Karl Ove Knausgård Alles hat seine Zeit

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Inhaltsangabe zu „Alles hat seine Zeit“ von Karl Ove Knausgård

Über die Natur der Engel – und das Wesen der Menschen . Wie sieht es aus, das Göttliche? Hat es die Engel wirklich gegeben? In seinem hymnisch gefeierten Roman stellt Knausgård die großen universalen Fragen und geleitet uns durch die gewaltigen alttestamentarischen Erzählungen: über Kain und Abel, Noah und die Sintflut, über Sodom und Gomorrha, gelangen wir nach einem Zwischenstopp im spätbarocken und schließlich aufgeklärten Europa auf eine Insel vor der norwegischen Küste – bei einem modernen, schuldbeladenen Menschen, der die Einsamkeit sucht und die überwältigende Schönheit des Lebens findet …

Außergewöhnlich. Schreibstil, der zum Weiterlesen hinreißt. Erfrischend neuer Lesestoff.

— DriftinHeart

Wenn auch stellenweise herausfordernd, erzählt Knausgård Bibelgeschichte neu und diskutiert die Rolle der Engel bis in die Moderne. Genial!

— BluevanMeer

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  • Rezension zu "Alles hat seine Zeit" von Karl Ove Knausgård

    Alles hat seine Zeit

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. October 2009 um 20:22

    Geschichten bilden unsere Kultur. Sie sind Blick in die Vergangenheit, vermitteln uns Erfahrungswerte, lehren uns, warnen uns und geben uns Mut. Ob es Märchen sind, die Sagen der Antike oder die legendären Mythen der Bibel. Jeder dieser Texte schuf eine Welt aus Gestalten und Geschehnisse, die meist außerhalb der Zeit verortet sind. Es lässt sich heute vor allem noch streiten, welche Legenden der Bibel wirklich geschehen sind. Damals in grauer Vorzeit. Vielleicht haben sie sich auch ganz anders zugetragen, als das Buch der Bücher es vermitteln will und kann. Der Norweger Karl Ove Knausgård hat sich die wichtigsten Geschichten der Bibel vorgenommen und gibt ihnen ein neues Kleid. Mit dem Roman „Alles hat seine Zeit“ erscheinen die großen Geschichten ganz anders und vor allem eine, die Historie der Engel, die auch Gott in einem anderen Licht erscheinen lassen. Wo aber anfangen, wenn es um die große Sage des Menschen, wenn es um den Ursprung des Seins geht, an den Millionen, gar Milliarden von Christen glauben. Aber diesmal spielen Gott und die ersten menschlichen Geschöpfe Adam und Eva im Garten Eden nicht die erste Geige. Vielmehr trifft ein Zwölfjähriger namens Antinous Bellori während eines Spaziergangs durch die Natur auf Engel. Diese Begegnung wird sein Leben verändern, denn er möchte den mystischen Wesen auf die Spur kommen, ihr Leben und Wirken entdecken. Doch während seiner Studien, die er auch in dem Buch „Über die Natur der Engel“ niederschreibt, wird er eines gewahr, was sein ganzes Weltbild auf den Kopf stellt. Erstens ist Gott nicht der Unfehlbare und Unwandelbare, zweitens erkennt Bellori die Verletzlichkeit der Engel, ihren tiefen Fall als einstige von Gott gesendete Wesen zu fehlbaren und grausam erscheinenden Kreaturen. In dieser Rahmenhandlung begegnet der Leser jedoch all jenen großen biblischen Geschichten, in denen Engel auftauchen: die Legende des Sündenfalls und der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, Kain und Abel, das legendäre Brüderpaar und Noahs Bau der Arche, währenddessen die Erde Meter um Meter im Wasser versinkt. Und da sind auch Hesekiel und Lot, die Bekanntschaft mit den geflügelten Wesen machen. Zum Schluss taucht der Biograf des Engelforschers Bellori, Guido Bergotti auf, der dessen teils unglückliches und ergebnisloses, gar tragisches Leben erzählt. Den Zeitbogen von vorchristlicher Zeit, dem Beginn des Lebens gar, bis in die Jetztzeit schließt ein Blick auf eine nahezu einsame Insel, auf der sich der junge Henrik Vankel zurückgezogen hat, um über sein Leben, das Dasein schlechthin, nachzudenken, vielleicht auch vor einem Schatten aus der Vergangenheit zu fliehen. All diese Geschichten brauchen natürlich Zeit und Platz: Auf mehr als 630 Seiten schreibt Knausgård die bekanntesten Legenden neu, geht zudem dem Leben der Engel nach. Was er da an Geschehnissen und Figuren erzählt, ist sicherlich nicht neu. Neu ist indes die Art und Weise, wie er dies macht. Denn die Geschichten vor der Sinnflut einschließlich der Erzählung von Noah und seiner Arche setzt er in eine Zeit und an einen Ort, die an das Norwegen im 19. oder frühen 20. Jahrhundert erinnern. Wir finden bäuerliche Ausstattung, ländliche Traditionen. Knausgård beschreibt zudem ausführlich den Lebensraum, der meist an ein Gehöft, ein Haus eines Landwirtes erinnert. Und nicht nur die neue Verortung in ein anderes Land, in eine andere Zeit machen gerade die Abschnitte des Buches zu einem Erlebnis. Der norwegische Autor schreibt lebhaft, sehr auf Details der Außenwelt sowie der Innenwelt seiner Helden achtend. Man kann den schwelenden Streit und das Auseinandertriften von Kain und Abel atemlos verfolgen, wie auch die große Aufgabe, der sich Noah mit seiner Familie stellen muss. Ohne Rücksicht. Es ist großartig, wie Knausgård die Überflutung der Welt und den schwierigen, unermüdlichen, aber sinnlosen Überlebenskampf von Noahs Schwester Anna und deren Familie beschreibt: spannend, eindrucksvoll und mächtig in einer gewaltigen und poetischen Sprache, die nicht nur die Natur in ihren Erscheinungen und ihrer Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt einfängt, sondern auch die Figuren in ihren Gedanken, Gefühle und Entwicklungen ausgestaltet. Während die Nacherzählung der biblischen Geschichte lebendig erscheint, sind dagegen die oftmals essayistischen Exkurse in die Theologie ab und an recht sperrig und langatmig. Auch wenn die in das Gewand der Fiktion eingekleideten Theorien durchaus interessant sind und sich lohnen, darüber nachzudenken, ob als Christ oder Nicht-Christ: Gott ist nicht unfehlbar und statisch. Vielmehr macht er selbst Fehler. Er lässt den Engeln freie Hand, die ihre Nähe zu den Menschen ausnutzen und die Entwicklung nicht im Sinne Gottes vorantreiben. Eine These: die Sintflut sollte nicht die Erde reinwaschen von den Sünden der Menschen, vielmehr sollten jene Wesen ausgelöscht werden, die Nachfahren von Engel und Mensch sind. Und auch das Bild der Engel – Bellori stellt ein ganzes System dieser Wesen auf – wankt. Die Sendboten Gottes werden zu schwächlichen, sogar grausamen Figuren, die letztlich laut eines Mythos, den Henrik Vankel von seinem Vater gehört hat, zu Möwen werden. Und auch das Schlussbild, das unwahrscheinlich durch seine Poesie und den Blick für die Schönheit der Natur lebt, macht eine bizarre Entwicklung, die den einen oder anderen vielleicht abstoßen lässt. Henrik Vankel, der zurückgezogen auf einer Insel an der norwegischen Küste lebt, beginnt, sich selbst zu verletzen. Wie er sich mit Glassplittern Brust und Gesicht nahezu zerstört, erinnert an einen „leichten“ Horrorfilm und lässt die Geschichte zudem den Leser fragend zurück. Doch trotz der Makel an diesem Buch, ist dem Norweger mit diesem Roman ein ganz großer Wurf gelungen. Nicht nur sprachlich und mit Blick auf den umfangreichen und komplex verschränkten Inhalt. Auch das Thema an sich wird zu Diskussionen führen, unter all den Lesern, die dieses Buch zu Ende lesen. Dazu braucht man sicherlich reichlich Zeit, manchmal auch Geduld und Durchhaltevermögen. Aber dieser Einsatz lohnt sich. Nicht nur für die Freunde skandinavischer Literatur und etwas „anderer Geschichten“, sondern auch für jene, die bisher wenig mit der Bibel und deren Wirkung auf die Kulturgeschichte des Menschen zu tun hatten. Karl Ove Knausgård wurde 1968 in Oslo geboren, wuchs auf im Süden Norwegens. Er studierte Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft, besuchte zudem eine Schreibschule. Als erster Debütant erhielt er für den 1998 erschienen Roman ”Ute av verden” den renommierten Norwegischen Kritiker-Preis. Sein Roman ”Alles hat seine Zeit” war nominiert für den Nordischen Literaturpreis und erhielt den Publikumspreis des Norwegischen Rundfunks. Der Autor lebt mit seiner Familie in Malmö.

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