Karl-Ludwig Wetzig

 4,1 Sterne bei 555 Bewertungen

Lebenslauf

Karl-Ludwig Wetzig studierte Germanistik und Skandinavistik an den Universitäten Bonn und Uppsala. Er war lange Reiseleiter und lebte viele Jahre in Island. Veröffentlichung von Bildbänden. Für den geplanten Band reiste er im März 2001 nach Kambodscha.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Himmelskörper am Rande der Welt (ISBN: 9783492074582)

Himmelskörper am Rande der Welt

Erscheint am 02.04.2026 als Gebundenes Buch bei Piper.

Alle Bücher von Karl-Ludwig Wetzig

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Neue Rezensionen zu Karl-Ludwig Wetzig

Cover des Buches Dein Fortsein ist Finsternis (ISBN: 9783492320597)
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Rezension zu "Dein Fortsein ist Finsternis" von Jón Kalman Stefánsson

radieschen
Poetisch und rau, melancholisch auf eine gute Weise!



Ein Mann erwacht in einer Kirche und kann sich an nichts erinnern. Er befindet sich in der Nähe einer Gemeinde der Westfjorden Islands, dort scheint man ihn zu kennen. Er wird aufgenommen, wie einer der ihren. Er ist Schriftsteller und das einzige, dass bei ihm im Fluß zu sein scheint, sind die Worte, die aus ihn herausfließen. Die Worte der Anderen in der Gemeinde, aber auch scheinbar seine, die ohne Erinnerung. 


Wir tauchen tief ein in die Geschichte der einzelnen Menschen der Gemeinde, auch in die Geschichte ihrer Vorfahren.  Wir setzen uns mit ihnen auseinander über Mut und Feigheit, Liebe und Betrug, Schuld und Scham,Leben und Tod. Wohin zeigt die Kompassnadel ihres Herzens?

Wer ist dieser Mann, der sein Gedächtnis verloren hat?

Durch viele kluge und kurzweilige Begegnungen mit beispielsweise Hölderlin, Kierkegaard, Dylan, Beatles, …nähern wir uns dem Kern des Romans. 

Dieses Stilmittel ist sehr gelungen, regt immer wieder den eigenen inneren Diskurs an. 


„Bedeutet zu lieben Mut oder Feigheit, fragte Hölderlin, bist du stark oder schwach, wenn du eine Liebe unterdrücktst, bist du egoistisch oder aufrichtig, wenn du deinem Herzen folgst?

Ich bitte dich um Hilfe, nicht um Fragen.

Ich bin tot, und es ist meine Aufgabe, Fragen zu stellen. Du lebst und deine ist es, Antworten zu suchen“

(Zitat S. 477)


Warum man diesen Roman lesen sollte? Unbedingt aufgrund der Kulisse und die damit kombinierte Atmosphäre - es ist Island! Abgerundet durch den schönen , poetischen Schreibstil und natürlich die liebenswerten Charaktere.


Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser wird das Buch, beleuchtet immer mehr Themen und zeigt mir, wie schön Melancholie sein kann.

Große Empfehlung, passt wunderbar in die kalte Jahreszeit!

Cover des Buches Mein gelbes U-Boot (ISBN: 9783492072892)
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Rezension zu "Mein gelbes U-Boot" von Jón Kalman Stefánsson

RedBugBooks_Verlag
Sein neustes Meisterwerk

Ein Buch wie eine Schallplatte, bei der man die Nadel an jeder Stelle aufsetzen kann und sicher sein kann, eine mindblowing, fetzige Stelle zu treffen

"Mein gelbes U-Boot" von Jón Kalman Stefánsson ist der neuste Roman des isländischen Schriftstellers.

"Ein Schriftsteller trifft in einem Londoner Park den alten Paul McCartney, der dort Schutz sucht vor der Sonne, der Hitze, dem Ruhm. Gleich spricht er ihn an, sagt sich der Mann, doch die Erinnerung funkt ihm dazwischen: Da wächst er in den Siebzigern ohne Mutter in Reykjavík auf, wo die Trauer alle Gipfel des Landes überragt. Er flüchtet sich ins Buch der Bücher, findet aber nur einen jähzornigen Gott, so fehlbar wie der trinkende Vater. Über die Jahre wird er selbst zum Schreibenden. Denn was, wenn nicht die Literatur, bringt das Licht der Tage zurück, und mit ihm all die, die wir liebten?" (Quelle Piper-Verlag)

Als erstes möchte ich mich beim Piper Verlag bedanken, der Jón Kalman Stefánsson Bücher in der hervorragenden Übersetzung von Karl Ludwig Wetzig herausbringt.

Ich kann sagen, dass ich sehr viel, beinahe alles gelesen habe, was von Jón Kalman Stefánsson auf Deutsch erschienen ist. Vor ein paar Wochen auch Mein gelbes U-Boot und er übertrifft sich in meinen Augen noch einmal selbst. Ich kann mich nicht erinnern, jemals überhaupt eine solch skurrile, eigenwillige und virtuose Achterbahnfahrt von Geschichte gelesen zu haben.

Wie so oft in seinen Büchern, kündigt uns die Erzählstimme auch hier gleich am Anfang an, um was es geht: Ein wilder Ritt, durch Zeiten, Orte und Realitätsebenen, bei dem man sich ruhig anschnallen darf.

Die Toten sind genauso lebendig wie die Lebenden, die Erfundenen und Ausgedachten. Da hängt der allzeit besoffene Gott als Verkörperung des Alkoholismus ständig mit dem Vater ab und grölt ihm Blödsinn in die Ohren. Und die Toten ziehen die Lebenden aus dem Wasser.

Ich lese Übergänge von einem Bild ins nächste und versuche zu verstehen, wie ihm gelungen ist, das alles zusammenzuhalten. Denn unter diesem ganzen Feuerwerk läuft die sehr ernste, sehr emotionale Erzählung eines Jungen, der früh die Eltern verloren hat. Die Mutter an eine Krankheit und den Vater an den Alkohol.

Fazit

Ein Buch wie eine Schallplatte, bei der man die Nadel an jeder Stelle aufsetzen kann und sicher sein kann, eine mindblowing, fetzige Stelle zu treffen. Nachdem ich das Buch beim ersten Mal wirklich wie auf einer Achterbahnfahrt durchgeschleudert bin, gehe ich jetzt genauso damit um. Ich schlage es an irgendeiner Stelle auf, lande vielleicht am Fuß des Berges Sinai und muss mir eingestehen, dass ich bibelfester Mensch noch nie eine solche naiv, klarsichtige Überlegung dazu gelesen habe. Gott sagt: Du sollst nicht töten — Mach sie alle nieder. Und diese Erkenntnis kommt bei Stefánsson aus dem Munde eines Kindes.

Ich lese den Entwicklungsroman eines traumatisierten Kindes zu einem Schriftsteller. Einen autofiktionaler Roman? Auf jeden Fall ein Meisterwerk.

Nachsatz

Eine Anmerkung: Als begeisteter E-Book Leser finde ich es schade, dass hier der Gestaltung des Textes so wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Trotz der eingeschränkten Layout-Optionen bei E-Büchern kann man das sehr viel schöner machen. Da hätte Jón Kalman Stefánsson mehr Sorgfalt verdient.

Cover des Buches 60 Kilo Sonnenschein (ISBN: 9783608500196)
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Rezension zu "60 Kilo Sonnenschein" von Hallgrímur Helgason

Aischa
Eine Geschichte voller Wucht

In Island ist Literatur tief in der Geschichte, Kultur und im Alltag verwurzelt. Die Liebe zum geschriebenen Wort macht das kleine Land zu einer der literarisch reichsten Nationen der Welt. Island hat eine außergewöhnlich hohe Publikationsrate. Statistisch gibt es mehr Autor*innen und veröffentlichte Bücher pro Kopf als in fast jedem anderen Land. Umso bedeutender ist die Tatsache, dass "60 Kilo Sonnenschein" dort mit dem Preis für den besten Roman des Jahres ausgezeichnet wurde. 

Nicht nur die Jury, auch ich bin restlos begeistert. Hallgrímur Helgason hat hier ein monumentales Werk geschaffen, das die rauen und magischen Seiten Islands in einer literarischen Glanzleistung vereint. Der isländische Bestsellerautor entführt uns in die entbehrungsreiche Welt der Menschen im frühen 20. Jahrhundert, inmitten von Vulkanausbrüchen, Lawinen und bitterer Not.

Helgason erzählt die Geschichte des Waisenjungen Gestur, der in einem kleinen Fischerdorf im Nordwesten Islands aufwächst. Von Anfang an spürt man die Härte des Lebens in dieser isolierten, unwirtlichen Landschaft: eine Welt, die von gnadenloser Natur, Armut und den strengen moralischen Regeln einer patriarchalischen Gesellschaft geprägt ist. Doch Gestur ist ein Überlebenskünstler – schlau, empfindsam und voller Witz. Durch seine Augen erleben wir die rohe Schönheit Islands und den unbändigen Lebenswillen seiner Menschen.

Helgasons Schreibstil ist ein Ereignis. Mit einer unvergleichlichen Mischung aus Sprachwitz, Poesie und beißender Satire fängt er die Eigenheiten des isländischen Lebens ein. Seine Beschreibungen der Landschaft – von tosenden Stürmen über glitzernden Schnee bis hin zu schroffen Küsten – sind so lebendig, dass man den eisigen Wind auf der Haut zu spüren meint. Gleichzeitig verwebt er die isländische Kultur und Geschichte mit der Handlung, ohne je belehrend zu wirken. Es ist eine höchst fesselnde Mischung aus Historien-, Abenteuer- und Gesellschaftsroman. Dabei kennt der Autor sichtlich keine Tabus, Tod und Komik gehen Hand in Hand, und auch Religion und Sexualität werden immer wieder verwoben. Teils geht es - sprachlich wie auch in der Handlung - recht derb und brutal zu, aber ohne Effekthascherei.

Protagonist Gestur ist eine faszinierende literarische Figur. Trotz der Schicksalsschläge, die ihn ereilen, bewahrt er sich eine unerschütterliche Lebenskraft und einen staubtrockenen Humor. Er ist ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit und den Kampfgeist der Isländer, ein moderner Schelm, der uns zeigt, dass selbst in den dunkelsten Zeiten ein Lichtschein – oder 60 Kilo Sonnenschein – Hoffnung geben kann.

Obwohl tief in der isländischen Geschichte verankert, greift "60 Kilo Sonnenschein" universelle Themen auf: Armut, soziale Ungerechtigkeit, den Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt sowie die Suche nach Identität und Freiheit. Es ist ein Roman über das Überleben – körperlich, emotional und spirituell.

Fazit: Hallgrímur Helgason hat mit "60 Kilo Sonnenschein" einen modernen Klassiker geschaffen. Es ist ein Buch, das mich tief bewegt hat, zum Lachen brachte und staunen ließ, es berührt Herz und Verstand gleichermaßen. Wer sich auf diese intensive literarische Reise einlässt, wird mit einem Werk belohnt, das in Erinnerung bleibt – ein strahlender Sonnenstrahl in der Welt der zeitgenössischen Literatur. Unbedingt lesen!

Gespräche aus der Community

Herzlich Willkommen bei der Leserunde zu "60 Kilo Sonnenschein" von Hallgrímur Helgason!

Jede/r ist herzlich eingeladen mitzulesen. Start: 14.11.2024

Voraussetzung: ein eigenes Buchexemplar, hier handelt es sich nicht um eine Verlosung, sondern um eine User-Leserunde.

181 Beiträge
FrancieNolans avatar
Letzter Beitrag von  FrancieNolan

Wie nett, danke, und gleichfalls natürlich!

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