Lieben

von Karl Ove Knausgård 
4,4 Sterne bei69 Bewertungen
Lieben
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Fiktive Autobiographie oder autobiographische Fiktion? Jedenfalls ehrlich, bis es schmerzt.

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Nach Leben und Träumen war Lieben eine Enttäuschung für mich!

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Inhaltsangabe zu "Lieben"

Knausgårds autobiographisches Projekt: In 30 Sprachen übersetzt. Vielfach preisgekrönt. Weltweit auf Bestsellerlisten. »In den autobiographischen Büchern des norwegischen Schriftstellers passiert nichts Spektakuläres – und doch verfallen ihm die Leser weltweit wie sonst nur Harry Potter.« Ijoma Mangold, ZEIT

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442713219
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:960 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:11.01.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    reisendebuechers avatar
    reisendebuechervor 10 Monaten
    Das Knausgård'sche Fieber

    Ich bin dem Knausgård'schen Fieber erlegen. Keiner kann so schreiben, wie er, vor allem wenn es um banales und doch so essentielles geht. Auch der zweite Teil seines autobiographisches Projektes hat mir also wieder sehr gut gefallen. Gern hätte ich alle literarischen Referenzen verstanden, aber dazu fehlt mir einfach Hintergrundwissen. Der zweite Teil geht grundlegend auf die Beziehung zwischen ihm und Linda ein, sowie seine Kinder. Ich weiß nicht, ob ich das alles wirklich beurteilen darf, da es ja es nicht-fiktional ist, aber Linda empfand ich schon als etwas anstrengend. Aber insgesamt wieder richtig gut!

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    TheRavenkings avatar
    TheRavenkingvor 2 Jahren
    Faszinierend aber auch sehr langatmig

    Das ist der zweite Band von Karl Ove Knausgards autobiographischem Projekt. Knausgard gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Norwegens und ist mittlerweile einer der erfolgreichsten.

    Dass die Bücher als autobiographische Romane bezeichnet werden, wirkt auf den Leser erst Mal verunsichernd. Wie viel von dem hier beschriebenen ist denn nun wahr, und in wieweit entspricht die Figur des Karl Ove Knausgard aus den Büchern dem realen Knausgard? Als Außenstehender ist dies unmöglich zu beantworten. Irgendwo las ich, Knausgard soll sich mit Familienangehörigen und Freunden überworfen haben, denen nicht gefiel, wie sie in den Büchern dargestellt wurden.

    Am Anfang lernen wir die Kinder Knausgards und seiner Lebensgefährtin Linda kennen. Im Folgenden geht es vor allem um Erziehung. Interessant fand ich unter anderem, dass der Autor immer wieder Andeutungen fallen lässt, die nahelegen, dass er nicht vollständig mit der sehr liberalen schwedischen Einstellung einverstanden ist. Knausgard erscheint sehr ich-bezogen, gleichzeitig bemüht er sich ein guter Vater zu sein.

    Das Buch bietet eine eigenartige Mischung aus Alltagstrivialitäten und tiefschürfenden Gedanken. Manches wird vielleicht zu ausführlich beschrieben. Es geschieht wenig interessantes, aber der schiere Umfang der Erzählung und die Vertiefung in kleinste Details der alltäglichen Existenz gibt einem das Gefühl man würde tatsächlich am Leben des Autors teilhaben. Seltsamerweise wurde für mich Liebe gerade an der Stelle langweilig, wo Knausgard damit begann eine Handlung zu erzählen. Wie er seine spätere Ehefrau Linda kennen lernte und sich in sie verliebte. Bis dahin passiert nicht viel, aber man erfährt wie Knausgard die Welt wahrnimmt: Sensibel, verletzlich, eigenbrötlerisch, leicht neurotisch kommt dieser Mann daher. Hin und hergerissen zwischen dem Drang nach Unabhängigkeit und künstlerischer Entfaltung auf der einen und der Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Freundschaft auf der anderen Seite.

    Knausgards Stil ist schwer einzuordnen, sehr simpel und ohne jegliches kunstvolle Element kommt diese Sprache daher. Eine negative Kritik bezeichnete es als automatisches Schreiben, eine andere verglich sie mit dem monotonen Gesülze mancher Blogs. Beim Lesen dachte ich manchmal: So könnte ich auch schreiben, so könnte überhaupt fast jeder von uns schreiben und vielleicht ist dies das Geheimnis seines Erfolges. Die Sprache stellt hier keine Barriere dar, es gibt nichts elitäres, was den Leser abschrecken könnte. Ja, klar es geht um intellektuelle Themen, zahlreiche skandinavische Autoren werden erwähnt und kommentiert, jedoch geschieht dies auf eine Art und Weise wie vielleicht ein Klempner oder Ingenieur über seine Arbeit berichten würde und wirkt nicht prätenziös.

    Trotzdem kam bei mir irgendwann der Punkt, wo ich mich fragte: warum lese ich das eigentlich? Der Autor Tim Parks schrieb in einem Essay darüber wie er häufig Bücher abbricht, nicht weil sie ihm radikal missfallen, sondern weil er das Gefühl hat den Autor durchschaut zu haben und ab einer gewissen Anzahl von Seiten nichts Neues oder Aufregendes mehr von der Lektüre erwartet. So ähnlich ging es mir mit Knausgard. Nach etwa 300 Seiten kann ich sagen: ich habe es begriffen, ich weiß worum es geht, aber ich verspüre kein Bedürfnis nach noch mehr davon.

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    Culalavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Karl Ove Knausgard schreibt mit einer Offenheit und Ehrlichkeit über sein Leben, über die Liebe und über das was er hasst.
    Ehrlich und Schonungslos

    Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen. Karl Ove Knausgard schreibt mit einer Offenheit und Ehrlichkeit über sein Leben, über die Liebe und über das was er hasst.

    In Lieben beschreibt Knausgard seine Anfangszeit in Stockholm. Nach einer langen Beziehung mit seiner Exfrau zieht er nach Stockholm, warum kann er gar nicht erklären. Er steckt fest und hofft durch den Orstwechsel zu neuem Schwung zu kommen. Seit er sein erstes Buch geschrieben hat bekommt er nichts mehr zu Stande. In Stockholm bekommt er schnell Kontakt zu Geir, ebenfalls ein Norweger, den er aus seiner Zeit in Bergen kennt. Geir wird schnell zu so etwas wie einem besten Freund und engsten Vertrauten.

    Doch nicht nur Geir spielt eine wichtige Rolle in Knausgards Leben, er trifft Linda wieder. Die Frau, in die er sich während einem Schriftstellerseminar verliebte und die ihm einen Freund von ihm vorzog. Doch jetzt gibt sie ihm eine Chance, die beiden kommen sich schnell näher und bald gibt es nichts anderes mehr als sie beide. Schnell wird ihnen klar, dass sie ein Kind möchten und so wird Vanja geboren. Im weiteren Verlauf bekommen sie noch zwei weitere Kinder, Heidi und John.

    Jetzt könnte man denken, dass es relativ langweilig ist, wie Knausgard über den Alltag eines Familienvaters schreibt. Da er dies aber, wie eingangs erwähnt, mit einer unglaublichen Ehrlichkeit tut, ist es einfach nur faszinierend. Manchmal möchte man fast beschämt wegschauen und ist entsetzt, was er alles preis gibt. Denn alles was er schreibt ist so in seinem Leben passiert. Geir und Linda sind auch in Wirklichkeit sein bester Freund und seine Frau.

    Es braucht schon einiges an Mut dieses Werk überhaupt den Leuten zu lesen zu geben, die dort drinnen beschrieben werden, denn Knausgard gibt teils sehr intime Details preis. Man erfährt sehr viel über Lindas Krankheit, sie ist manisch-depressiv, und somit auch über ihren Charakter und wie sie über andere Leute denkt. Knausgard spricht offen aus, was Linda von seiner Mutter denkt. Ist das so richtig? Verletzt er damit nicht beide. Zumindest mit Linda ist er, laut Interviews von ihm, noch zusammen und einigermaßen glücklich.

    Was für mich etwas schwierig war, waren die Passagen über skandinavische Schriftsteller, denn in diesem Gebiet kenne ich mich gar nicht aus. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob sie alle hier in Deutschland bekannt sind. Aber darüber kann man hinwegsehen, meiner Meinung nach.

    Für mich war es ein Buch, das absolut lesenswert ist und ich kann verstehen, warum Knausgard dafür gefeiert wird. Sicherlich ist es aber nicht nach jedermanns Geschmack, leichte Kost ist es auf jeden Fall nicht. Nach und nach werde ich sicher noch die anderen Bände lesen, auch wenn diese etwas anders sein sollen als Lieben.

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Toll, toll, toll! Ich freue mich auf den nächsten Teil :)
    Lieben von Karl Ove Knausgard

    Im zweiten Teil seiner Biographie in Romanform lernen wir Karl Ove Knausgårds neue Familie kennen: Linda, Vanja, Heidi und John. Er beschreibt sein nun ablaufendes Leben, sein Glück, seine Traurigkeit und vor allem seine Wut.

    Außerdem ist es eine ganze Weile her, dass er seinen ersten Roman "Alles hat seine Zeit" geschrieben hat. Und nun ist er auf der Suche nach neuer Inspiration.

    Unglaublich, wie Knausgård die Geburt seiner ersten Tochter beschreibt, oder die Probleme, die die frisch gebackene Familie immer noch mit der russischen Nachbarin hat. Er hat es sofort geschafft mich wieder in den Bann zu ziehen und mich auf keiner seines 763 Seiten starken Buches gelangweilt. Ich freue mich jetzt schon auf den dritten Teil, wenn ich weiteren Einblick in Karl Oves Leben erhalten darf - ein tolles Buch!

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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 3 Jahren
    Lieben - und weiterkämpfen

    Lieben – und weiterkämpfen

    „Dort wurden Menschen geboren, dort starben Menschen, dort wurde geliebt und gestritten, gegessen und geschissen, getrunken und gefeiert, gelesen und geschlafen. Ferngesehen, geträumt, geputzt, ein Apfel verspeist und auf die Hausdächer hinausgeschaut, und es gab die Herbstwinde, die an den langen, schlanken Kiefern zerrten.
      Klein und hässlich, aber alles, was es gab.“
    S. 749

    Es ist das normale Leben, das Karl-Ove Knåusgard hier in den anderen Häusern erahnt, und es ist sein eigenes normales Leben, das er im zweiten Band „Lieben“ (im Original „Min Kamp 2“) seines autobiografischen Projekts bis aufs Kleinste beschreibt. Oder vielmehr seziert: das Leben mit seiner zweiten Frau Linda und den schließlich drei gemeinsamen Kindern.

    Ich bin spät dran. Über ein Jahr ist es her, dass ich fasziniert, aber zwischendurch auch mit einigem Widerwillen über das allzu Persönliche, das Knåusgard mir da ungefiltert vorsetzte, den ersten Band „Sterben“ las. Dieser Widerwille war es wohl auch, der mich nicht sofort zu Band 2 greifen ließ. Als es nun so weit war, war ich wieder sofort in diesem Kosmos verschwunden, in Knåusgards Leben, in seinem Kopf. Las und las, konnte kaum aufhören.

    Warum soll man das also lesen? Diese minutiösen Alltagsbetrachtungen, die Beschreibungen von Hausarbeit und Kinderhüten, was macht diesen inzwischen sehr bekannten norwegischen Schriftsteller so interessant? Ganz einfach ist es nicht, das zu erkennen und in Worte zu fassen.

    Zu Anfang kam bei mir immer wieder die Frage auf: Wie ist es wohl für diese Menschen, über die Knåusgard schreibt – und zwar seine ungeschönte Meinung – dies zu lesen? Zu wissen, dass dies unwiderruflich dort zwischen zwei Buchdeckeln steht, jeder es lesen kann, ohne dass man sich dazu äußern kann? Aber darum geht es nicht. Dies ist allein Knåusgard Geschichte. Es geht um sein Leben, seine Gedanken und Gefühle. Als Leser muss man sich auf genau diese einlassen. Auf diesen seelischen Striptease, den Knåusgard zelebriert. Er befasst sich nicht nur mit Windelnwechseln, sondern auch mit der genauen Durchleuchtung seines eigenen Charakters. Da wird nichts relativiert: Knåusgard ist voller Selbstzweifel, voller Scham und hoher Ansprüche, denen er, so sein Empfinden, niemals gerecht werden wird.

    „… Aber ich kann mir das einfach nicht verzeihen. Und so wird es bis zu meinem Tod bleiben. Ich habe eine lange Liste von Dingen, die ich getan habe, und bei denen ich nicht gut genug war. Denn darum geht es. Du sollst nicht betrügen. Und man sollte meinen, das wäre ein Ideal, an das man sich problemlos halten kann.“ S. 632

    Das hätte natürlich auch schief gehen können. Und die Leserschaft spaltet sich in zwei Teile: die Begeisterten, die in die Bücher des Autors komplett eintauchen oder sie in sich aufsaugen auf der einen Seite und diejenigen, die irritiert fragen, warum sie das lesen sollen, auf der anderen: 700 Seiten Alltag und Selbsttherapie? Warum? Ist dieser Mann wirklich so interessant?

    Meine Antwort darauf: Er ist es. Aber neben seiner faszinierenden Art und Weise, sich selbst und sein Verhalten bis aufs Kleinste zu analysieren und sich so am Ende vielleicht besser zu verstehen, ist da noch der zweite Aspekt: Dass man sich in diesen Beschreibungen irgendwo wieder erkennen kann. Im Alltag, vor allem im Beziehungsalltag. Knåusgards Beziehung zu seiner Frau ist von tiefer Liebe geprägt, aber immer wieder gibt es Probleme und Streit um die Kindererziehung, es wird aufgerechnet, wer wie viel beiträgt zum gemeinsamen Leben, sie reiben sich aneinander auf, es ist zermürbend. Sie kämpfen um Freiräume, er sehnt sich nach Ruhe, um nichts als schreiben zu können, sie fühlt sich überfordert. Sie scheinen keine Lösung zu finden. Irgendwann empfindet man als Leser wie diese beiden – man war schließlich bei vielen Auseinandersetzungen dabei.

    Man muss sich einlassen, auch auf die Art und Weise, wie Knåusgard irgendwo anfängt, ihm dann eine Episode „einfällt“ (natürlich ist hier nichts dem Zufall überlassen), die sich lange zuvor zugetragen hat. Man folgt ihm, ohne zu wissen, wann man wieder zur Ausgangssituation zurückkehren wird. Ja, das wirkt beim Lesen entschleunigend, wie Ijoma Mangold in DIE ZEIT es beschrieb (bezogen auf Band 4). Knåusgards Schreiben folgt einem ganz eigenen Rhythmus. Auch lange Exkurse zu philosophischen und literarischen Themen finden ihren Platz.

    Ich bin spät dran, ja. Ich hinke hinterher. Während ich gerade erst Band 2 beendet habe, wird im September bei Luchterhand bereits der fünfte Band des Projekts von insgesamt sechs, „Träumen“, auf Deutsch erscheinen. Aber das bedeutet auch, dass ich noch viermal neu in diesen seltsamen Kosmos eintauchen darf.

    „Es ging nicht darum, dass ich keine Lust hatte, den Fußboden zu putzen oder Windeln zu wechseln, sondern um etwas Fundamentaleres, dass ich in dem mir nahen Leben keinen Wert erblickte, mich stattdessen unablässig fortsehnte und dies schon immer getan hatte. Das Leben, das ich führte, war folglich nicht mein eigenes. Ich versuchte, es zu meinem zu machen, das war der Kampf, den ich ausfocht, denn das wollte ich doch, aber es gelang mir einfach nicht, alles, was ich tat, wurde von der Sehnsucht nach etwas anderem vollständig ausgehöhlt.“ S. 87

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    SteffiWausLs avatar
    SteffiWausLvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ich war froh, als ich endlich durch war mit diesem Buch
    Langweilige Alltagssituationen und tiefgründige Männergespräche

    Oh je - all die guten Rezensionen hier… Und jetzt komme ich mit nur drei Sternen daher…

    "Lieben" ist das erste Buch, das ich von Karl Ove Knausgard gelesen habe. Die Beschreibungen auf der Rückseite haben mich neugierig auf das Buch gemacht: "Karl Ove Knausgard über Liebe in der modernen Welt" und "Eine höchst aufschlussreiche Tauchfahrt in die männliche Gefühlswelt - Angela Wittmann, Brigitte" und "Die intensivste Leseerfahrung seit Jahren… Da steht nämlich alles drin. Unser ganzer Patchworkwahnsinn. Und zugleich die reine Sehnsucht nach dem richtigen Leben… - Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung"

    Die scharfen Beobachtungen und die schonungslos ehrlichen Worte des Autors sind faszinierend und beeindruckend zugleich.
    Es gibt sehr viele kluge und schöne Sätze in diesem Buch, wie z.B. auf Seite 292/293: "Wir erzählten uns alles voneinander, wie Liebende es tun, und obwohl wir wussten, dass es nicht so bleiben konnte, und der Gedanke, dass es tatsächlich so weitergehen würde, furchteinflößend war, weil all dieses Glück auch etwas Unerträgliches hatte, lebten wir darin, als wüssten wir es nicht. Der Absturz musste kommen, aber wir gaben nichts darauf, wie hätten wir es auch tun können, wenn doch alles so gut war?"

    Vieles in diesem Buch hat zum Nachdenken angeregt. Manchmal war das nur ein kleiner Satz, wie z.B. auf Seite 374: "Aber es begann tastend, wie fast alle Gespräche zwischen Menschen, die mehr voneinander wissen, als dass sie einander kennen."

    Allerdings bestand der Großteil des Buches aus Beschreibungen von Alltagssituationen, die ich mit der Zeit immer langweiliger fand. Oft habe ich erwartet, dass gleich etwas Spannendes oder Wichtiges passiert. Doch dann wechselte das Thema ganz plötzlich wieder.
    Auch ist der Autor ständig in eine andere Zeit vor- oder zurück gesprungen, so dass ich manchmal den Faden verloren habe.

    Und dann waren da die endlos langen Beschreibungen von Orten, Kunstwerken und Literatur - manchmal waren die Sätze eine halbe Seite lang und schwierig zu verstehen, wie z.B. auf Seite 557/558:
    "Monet hatte ein außerordentlich gutes Auge für das Licht des Schnees, genauso wie Thaulow, der technisch vielleicht begabteste norwegische Maler aller Zeiten, es war ein Fest ihre Bilder zu sehen, ihre Präsenz im Augenblick war so groß, dass der Wert dessen, woraus sie entstand, sich radikal erhöhte, ein alter brüchiger Schuppen an einem Fluss oder ein Pier an einem Urlaubsort wurden plötzlich unverzichtbar, waren aufgeladen von dem Gedanken, dass sie sich zur selben Zeit wie wir hier aufhielten, in diesem intensiven Jetzt, und dass wir ihnen bald wegsterben werden, aber bei Schnee wurde irgendwie die andere Seite der Verehrung des Augenblicks sichtbar, denn seine Beseelung und sein Licht hinterließen so deutlich etwas nicht Gekennzeichnetes, nämlich die Leblosigkeit, die Leere, das Nicht-Besetzte und Neutrale, das einem als erstes ins Auge stach, wenn man im Winter durch einen Wald ging, und in diesem Bild, der Beständigkeit und des Todes, konnte sich der Augenblick nicht behaupten."
    Diesen Satz habe ich mehrmals lesen müssen, um ihn zu verstehen. Als ich dann gemeint habe, ihn verstanden zu haben, kam die Frage auf: Warum jetzt dieser Satz in einem Buch, in dem es doch eigentlich um etwas anders geht? Warum geht es jetzt plötzlich um Kunst?
    Und so war es an vielen Stellen im Buch: von einer banalen Alltagssituation in eine tiefgründige Gedankenwelt - eine regelrechte Achterbahnfahrt, die mich oft etwas ratlos zurück gelassen hat.

    Besonders langweilig fand ich die Gespräche, die der Autor mit seinem Freund Geir geführt hat. Endlos haben sich die beiden über Schriftsteller unterhalten, von denen ich fast keinen kannte. 
    Ich hab mich immer mehr gefragt, ob das wirkliche Gespräche zwischen zwei Männern waren, oder ob der Autor dies nur genutzt hat, um weiter in seiner Gedankenwelt zu schwelgen.
    Etwas merkwürdig fand ich auch zum Ende des Buches ein Gespräch zwischen den beiden, in dem Geir Karl Ove sagt, was er über ihn denkt, wie er ihn sieht, welche Charaktereigenschaften er ihm zuschreibt. Es war schwer für mich zu glauben, dass Männer über so etwas und vor allem mit dieser Offenheit miteinander reden.

    Das Thema, um das es eigentlich in diesem Buch gehen sollte, kam bei 763 Seiten zwar nicht zu kurz, wurde aber von den ganzen Abschweifungen verschüttet. Zwischendurch kamen immer mal wieder kleine Passagen vor, die dann auch interessant waren. Schonungslos und ehrlich wird das Leben des Paares mit drei kleinen Kindern beschrieben - aus Sicht des Mannes.
    Das ist sehr interessant, allerdings auch etwas einseitig. 
    Oft habe ich mich gefragt, warum er immer noch mit dieser Frau zusammen ist, und noch mehr Kinder mit ihr bekommt, wenn er diese teilweise sehr negativen Gefühle für sie hegt.
    Und seinen Beschreibungen nach zu urteilen, scheint sie auch keine einfache Person zu sein - auch mir wurde sie immer unsympathischer.
    Alles ist ihr zuviel. Ständig will sie, dass er ihr die Kinder abnimmt und nebenbei auch noch den Haushalt schmeisst. Obwohl er eigentlich der Alleinverdiener ist, und sich um sein Schreiben kümmern müsste.
    Da möchte man ins Buch schreien: "Meine Güte, warum kriegst du drei Gören, wenn du dich nicht darum kümmern willst!"
    Klar, das war die Aussage des Buches: die Zerrissenheit zwischen seinen eigenen Bedürfnissen und der Rolle, die man in einer Familie einnehmen muss. Das aufzuzeigen, ist dem Autor sehr gut gelungen - allerdings hätte er das auch auf knapp 300 Seiten tun können, und Hölderlin und Co. in einem anderen Buch zu Wort kommen lassen können.

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein intensives Leseerlebnis.
    Lieben in der modernen Zeit

    Es fällt mir sehr schwer eine Rezension über dieses Buch zu schreiben. In erster Linie geht es um den Karl Ove Knausgard und wie er mit Linda zusammenkommt und mit ihr eine Familie gründet. Und damit verbunden die Schwierigkeiten, die man als Paar zu bewältigen muss. Wie zum Beispiel Eltern zu sein und sich trotzdem noch Freiräume zu schaufeln für sich und der Liebe. Darüber hinaus beschreibt Knausgard auch die Herausforderung ein Mann zu sein und sich ein halbes Jahr Elternzeit zu nehmen.
    Außerdem geht es auch um ihn und seine Beziehung zu Linda und seinen Freunden, sein literarisches Vorankommen, die Unterschiede zwischen Schweden und Norwegen und seine innere Zerrissenheit zwischen  der innneren Einsamkeit und das Bedürfnis in einer Gemeinschaft zu leben.

    Mir fiel es recht schwer in dieses Buch hineinzukommen und bei der Stange zu bleiben. Erst nach ca. 100 Seiten war es für mich nicht mehr so mühsam. Was es mir sehr schwer macht ist teilweise diese immensen Zeitsprünge, bei denen ich nicht mehr wußte wo ich nun chronologisch bin. Und auch diese literarische Außeinandersetzung mit Hölderlin und ähnlichen. Auch das ewige Reflektieren des Protagonisten war teilweise etwas anstrengend. Dieses Buch klingt lange nach und ist sehr intensiv geschrieben worden.

    Fazit:
    Eine klare Leseempfehlung, wenn man bereit ist sich auch mal etwas durchzubeißen.

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    Wolkenatlass avatar
    Wolkenatlasvor 6 Jahren
    Rezension zu "Lieben" von Karl Ove Knausgård

    Familienleben im Hause Knausgård

    Karl Ove Knausgårds zweiter Roman aus seinem groß angelegten, sechsteiligen autobiografischen Romanzyklus beschäftigt sich nun mit dem Autor als Ehemann und zutiefst verunsicherten Familienvater. Der Originaltitel des Romanzyklus "Min Kamp" wird (dankenswerterweise) in der deutschen Übersetzung aus verständlichen Gründen nicht übernommen.

    Allerdings ist der Originaltitel essenziell wichtig für das Verständnis der Frage, warum der Autor eine derart schonungslose private Offenlegung wagt, dem Leser eine fast exhibitionistische Beschauung seines Privatlebens erlaubt. Karl Ove Knausgård kämpft mit sich selbst, gegen das Gefühl, durch den Alltag in seiner Freiheit und künstlerischen Entwicklung eingeschränkt zu sein, gegen das Gefühl, fliehen zu wollen, nur weg, schreiben, arbeiten, weit weg.

    "Das alltägliche Leben mit seinen Pflichten und wiederkehrenden Abläufen war etwas, das ich ertrug, nichts, worüber ich mich freute, nichts, was mir einen Sinn gab und mich glücklich machte. Es ging nicht darum, dass ich keine Lust hatte, den Fußboden zu putzen oder Windeln zu wechseln, sondern um etwas Fundamentaleres, dass ich in dem mir nahen Leben keinen Wert erblickte, mich stattdessen unablässig fortsehnte und dies schon immer getan hatte. Das Leben, das ich führte, war folglich nicht mein eigenes. Ich versuchte es zu meinem zu machen. Das war mein Kampf, den ich ausfocht, denn das wollte ich doch."

    Gleich zu Beginn eine Szene des Paares Knausgård, das mit den drei Kindern einen Ausflug macht, der in einer Situation endet, die von den beiden Partnern mehr Empathie abverlangt, als beide geben können. Zu hoch sind die Erwartungen gesteckt, und die Enttäuschung über den doch nicht so idyllischen Ausflug ist daher umso stärker.

    Der Autor liebt seine Kinder und seine Frau, ist aber mit der Alltagssituation in der Ehe überfordert. Er erledigt zwar die von ihm verlangten Aufgaben, fühlt sich aber in seiner Persönlichkeit eingeschränkt.

    Seinen inneren Kampf lebt er im Schreiben aus, er schreibt und beschreibt Alltagssituationen, Situationen, die ganz ohne Sensation und Skandal auskommen. Minuziös geht er ins Detail und lässt in seine Beschreibungen philosophische Betrachtungen einfließen, unter Anderem über die Sinnhaftigkeit des Lebens oder Gedanken zu einer Filmszene von Charlie Chaplin ebenso wie Hitlers Ideologie.

    Letztendlich ist es aber der Alltag, die Kinder John, Heidi und Vanja, die hier neben dem selbstreflexiven Autor und Erzähler im Mittelpunkt stehen. Im Mittelpunkt von Momenten und Szenen, die jedem, der Familie hat, nicht unbekannt sind. Fast achthundert Seiten lang.

    Da das alles auch noch wie in akribisch konzentrierter Zeitlupe daherkommt, dauert es eine Weile, bis man vom Text wirklich aufgesogen und gefesselt ist. Dann allerdings kommt man nicht mehr los von diesem ruhig dahinströmenden Text.
    Hart geht Karl Ove Knausgård mit sich zu Werke. Schonungslos gibt er seine Wutanfälle preis, seine Unsicherheit, seine Aufregung darüber, die Hausarbeit mitmachen zu müssen, die Unsicherheit darüber, ob er dem Bild, dem er meint (als Mann) entsprechen zu müssen, auch tatsächlich entspricht.

    Aus einer Schaffenskrise heraus, die in Karl Ove Knausgård die Fähigkeit, Fiktion zu schaffen, vorerst einmal unterbunden hat, entsteht hier ein großes literarisches Werk. Nachdem der Autor in "Sterben" seine Beziehung zum Vater erforscht hat, wagt er sich nun, das Geheimnis und die Hintergründe einer Familie schonungslos und genau zu erforschen.

    Viel Geduld wird vom Leser verlangt, da sich Karl Ove Knausgård offensichtlich nicht bemüht hat, ausführliche Beschreibungen einzelner Szenen zu straffen oder kürzen. Darin liegt aber genau die Qualität dieses Textes, der eine wunderbare Fortsetzung des ersten Teils des Zyklus "Sterben" ist.

    (Roland Freisitzer; 05/2012)

    Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at

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    Stadtbuecherei_Wuerzburgs avatar
    Stadtbuecherei_Wuerzburgvor 6 Jahren
    Rezension zu "Lieben" von Karl Ove Knausgård

    Nun ist er also erschienen, der zweite Band der auf sechs Bände angelegten Autobiografie des norwegischen Autors Karl Ove Knausgard. Wie bereits im ersten Band „Sterben“ besteht auch „Lieben“ aus der Erzählstimme der eigenen Persönlichkeit und handelt von nichts Geringerem als dem Leben selbst. Mittelpunkt des ersten Bandes von Knausgard war die Auseinandersetzung mit seinem Vater und der eigenen Herkunft. In Lieben schildert der Mittvierziger Knausgard nun sein Leben als Vater und seinen Beziehungs- und Familienalltag, die Suche nach seiner Identität als Schriftsteller und die schwierige Balance zwischen dem zurückgezogenen Leben als Schreiber und dem manchmal entbehrungsreichen Leben als Familienvater. Dabei erspart er dem Leser kein Detail seiner inneren und äußeren Lebenswahrnehmung und ist erfrischend ungeordnet in Zeit und Thema. Knausgard erscheint in diesem Buch wie ein Freund, mit dem man eben über alles sprechen kann, und berichtet schonungslos und unverstellt von seinen Erfahrungen. Alles ist authentisch und realistisch dargestellt, nichts scheint erfunden und der Brennpunkt dieses autobiografischen Romans ist die Kluft zwischen der Vorstellung, die man als Mensch von der Realität hat und der erfahrbaren Wirklichkeit. „Das Leben, das ich führte war folglich nicht meines. Ich versuchte es zu meinem zu machen. Das war mein Kampf, den ich ausfocht, denn das wollte ich doch.“ Dadurch wirkt Knausgards Schreiben so berauschend und ergreifend.
    Er erzählt von seinem Scheitern, von seiner tiefen Verunsicherung als Mensch und Schriftsteller, von seiner Sehnsucht nach dem Alleinsein. Von seiner verlorenen Fähigkeit, Fiktives zu schreiben, die seiner Meinung nach daher rührt, dass wir überall in unserem Leben nur noch von Fiktionen umgeben sind. Und somit ist dieses Buch erhaben über etwaige Vorwürfe der Indiskretion, des emotionalen Voyeurismus und der alltäglichen Banalitäten, die so mancher kritische Zeitgenosse hegen könnte. Doch sind es nicht nur die Schilderungen des Alltags mit seinen Routinen und der hohe Grad der Selbstreflexion, die so mitreißen, sondern auch die immer wieder überraschenden Einwürfe aus Gedanken und philosophischen Überlegungen zu einer Fülle von Themen: wie die Gesellschaft das Individuum in der Lebensplanung einschränkt, es uns aber als Freiheit verkauft wird; wie Genetik, Erziehung und Milieu auf die Persönlichkeitsbildung einwirken; über die menschliche Wärme einer Filmszene von Charlie Chaplin; über Musik; die hohe Kunst der Lyrik Hölderlins; über die Selbstauslöschung von Dostojewski; über Heidegger, aber auch über die Einfachheit der Dinge; was einen Mensch ausmacht; wie Kultur und Moral uns beeinflussen; über Konsumverweigerung; über unseren Anteil an der Welt und die Verbundenheit der Menschen untereinander und über den Sinn und Wert des Lebens. „ Es ist nicht so, dass wir gleich geboren werden und die Lebensbedingungen unsere Lebensläufe uns gleich machen, es verhält sich umgekehrt, wir werden verschieden geboren, und die Lebensbedingungen gleichen unsere Leben aneinander an.“ Oder wie Jean-Jacques Rousseau bereits vor fast dreihundert Jahren in seinen „Bekenntnissen“ schrieb und der in seiner schonungslosen Offenheit durchaus eine gewisse Affinität aufweist: “Der Mensch ist frei geboren und liegt doch in Ketten.“

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    Kaivais avatar
    Kaivaivor 6 Jahren
    Rezension zu "Lieben" von Karl Ove Knausgård

    Was für ein Buch! Hat mich ganz sprachlos gemacht und bin ich immer noch. Ich muß jetzt erstmal meine Sprache wiederfinden. Wo liegt sie denn? Vielleicht hier links auf dem Tisch beim Flaschenöffner? Der hat einen Stier drauf, hab ich mit Air Berlin hierhertransportiert. Oder beim Salzfaß? Oder im? Ich dreh den silbrigen Deckel, wühl im Salz. Nein!...dort ist meine Sprache nicht. Wo ist sie nur?
    Also keine Rezension von mir, bis dahin. Aber ich will Werbung machen, für dies Buch, es ist so gut...und darum hab ich Euch eine wirklich gute Rezension rausgesucht:

    >Seine Literatur begreift er als "Rückeroberung der Welt". Er misstraut den Fiktionen und allem Erzählungshaften. Sein Ideal ist eine Literatur, die von nichts handelt, sondern nur aus "der Stimme der eigenen Persönlichkeit" besteht, "einem Leben, einem Gesicht, einem Blick, dem man begegnen kann". Diesem Ideal kommt der Norweger Karl Ove Knausgård in seiner auf sechs umfangreiche Bände angelegten Lebensmitschrift recht nahe. Nach Sterben – der Auseinandersetzung mit dem Vater und der eigenen Herkunft – liegt in deutscher Übersetzung nun der zweite Teil Lieben vor, der vom Beziehungs- und Familienalltag handelt, von den Nöten eines Vaters und, wie es nicht anders sein kann, wenn Held und Autor identisch sind, vom Schreiben.

    Alltag als Sumpf
    Knausgård erspart sich und seinen Lesern kein Detail seiner inneren und äußeren Lebenswelt. Er erzählt vom Waschen, Wickeln und Wundenlecken, von Literaturbetriebs- und Babyrhythmikkurseinsamkeiten, vom Hadern mit Männerrollen und Verweiblichung, von Gesprächen über Tolstoi, Hamsun und Ernst Jünger, vom Zigarettenrauchen auf dem Balkon, vom Kochen für Gäste zu Silvester - und von all den zugehörigen Gedanken, Telefonaten und Gesprächen mit Eltern, Schwiegereltern, Freunden, Frauen und Kleinkindern. Es geht um den Alltag als Sumpf, in dem alles verschwindet, und der dafür die Sehnsucht wachsen lässt, dass das doch nicht alles gewesen sein kann. Am deutlichsten spürbar wird dieses Mangelempfinden eines Vierzigjährigen in der Liebe, die Knausgård als alltägliches Ringen darum beschreibt, den Überschwang zurückliegender Verliebtheit im Kleinklein der Haushaltsverpflichtungen nicht ganz zu verlieren. Weil er da einsetzt, wo Hollywoodfilme aufhören, muss die Liebe immer wieder aufs Neue erkämpft werden.

    Erzählerischer Sog
    Mein Kampf lautet der norwegische Originaltitel, der aus begreiflichen Gründen im Deutschen nicht so günstig wäre. Kruppstahlassoziationen passen auch nicht zu diesem weichen, emotionalen Text. Knausgårds Kampf und seine Rückbindung des Schreibens ins Leben ist das schiere Gegenteil von Hitlers abstrakten Thesen. Während Hitler in seinem Pamphlet von Menschen und Rassen als numerischen Größen sprach und von Kollektiven, die zu organisieren oder zu vernichten wären, geht er radikal vom Einzelnen aus, von sich selbst und denen, die ihm gegenüberstehen. Denn, so schreibt er einmal, "das Leben ist keine mathematische Größe, es hat keine Theorie, nur Praxis".

    Seltsamerweise stellt sich in der Alltagsunendlichkeit ein erzählerischer Sog ein und ermöglicht das Mitleben und Mitleiden mit dem durchaus sympathischen Helden. Und weil der Held der Autor ist, muss man den eben auch mögen. Sein Kampf geht auch darum, dem Leben einen Sinn zu geben. Das schafft er, indem er es aufschreibt. Dadurch verwandelt sich das Leben in Literatur. Das ist immer wieder ein staunenswerter Vorgang, der tendenziell nicht abschließbar ist. Deshalb muss dieses Schreiben immer weiter gehen. <

    (von Jörg Magenau, kulturradio rbb)

    Ein Tag später: war heut morgen mit dem Bollerwagen unterwegs, ist so ein 99Mark Blechwannengefährt für zwei Personen, das ich mit einem Überrollbügel aus Brettern versehen hab. Transportiert hab ich Jasper und Lou, meine Tageskinder. Wir fuhren grad an der Holstenstraße längs, die Sonne verschwand und dunkle Regenwolken zogen auf. Grad hab ich gedacht, ob wir da mal nicht naß werden...da hoppelte meine Sprache quer über meinen Weg.
    Ein Fitzelchen hab ich zu fassen gekriegt und das sieht so aus: >Knausgards Buch ist ein Zeitzeugnis, wie es treffender kaum sein kann. Ist zwar ganz und gar subjektiv, aber in dieser Subjektivität exemplarisch, weil er sie so auswalzt, weil er alles auswalzt, was ihn angeht und es so vor uns ausbreitet. Diese ausgebreitete Masse Mensch wirkt auf mich wie ein Spiegel. Vermutlich auch, weil ich mich gut mit ihm identifizieren kann, aber bestimmt auch nicht nur, denn er ist vor allem ein begnadeter Erzähler und versteht es zu vermitteln.<
    Und schon entwand sich das Fitzelchen meinem Griff und schlüpfte unter einen vorbeifahrenden Krankenwagen.

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