Karl-Heinz Ott

 3.7 Sterne bei 48 Bewertungen
Autor von Endlich Stille, Und jeden Morgen das Meer und weiteren Büchern.
Autorenbild von Karl-Heinz Ott (©Peter-Andres Hassiepen)

Lebenslauf von Karl-Heinz Ott

Von den Schönen Künsten: Der 1957 geborene deutsche Autor hat Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft studiert. Einige Jahre leitete er die Schauspielmusik an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und an den Städtischen Bühnen Freiburg. Außerdem war er an der Oper am Theater Basel und am Theater am Neumarkt in Zürich tätig. Sein schriftstellerisches Debüt gab er 2006 mit „Ins Offene“, wofür er den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg und den Thaddäus-Troll-Preis erhielt. Neben Romanen schreibt der Übersetzer auch Essayistische Werke, Radio-Essays und Features und Bühnenwerke. 2018 veröffentlichte das Ordentliche Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste den Roman „Und jeden Morgen das Meer“, der von einer Hotelchefin, die nach dem Tod ihres Mannes vom Bodensee in das verregnete Wales zieht, um am Meer ihr Glück zu finden, handelt. Karl-Heinz Ott lebt in Freiburg.

Neue Bücher

Und jeden Morgen das Meer

 (1)
Neu erschienen am 19.06.2020 als Taschenbuch bei dtv Verlagsgesellschaft.

Alle Bücher von Karl-Heinz Ott

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Buchformat:
Cover des Buches Endlich Stille (ISBN: 9783423135511)

Endlich Stille

 (18)
Erschienen am 01.04.2007
Cover des Buches Die Auferstehung (ISBN: 9783423145510)

Die Auferstehung

 (6)
Erschienen am 10.02.2017
Cover des Buches Und jeden Morgen das Meer (ISBN: 9783446259959)

Und jeden Morgen das Meer

 (7)
Erschienen am 20.08.2018
Cover des Buches Ob wir wollen oder nicht (ISBN: 9783423139717)

Ob wir wollen oder nicht

 (6)
Erschienen am 01.03.2011
Cover des Buches Wintzenried (ISBN: 9783423142472)

Wintzenried

 (4)
Erschienen am 01.09.2013
Cover des Buches Hölderlins Geister (ISBN: 9783446263765)

Hölderlins Geister

 (3)
Erschienen am 21.10.2019
Cover des Buches Tumult und Grazie (ISBN: 9783455500912)

Tumult und Grazie

 (2)
Erschienen am 01.11.2008
Cover des Buches Und jeden Morgen das Meer (ISBN: 9783423147545)

Und jeden Morgen das Meer

 (1)
Erschienen am 19.06.2020

Neue Rezensionen zu Karl-Heinz Ott

Neu

Rezension zu "Und jeden Morgen das Meer" von Karl-Heinz Ott

Auf den Punkt
wbetty77vor 6 Monaten

Jeden Morgen steht Sonja Bräuning an den walisischen Klippen und schaut auf das ungestüme Meer. Einst führte sie mit ihrem Mann Bruno den Lindenhof, ein angesehenes Sternerestaurant am Bodensee. Doch vom einstigen Erfolg ist nichts mehr übrig. Nachdem ihr Mann den Stern verlor ging es bergab mit dem Restaurant und dem Hotel und vor allem mit ihm selbst. Nun ist er Tod und sie war allein mit dem heruntergewirtschafteten Gastronomiebetrieb und den Schulden. Ihr Schwager Arno übernimmt alles, auch die Schulden, dafür muss sie auf alles verzichten. In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, ist Sonja Bräuninger gezwungen von vorne anzufangen. Ein Hostel in Wales bietet ihr die Einsamkeit, die sie braucht, um ihr Leben zu verstehen.


Der Roman ist beim Hanser Verlag erschienen. Auf seinen knapp über 100 Seiten erzählt der Autor Karl-Heinz Ott von einer Frau, die für ihren Gastronomiebetrieb gelebt hat und nach dem Tod ihres Mannes vor einem Scherbenhaufen steht. Alles was sie sich ein Leben lang aufgebaut hat, ist verloren.

In Wales, weit ab von allem, versucht sie Frieden zu finden. Aus der gegenwärtigen Perspektive schaut sie zurück auf bewegte Jahre. Der Roman erzählt das Leben seiner Hauptfigur in kurzen Rückschauen. Es sind Sonjas Gedanken, in die wir, als Leser, eintauchen. Mal erinnert sie sich an ihre Kindheit, mal an ihre erfolgreiche Zeit, als der Lindenhof zu den ersten Adressen gehörte, dann wieder an ihre Ausbildung in der Schweiz.

Ohne Mitleid, dafür gnadenlos ehrlich erzählt der Roman vom Scheitern und vom Weitermachen. Jeden Morgen steht Sonja Bräuning an den Klippen und schaut auf das Meer, nur ein Schritt, wäre ein Schritt zu weit. Sie hat einen weiten Weg zurückgelegt und ist sich darüber bewusst, dass sie ihr Schicksal immer noch selbst in den Händen hält. Ein starker Roman, der mir sicher im Gedächtnis bleiben wird.

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Rezension zu "Hölderlins Geister" von Karl-Heinz Ott

Karl-Heinz Ott, Hölderlins Geister: Der Dichter und sein Fortwirken – eine kenntnisreiche und kritische Bestandsaufnahme
lobo-w-jvor 6 Monaten

Am 20. März 2020 jährt sich der Geburtstag von Johann Christian Friedrich Hölderlin zum 250. Male. Da kommt das 2019 erschienene Buch von Karl-Heinz-Ott gerade recht, um sich des Dichters zu erinnern. Der Schriftsteller und Dramaturg Ott ist gebürtiger Schwabe und hat 1999 den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg erhalten. Als Student hatte er den Schlüssel zum „Hölderlinturm“ in Tübingen in den Händen. Schon aus diesen wenigen Indizien lässt sich auf eine lange Vertrautheit mit der Person und dem Werk Hölderlins schließen. Sein Buch bestätigt dies.

Das Buch bietet allerdings keine Einführung in Leben und Werk Hölderlins. Wer eine Biographie oder philologisch ausgefeilte Interpretationen seiner Gedichte sucht, muss zu anderen Werken greifen. (Biographische Annäherungen: Bertaux, Safranski, Härtling; Interpretationen: Beissner.) Otts Buch ist eher für Leser geschrieben, die Hölderlin kennen, schätzen, lieben. Für sie eröffnet das Buch neue Aspekte – und zwar durchaus kritische, was den Blick auf den großen Dichter differenzierter machen kann.

Wer Hölderlin schätzt und von ihm spricht, kann meist auf eine längere Verbundenheit mit ihm zurückblicken. Zumindest in Württemberg Aufgewachsene werden ihm wohl schon in der Schulzeit, im Deutschunterricht, begegnet sein – er gehört ja zu den großen Schwaben. Ob dies bei jüngeren Generationen Wertschätzung ausgelöst hat, ist eine andere Frage. Aber wenigstens das Gedicht „Der Neckar“ dürfte doch in Erinnerung geblieben sein.

Beim Rezensenten ist schon früh eine Verbindung und Anteilnahme mit dem unglücklichen Dichter und seinen wortmächtigen Gedichten angebahnt worden. Wie Hölderlin und dessen Freund Schelling hat er die Evangelische Klosterschule („Seminar“) in Maulbronn besucht – wie „der Fritz“ aus Nürtingen von der Mutter zum Pfarrer bestimmt. Immer noch war in diesem altsprachlichen Gymnasium die Antike eine Bezugsgröße – der Raum, in dem der Rezensent seine Zeit mit „Conpromotionalen“ verbrachte, trug den Namen „Hellas“.  In der muffigen Enge des Seminarlebens entdeckten wir die große Welt der Literatur und natürlich auch die Gedichte Hölderlins, als einem der „Genii Loci“ Maulbronns. Unvergessen ist der Vortrag eines Rezitators im Kloster – ich glaube, er hieß Klocke – von dem mir immer noch der Wortklang des Gedichtes „Hälfte des Lebens“ mit ihren erschreckenden Endzeilen im Ohr ist – und ebenfalls der feierliche Ton der damals neu entdeckten Ode: „Friedenfeier“. Das rätselvolle Werk – in dem der ganze Hölderlin zu finden ist - hat schon bei uns Schülern manche Diskussion ausgelöst. Wen Hölderlin mit dem „Fürsten des Festes“ meinte, hat viel Gelehrtenstreit hervorgerufen und ist immer noch eine offene Frage.

Auch beim Studium im damals noch sehr beschaulichen und vergangenheitsbestimmten Tübingen war der „Geist“ Hölderlins lebendig: durch die Verbindung mit dem „Stift“, den Besuchen seines Grabes, der „Burse“, des „Hölderlinturmes“, den Vorlesungen des „Hölderlin-Papstes“ Friedrich Beissner. Verstärkt wurde die Weihe, die den Dichter umgab, durch den kryptischen Hölderlin-Vortrag von Heidegger in Stuttgart.

So hat das Buch Otts, das mit „Tübinger Visionen“ einsetzt und mit „Tübingen, die Welt, gestern heute“ endet, Erinnerungen mancher Art beim Rezensenten wachgerufen.

Ott beschäftigt sich in 5 Kapiteln („Tübingern Visionen“, „Der bräunliche Hölderlin“, „Die Wahnsinnsmaske“, „Griechisches Licht“, „Forever Young“), die in kurze essayhaften Abschnitte mit jeweils einem Schlagwort unterteilt sind („Die große Vereinigung alles Getrennten“, „Das Ganze ist das Unwahre“ usw.), mit den „Geistern“ Hölderlins. Damit ist die Wirkungsgeschichte des Dichters gemeint. Der Verfasser  zieht dabei nicht nur einen großen Bogen um die Hölderlin-Interpretationen der Vergangenheit und Gegenwart, sondern lässt uns auch an einer „Tour d´Horizon“ durch die Kultur- und Philosophiegeschichte der vergangenen Jahrzehnte mit ihren – aus heutiger Sicht – kurzlebigen Modeströmungen teilnehmen. Das ist gut beobachtet, äußerst kenntnisreich, knapp zusammengefasst, wenn auch nicht immer leicht zu lesen. Man ertappt sich dabei, dass man als Germanist und Theologe selber mancher dieser damals mit großem Wahrheitsanspruch angetretenen Strömungen anheimgefallen ist. Ott „entmythologisiert“ den auf die Wiederkehr einer mythischen Vergangenheit hoffenden Dichter, ebenso wie er die sich an ihn heftenden Projektionen als illusionär entlarvt.

So vermag dieses Buch den Hölderlin-Freund zu einem kritischen Rückblick auf die einst wohl etwas naive Verehrung und spätere einseitige Vereinnahmung des Dichters zu verhelfen.

Hölderlin war ein Illusionär – da hat Ott recht. Dennoch: seine Sprachschöpfungen mit unvergesslichen Wendungen, seine Wortmächtigkeit, seine poetische Genialität, sein Leid an den Unzulänglichkeiten des Lebens und der Zeit, sein an Erinnerungen festhaltendes Denken, seine Sehnsucht nach einer brüderlichen, harmonischen Welt bleiben nach wie vor anrührend und auch aktuell. Das kommt wohl etwas zu kurz in Otts Buch, aber wenn es bewirkt, wieder Hölderlins Gedichte in die Hand zu nehmen und noch einmal zu lesen – jetzt mit kritisch geschärftem Blick – dann ist das Buch ein wichtiger Beitrag zum Hölderlin-Jubiläum.

Ott möchte Hölderlin von dem Wust befreien, mit dem ihn seine Exegeten überzogen haben. Doch einen „reinen“ Hölderlin wird man nie finden. Dazu ist sein Werk zu vieldeutig. Gegen Ott - das macht seine Bedeutung und Aktualität auch aus: Die Offenheit, das In-der-Schwebe-Lassen, in die Zukunft Weisende, das Utopische seiner Schöpfungen. Gerade das von Ott kritisierte „Utopische“ mag uns anregen, auf unsere Weise nach einer besseren Welt Ausschau zu halten – nüchterner und realitätsbezogener freilich als Hölderlin seinerzeit und manche aus seiner späteren Gefolgschaft.

„…Viel hat von Morgen an,

Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander,

Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang.

Und das Zeitbild, das der große Geist entfaltet,

Ein Zeichen liegts vor uns, daß zwischen ihm und andern

Ein Bündniß zwischen ihm und andern Mächten ist…“ (Aus der „Friedenfeier“)

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Rezension zu "Hölderlins Geister" von Karl-Heinz Ott

Gehört sicher nicht zu den Knallern des Jahres.
Aliknechtvor 6 Monaten

Friedrich Hölderlin gehört zu den bedeutendsten deutschen Dichtern. Er hat vor allem mit seinen Hymnen und Elegien eine außerordentliche poetische Strahlkraft entwickelt. Er teilte mit Schelling und Hegel am Tübinger Stift die Begeisterung über die Ideale der Französischen Revolution. Als Hauslehrer bei der reichen Frankfurter Kaufmannsfamilie Gontard verliebte er sich in die attraktive Ehefrau. Sie genossen eine kurze Zeit höchsten Liebesglücks bis der gehörnte Ehemann dahinterkam und Hölderlin feuerte. Nach einer letzten Anstellung in Bordeaux begannen sich seine Sinne zu verwirren. In der Authenrieth'schen Psychiatrie in Tübingen "austherapiert" nahm ihn schließlich die Familie des Schreinermeisters Zimmer auf und Hölderlin verbrachte bis zu seinem Tod noch 36 Jahre  im Turm über dem Neckar. Vielleicht im Wahnsinn, vielleicht auch nicht. "Der Hölderlin isch et veruckt gwä!" stand am Turm. 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Friedrich Hölderlin nahezu vergessen. Man grub ihn aber wieder aus und der Dichter erzielte bei "Hölderlins Geistern", um die es in Karl-Heinz Otts Buch geht, bedeutende Nachwirkungen. Zunächst gehörten - soweit man das sagen kann - die "Rechten" zu seinen Bewunderern: Friedrich Nietzsche, Stefan George, Alfred Baeumler, Ernst Jünger, Martin Heidegger. Sie verehrten den "bräunlichen Hölderlin" wie Ott schreibt. Es geht ihnen um den "griechisch-germanischen Mutterschoß" und um das griechische Heldentum.

In den 60er Jahren begannen überraschenderweise die Linken - soweit man das sagen kann -  Hölderlin für sich zu vereinahmen und das nicht nur in der DDR. "Im Bild von Brot und Wein verknüpft sich der Dionysos-Mythos mit dem christlichen Abendmahl; im Begriff Kommunion stecken auch der Kommunismus, die Kommune und die Kommunikation." Peter Weiss verfasst sein Stück "Hölderlin".  Für Margarethe von Trotta liefert Hölderlin den Filmtitel "Die bleierne Zeit". Bei Heiner Müller heisst es "Mit Hölderlin gegen die Welt". Michel Foucault fasziniert der Wahnsinn sowieso. Dann nimmt sich der Verlag Roter Stern in Frankfurt der Sache an und es erscheint der erste Band von D.E.Sattlers neuer Hölderlin-Ausgabe, ein editorische Großprojekt. Der philologische Nobody reizte damit die gelehrten Professoren, denen Hölderlin bisher gehörte, aufs äusserste.  

Nun kann sich ein Künstler oder ein Dichter, der zudem schon lange tot ist, sich seine Verehrer nicht auswählen. Er muss sich deren Meinungen und Handlungen aber zurechnen lassen, als hätte er eine verhängnisvolle Vollmacht ausgestellt. Richard Wagner hatte nur einen falschen Verehrer und es half ihm nicht einmal, dass er 1848 für die bürgerlichen Freiheiten auf den Barrikaden gekämpft hatte, wozu vielen seiner heutigen Kritiker wahrscheinlich der Mut gefehlt hätte. 

Nicht so viel über Hölderlin aber desto mehr über noch viele andere Geister hat Karl-Heinz Ott in seinem neuen Buch fleißig zusammengetragen. Es ist manchmal unterhaltsam zu lesen, aber es gehört sicher nicht zu den Knallern des Jahres. 

Ausgabe: Ott Karl-Heinz Hölderlins Geister. Carl Hanser Verlag München 2019

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Karl-Heinz Ott wurde am 14. September 1957 in Ehingen an der Donau (Deutschland) geboren.

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