Karl Ove Knausgård

 4,4 Sterne bei 447 Bewertungen
Autor von Sterben, Lieben und weiteren Büchern.
Autorenbild von Karl Ove Knausgård (© Jimmy Kets)

Lebenslauf von Karl Ove Knausgård

Karl Ove Knausgård wurde 1968 geboren und gilt als wichtigster norwegischer Autor seiner Generation. Als erster Debütant überhaupt bekam er den Norwegischen Kritikerpreis verliehen. "Alles hat seine Zeit", sein zweiter Roman und vielfach preisgekrönt, war nominiert für den Nordischen Literaturpreis und den internationalen IMPAC Dublin Literary Award. "Sterben" - der erste Roman eines sechsbändigen, autobiographisch angelegten literarischen Projektes, das in Norwegen zur Sensation wurde - war das meist diskutierte Buch der letzten Jahre, stand monatelang auf Platz eins der Bestsellerliste, wurde mit dem wichtigsten norwegischen Literaturpreis, dem Bragepreis ausgezeichnet, in der Zeitung VG zu einem der besten Bücher der letzten zehn Jahre gewählt sowie von den Lesern der Tageszeitung Morgenbladet zum Buch des Jahres. Nach "Sterben", "Lieben" und "Spielen" erscheint der vierte Band seines Projektes, "Leben". Karl Ove Knausgård lebt mit seiner Familie an der schwedischen Südküste.

Alle Bücher von Karl Ove Knausgård

Cover des Buches Sterben (ISBN: 9783442749577)

Sterben

 (131)
Erschienen am 10.08.2015
Cover des Buches Lieben (ISBN: 9783442713219)

Lieben

 (81)
Erschienen am 11.01.2016
Cover des Buches Leben (ISBN: 9783442713066)

Leben

 (61)
Erschienen am 14.12.2015
Cover des Buches Spielen (ISBN: 9783442749324)

Spielen

 (50)
Erschienen am 11.05.2015
Cover des Buches Träumen (ISBN: 9783442715268)

Träumen

 (42)
Erschienen am 10.07.2017
Cover des Buches Alles hat seine Zeit (ISBN: 9783641239213)

Alles hat seine Zeit

 (17)
Erschienen am 18.06.2018
Cover des Buches Kämpfen (ISBN: 9783442717484)

Kämpfen

 (11)
Erschienen am 12.11.2018
Cover des Buches Im Herbst (ISBN: 9783630875149)

Im Herbst

 (10)
Erschienen am 18.09.2017

Neue Rezensionen zu Karl Ove Knausgård

Cover des Buches Aus der Welt (ISBN: 9783630874371)Christian1977s avatar

Rezension zu "Aus der Welt" von Karl Ove Knausgård

Die Grenze zwischen Liebe und Wahnsinn
Christian1977vor 4 Monaten

Der 26-jährige Aushilfslehrer Hendrik Vankel ist noch nicht wirklich angekommen in dem kleinen Ort in Nordnorwegen. Zwar genießt er bei seinen Schüler:innen durchaus hohes Ansehen, doch bis auf seinen etwa gleichaltrigen Kollegen Henning fühlt er sich die meiste Zeit über einsam. Als er sich in seine 13-jährige Schülerin Miriam verliebt, gerät sein Leben aus den Fugen - seine ganze Existenz fällt "aus der Welt". Aus Angst flüchtet er nach Kristiansand, den Ort seiner Jugend. Doch auch dort lassen ihn die Geister der Vergangenheit nicht ruhen...

"Aus der Welt" ist Karl Ove Knausgards Debütroman aus dem Jahre 1998, der im letzten Jahr erstmals als deutsche Übersetzung erschien. Es ist ein gut 900-seitiges Epos über die Irrungen und Wirrungen der Jugend, die sich bei Protagonist Henrik bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. In Schweden sorgte die Übersetzung vor gut fünf Jahren für einen Skandal, in dessen Folge der Autor das Land verließ. Ähnlicher Aufregung ist er in Deutschland entgangen.

Gemeinsam mit Jan Kjaerstad ist Knausgard der wohl aufregendste zeitgenössische norwegische Autor. Schon aufgrund der ähnlichen Länge kommt man nicht umhin, "Aus der Welt" mit Kjaerstads "Femina Erecta" zu vergleichen. Auch wenn "Aus der Welt" eigentlich schon 20 Jahre mehr auf dem Buckel hat, sind es nun einmal die jeweils aktuellen Veröffentlichungen der beiden auf dem deutschen Markt.

Während ich bei Kjaerstads gut 800 Seiten nicht ein einziges Mal das Gefühl hatte, "Femina Erecta" wäre an einigen Stellen zu lang geraten, kann ich das "Aus der Welt" leider nicht bescheinigen. Was nicht heißt, dass es sich nicht trotzdem um einen sehr guten Roman handelt.

Aufgeteilt in drei Teile befasst sich der erste Abschnitt mit Henriks Leben und Liebe in der Schule, der kurze mittlere Teil erzählt das Kennenlernen seiner Eltern. Doch gerade der fast 420 Seiten lange letzte Abschnitt gerät an der einen oder anderen Stelle doch sehr "aus der Welt". Wobei der Titel als geflügelter Begriff immer und immer wieder entweder direkt auftaucht oder sich mehrfach metaphorisch aus den Begebenheiten herauslesen lässt.

Henrik erzählt über sich, er habe gewisse Aussetzer, weiß manchmal nicht, was er in bestimmten Stunden gemacht hat oder wo er gewesen ist. Er ist in diesen Momenten "aus der Welt". Auch die Romanhandlung an sich begibt sich aus ihrer Erzählwelt. So kommt es zu seitenlangen literatur-theoretischen Auseinandersetzungen über Flaubert und James Joyce, zu einem Besuch Gottes, der Henrik vom Christentum überzeugen will oder gar zu einer über 60-seitigen Traumexistenz Henriks, in der er ein völlig anderes Leben führt und sich die Kultur und Geschichte ebenso anders entwickelt hat. Das ist manchmal genial, häufig zu lang, aber immer überraschend und durchaus aufregend.

Protagonist Henrik macht es einem grundsätzlich nicht leicht. Er ist kein klassischer Held, eher eine Art Anti-Held. Henrik lügt, betrügt, benutzt, missbraucht. Und dennoch ließ er mich in seiner Einsamkeit und Eigenartigkeit nicht kalt. Zwar erfährt man aus seiner Kindheit so gut wie gar nichts, aus seiner Jugend umso mehr, wobei dennoch Fragezeichen und Lücken bleiben. Wieso schloss sein Vater ihn im Badezimmer ein und geschah dies mehrfach? Ein Fest für Freudianer, die sich zudem an eindeutigen Metaphern wie der Angst vor Schlangen oder anderen diversen sexuellen Anspielungen ergötzen können.

Die stärksten Momente hat der Roman, wenn sich Henrik in der Beschreibung der norwegischen Natur verliert, egal ob im Süden oder Norden des Landes - und darüber selbstvergessen schon einmal einschläft. Grandios auch das bewegende offene Ende, in dem Henrik in einem einzigen Moment wohl alles verliert, aber gleichzeitig so viel gewinnt - oder ist es andersherum?

"Aus der Welt" ist ein insgesamt beeindruckender Roman, dem 200 Seiten und ein paar Abschweifungen weniger sicherlich nicht geschadet hätten. Im direkten Vergleich mit Jan Kjaerstad unterliegt er bei mir jedoch knapp.

Kommentare: 1
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Cover des Buches Sterben (ISBN: 9783442749577)Stephan_Belkas avatar

Rezension zu "Sterben" von Karl Ove Knausgård

Empfehlung!!!
Stephan_Belkavor 6 Monaten

Wer in Knausgårds Literatur einen Handlungsstrang sucht, der sucht diesen vergebens. Wer aber in seiner Literatur das Leben sucht, der findet einen ganzen Kosmos!!!
Allein der essayistische Einstieg über den Umgang des modernen Menschen mit dem Tod. Der Hammer!!!!
Radikal subjektive Literatur! Ich steh' da voll drauf.
Absolute Empfehlung!!!

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Cover des Buches Aus der Welt: Roman (ISBN: B086TZQ4RS)Thomas_Lawalls avatar

Rezension zu "Aus der Welt: Roman" von Karl Ove Knausgård

Alles oder nichts
Thomas_Lawallvor 8 Monaten

Die Geschichte ist schnell umrissen. Henrik Vankel zieht für ein knappes Jahr in einen Ort direkt am Meer "im nördlichsten Norwegen". Sein Alltag als Aushilfslehrer gestaltet sich eher unspektakulär, wenn da nicht seine Schülerin, die dreizehnjährige Miriam, wäre ...

Spektakulär ist erst einmal Henriks wacher Geist, der die Dinge leider viel zu oft aus einer erhöhten Position betrachtet. Da wären erst einmal die Dorfbewohner, deren Verhaltensmuster er umgehend analysiert, obwohl es da gar nicht so viel herauszufinden gibt. In Frage zu stellen aber schon, denn einerseits bewundert er ihre Freundlichkeit und dass sie ihm als Fremdem wohlgesonnen sind, relativiert dieses aber sofort, denn das an sich wäre "noch nie ein Kriterium für Güte" gewesen.

Doch das markiert nur den Beginn einer Odyssee durch Henriks wahrlich unübersichtliche Psyche, die niemand versteht, am allerwenigsten er selbst. Er erkundet und beobachtet sein soziales Umfeld, und die ganze Welt gleich mit, unentwegt und nur durch Schlaf unterbrochen. Wobei (auch) hier die Grenzen immer weiter verwischen.

Henrik ist längst "aus der Welt" gefallen, an was er sich klammert, sind Momente, die, egal in welcher Schattierung auch immer, keinen rechten Sinn ergeben wollen. Dass sie das nicht können, sieht er nicht. Deshalb muss er weiterziehen, von seiner endlosen Gedankenflut über alle Ufer gespült. Ein furchtbar kluger Mann mit furchtbar großen Problemen. Eines davon ist weiblich und 13 Jahre alt. Es passiert nicht all zu viel, doch das was passiert, liegt jenseits der unsichtbaren Grenze, die niemals überschritten werden sollte.

Die räumliche Flucht, für die er sich deshalb entscheidet, scheint ohne Wirkung zu sein, denn er ist so oder so mit dem immer gleichen Gepäck beladen. Stets sieht er einen Ausweg, doch es sind so viele. Zu viele. Welcher ist der richtige?

"Aus der Welt" erzählt in ausschweifendem Perfektionismus von einem, der sich in der Welt und sich selbst verlaufen hat. Henrik hat eine "einfache" Fahrt gelöst, denn ein Rückweg ist ausgeschlossen. Wohin auch? Zwanghaft ergibt er sich gnadenlosen Selbstzweifeln. Leben kann er nicht, weil er es ständig zu durchschauen versucht. Jeden Gedanken sezieren und jeden Moment, jedes Gefühl, jede noch so kleine Emotion auf die Goldwaage legen.

Karl Ove Knausgård lädt uns in seinem 1998 in Norwegen erschienenen und jetzt erstmals auf Deutsch veröffentlichten Debüt zu einer aufregenden Reise durch die rastlose Existenz seiner Hauptfigur ein, die einerseits abstoßend und andererseits, trotz einiger mühsamen Längen auf den weitläufigen Rückblick in die Familiengeschichte, unendlich spannend ist.

Man befindet sich in einer permanent belastenden Aufmerksamkeit, immer gespannt auf den nächsten Satz, die nächste Erkenntnis und die nächsten Zweifel, die sich auf einer immerwährenden Überholspur
nähern, bis zum nächsten Sturz in die endlosen Kellergewölbe einer beschädigten Seele, die sich selbst nicht versteht, die Angst vor dem Tod, aber auch vor dem Leben hat.

Man liebt diesen seltsamen Henrik, der alles und jeden registriert und wenn es nur die Bewegungen von auf Kundschaft wartender Taxifahrer sind, die Lässigkeit junger Leute oder jenen weinenden Mann in dem kleinen Café, seine Gedankenflut und den Sturz durch die Literatur- und Kunstgeschichte der Welt, und bedauert und verachtet ihn im nächsten Augenblick. Aber wer sagt denn, dass Hauptdarsteller immer sympathisch sein müssen?

Suche nach dem Wesentlichen und eine männliche Tragödie.

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