Ich danke dem Autor Karl Brühwiler ganz herzlich für das Rezensionsexemplar. Dies ist meine allererste Comic-Rezension, denn normalerweise passen Comics nicht in mein "Beuteschema". Doch das Thema hat mich dermaßen angesprochen, dass ich "Jana am Abgrund" unbedingt lesen und rezensieren wollte.
Worum geht’s?
Jana ist fünfzehn Jahre alt und entwickelt Symptome einer Depression. Aus Scham und Angst vor Ablehnung hält sie ihren Gefühlszustand geheim und vertraut sich zunächst nicht einmal ihrer Mutter und besten Freundin an. Doch Letztere ahnt, dass etwas mit Jana nicht in Ordnung ist und lässt nicht locker. Wird Jana ihr die Wahrheit sagen und Hilfe annehmen?
Verwoben in die fiktive Geschichte von Jana führt Karl Brühwiler seine jugendlichen Leser*innen an das Thema Depression heran. Um weiter darüber aufzuklären, schiebt er immer wieder Seiten mit Informationen zu der Krankheit dazwischen und stellt dem*der Leser*in Fragen mit Bezug auf die Handlung. Dies soll den*die Leser*in dazu animieren, die Geschichte zu analysieren und zu reflektieren, sowie sich zu überlegen, wie er*sie selbst in bestimmten Situationen handeln würde.
Meine Meinung
Ganz ehrlich? Ich habe mich in dem Comic selbst wiedergefunden. Es war wie eine Zeitreise zurück in meine Jugend, als ich zum ersten Mal mit einer Depression zu kämpfen hatte. Janas Geschichte greift die typischen Symptome und Verhaltensweisen einer depressiven Jugendlichen auf. Sie schämt sich für ihr Verhalten, hat Angst, ihre Angehörigen mit ihrem Kummer zu belasten und versteht sich selbst nicht mehr. Ganz ähnlich ist es mir damals auch gegangen.
Ich finde es klasse, dass Karl Brühwiler für dieses Thema die Form eines Comics gewählt hat. Zum einen ist dieser mit 40 Seiten sehr kurzweilig (mir persönlich war er fast etwas zu kurz, aber für die Zielgruppe ist er perfekt) und zum anderen um einiges unterhaltsamer und leichter zu verstehen als ein Fachbuch.
Nicht jede*r Jugendliche ist eine Leseratte. Viele bevorzugen es, sich Bilder mit kurzen Texten anzusehen – und unterhaltsam sollte es auch sein. Und genau das bietet der Comic: Eine kleine Geschichte, angereichert mit wertvollen Informationen, die so manche*n depressive*n Jugendliche*n denken lässt: "Moment mal! Das kenne ich doch auch von mir!" Unterhaltung und Bildung werden geschickt miteinander verknüpft und zeigen dem*der Jugendlichen auf, dass er*sie nicht alleine ist.
Der Comic soll kein Ersatz für eine Therapie sein, sondern jugendlichen Betroffenen Mut machen, sich ihren Eltern oder anderen Bezugspersonen anzuvertrauen und bestenfalls eine Therapie zu beginnen. Depressionen sind im Allgemeinen gut behandelbar und je früher man das Schweigen bricht, desto besser und schneller kann dem*der Betroffenen geholfen werden.
Mein Fazit
Genau so einen Comic hätte ich als Jugendliche gebraucht, als ich meine erste Depression bekam. Ich bin begeistert und empfehle den Comic allen Jugendlichen mit Depressionen und deren Angehörigen weiter.


