Karl Johnson Leben und Taten der berühmtesten Straßen- und Seeräuber, Taschendiebe und Betrüger in Großbritanien.

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Inhaltsangabe zu „Leben und Taten der berühmtesten Straßen- und Seeräuber, Taschendiebe und Betrüger in Großbritanien.“ von Karl Johnson

In keinem Lande von Europa werden so viele Straßenräubereien begangen, als in Großbritannien und in keiner Stadt dieses Landes sind die Taschendiebstähle so gewöhnlich als in London, ob sich schon solche Störungen der öffentlichen Sicherheit gar nicht mit einer wohl eingerichteten Polizei vertragen und auch nicht zu dem Wesen einer freien Verfassung gehören, allein die Engländer haben ganz eigene Vorstellungen von diesem Unfuge, welchen Räuber und Diebe auf eine so unverschämte Art treiben. Sie behaupten, in einem Lande der Freiheit, wie das ihrige, sein Straßenräuber unvermeidlich, weil Ausreiter, Polizeisoldaten, Gensdarmen, sich nicht mit der Freiheit vertrügen und weit üblere Folgen nach sich zögen, als der Straßenraub; sie behaupten ferner, das stehende Heer sei das Grab der Freiheit und man dürfe von ihm keinen Beistand zur Aufrechthaltung der Sicherheit auf Wegen und Landstraßen verlangen. Allgemein herrscht der Glaube, es sei besser von Räubern auf der Straße, als von Ministern und ihren Trabanten in den Häusern bewacht und ausgeplündert zu werden. Man kann kein englisches Zeitungsblatt lesen, ohne auf Nachrichten von Straßenraub zu stoßen. Jeder Reisende steckt daher immer etwas Geld zu sich, um, wenn er angefallen wird, die Habgier des Räubers zu befriedigen, oder seine Noth zu mildern. Die englischen Straßenräuber morden jedoch höchst selten; daher fürchtet man sie lange nicht so sehr, als Leute dieser Art in andern Ländern; man befriedigt sie durch Geld und setzt ruhig seinen Weg fort. In England macht man einen großen Unterschied zwischen Räubern zu Fuß (foot-pad) und Räubern zu Pferde (Heigh way men); vor den Ersten hat man eine größere Furcht als vor den Letztern. Die Räuber zu Fuß können nicht so leicht entwischen; wenn sie daher verfolgt werden, so ergreifen sie jedes Mittel zu ihrer Rettung und lassen sich auch alsdann Mordtaten zu Schulden kommen. Die Straßenräuber zu Pferde (Heigh way men) sind gewissermaßen von einer höhern Klasse und setzen etwas darauf, eine seine Erziehung und ein artiges Betragen zu zeigen, weshalb man sie Gentlemen of the road nennt. Sie treten ihr Gewerbe auf eine ausgezeichnete Art und man könnte beinahe sagen, sie verbänden ein gewisses Ehrgefühl damit, indem sie in demselben Augenblicke, wo sie die Reisenden berauben, auch ihre Achtung zu erwerben suchen. Diese Teilnahme und diese Art von Achtung, die man gegen die Heighwaymen hegt, erregen sie nicht bloß durch den Muth, mit dem sie ihr Handwerk betreiben, sondern auch durch die Idee, daß Viele unter ihnen durch unglückliche Umstände, durch die Not und durch Verlegenheit dazu genötigt worden sein. In England sind eine Menge Anekdoten im Umlauf, welche teils die Großmut, teils die Geschicklichkeit, teils die List der Straßenräuber beurkunden. In keiner großen Stadt Europas gibt es so viele und so geübte Taschendiebe und Beutelschneider als in London; allein da sie weder soviel Muth noch so viel Gegenwart des Geistes nötig haben, als die Heighwaymens, so stehen sie auch in keiner solchen Achtung. Indessen ist ihre List, ihre Verschlagenheit und Tätigkeit doch erstaunlich und Mancher büßt ein, was er noch so sicher verwahrt zu haben glaubt. Bisweilen vereinigen sich Mehrere und treiben ihre Künste am hellen Tage; sie stehen einander bei und was der Eine gestohlen hat, das nimmt der Andere in Empfang und entfernt sich. Der berühmte Colquhoun teilt in seiner Schrift: Londons Polizei *) die Diebe in zwei Klassen; zu der ersten rechnet er Leute, die zwar eine gute Erziehung genossen haben, sich aber keinem Gewerbe widmeten; ihr Vermögen durch Spiel und Ausschweifungen verschwendet haben und nun auf die Straßen gehen, um da ihr Brod zu verdienen. Hierzu kann man auch noch die Handwerker zählen, welche sich durch Luxus und Ausschweifungen zu Grunde gerichtet haben und nunmehro zur Dieberei ihre Zuflucht nehmen. Diese Classe von Dieben ist in Vergleichung mit der zweiten sehr klein; die Letztere besteht aus Bedienten, Aufwärtern, Stallknechten, Postillions, Tagelöhnern, Trägern, aus solchen, die aus den Gefängnissen entlassen sind u. s. w., welche ohne moralisches Gefühl sich jeder Ausschweifung überlassen und durch die niedrigsten Mittel selbst gemachte Bedürfnisse zu befriedigen suchen. Viele dieser Diebe, treiben ihr Handwerk ordentlich systematisch, so daß sie entweder nur sehr schwer entdeckt werden können, oder daß sie immer Gelegenheit finden, der Strafe, selbst bei der Entdeckung, zu entgehen, da sie von ihren Helfershelfern unterstützt werden und mit den Mängeln der peinlichen Gesetze bekannt, leicht eine Ausflucht finden, weshalb sie der Richter lossprechen muß. Das Buch, von dem wir hier eine Übersetzung liefern, führt folgenden Titel: The History of the Lives and Actions of the most famous Highwaymen, Street - Robbers etc. etc. etc. To which is added a genuine account oft he Voyages and Plunders of the most noted Pirates. By Capitain Charles Johnson. A new edition. Edinburgh. 1814. in gr. 8. VIII. S. 574. In Großbritannien hat diese Geschichte viel Beifall gefunden. Der neueste Herausgeber sagt daher in der Vorrede: „dies schätzbare Buch ist sehr selten worden. In der Auktion der Bücher des verstorbenen Herzogs von Roxbourgh wurde ein Exemplar desselben außer der Abgabe für fünfzehn Guineen (90 Thaler) verkauft. Die Herausgeber haben deshalb für gut befunden, eine neue Ausgabe von einem längst geschätzten Buche zu veranstalten, welches die einzig ächte Geschichte von Leuten enthält, wovon Mehrere unter die größten Genies gehören und welche sich über den Zwang des bürgerlichen Lebens hinwegsetzen, das Schaffot nicht fürchten und ihre Räubereien so lange forttreiben, bis das Gesetz sie erreicht und sie, Andern zur Abschreckung, den verdienten Lohn erhalten. Wenn man die Geschichte dieser außerordentlichen Menschen durchlieset, unter denen sich Einige finden, deren Talente sie zu Gesetzgebern oder zu Feldherrn eignen, so stößt man auf viele anziehende Abenteuer, welche die verwegendste Kühnheit und den ausdauerndsten Unternehmungsgeist verraten, und zwar mehr, als was Menschen ertragen zu können scheinen. Sir John Falstaff, der Lieblingsheld unsers unsterblichen Shakspears, Einer der größten Räuber, den es je in diesem Lande gegeben hat und Robin Hood, dessen Geschichte zum Teil jedem Leser von Kindergeschichten bekannt ist, machen zwei anziehende Charaktere diesem Buchs aus. Hierzu kommt noch ein Anhang von einigen Männern, die sich in ihrer Sphäre ausgezeichnet haben, seitdem Johnson sein Buch bekannt gemacht hat. Mit diesem haben wir beträchtliche Veränderungen vorgenommen, um sowohl die Sprache als die Denkart dem Geiste unserer Zeit mehr anzupassen.“ Die Übersetzung haben wir in der Absicht unternommen, um zu belehren und zu vergnügen, um Abscheu einzuflößen und abzuschrecken. England ist Eines der merkwürdigsten Länder und, obschon zu Europa gehörend, doch in Ansehung seiner Sitten, Gebräuche und innern Einrichtungen noch lange nicht genug bekannt. Die Räuber aller Art machen einen Schandflecken der englischen Regierung aus und die Kenntnis ihres Thuns und Treibens ist zur Bekanntschaft mit dem Innern Englands, mit der Gesetzgebung und der Unzweckmäßigkeit der in diesem Lande gewöhnlichen harten Strafen erforderlich, wo es beinahe zweihundert widersetzliche Handlungen gibt, welche den Tod nach sich ziehen. Der Mensch hat den Hang zum Bösen; wird dieser nicht in früher Jugend durch Beispiel und Lehre unterdrückt und späterhin durch Entschlossenheit und Standhaftigkeit ausgerottet, so führt ein Schritt des Leichtsinns, der Unvorsichtigkeit und des Bösen zu einer Reihe von Vergehen und Verbrechen, die sich nur mit dem Verlust der Freiheit oder des Lebens endet. Dieses Buch enthält die Schilderung des Lebens einer Anzahl von Menschen, welche durch große Naturgaben, oft durch eine treffliche Erziehung ausgezeichnet, böse Gesellschaft, oder Not, oder wilde Begierden zu einer Menge der abscheulichsten Verbrechen verleitet haben. Der Mensch gewöhne sich also frühzeitig, auf sich acht zu geben; kein Schritt im Leben ist ohne Folgen; das Böse sorgfältig vermieden und der Mensch wird ein braver Mann werden. Wie in einem Spiegel schauen wir in diesem Buche die sonderbarsten und abscheulichsten Auftritte und alles, was die Verworfenheit schändliches ausbrütet, sehen wir kühn ausführen, allein was sind die endlichen Folgen davon? Der glückliche Bösewicht wird unvorsichtig und ehe er es ahnet, erreicht ihn die rächende Nemesis. Aus diesem Buche lerne der Mensch also, daß keine Untat unbestraft bleibt und daß jeder Verbrecher die verdiente Strafe erhält. Er lasse vom Bösen, werde ein guter Mensch und Glück und Segen werden in seinem Hause einkehren. Allein diesem Buch enthält nicht nur Bösewichter, sondern auch bloße Schlauköpfe, welche durch listig Anschläge jedes Ziel erreichen, das sie sich vorsetzen. Anmutiges und Lächerliches, Tolles und Verwegenes zeigen sich in den Handlungen Mehrerer der Straßenräuber, Diebe und Seeräuber, deren Geschichte wir unsern Lesern mitteilen. Vieles grenzt an das Romanenhafte; ins Unglaubliche streift oft das Leben des Andern; an das Wunderbare kettet sich häufig die Geistesgegenwart des Dritten. List, Verschlagenheit und Kühnheit richten aus, was man für kaum möglich halten sollte und das Leben Vieler der Helden, die wir hier geschildert finden, reitzen die Neugierde in dem Grade, daß man ihre Lebensbeschreibung in einem Atem bis zu Ende lieset. Inniges Bedauern erweckt es oft, daß so viele herrliche Gaben nicht zum Wohle der Menschheit, nicht zum Besten des Staats, nicht zur Vervollkommung der Künste und Wissenschaft benutzt worden sind, allein der Staat, die Nation hat es zu verantworten, die solche Ausartungen der bürgerlichen Gesellschaft duldet, und nicht die kräftigsten Mittel ergreift, dem Anfange des Bösen vorzubeugen und die Straßenräuberei mit Stumpf und Stiel auszurotten. Mangel an Sicherheit auf den Straßen beurkundet große Fehler der Regierung eines Staates und so sehr man auch die Freiheit lieben mag, so ist es doch auch gut, dahin zu sehen, daß nicht so viele Menschen jährlich der strafenden Gerechtigkeit zum Opfer fallen. Morden auch die englischen Straßenräuber selten, so gibt es doch neben dem Leben noch Güter, die ebenfalls nicht zu verachten sind. Im Keime ersticke der Staat das Böse, der Bürger wache und arbeite, daß weder etwas Unsittliches noch etwas Widerrechtliches geduldet werde und es werden der Verbrechen weniger werden. Der zweite Teil wird bald nachfolgen und er enthält eben so anziehende Schilderungen verdorbener und liederlicher, leichtsinniger und schlauköpfiger, launiger und witziger Menschen als der Erste.
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