruchsvoll, und sprachlich ein Genuss; die ruhelosen Protagonisten sind nicht immer sympathisch, aber sehr glaubwürdig beschrieben, so dass man ständig wissen möchte, wie es ihnen weiterhin ergeht. Der Schluss ist rund und wunderschön, er bleibt lange im Gedächtnis, und regt, wie das ganze Buch, auch nach der Lektüre noch zum Nachdenken an. ~

    Inhalt


    Karine Tuil verbindet in ihrem Roman nach und nach die Leben und Schicksale dreier ganz unterschiedlicher Menschen: François Vély ist ein reicher, bekannter Manager, Osman Diboula ist ein aufstrebender junger Politiker und Romain Roller ist Soldat in Afghanistan. Sie alle zeichnen sich durch eine gewisse Ruhelosigkeit aus – ständig sind sie auf der Suche, nach Macht, Liebe, Einfluss, einem besserem Job, mehr Geld oder Adrenalin. Auf dem Weg zu ihrem Ziel sind sie bereit, vieles zu opfern, manches verlieren sie auch ganz unerwartet…

    Informationen


    Erzählstil: überwiegend Personaler Erzähler; Präteritum
    Perspektive: hauptsächlich aus männlicher Sicht
    Kapitellänge: kurz bis sehr kurz


    Meine Meinung


    Einstieg & Schreibstil

    Der Einstieg fiel mir nicht wirklich leicht. Das liegt vor allem daran, dass es zu Beginn dauert, bis man sich von den verschiedenen Erzählsträngen und Protagonisten ein Bild gemacht hat, und daran, dass der Schreibstil für mich im Vergleich zu meiner üblichen Freizeitlektüre ungewohnt anspruchsvoll war. Die kurzen Kapitel erleichtern jedoch diese erste Phase erheblich. Nach einigen Seiten gewöhnt man sich an den komplexen Satzbau und die gehobene Wortwahl, und sobald man hineingefunden hat, ist der Schreibstil wirklich ein Genuss. Jedes einzelne Wort steht an der richtigen Stelle, es gibt keine Wortwiederholungen, und so manches neue Wort kann man hier bestimmt noch dazulernen. Karine Tuil hat einen ungewohnt nüchternen, kühlen, aber erstklassigen Schreibstil, mit dem sie den Leser verwöhnt.

    Personen

    Es dauert einige Seiten, bis man die Protagonisten einzuschätzen weiß. Das liegt an den kurzen Kapiteln, durch die man immer nur bruchstückhaft Details aus dem Leben der Figuren erfährt. Bis zum Ende des Buches bleibt allerdings eine gewisse Distanz bestehen, richtig warm wurde ich mit den meisten Personen nicht. Das liegt nicht nur am nüchternen, Schreibstil, der relativ ruhig und unaufgeregt die dramatischen Erlebnisse im Leben der Figuren schildert, sondern auch an den Personen, die nicht wirklich mit Sympathie glänzen. Obwohl ich viele ihrer Handlungen verstehen konnte, hat mich ihr Egoismus und ihr rücksichtsloses Streben nach Macht streckenweise wirklich angewidert. Das ging jedoch nie so weit, dass ich die Lust am Lesen verloren hätte, denn ihre Motivationen wurden gut und nachvollziehbar erklärt. Dennoch wird man in diesem Buch wahrscheinlich kaum Lieblingsfiguren finden, an die man sich noch Jahre später mit einem warmen Gefühl im Bauch erinnert. Ein Beispiel: Der erfolgreiche Manager François Vély erklärt, dass er „zur Zerstreuung“ mit seiner Frau in Afrika auf Löwenjagd war. Wenn Menschen, die im Überfluss leben, zur Zerstreuung töten, dann braut sich Wut in meinem Bauch zusammen. Vielleicht, weil die Autorin auch hier wieder treffend die traurige Realität einfängt.

    Idee & Themen

    Viele Ideen, zahlreiche Probleme und wichtige Thematiken hat die Autorin in dieses Buch gepackt. Sie thematisiert subtilen, versteckten Rassismus, Sexismus, das Streben nach Macht und wie diese die Menschen verändern kann, Krieg, Geld, Religion, Verlust, Hoffnungslosigkeit, Liebe und, ganz wichtig, unsere Herkunft / Vergangenheit und wie sie anscheinend immer an uns kleben bleibt. Vor allem Letzteres wird im Buch ausführlich behandelt, denn den Figuren gelingt es nicht, ihre Herkunft „abzuschütteln“ und hinter sich zu lassen. Im Gegenteil, ihr Leben scheint durch sie ständig beeinflusst – mit allen negativen Konsequenzen. Die Themen, die Karine Tuil behandelt, behandelt sie mit der nötigen Ernsthaftigkeit, und trotz des eher nüchternen Schreibstiles zeichnet sie ein eher trauriges, trostloses Bild der französischen Gesellschaft. Diese Ruhelosigkeit unserer Zeit, dieses ständige Streben nach mehr Macht, Geld, Adrenalin, Glück oder Einfluss wird in diesem Roman wunderschön dargestellt. Wäre dieses Buch ein Lied, wäre es bestimmt in Moll geschrieben.

    Besonders loben möchte ich, wie gründlich die Autorin recherchiert und sich auf das Buch vorbereitet hat. Das wird nicht nur durch die Liste der verwendeten Werke deutlich, sondern auch durch die vielen Zitate und Informationshäppchen, die sie mit Leichtigkeit in die Geschichte einwebt, so dass ein schlüssiges, sehr gut gelungenes Ganzes entsteht.

    Spannung

    Sobald man einmal ins Buch gefunden hat, will man ständig wissen, wie es weitergeht. Die 500 Seiten ziehen sich überraschenderweise nie.


    Mein Fazit

    Ein ernstes, pessimistisches Buch, das die Probleme unserer Gesellschaft treffend skizziert und besonders auf das Problem der Herkunft eingeht, die sich nicht abschütteln lässt. Der Schreibstil von Karine Tuil ist kühl, anspruchsvoll und sprachlich ein Genuss; die ruhelosen Protagonisten sind nicht immer sympathisch, aber sehr glaubwürdig beschrieben, so dass man ständig wissen möchte, wie es ihnen weiterhin ergeht. Der Schluss ist rund und wunderschön, er bleibt lange im Gedächtnis, und regt, wie das ganze Buch, auch nach der Lektüre noch zum Nachdenken an.

    Meine Empfehlung: Für alle, die Lust auf etwas Anspruchsvolleres haben, das zum Nachdenken anregt.

    Bewertung:

    Idee & Thematik: 5 Sterne ♥
    Ausführung: 5 Sterne
    Schreibstil: 5 Sterne
    Personen: 4 Sterne
    Spannung: 5 Sterne
    Regt zum Nachtdenken an!


    Insgesamt:

    ❀❀❀❀❀

    Dieser zurecht gelobte Roman erhält von mir fünf Sterne!

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    Xirxes avatar
    Xirxevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Tuil zeigt anschaulich und überzeugend, was geschieht, wenn das Leben von einem Tag zum andern nur noch aus Unsicherheit besteht. Spannend!
    Frankreich im Ausnahmezustand

    Der Großteil Europas blickt voller Furcht auf Frankreich, wo am 23. April 2017 die Präsidentschaftswahlen stattfinden werden. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Rechtspopulistin Le Pen die Wahl gewinnen könnte und das zweite Land wäre, das den Ausstieg aus der EU beschließen würde. Frankreichs Gesellschaft steht kopf und allerorts wird diskutiert, wie es soweit kommen konnte.
    In einem ähnlichen Zustand befinden sich auch die Protagonisten dieses Buches der französischen Autorin Karine Tuil, die alle drei glaubten, sich in ihrem Leben eingerichtet zu haben, das ewig so weitergehen würde: Francois Vély, ein reicher brillianter Manager, dem nach einem scheinbar erst einmal eher nebensächlichen Skandal plötzlich der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Osman Diboula, ein farbiger Sozialarbeiter, der in der Politik Karriere machte und plötzlich abserviert wird. Und Romain Roller, Soldat, der nach diversen Auslandseinsätzen nach seinem Afghanistanaufenthalt völlig gebrochen zurückkehrt und ein Verhältnis mit der Frau von Vély beginnt, ohne dies am Anfang jedoch zu wissen.
    Es sind drei völlig unterschiedliche Konflikte, in denen diese Männer stecken; doch was sie verbindet, ist ihr jeweils einsamer Kampf, sich daraus zu befreien und immer wieder einen neuen Rückschlag zu erleiden. Denn selbst als sich Alles (mehr oder weniger) in Wohlgefallen aufgelöst hat, wird es wohl nur ein vorübergehender Ruhezustand sein. Die Unsicherheiten und Ängste werden sie ein Leben lang begleiten - die Sorglosigkeit (so der Originaltitel) ihres bisherigen Lebens ist vorbei.
    Tuil stellt ein detailliertes Abbild eines Teils der Gesellschaft dar, wobei es sich bei Osman Diboula und Francois Vély um eher typisch französische 'Vertreter ihrer Art' handelt. Diboula hat sich aus den Banlieues von Paris auf die Ebene der Karrieristen der französischen Eliteuni ENA hochgearbeitet; etwas, das in dieser Form in Deutschland nicht existiert. Vermutlich ebensowenig wie dass ein Wirtschaftsboss wie Vély wegen seiner jüdischen Abstammung sozial 'hingerichtet' würde. Dennoch lässt sich dieser Roman in Vielem sicherlich auf Deutschland ebenso wie auf andere Länder übertragen: Die Fähigkeiten der modernen Medien, Menschen in kürzester Zeit zu demontieren und zu ruinieren; wie Macht Menschen korrumpiert und sie rücksichtslos alles hinter sich lassen, was ihnen einmal wichtig war; wie der Krieg Menschen zerstört - und zwar nicht nur im physischen sondern auch im psychischen Sinn. Es ist kein schönes Bild, was Karine Tuil hier entwirft - aber auf jeden Fall ein erhellendes, das vielleicht ein bisschen Licht in das Dunkel bringt: Weshalb die Welt so ist wie sie ist.
    Nur eine Frage lässt mir keine Ruhe: Weshalb sind die drei Hauptfiguren dieser Autorin Männer? Kommen Frauen mit der nicht mehr vorhandenen Sorglosigkeit besser klar? Sind sie die ständige Unsicherheit schon länger gewohnt?

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