Was verbindet ihr mit dem alten Rom? Julius Caesar? Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen? Oder Nero, der Rom angeblich angezündet hat?
Wie wäre es stattdessen mit Bio-Gemüse, Rush-Hour, Luftverschmutzung oder Unisex-Toiletten? Dieses Sachbuch verspricht einen ungewöhnlichen Blick auf die ewige Stadt Rom, die damals eben noch nicht Antike war. ⚔️
Karl-Wilhelm Weeber, Honorarprofessor für Alte Geschichte, öffnet mit Humor die Türen zu einem Alltag im alten Rom, den man so nicht erwartet hätte. Er entwirft Szenen aus der pulsierenden Millionenstadt – Staus im Straßengewirr, Mietskasernen, Obdachlose unter Brücken, Wochenendvillen im Grünen – und zieht dabei immer wieder Vergleiche zu modernen Metropolen wie Berlin oder New York. 🗽
Gleichzeitig überrascht er mit skurrilen Details und Fragen: Wie hoch war die Überlebenschance eines Kindes bis zum zehnten Lebensjahr? Wie ging die Gesellschaft mit Themen wie Einwanderung, Umweltzerstörung oder dem Ausschluss von Menschen mit Behinderungen um? Diese Mischung aus Kuriosem und Ernsthaftem macht das Buch interessant. Trotzdem konnte es mich nicht durchgehend fesseln. Früher oder später landet man auch hier beim komplexen Politikgeschehen und so gut ich mich darin inzwischen auch auskenne, irgendwann ist es einfach ermüdend. Auch ein klarer roter Faden hat mir gefehlt, weshalb ich das Buch eher zum Querlesen empfehle. 🧐
Fazit: Informativ, stellenweise amüsant und voller spannender Details aus dem römischen Alltag, aber für mich mehr ein Buch zum Stöbern als zum Durchlesen. ✨️
Karl-Wilhelm Weeber
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Karl-Wilhelm Weeber
Rom sei Dank!
Humor in der Antike
Als Rom noch nicht Antike war
Alltag im Alten Rom
Baden, spielen, lachen
Romdeutsch
Wie Julius Caesar in die Fanmeile kam
Die Straßen von Rom
Neue Rezensionen zu Karl-Wilhelm Weeber
Also, wer gedacht hat, das alte Rom sei nur Marmor, Toga und Triumphzug – falsch gedacht! Dieses Buch ist wie ein Espresso mit doppeltem Schuss Wahrheit: stark, bissig und mit ordentlich Wumms im Abgang. Karl-Wilhelm Weeber nimmt einen mit in die Straßen von Rom – nicht zu den Kaisern und Konsuln, sondern dahin, wo's nach Schweiß, Straßenstaub und echten Geschichten riecht.
Ich hab beim Lesen mehr über das echte Leben gelernt als in zwölf Jahren Geschichtsunterricht (und das mit weniger Lateinvokabeln!). Sklaven, Händler, Bio-Gemüse auf dem Markt (ja, wirklich!), Zirkushunde und Klos, die man besser meidet – es ist alles drin. Und das mit einem Tonfall, als würde der Autor einem beim Italiener des Vertrauens einen Rotwein ausgeben und locker aus dem antiken Nähkästchen plaudern.
Zwischendurch hab ich gelacht, dann wieder gedacht: „Heilige Lorbeeren, das ist heute ja immer noch aktuell!“ Smog, Stau, soziale Ungleichheit – die Römer hatten’s quasi schon durch, lange bevor wir moderne Probleme hatten. Ein bisschen absurd, ein bisschen genial – und ganz sicher nicht trocken.
Wer also keine Lust mehr auf Geschichtsbücher im Bleiwestenstil hat, sondern lieber stilecht mit Sandalen durch die Gosse von Rom stapfen will, wird dieses Buch lieben. Es macht Spaß, es macht klug – und man will danach sofort eine Nachtigall kaufen und sich über syrische Mode unterhalten. Ganz großes historisches Kino!
REZENSION – Schon in seinen früheren Sachbüchern ging es dem Althistoriker und früheren Gymnasiallehrer Karl-Wilhelm Weeber (75) immer darum, das Alltagsleben der griechisch-römischen Antike nach 2000 Jahren lebendig werden zu lassen. Auch in seinem neuen im April beim Galiani Verlag veröffentlichten Buch „Als Rom noch nicht Antike war. Reise in die Römerzeit“ gelingt ihm dies in leicht verständlicher Alltagssprache wieder und gleichzeitig, Analogien zu unserem heutigen Leben und zu aktuellen Themen unserer Zeit herzustellen.
Als hätten wir uns mit einer Zeitmaschine zwei Jahrtausende zurück versetzen lassen, stehen wir zur Rush Hour auf einer Hauptstraße der überfüllten Millionen-Metropole mit Luftverschmutzung und Verkehrschaos, erleben normale Alltagsszenen, lernen das Leben der Sklaven in der Stadt, aber auch jener auf dem Land kennen. Wir begegnen Ex-Sklaven, die als Senatoren Rom mitregieren, aber auch normalen Bürgern ebenso wie antiken „Bio-Römern“ und Umweltschützern. Wir erfahren, dass schon damals Raubbau an der Natur betrieben und dies gleichzeitig kritisiert wurde. Wir begegnen Prostituierten, die zwar damals wie heute am Rand der Gesellschaft standen, aber doch jungen Männern zu Übungszwecken sogar empfohlen wurden, damit junge Mädchen von ihnen unbehelligt blieben. Wir lesen über Kriminelle unterschiedlicher Art wie Straßenräuber und Taschendiebe, vor denen damals wie heute Reisende gewarnt werden.
Meist sind Bücher über das antike Rom wissenschaftliche Arbeiten ausgewiesener Historiker, in denen wir über Kaiser und Senatoren, über die wohlhabende Oberschicht in ihren Palästen und über antike Schriftsteller und Dichter lesen, deren Werke zu übersetzen, vielen Gymnasiasten die von ihren Lehrern erhoffte Begeisterung für den Latein-Unterricht verleidet hat. In Weebers Buch erleben wir dagegen – aufgeteilt in 15 spannende Kapitel, die wiederum nach sachlichen Stichpunkten untergliedert sind – die pulsierende Metropole zur Kaiserzeit aus Sicht der freien und unfreien Normalbürger. Wie lebten diese „Normalos“ in der kosmopolitischen Hauptstadt, einer Metropole mit Migranten aus eroberten, in Kultur und Religion unterschiedlichen Provinzen? Wie lebte es sich in einer Klassengesellschaft mit einerseits dekadentem Luxus und andererseits größter Armut?
„Dass es Obdachlose gab, dass sie unter Brücken übernachteten und Passanten um Almosen anflehten, ist keine Frage, aber die Größenordnung ist völlig unklar“, weiß auch der Autor um die Schwächen mancher Quellen, „weil die allermeisten Quellen aus der Schicht der Wohlhabenden stammen, und diese sich wenig um die Menschen kümmerten, die im Schatten der Gesellschaft lebten.“ Auch nahm es mancher zeitgenössische Geschichtsschreiber mit Fakten nicht immer so genau: „Es ist völlig unstrittig, dass die Geschichte von [Räuberhauptmann] Bulla Felix und seinen 600 Räubern viele legendenhafte, fiktionale Züge aufweist und dass [Geschichtsschreiber] Cassius Dio sie ausgeschmückt hat, um dem ungeliebten Kaiser Septimius Severus eins auszuwischen.“
Doch die meisten Fakten kann Weeber in seinem Buch in einem 25-seitigen Literatur- und Quellennachweis belegen – wie den Preis für lebende Nachtigallen, dass man 60-Jährige von der Brücke stoßen sollte, da sie altersbedingt arbeitsunfähig für die Gesellschaft nicht mehr von Nutzen waren und nun auf Kosten anderer leben mussten. Interessant ist auch, dass Kaiser Augustus mit seinen „Vigiles“ die erste professionelle Feuerwehr Roms gegründet hat, deren Hauptaufgabe zwar die Brandbekämpfung und -prävention war, aber durch ihre nächtlichen Patrouillengänge zugleich für die Sicherheit der Passanten und Einwohner vor Schlägern, Straßenräubern oder Einbrechern sorgte.
Weebers Buch „Als Rom noch nicht Antike war“ ist eine anschaulich, kurzweilig und unterhaltsam geschriebene Geschichtsschreibung für all jene, die sich für das ganz normale Alltagsleben im Imperium Romanum interessieren. „Die vorliegende Darstellung möchte … ein lebendiges Rom präsentieren“, schreibt der Autor in seiner Einführung, „das die Sterilität und Verstaubtheit mancher Klassik-Vorstellungen hinter sich lässt. Dabei geht es … um ein ergänztes und erweitertes Rom-Bild, in dem auch die 'Normalos' ihren Platz finden.“ Auf diese Weise über das Alltagsleben im antiken Rom informiert zu werden, wäre für viele Gymnasiasten der Latein-Unterricht mit Karl-Wilhelm Weeber als Lehrer sicher viel spannender und Latein wieder eine lebendige Sprache. Denn sie werden in der Schilderung sozialer, kultureller und politischer Aspekte überrascht feststellen, wie viele Parallelen es zur heutigen Gesellschaft noch gibt und welche für sie aktuellen Themen schon das Leben der „alten Römer“ bestimmten.
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