Karl-Heinz Ott Ob wir wollen oder nicht

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Inhaltsangabe zu „Ob wir wollen oder nicht“ von Karl-Heinz Ott

Das grandiose Porträt eines Gescheiterten
Was geschieht, wenn man nichts getan hat und dadurch schuldig wird? In einem furiosen inneren Monolog erzählt Karl-Heinz Ott von einem Mann, der einmal aufgebrochen war, um sich selbst und die ganze Welt zu verändern – und schließlich in jeder Hinsicht im Abseits landet. Dabei wird nicht nur er vom Alb der Vergangenheit eingeholt.

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  • Rezension zu "Ob wir wollen oder nicht" von Karl-Heinz Ott

    Ob wir wollen oder nicht

    Babscha

    09. May 2010 um 17:03

    Richard T. heißt der ich-erzählende Protagonist des Buches, aber das erfahren wir erst ganz am Schluss und tut im Grunde auch überhaupt nichts zur Sache. Viel wichtiger ist der durch die Feder des Autors ermöglichte sehr direkte Blick in die Empfindungs- und Gedankenwelt eines Mannes Anfang 50, allein lebend und wohnhaft in einem nach Bau einer Umgehungsstraße ins Nichts versunkenen Dorf namens Dornbach irgendwo am Rande des Schwarzwalds, der sich nach der Pleite seiner Tankstelle mit illegalen Autoschiebereien nach Polen über Wasser hält. Und zwei weitere Personen spielen auch noch eine Rolle: Lisa, die labile und leicht psychotische Frau, die im Dorf eine Wirtschaft betreibt und mit der ihn seit Jahren eine eigenartige Hassliebe verbindet wie auch Johannes, ehemaliger Ortspfarrer, der sich nach einem Freispruch zweiter Klasse nach einer Anklage wegen Kindesmiss-brauchs tagträumend in sein altes Bahnwärterhäuschen zurückzieht und zusammen mit Richard versucht, seine Tage alkoholunterstützt irgendwie hinter sich zu bringen. Drei Gescheiterte also. Bis eines Tages im Keller der Wirtschaft eine durchreisende Frau ohne ersichtlichen Grund fast zu Tode misshandelt wird und Richard, nichts ahnend von Lisa auf den Plan gerufen, durch einen Dorfbewohner vor Ort erkannt wird, während seine beiden „Freunde“ sich über Nacht absetzen. An dieser Stelle, mit seiner U-Haft in der entfernten Kreisstadt, startet das Buch. In permanentem Wechsel zwischen den aktuellen Geschehnissen und den in Rückblenden erzählten trostlosen einzelnen Lebensgeschichten wird der Leser in die zwischen Wut, Trauer, Resignation und Sarkasmus schwankende Gedankenwelt dieses Mannes eingesogen, der in dem erzählten 48-stündigen Ausschnitt aus seinem Leben noch mal alles Gewesene an sich vorüberziehen lässt. Ein schon eigenartiges, aber gut erzähltes Buch, Psychogramm einer intelligenten, aber schwachen Person, die haltlos durchs Leben taumelt und zuletzt von diesem selbst eingeholt wird.

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