Karl-Heinz Ott

 3,7 Sterne bei 64 Bewertungen
Autor von Und jeden Morgen das Meer, Die Auferstehung und weiteren Büchern.
Autorenbild von Karl-Heinz Ott (©Peter-Andres Hassiepen)

Lebenslauf von Karl-Heinz Ott

Von den Schönen Künsten: Der 1957 geborene deutsche Autor hat Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft studiert. Einige Jahre leitete er die Schauspielmusik an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und an den Städtischen Bühnen Freiburg. Außerdem war er an der Oper am Theater Basel und am Theater am Neumarkt in Zürich tätig. Sein schriftstellerisches Debüt gab er 2006 mit „Ins Offene“, wofür er den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg und den Thaddäus-Troll-Preis erhielt. Neben Romanen schreibt der Übersetzer auch Essayistische Werke, Radio-Essays und Features und Bühnenwerke. 2018 veröffentlichte das Ordentliche Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste den Roman „Und jeden Morgen das Meer“, der von einer Hotelchefin, die nach dem Tod ihres Mannes vom Bodensee in das verregnete Wales zieht, um am Meer ihr Glück zu finden, handelt. Karl-Heinz Ott lebt in Freiburg.

Neue Bücher

Cover des Buches Rausch und Stille (ISBN: 9783455012088)

Rausch und Stille

Erscheint am 01.11.2021 als Taschenbuch bei Hoffmann und Campe.

Alle Bücher von Karl-Heinz Ott

Cover des Buches Und jeden Morgen das Meer (ISBN: 9783446259959)

Und jeden Morgen das Meer

 (9)
Erschienen am 20.08.2018
Cover des Buches Maigrets Pfeife (ISBN: 9783311131014)

Maigrets Pfeife

 (6)
Erschienen am 04.10.2018
Cover des Buches Die Auferstehung (ISBN: 9783423145510)

Die Auferstehung

 (6)
Erschienen am 10.02.2017
Cover des Buches Wintzenried (ISBN: 9783423142472)

Wintzenried

 (4)
Erschienen am 01.09.2013
Cover des Buches Kindheit in der Bretagne (ISBN: 9783455002942)

Kindheit in der Bretagne

 (2)
Erschienen am 20.02.2018
Cover des Buches Und jeden Morgen das Meer (ISBN: 9783423147545)

Und jeden Morgen das Meer

 (3)
Erschienen am 19.06.2020
Cover des Buches Hölderlins Geister (ISBN: 9783446263765)

Hölderlins Geister

 (3)
Erschienen am 21.10.2019
Cover des Buches Tumult und Grazie (ISBN: 9783455011159)

Tumult und Grazie

 (2)
Erschienen am 02.02.2021

Neue Rezensionen zu Karl-Heinz Ott

Cover des Buches Maigrets Pfeife (ISBN: 9783311131014)AndreasKuecks avatar

Rezension zu "Maigrets Pfeife" von Georges Simenon

…klein, fein, Simenon!
AndreasKueckvor 6 Monaten

Was kann ich nur tun, wenn sich meine Leselust auf einem noch nie dagewesenen Tiefpunkt befindet, ich mit Mühe knapp 20 Seiten von einem Roman gelesen habe, den die Buchhändlerin meines Vertrauens mir warm/wärmer/wärmstens ans Herz gelegt hatte, und zudem einige Ereignisse vor/an/nach Ostern mich und meinem Liebsten herausforderten? Auf Biegen und Brechen am besagten Roman weiterlesen und ihn mir vielleicht dadurch verleiten? Ganz sicher nicht…! Vielmehr habe ich selbst die Anspannung aus diesem Zustand genommen, indem ich mich einer kleinen Krimi-Erzählung aus der Feder von Georges Simenon gewidmet habe.

Wo hat er sie nur gelassen? Kommissar Maigret sucht seine Lieblingspfeife, die ihm seine Frau vor 10 Jahren zum Geburtstag schenkte und die er immer nur „die gute alte Pfeife“ nennt. Er sucht die Räumlichkeiten des Kommissariats ab, geht von Zimmer zu Zimmer, von Platz zu Platz – selbst an Orten, die er an diesem Tag bisher nicht aufgesucht hatte, schaut er nach seiner Pfeife…! Doch nirgends ist sie zu finden. Dabei war der Tag bisher völlig ruhig und ereignislos verlaufen. Selbst Besucher hatten sich nicht ins Kommissariat verirrt. Bis auf… – Ja! – da war diese ältere Frau mit ihrem Sohn gewesen, die wirres Zeug über einen angeblichen Eindringling, der in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung durchsucht, redete. Er hatte ihr nicht so genau zugehört. Allerdings kam ihm der Sohn, ein junger Mann von 17 Jahren, durchaus etwas absonderlich vor und reagierte verdächtig, als er Maigrets Namen hörte. Nachdem ihn die Beiden verlassen hatten, vermisste er seine Pfeife. Er wird dieser unangenehmen Frau und ihrem Sprössling einen Besuch abstatten. Als Vorwand könnte er Ermittlungen im Interesse der Familie im Fall „unbekannter Eindringling“ vorschieben und dabei unauffällig nach seiner Pfeife Ausschau halten. Und vielleicht ist an dieser abstrusen Geschichte mit dem Eindringling doch etwas dran…!

Es war genau die richtige Entscheidung: Ich saß in einer Wolldecke eingewickelt auf dem Sofa, neben mir stand eine Tasse Kaffee, und mein Blick wanderte während der Lektüre hin und wieder zum Fenster nach draußen, wo sich das April-Wetter abwechslungsreich austobte. Dank dieser knapp 70 Seiten wurde ich ins Frankreich Ende der 40er Jahre katapultiert, um dem hochgeschätzten Ermittler bei seinem kniffeligen Fall zu „assistieren“. Simenon galt als Vielschreiber, der sein Metier in jungen Jahren durch das Verfassen von so genannten Groschenromanen erlernte. Seine Werke sind aber weit davon entfernt, um als Trivial-Literatur abgekanzelt zu werden. Vielmehr war er ein Meister im Kreieren atmosphärisch dichter Handlungsort und im Erschaffen eines kauzig-kantigen Personals. Dabei sucht der geneigte Leser die Personen der Upperclass vergeblich, vielmehr liefert Simenon glaubhafte Porträts der einfachen Leute und liefert somit eine realistisch anmutende Milieu-Studie aus einer längst vergangenen Zeit.

Mein positiver Gesamteindruck zu diesem kleinen Büchlein im Retro-Design rundete der Kampa-Verlag mit einem Nachwort vom Übersetzer Karl-Heinz Ott und einer Reminiszenz von Peter Ustinov, der amüsant von seinen Begegnungen mit dem großen Meister Simenon berichtet, äußerst gelungen ab.

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Cover des Buches Und jeden Morgen das Meer (ISBN: 9783423147545)wbetty77s avatar

Rezension zu "Und jeden Morgen das Meer" von Karl-Heinz Ott

Auf den Punkt
wbetty77vor 2 Jahren

Jeden Morgen steht Sonja Bräuning an den walisischen Klippen und schaut auf das ungestüme Meer. Einst führte sie mit ihrem Mann Bruno den Lindenhof, ein angesehenes Sternerestaurant am Bodensee. Doch vom einstigen Erfolg ist nichts mehr übrig. Nachdem ihr Mann den Stern verlor ging es bergab mit dem Restaurant und dem Hotel und vor allem mit ihm selbst. Nun ist er Tod und sie war allein mit dem heruntergewirtschafteten Gastronomiebetrieb und den Schulden. Ihr Schwager Arno übernimmt alles, auch die Schulden, dafür muss sie auf alles verzichten. In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, ist Sonja Bräuninger gezwungen von vorne anzufangen. Ein Hostel in Wales bietet ihr die Einsamkeit, die sie braucht, um ihr Leben zu verstehen.


Der Roman ist beim Hanser Verlag erschienen. Auf seinen knapp über 100 Seiten erzählt der Autor Karl-Heinz Ott von einer Frau, die für ihren Gastronomiebetrieb gelebt hat und nach dem Tod ihres Mannes vor einem Scherbenhaufen steht. Alles was sie sich ein Leben lang aufgebaut hat, ist verloren.

In Wales, weit ab von allem, versucht sie Frieden zu finden. Aus der gegenwärtigen Perspektive schaut sie zurück auf bewegte Jahre. Der Roman erzählt das Leben seiner Hauptfigur in kurzen Rückschauen. Es sind Sonjas Gedanken, in die wir, als Leser, eintauchen. Mal erinnert sie sich an ihre Kindheit, mal an ihre erfolgreiche Zeit, als der Lindenhof zu den ersten Adressen gehörte, dann wieder an ihre Ausbildung in der Schweiz.

Ohne Mitleid, dafür gnadenlos ehrlich erzählt der Roman vom Scheitern und vom Weitermachen. Jeden Morgen steht Sonja Bräuning an den Klippen und schaut auf das Meer, nur ein Schritt, wäre ein Schritt zu weit. Sie hat einen weiten Weg zurückgelegt und ist sich darüber bewusst, dass sie ihr Schicksal immer noch selbst in den Händen hält. Ein starker Roman, der mir sicher im Gedächtnis bleiben wird.

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Cover des Buches Hölderlins Geister (ISBN: 9783446263765)lobo-w-js avatar

Rezension zu "Hölderlins Geister" von Karl-Heinz Ott

Karl-Heinz Ott, Hölderlins Geister: Der Dichter und sein Fortwirken – eine kenntnisreiche und kritische Bestandsaufnahme
lobo-w-jvor 2 Jahren

Am 20. März 2020 jährt sich der Geburtstag von Johann Christian Friedrich Hölderlin zum 250. Male. Da kommt das 2019 erschienene Buch von Karl-Heinz-Ott gerade recht, um sich des Dichters zu erinnern. Der Schriftsteller und Dramaturg Ott ist gebürtiger Schwabe und hat 1999 den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg erhalten. Als Student hatte er den Schlüssel zum „Hölderlinturm“ in Tübingen in den Händen. Schon aus diesen wenigen Indizien lässt sich auf eine lange Vertrautheit mit der Person und dem Werk Hölderlins schließen. Sein Buch bestätigt dies.

Das Buch bietet allerdings keine Einführung in Leben und Werk Hölderlins. Wer eine Biographie oder philologisch ausgefeilte Interpretationen seiner Gedichte sucht, muss zu anderen Werken greifen. (Biographische Annäherungen: Bertaux, Safranski, Härtling; Interpretationen: Beissner.) Otts Buch ist eher für Leser geschrieben, die Hölderlin kennen, schätzen, lieben. Für sie eröffnet das Buch neue Aspekte – und zwar durchaus kritische, was den Blick auf den großen Dichter differenzierter machen kann.

Wer Hölderlin schätzt und von ihm spricht, kann meist auf eine längere Verbundenheit mit ihm zurückblicken. Zumindest in Württemberg Aufgewachsene werden ihm wohl schon in der Schulzeit, im Deutschunterricht, begegnet sein – er gehört ja zu den großen Schwaben. Ob dies bei jüngeren Generationen Wertschätzung ausgelöst hat, ist eine andere Frage. Aber wenigstens das Gedicht „Der Neckar“ dürfte doch in Erinnerung geblieben sein.

Beim Rezensenten ist schon früh eine Verbindung und Anteilnahme mit dem unglücklichen Dichter und seinen wortmächtigen Gedichten angebahnt worden. Wie Hölderlin und dessen Freund Schelling hat er die Evangelische Klosterschule („Seminar“) in Maulbronn besucht – wie „der Fritz“ aus Nürtingen von der Mutter zum Pfarrer bestimmt. Immer noch war in diesem altsprachlichen Gymnasium die Antike eine Bezugsgröße – der Raum, in dem der Rezensent seine Zeit mit „Conpromotionalen“ verbrachte, trug den Namen „Hellas“.  In der muffigen Enge des Seminarlebens entdeckten wir die große Welt der Literatur und natürlich auch die Gedichte Hölderlins, als einem der „Genii Loci“ Maulbronns. Unvergessen ist der Vortrag eines Rezitators im Kloster – ich glaube, er hieß Klocke – von dem mir immer noch der Wortklang des Gedichtes „Hälfte des Lebens“ mit ihren erschreckenden Endzeilen im Ohr ist – und ebenfalls der feierliche Ton der damals neu entdeckten Ode: „Friedenfeier“. Das rätselvolle Werk – in dem der ganze Hölderlin zu finden ist - hat schon bei uns Schülern manche Diskussion ausgelöst. Wen Hölderlin mit dem „Fürsten des Festes“ meinte, hat viel Gelehrtenstreit hervorgerufen und ist immer noch eine offene Frage.

Auch beim Studium im damals noch sehr beschaulichen und vergangenheitsbestimmten Tübingen war der „Geist“ Hölderlins lebendig: durch die Verbindung mit dem „Stift“, den Besuchen seines Grabes, der „Burse“, des „Hölderlinturmes“, den Vorlesungen des „Hölderlin-Papstes“ Friedrich Beissner. Verstärkt wurde die Weihe, die den Dichter umgab, durch den kryptischen Hölderlin-Vortrag von Heidegger in Stuttgart.

So hat das Buch Otts, das mit „Tübinger Visionen“ einsetzt und mit „Tübingen, die Welt, gestern heute“ endet, Erinnerungen mancher Art beim Rezensenten wachgerufen.

Ott beschäftigt sich in 5 Kapiteln („Tübingern Visionen“, „Der bräunliche Hölderlin“, „Die Wahnsinnsmaske“, „Griechisches Licht“, „Forever Young“), die in kurze essayhaften Abschnitte mit jeweils einem Schlagwort unterteilt sind („Die große Vereinigung alles Getrennten“, „Das Ganze ist das Unwahre“ usw.), mit den „Geistern“ Hölderlins. Damit ist die Wirkungsgeschichte des Dichters gemeint. Der Verfasser  zieht dabei nicht nur einen großen Bogen um die Hölderlin-Interpretationen der Vergangenheit und Gegenwart, sondern lässt uns auch an einer „Tour d´Horizon“ durch die Kultur- und Philosophiegeschichte der vergangenen Jahrzehnte mit ihren – aus heutiger Sicht – kurzlebigen Modeströmungen teilnehmen. Das ist gut beobachtet, äußerst kenntnisreich, knapp zusammengefasst, wenn auch nicht immer leicht zu lesen. Man ertappt sich dabei, dass man als Germanist und Theologe selber mancher dieser damals mit großem Wahrheitsanspruch angetretenen Strömungen anheimgefallen ist. Ott „entmythologisiert“ den auf die Wiederkehr einer mythischen Vergangenheit hoffenden Dichter, ebenso wie er die sich an ihn heftenden Projektionen als illusionär entlarvt.

So vermag dieses Buch den Hölderlin-Freund zu einem kritischen Rückblick auf die einst wohl etwas naive Verehrung und spätere einseitige Vereinnahmung des Dichters zu verhelfen.

Hölderlin war ein Illusionär – da hat Ott recht. Dennoch: seine Sprachschöpfungen mit unvergesslichen Wendungen, seine Wortmächtigkeit, seine poetische Genialität, sein Leid an den Unzulänglichkeiten des Lebens und der Zeit, sein an Erinnerungen festhaltendes Denken, seine Sehnsucht nach einer brüderlichen, harmonischen Welt bleiben nach wie vor anrührend und auch aktuell. Das kommt wohl etwas zu kurz in Otts Buch, aber wenn es bewirkt, wieder Hölderlins Gedichte in die Hand zu nehmen und noch einmal zu lesen – jetzt mit kritisch geschärftem Blick – dann ist das Buch ein wichtiger Beitrag zum Hölderlin-Jubiläum.

Ott möchte Hölderlin von dem Wust befreien, mit dem ihn seine Exegeten überzogen haben. Doch einen „reinen“ Hölderlin wird man nie finden. Dazu ist sein Werk zu vieldeutig. Gegen Ott - das macht seine Bedeutung und Aktualität auch aus: Die Offenheit, das In-der-Schwebe-Lassen, in die Zukunft Weisende, das Utopische seiner Schöpfungen. Gerade das von Ott kritisierte „Utopische“ mag uns anregen, auf unsere Weise nach einer besseren Welt Ausschau zu halten – nüchterner und realitätsbezogener freilich als Hölderlin seinerzeit und manche aus seiner späteren Gefolgschaft.

„…Viel hat von Morgen an,

Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander,

Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang.

Und das Zeitbild, das der große Geist entfaltet,

Ein Zeichen liegts vor uns, daß zwischen ihm und andern

Ein Bündniß zwischen ihm und andern Mächten ist…“ (Aus der „Friedenfeier“)

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Karl-Heinz Ott wurde am 14. September 1957 in Ehingen an der Donau (Deutschland) geboren.

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