Sachliche Darstellung von Fakten ist das eine, der geradezu krampfhafte Versuch, jede, buchstäblich jede Quelle, die auch nur einen Fingerbreit in Richtung Anekdote (oder auch nur lebendige Schilderung) schwenkt -- vom homerischen Schiffskatalog (pfui, das ist ja ein Epos, also eine dichterische Leistung, also alles von vorne bis hinten erfunden!) über Herodot und Thukydides (die schreiben viel zu anschaulich, sind also unzuverlässig) bis zu kleinkarierter Kritik an der Schillerschen Übertragung des Thermopylen-Epigramms - vom Tisch zu wischen, etwas ganz anderes. Da Welwei aus dieser Haltung heraus auch die antike Rezeption der spartanischen Lebensweise nicht als authentische Quelle akzeptieren kann, wirkt das Buch trotz großer Sachkenntnis fast wie eine Parodie auf staubtrockene historische Abhandlungen des 19. Jhds,, mit denen jedes Geschichtsinteresse der Schüler im Keim erstickt wurde.
(Nebenbei hat Welweis rigoroser Umgang mit seinen Quellen auch etliche sachliche Fehler - Stichwort mykenisches Griechenland, dorische Wanderung - zur Folge. Paradebeispiel S. 210: "Für den hier ... zu behandlenden Zeitraum fehlen jedenfalls zweifelsfreie Belege für moderne Thesen, wonach die Frauen ... den jeweiligen Familienbesitz verwalteten... und hiermit ihre wirtschaftliche Macht ... stärkeres Selbstbewußtsein ... ihre größere Handlungsfreiheit... zu erklären seien. ... Aus diesbezüglichen Ausführungen Plutarchs ist ... nicht zu schließen, daß die Spartiatinnen ... bei der Regelung der wichtigsten öffentlichen Angelegenheiten mitgewirkt hätten. ... Dies ist geradezu absurd. ... Die Gestaltung und Kontrolle der Politik ... war hier durchaus "reine Männersache"." Absurd ist hier vor allem die Hybris, mit der ein Althistoriker des 20. Jhds. zeitgenössische Schilderungen abwertet.)
Enttäuschend.






