Karl-Georg Müller

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Interview mit Karl-Georg Müller

Der Autor im Gespräch mit LovelyBooks [07.04.2011]

Wie würdest du den Autor Karl-Georg Müller beschreiben?

Er ist an allem interessiert. Er liest sich in fast jedes Buch und jede Zeitschrift oder jedes Magazin ein, die ihm in die Hände fällt, und nicht selten liest er sogar bis zum (bitteren) Ende. Manchmal eben auch nicht. So bleibt er bei Kochzeitschriften meist an den Bildern hängen, schlägt das Heft zu und wartet am Esstisch, bis seine Liebste die Rezepte in etwas Leibhaftiges verwandelt. Auf jeden Fall recherchiert der Autor sehr gerne, was sich ja bestens mit seiner ausufernden Lesegier arrangieren lässt. Ob er dabei akribisch ist? Vielleicht, vielleicht muss er sich aber auch selbst dabei stoppen, weil er bei der Recherche schnell einmal vom Stock ans Stöckchen gerät - und die eigentliche Arbeit ist für einen Autor nicht die Recherche, sondern das Schreiben. Sonst wäre er besser Detektiv geworden und nicht Autor.

Welche Vorteile bietet für dich das Internet und wie nutzt du hier den Kontakt zum Leser, wie z.B. in einer Literaturcommunity wie LovelyBooks.de?

Ich fange mit dem Nachteil an, denn den sollte man nicht unterschlagen: es lenkt ab. Es verleitet zum uferlosen Suchen, wenn man sich nicht ordentlich im Zaum hält. Und da fangen die Vorteile an: man lernt, diszipliniert zu arbeiten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Doch dies war vermutlich nicht mit der Frage gemeint. Das Internet erleichtert die Recherchearbeit, wenn es auch das Stöbern in Büchern - die es ja auch in der Version „Papier“ gibt - nicht überflüssig macht. Aber für einen ersten Blick über ein Thema, für die Suche nach Quellenmaterial und womöglich auch für Anreize, was sich an interessanten Aspekten in einen Roman einflechten lässt, ist das Internet eine mittlerweile unverzichtbare Hilfe. Den Kontakt zu den Lesern habe ich von der Pike auf gelernt. Vor dem Internet mit seinen von aktiven Lesern betreuten Blogs gab es die Fanzines in gedruckter Form. Blogs sind ja nicht viel mehr als eine Folge der Fanzines. Und wenn ich sie mit den Fanzines aus meinen frühen Jahren vergleiche, dann sind auch Blogs nichts anderes als Zeitschriften von Fans für Fans, nur virtuell. Dagegen habe ich meine ersten Erfahrungen mit meinem im appetitlichen Spiritusumdruckverfahren multiplizierten Fanzine mit Namen „New Dimension“ gesammelt. Der Leserkontakt war dabei ein wesentlicher Bestandteil. Der direkte Kontakt war damals weniger einfach; ein mit der Schreibmaschine getippter Leserbrief ist allemal aufwendiger auf den Weg zu bringen als eine Email (oder ein Kommentar unter einen Blogbeitrag). Qualitativ hat sich durch das Internet in meinen Augen wenig geändert, quantitativ schon. Früher war die Hemmschwelle, einem missliebigen Autor eine auszuwischen, größer, zudem war es ja nicht einfach, seine Meinung an den Mann oder die Frau zu bringen. Heute wischt man ihm im Vorübergehen eine mit einer Amazon-Lesermeinung aus. Also, es hat zwei Seiten. Der Leserkontakt ist enger, auch schneller. Das ist gut, das gefällt mir. Der Autor muss sich ja dadurch nicht unter Druck setzen lassen, sondern kann selbst mit bestimmen, wie weit er die Leser an sich heran lässt. Nicht jeder muss bei Facebook präsent sein, nicht jeder muss bei Lovelybooks eine Dependance unterhalten. Wer das tut, zeigt sich aber gewillt, näher an den Leser heranzurücken und sich den Fragen zu stellen. Für mich ist es aus meiner Lebensgeschichte heraus naheliegend, auch heute den Kontakt zum Leser zu suchen. Darin hat sich bei mir wenig verändert (natürlich kombiniert sich bei mir die nachgesagte „Altersweisheit“ mit dem „Altersstarrsinn“, sodass die Leser auch einmal klare Antworten erwarten dürfen. Aber ich mag die Leser, ehrlich!) Wer schreibt, möchte ein Publikum ansprechen, und das will heutzutage vielfältiger unterhalten werden als vor 30 oder mehr Jahren. Wenn man das akzeptiert, lässt man die Leser eben auf sich zugehen. Soweit, bis man „Stopp!“ sagt.

Bei der Buchfrage können sich neuerdings Leser in Echtzeit über Autoren und ihre Bücher austauschen, damit ist ein weiterer Platz für Lob und Kritik geschaffen. Wie gehst du damit um?

Ich habe ein entsprechendes Plugin auf meiner Website eingebunden. Auch wenn bislang über diese Plattform erst wenige Fragen an mich herangetragen wurden, sehe ich es als weitere gelungene Möglichkeit, die Kommunikation zwischen Autor und Leser mit einem für beide Seiten akzeptablen Aufwand zu unterstützen. Ein „Aber“ hänge ich an: Alles in allem dürfen diese sehr kurzen Kommunikationswege nicht dazu führen, eine falsche Erwartungshaltung beim Leser zu wecken. Ein Autor soll vornehmlich das tun, womit dem Leser am besten gedient ist: spannende Geschichten erzählen. Das gelingt ihm nur, wenn er sich (von mir aus auch ins stille Kämmerlein zurückzieht und) auf den Text konzentriert. Das führt natürlich dazu, dass ab und zu Aufgaben hintenan stehen müssen - auch der Kontakt zum Leser mag dann leiden, weil nicht umgehend eine Antwort geliefert wird oder werden kann. Ich denke mal, dass dies nie böser Wille ist, sondern immer den Umständen geschuldet. Im guten Falle der Arbeit an einem Roman.

Welche Bücher oder Autoren liest du selbst gern und wo suchst du Empfehlungen für dein privates Bücherregal?

Ich habe es zu Beginn des Interwiews angedeutet: Ich lese alles, was mir im weitesten Sinne interessant erscheint. Sachbücher gehören genauso dazu wie Romane. Was ich im Gegensatz zu meinen früheren Lesejahren selten bis gar nicht lese: Science Fiction und Fantasy, da hat sich meine Leselust sehr verändert. Stattdessen lese ich zeitgenössische Autoren oder auch Klassiker, bevorzugt greife ich in die Regale mit Kriminalliteratur. Spannend muss es sein, eine dicke Prise gute Charakterzeichnung gehört mit rein, dazu ein Schreibstil, der sich vom Gros der Autoren abheben kann: dann packt es mich. Ich bin da manchmal ziemlich wahllos und ziehe mir jeden Autor an Land, der nicht schnell genug „Bleib mir nur vom Leib!“ schreit. Wenn ich jetzt Namen nennen sollte ... Ich lasse das lieber, weil es bei den Krimis die Klassiker sind, und da winkt jeder ab und sagt: klar, die muss er ja aufzählen. Also spare ich mir das. Ich höre gerne auf Tipps von Freunden, stöbere im Internet oder auch im leibhaftigen Buchhandel. Bei der Fülle ist es schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Bei einem Missgriff hilft dann aber eine gewisse Willensstärke, die den meisten Lesern ja etwas fremd ist: ein Buch wird nicht besser, wenn man sich bis zur letzten Seite durchquält. Also Mut zum abrupten Ende haben und - das Buch zuklappen und weglegen.

Wo holst du dir Ideen und Inspirationen für deine Bücher?

Überall. Das können kurze Eindrücke sein, die ich irgendwo gewinne, beispielsweise beim Laufen. Im TextArt-Forum wurde jüngst darüber diskutiert, inwieweit Laufen/Joggen beim Schreiben nützt. Das tut es, abhängig von verschiedenen Kriterien. Es fällt mir oft genug etwas Neues ein, wenn das Lauftempo stimmt. Ansonsten bietet das bewusste Leben genügend Inspiration. Das mögen dann kurze Gedankenschnipsel sein, die jemand im Gespräch äußert, oder Informationssprenkel, die in einem Internet-Artikel verborgen sind. Das tägliche Leben hält genug in der Hinterhand, um daraus eine spannende Romanhandlung zu entwickeln.

Was tust du bei einer Schreibblockade?

Laufen. Dann: An einem anderen Text arbeiten, also zum Beispiel ein neues Exposé entwerfen. Auf keinen Fall sich an der Problemstelle festbeißen. Ob das überhaupt eine Schreibblockade ist, bin ich mir gar nicht sicher, eher hat der Text einen Knackpunkt, der unerwartete Schwierigkeiten macht. Das lässt sich überwinden, indem er für eine gewisse Zeit ruht. Eine echte Schreibblockade ist eher ein grundsätzliches Problem, das auch von außen beeinflusst sein kann. Dagegen hilft, sich konsequent zum Schreiben zu animieren und täglich ein vorgegebenes Pensum zu schaffen.

Dürfen wir in nächster Zeit weitere Bücher von dir erwarten?

Ja, und ich brenne darauf. Im Herbst des Jahres wird bei „Voodoo Press“ mein Roman „Stählerne Seelen“ erscheinen, dessen Held - als Held jedenfalls sieht er sich selbst - Nat Hawthorne auf die Suche nach seiner geliebten Caitlin geht, den zwielichtigen Baron von Rottberg immer auf seinen Fersen. Die drei Personen feierten jüngst in meiner Kurzgeschichte „Ich schneide sie in Stücke!“ ihr Debüt, die in der Anthologie „Painstation“ erschien. Es wird eine wilde Mischung aus Steampunk und London, Grusel und Unterwelt, dazu noch viel Liebe und viel Hass. Fürs nächste Jahr ist eine Fortsetzung zu „Die Herrin der Dornen“ geplant; der Titel steht mit „Die Sklavin der Schmerzen“ schon fest und deutet die Richtung an: SM. Der Folgeband um Morna LeFay ist wieder in der mittelalterlichen Welt von Mercia angesiedelt und wird alles aufbieten, was zu einer magisch angehauchten Geschichte gehört. Daneben entwickele ich aktuell mit meiner Agentin Alisha Bionda verschiedene Projekte, die wir einigen Verlagen anbieten möchte. Auch die stapfen wieder im phantastischen Genre umher, ob sie jedoch der harten Wirklichkeit der deutschen Verlagswelt stand halten können - wir werden es sehen.

Welche Wünsche hast du im Bezug auf Deine Bücher und deine Arbeit im Jahr 2011?

Dass ich die Arbeit an den Büchern nicht für mich alleine erbringe, sondern dass die Bücher auch den Lesern gefallen. Aber das ist kein spezieller Wunsch für 2011, sondern gilt für jedes Jahr.

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