In seinem Buch bedankt sich der inzwischen verstorbene Althistoriker Karl Christ bei den Teilnehmern eines von ihm zum Thema Sparta angebotenen Hauptseminars. Ich hatte die 1986 die Ehre und das Vergnügen, dazu zu gehören. Dieses später aus dem Seminar hervorgegangene Buch weckte damals zwar meine Begierde, war für mich aber nicht zugänglich, da es nur von Mitgliedern der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft käuflich erwerbbar war. Immer wieder habe ich mal nach gebrauchten Exemplaren Ausschau gehalten, aber die wurden immer nur zu Phantasiepreisen angeboten. Die Wissenschaftlicher Buchgesellschaft, deren Mitglied ich nun auch bin, hat es leider nicht mehr im Programm, um so freudig überraschter war ich, als ich es jetzt bei booklooker für einen akzeptablen Preis kaufen konnte.
Doch meine Vorfreude wurde dann am Ende doch etwas getrübt, denn entgegen meiner Erwartung handelt es sich bei "Sparta" nicht um die im damaligen Hauptseminar besprochene Geschichte dieser griechischen Polis und Dauerkonkurrentin Athens. Christ beschreibt in einem einleitenden Aufsatz die Geschichte der Geschichtsschreibung über Sparta, die anschließenden Aufsätze verschiedener Historiker stellen dann sozusagen die Belege zu seinen Aussagen dar. Das ist für eingefleischte Historiker sicherlich interessant, wer aber etwas über die Geschichte Spartas erfahren möchte, der kommt dagegen zu kurz (ich habe in den Jahren seit 1986 immer wieder mal Lektüre zu Sparta gelesen, meiner Ansicht nach ist aber die damals in der Seminarvorbereitung gelesene Studie von Manfred Clauss immer noch die beste). Was Christs Ausführungen betrifft, er beschreibt die Faszination, die dieser von einer Kriegerkaste gebildete Staat seit Jahrhunderten auf Historiker ausgeübt hat. Es ist kaum verwunderlich, dass auch der Nationalsozialismus Sparta bewunderte, entsprach er doch mit seinem vermeintlich dorischen(=nordischem) "Rassenkern" dem Wahn der Naziideologie, wobei die Wirklichkeit so lange gebogen wurde, bis sie passte. Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass Christ auch einen Aufsatz des NS-Vorzeige-Althistorikers Helmut Berve mit aufgenommen hat. Über die Instrumentalisierung der Schlacht an den Thermopylen nach dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad kann man aus heutiger Sicht nur noch den Kopf schütteln. Heute stellt sich die Forschung Gott sei Dank andere Fragen, und die Faszination ist längst einer Abscheu gewichen, denn letzendlich war das spartanische Modell ja nur auf Kosten der Unterdrückung und Ausbeutung der unterworfenen Messener, die zu Heloten degradiert wurden, möglich.
Fazit: Intererssant für Leser mit Vorkenntnissen, aber nichts für Leser, die etwas über die Geschichte Spartas lernen wollen.















