Karl Ove Knausgård Sterben

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Inhaltsangabe zu „Sterben“ von Karl Ove Knausgård

Die Buchsensation aus Norwegen im handlichen Leinenformat! Als Knausgård sich mit seinem Bruder daran macht, den Nachlass ihres verstorbenen Vaters zu ordnen, bietet sich beiden ein Bild des Grauens. Während sie das Haus reinigen und die Beerdigung vorbereiten, kommen Erinnerungen hoch. So sehr hat dieser Vater einen Schatten auf das Leben der Brüder geworfen, dass sie den Bestatter bitten, die Leiche sehen zu dürfen. Erst dann, so sind sich beide einig, werden sie glauben können, dass er wirklich tot ist. Der Sog, der von Knausgårds direkter Art des Erzählens schon mit den ersten Sätzen ausgeht, macht seinen Roman zu einer faszinierenden und erschütternden Lektüre. Gerade weil er so radikal persönlich schreibt, gewinnt sein Text eine schmerzliche Allgemeingültigkeit. Selten ist in einem Stück Literatur so greif- und fühlbar geworden, was jeder Mensch ist: ein einmaliger und unerschöpflicher innerer Kosmos.

Sehr vulgär und sehr negativ in allen Einstellungen. Aber dennoch fesselt die schreibweise einen an das Buch.

— Cinderella11k
Cinderella11k

Nach 200 Seiten habe ich aufgegeben.

— UtaRuscher
UtaRuscher

Literarische Verarbeitung eines Lebens. Ruhig, unprätentiös. Meisterhaft!

— SabsB
SabsB

Nicht wahnsinnig spannend, kein sprachliches Highlight & dennoch kann man sich Knausgards autobiographischem Werk einfach nicht entziehen.

— Helles_Leuchten
Helles_Leuchten

Viele kluge Gedanken, aber v.a. Nabelschau eines eitlen Mannes. Überbewertet...

— FrauGonzo
FrauGonzo

Ein Buch, das einen immer mehr in seinen Bann zieht.

— sofie
sofie

Es packt einen!

— Pue
Pue

Der nächste Band ist schon eingekauft. Knausgård lesen macht süchtig. ;)

— BluevanMeer
BluevanMeer

Ich bin sprachlos...

— Uomo_ragno
Uomo_ragno

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— DriftinHeart
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    Sterben
    UtaRuscher

    UtaRuscher

    03. May 2017 um 08:58

    Eine Freundin, die ich sehr schätze, empfahl mir dieses Buch. Meine Grundeinstellung war also sehr positiv. Ich hatte mich darauf gefreut. Aber ich habe mich gelangweilt. Es passiert nichts. Muss ja auch nicht. Aber dann erwarte ich eine Sprache, die mich in ihren Bann zieht. Nichts dergleichen. Tödliche Langeweile. Der Stil ist banal. Der Inhalt uninteressant. Vielleicht ist das Absicht? Das Sterben als ein sich ewig hinziehender, quälender Prozess? Ich habe dieses Buch nach 200 Seiten weggelegt und mich nach Besserem umgeschaut.

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  • Für mich war alles wie hinter Glas

    Sterben
    dominona

    dominona

    06. January 2017 um 08:26

    Was ich dem Autor zugestehen muss: schreiben kann er, aber am Ende hat es nicht gereicht, um das Buch komplett zu lesen. Zuerst hat mir die Dichte der Ereignisse gefallen, aber dann habe ich mich gefragt: muss ich mir die Kindheitserinnerungen und Gefühle eines alten Mannes wirklich 600 Seiten lang geben? Nein. Ich habe mittendrin abgebrochen, weil mich irgendwann genau die Dichte erschlagen hatte, sodass ich das Buch gar nicht mehr in die Hand nehmen wollte.

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  • Eine Kindheit in Norwegen

    Sterben
    Bibliomania

    Bibliomania

    12. December 2015 um 22:51

    Karl Ove Knausgard hat ein Projekt gestartet, in dem er sein Leben in Romanform veröffentlicht. "Sterben" ist der erste der geplanten sechs Bände. Im ersten geht es hauptsächlich um seine Kindheit, was er erlebt hat, welche Träume er hatte, Ängste, Wünsche und dergleichen. Ein Leben wie es einerseits wohl viele Jungen führen oder geführt haben. Und doch ist es anders. Obwohl Knausgard "nur" über sein Leben schreibt und zuvor zumindest in Deutschland nicht wirklich bekannt war, geht von seinem Schreibstil eine Faszination aus, die schwer zu beschreiben ist. Ich war regelrecht überrumpelt vom Ende, aber es gab keine weitere Seite. Nun muss ich natürlich unbedingt auch den nächsten Teil lesen! Ein tolles Buch, ein toller Auftakt und ein interessantes Leben. Mehr von Knausgard!

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  • Ein außergewöhnliches Buch

    Sterben
    Uomo_ragno

    Uomo_ragno

    12. October 2015 um 16:17

    Ich kann zu diesem Roman nur soviel sagen: Er hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Die sprachliche Dichte ist unglaublich, die Beschreibungen sind großartig - vielleicht das Beste, was ich bis dato gelesen habe. Nicht umsonst gibt es im Moment diesen Hype um Knausgård. 

  • Band 1 eines autobiografischen Projektes in sechs Bänden

    Sterben
    schoensa

    schoensa

    22. June 2015 um 17:56

    Worum es geht Die Schwierigkeit einer Inhaltsangabe von „Sterben“ ist: Eigentlich geht es um Nichts – und doch um so viel. Zum Beispiel um die Beziehung von Knausgard zu seinem Vater. Es geht um den Tod seines Vaters, um Knausgards Beziehung zu seinem Bruder. Chronologisch sind diese Erinnerungen nicht, Knausgard springt hin und her in seinem Leben. Dabei schont er weder sich noch seine Familie. Der Alkoholismus des Vaters (und der Zustand des Hauses, in dem er zum Schluss gelebt hat), die scheinbare Überlegenheit seines Bruders Yngve, alle Schwächen werden offengelegt und bis ins Kleinste geschildert. Sterben ist das erste Buch einer sechsbändigen Serie, die im norwegischen Original „Min Kamp“ heißt. Ein Titel, der aus offensichtlichen Gründen in Deutschland so nicht ging. Ins Deutsche übersetzt wurden mittlerweile «Sterben», «Lieben», «Spielen» und «Leben».Wie es gefällt Meist hat man das Gefühl, Ereignisse in Echtzeit zu lesen, über unendlich viele Seiten streckt sich Beschreibung, wie er mit einem Kumpel und zwei Tüten Bier Silvester verbringt. Und dennoch: Es ist nicht langweilig, Knausgard beim Leben und beim Darüber philosophieren „zuzuschauen“. Es ist sogar so faszinierend, dass ich die 576 Seiten durchaus zügig weggelesen habe. Worin die Faszination liegt,kann ich allerdings nicht beschreiben. Ein bisschen scheint es wie bei einem Unfall zu sein, bei dem man nicht wegschauen kann. Oder einer Reality-Show, die einen in den Bann zieht. Ob diese Faszination auch die restlichen Bände von Knausgards Biografie anhalten wird, kann ich auch nicht vorhersehen. Ich werde es aber berichten.

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  • Ein Autor, der gibt.

    Sterben
    Lutzlesefieber

    Lutzlesefieber

    04. September 2014 um 08:56

    Dieses Buch ist keines, der Bücher, die ich in einem Rutsch durchlese. Obwohl es einen starken Sog hat. Es ist eines der Bücher, bei denen ich gierig weiterlese, aber dann feststelle, dass bloß noch meine Augen die Lesebewegung ausgeführt haben, weil ich eigentlich nachgedacht habe. Knausgards Gedanken und die beschriebenen Episoden regen beständig an, der Frage darin nachzugehen. Ich lande bei mir und meinem Leben. Deswegen ist es mir wertvoll. Was mich am meisten fasziniert, ist, dass es scheinbar so universell ist, dass ich mit Ende 30 mich darin wiederfinde, aber auch meine Mutter, die Ende 60 ist. Ich hatte nicht erwartet, dass sie mit dem Buch etwas anfangen kann, da ich dachte, es sei enger verwoben mit den Erfahrungen meiner Generation bzw der Generation des Autors. Aber nun ist es fast das erste Buch überhaupt, über das sie sich mit mir austauschen will. Knausgard erzählt keine Geschichte, er erzählt übers Menschsein. Ich bin gespannt, was bleibt. Aber zur Zeit begleiten mich die Gedanken aus dem Text durch den Tag und es gibt mit etwas Entspanntheit zurück, weil ich entdecke, dass auch andere sich nicht immer geschickt anstellen bei "ihrem Kampf." Knausgard sagte in einem Interview, er hat mitunter das Gefühl, durch die offene Darstellung seinerselbst und seiner Familie hätte er sich weggegeben. Tatsächlich "gibt" dieses Buch viel.

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  • Sehr dichte, persönliche Erzählung

    Sterben
    literat

    literat

    31. August 2014 um 12:58

    Karl Ove Knausgards Vater ist gestorben, er und sein Bruder Yngve kümmern sich um die Beerdigung, um den Nachlass, etc. Der Autor nimmt den Tod des Vaters als Anlass um über sein Leben, seine Familie nachzudenken und zu schreiben. Und hier geht er sehr schonungslos, sehr detailliert und sehr persönlich vor. Die beiden Jungs haben sich von ihrem Vater, der mal sehr wichtig für sie war, sehr entfernt. Sie habe ihn zu hassen begonnen und er hat sich vom angesehenen Lehrer, vom Akademiker, zum Alkoholiker, der sich systematisch zu Tode gesoffen hat, entwickelt. Der Autor erzählt seine Geschichte aus der Sicht des Jugendlichen der den Alkohol als Fluchtmittel für sich entdeckt, er urteilt also nicht über den Jugendlichen von damals, sondern erzählt nur seine Geschichte. Ich geb's zu, es hat etwas gedauert, bis ich drin war. Aber dann hat's mich gepackt. Undzwar richtig. Der Autor versteht es sehr gut nicht nur seine Gedanken sondern auch seine Gefühle, Stimmungen, die Atmosphäre einzufangen und wiederzugeben. Das ist natürlich ein etwas schwieriges Unterfangen, deswegen ist das Buch auch etwas umfangreich, aber jedes Wort ist nötig und richtig. Die anderen 5 Bücher möchte ich auch unbedingt lesen!

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  • Radikale Selbstreflektion

    Sterben
    AnnaChi

    AnnaChi

    18. April 2014 um 11:18

    "Für das Herz ist das Leben einfach: Es schlägt, solange es kann." Diesem magischen ersten Satz folgt ein Buch, in dem man sich findet und verliert. Es ist ein sehr persönliches Buch, das man nahe an sich herankommen lassen kann, ein Buch, das einen unglaublichen Sog entwickelt, Lese-Sucht erzeugt. Im Mittelpunkt steht die Beziehung des Autors zu seinem Vater, der seine Kindheit und Jugend durch emotionale Distanziertheit und Zynismus geprägt hat. Das Verhalten dieses Vaters hat mich teilweise so entsetzt und verstört, dass mir bei der Lektüre Tränen in den Augen standen. - Aber die Kindheit und Jugendzeit Knausgards hat auch heitere Aspekte, beispielsweise die ausführlich geschilderte Schwierigkeit, als 16-Jähriger mit nicht erlaubtem Alkohol im hohen Schnee am Silvesterabend zur vermeintlich angesagten Party zu kommen ... Konfrontiert wird der Autor als Erwachsener mit seinem Vater erst dann wieder, als dieser stirbt - als völlig heruntergekommener Alkoholiker, der das Haus der Großmutter als stinkende Hölle zurückgelassen hat und in dem die alte, demente Frau nur noch dahindämmert. Knausgard und sein Bruder "entmüllen" das Haus (Schilderungen, die sich man wegen des hohen Ekelfaktors nicht nach einer Mahlzeit zumuten sollte). Glauben, dass der Vater, der beider Leben so überschattet hat, aber wirklich tot ist, können die Brüder erst, als sie seinen Leichnam gesehen haben. Ein großartiges, schonungslos offenes Buch! Gerade die Menschen, die sich mit der eigenen Biografie kritisch auseinandersetzen, sollten es unbedingt lesen.

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  • Sein Kampf - Der erste Teil

    Sterben
    serendipity3012

    serendipity3012

    15. February 2014 um 18:39

    Sein Kampf - Der erste Teil „Sterben“, so lautet der deutsche Titel des ersten von 6 Bänden, in denen der norwegische Autor Karl Ove Knausgard über sein Leben schreibt. Im Original mit „Mein Kampf“ überschrieben, war in Deutschland keine wortgetreue Übersetzung möglich. Aber was man da liest, ist ein Kampf. In „Sterben“ beschäftigt sich der Autor intensiv mit seiner schwierigen Beziehung zu seinem Vater, der ihn sehr geprägt hat und zu dem er ein sehr schwieriges Verhältnis hatte. Der Vater stirbt, aber zunächst lesen wir über Episoden aus der Kindheit und Jugend Knausgards, über Ängste und alle möglichen Arten von negativen Gefühlen, bevor in der zweiten Hälfte des Romans der Fokus auf dem liegt, was passiert, nachdem der Autor vom Tod seines Vaters erfährt und sich um alles kümmert, was vor allem bedeutet, das total verdreckte und heruntergekommene Haus zu putzen, in dem sein Vater sich selbst zugrunde gerichtet hat. Knausgards Buch ist ein Roman, keine Autobiographie. In einem Interview sagte er, dass er sich an Stimmungen und Gefühle erinnert, Dialoge aber rekonstruieren musste. Dass seine Romane daher nicht wahr seien, aber ehrlich. Knausgards ganz persönliche Geschichte über sich und seinen Vater braucht an die 600 Seiten. Als Leser muss man sich auf seine Art des Erzählens einlassen, auf lange Einschübe und Rückblicke, bevor es dort weitergeht, wo er sich an diese oder jene Episode erinnert hat. Knausgard erzählt auch kleinste alltägliche Handlungen ganz genau, jeder Handgriff beim Kaffeekochen kann da Erwähnung finden. „Schwer“ ist der Roman deshalb, weil sein Autor nichts verklärt, er sucht keine Entschuldigungen und Erklärungen, er benutzt keine metaphernreiche Sprache, er verschleiert nichts. Das macht ihn zwar menschlicher, aber nicht unbedingt sympathischer. So liest man „Sterben“ nicht immer gern, braucht vielleicht einmal öfter eine Pause, und das Buch ist immer wieder nicht nur ein Kampf für den Autor, sondern auch für den Leser. Auf der anderen Seite besitzt gerade diese Art des manchmal brutal ehrlichen Schreibens eine ganz besondere Faszination, so dass ich die folgenden fünf Bücher, die sich mit anderen Aspekten aus Knausgards Leben beschäftigen, unbedingt auch noch lesen muss.

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  • Vom Leben im Angesicht des Todes

    Sterben
    Babscha

    Babscha

    09. February 2014 um 01:57

    Denn während der Name zu Lebzeiten eines Menschen auf den Körper verweist, wo er sich aufhält, was er tut, löst der Name sich im Tode vom Körper und verweilt wieder bei den Lebenden, die mit dem Namen stets meinen, was der Mensch war, und nie, was er jetzt ist, ein Körper, der irgendwo liegt und verwest. Es ist im Sommer 1998, als Karl Ove Knausgard, der Autor des Buches, die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Yngve macht er sich deshalb noch einmal auf nach Kristiansand, seiner Heimatstadt an der norwegischen Küste, um die letzten Dinge seines Vaters zu regeln. Was er dort vorfindet, nämlich eine Tragödie der ganz besonderen Art, trifft ihn bis ins Mark und war wohl Grund genug, sich im vorliegenden Buch sowohl mit dem Thema Tod und Sterben allgemein wie auch mit seiner eigenen komplizierten Familiengeschichte, und hierbei insbesondere mit seinem ganz speziellen Verhältnis zu seinem Vater, intensiv auseinander zu setzen. Herausgekommen ist ein besonderer Roman, der schonungslos offene und ehrliche Lebensbericht eines Neununddreißigjährigen, der trotz gelegentlich ausufernder, eben ganz der persönlichen Erzählweise und Gedankenwelt des Autors zuzuschreibender Passagen wirklich zu fesseln vermag und den Leser völlig vereinnahmt. In der ersten Hälfte des Buches gibt Knausgard dem Leser zunächst einen Einblick in seine eigene Jugendzeit in einem ziemlich verkorksten Elternhaus, in dem seine Mutter sich bis zu ihrer letztendlichen Scheidung weitgehend zu ihrem Studium in eine andere Stadt zurückzieht und den jüngeren Sohn damit einfach bei seinem gefühlskalten, pedantischen und gleichgültigen Vater zurück lässt. Im zweiten Teil des Werks berichtet der Autor nach einem Zeitsprung über mehrere Jahre dann von den Geschehnissen nach dem Tod des Vaters, den Beerdigungsvorbereitungen, von der zwangsweisen temporären Wiederzusammenführung zweier ungleicher Brüder, die sich ebenfalls kaum noch etwas zu sagen haben und als Schicksalsgemeinschaft einfach nur schematisch agieren. Ohne jede Vorbehalte erschließt sich der Autor dem Leser Schritt für Schritt, zeichnet von sich das selbstkritische Bild eines sensiblen, empathischen Mannes voller innerer Zerrissenheit, der schwer an seiner Vergangenheit zu kauen hat, sie im Grunde nie abstreifen konnte und es erst ganz am Schluss am Totenbett seines Vaters schafft, mit seinem unguten inneren Ungleichgewicht von Hass, Wut und Trauer zumindest ansatzweise ins Reine zu kommen. Ich habe das Buch ausschließlich zu später Stunde und in völliger Stille gelesen. Zum Glück, denn so lässt sich die Intensität seiner Worte ganz besonders genießen.  

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  • Rezension zu "Sterben" von Karl Ove Knausgård

    Sterben
    Golondrina

    Golondrina

    23. October 2012 um 19:04

    Widersprüchlich. Der Autor reflektiert tagebuchartig den Tod seines Vaters und erzählt dabei Episoden aus seinem Leben. Er folgt dabei nicht stringent einer zeitlichen Reihenfolge sondern reiht Erlebnisse aus der fernen und näheren Vergangenheit lose aneinander, beschreibt dabei die Beziehung zu seinen Freunden, seiner Familie und natürlich besonders die zu seinem Vater. Eine schwierige Beziehung, das wird schnell klar. Berührt hat mich dabei die schonungslose Ehrlichkeit, die den Autor nicht immer in das beste Licht rückt aber wer selbst eine belastete Beziehung zu einem nahen Angehörigen hat und dann mit dessen Tod konfrontiert wird, kann vielleicht nachvollziehen, mit welch zum Teil abstusen Gedanken man sich in dieser Situation konfrontiert sieht. Dafür würde ich gern 4 Sterne vergeben, allerdings haben mich einige Passagen sehr geärgert oder gelangweilt: so füllt die Bierbeschaffung für eine jugendliche Silvesterfeier mehrere Seiten, x-mal wird der Alkohol im Strassengraben versteckt und wieder hervorgeholt.... Das ist nicht besonders originell und leider auch nicht besonders originell beschrieben.

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  • Rezension zu "Sterben" von Karl Ove Knausgård

    Sterben
    Kaivai

    Kaivai

    19. February 2012 um 17:26

    Dies Buch ist der erste Band eines sechsbändigen autobiografischen Romanprojekts (erschien 2009 in Norwegen, bis 2011 sind dort alle sechs Bände herausgegeben worden). Auf norwegisch heißt dies Buch "Min kamp. Første bok". Verständlich, dass es im deutschen nicht original übersetzt "Mein Kampf" heißen durfte. Aber genau darum geht es. Der Autor wird von inneren Kämpfen zerrissen. In diesem ersten Band breitet er die Wurzel allen Übels vor uns aus: seinen Vater. Der ihm fremd war, wie eine dunkle Quelle tief unten in einem unerreichbaren Tal. Für das Kind und den Jugendlichen, allgegenwärtige Düsternis, ein Schatten auf der Sohnseele. Als der Vater dann stirbt mit 54, Karl Ove ist 30, macht er sich mit seinem Bruder Yngve auf nach Kristiansand, wo der Vater mit der eigenen Mutter zuletzt im permanenten Suff lebte und die beiden Söhne putzen und putzen und Karl Ove weint und weint, obwohl er im Grunde doch froh ist, dass sein Vater endlich tot ist. Aber im Grunde ist auch die dunkle Quelle seiner Tränen. Völlig detailversessen schildert Karl Ove Knausgård diese Tage und Nächte in Kristiansand. So beinah jede Hand- und Gemütsbewegung teilt er uns mit. Wirklich berührend, wie er seine Großmutter schildert, die ohne jeden Lebensgeist im Sessel hockt. Immer wieder fragt sie ihre Enkel: "Genehmigt ihr zwei euch auch abends schonmal ein Gläschen?" Nach Tagen merkt Yngve, dass sie die Erlaubnis ihrer Enkel braucht. Dann trinken sie alle gemeinsam Wodka und die Großmutter lebt auf. Und Karl Ove versinkt am nächsten Tag im Selbstekel. Hat schon fast shakespearsche Dimensionen, dies Ringen mit sich. Hab mich jedesmal gefreut, das Buch aufzuschlagen und weiterzulesen. Und schon bald, diesen Frühling erscheint auf deutsch der zweite Band: "Lieben".

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  • Rezension zu "Sterben" von Karl Ove Knausgård

    Sterben
    Binea_Literatwo

    Binea_Literatwo

    08. October 2011 um 23:06

    Hut ab vor diesem Mann, Hut ab vor Karl Ove Knausgard. Er öffnet sich nicht nur sich selbst, seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten, sondern auch der ganzen Welt. Fremden Menschen wie mir zeigt er sein Leben auf. Nicht nur in einem Teil tut er dies, sondern er hat gleich eine sechsbändige Reihe geschrieben. Der Roman „Sterben“ ist nun der erste Teil, in dem es um seinen persönlichen Kampf mit seinem Vater geht. Bevor jedoch der Vater immer mehr zum Vorschein kommt, beginnt der Autor bei und mit sich selbst. Er ist Vater von drei Kindern, hat eine Frau und doch ist nicht alles, wie es wohl sein sollte und sein könnte. Aber wo ist es das schon, könnte man meinen. Er betrachtet sich selbst, reflektiert sein bisheriges Leben und spricht seine noch so grausamen oder unverständlichen Denkweisen aus. Wie er fühlt in Bezug auf seine Kinder, seine Freiheiten, seinen Lebensweg. Schonungslos schreibt er seine wahren Gefühle nieder, egal welche Wirkungen er damit in seinem Umfeld auslösen wird. Und gerade dieses Aussprechen würden wir wohl selber nie tun. Kein Leben ist so wie das des Nachbarn oder des Autors, aber wir sind alle Menschen und haben die Fähigkeit zu denken. Und genau dabei ertappt man sich beim Lesen, bei dem einen oder anderen Gedanken, der einem selbst immer wieder begegnet. Aber wer teilt schon seine geheimen Denkweisen gern, vor allem wenn sie auf den ersten Blick ungerecht wirken oder herzlos. Bevor man Vorwürfe erntet oder erklären muss oder ein Kopfschütteln des Gegenüber sieht, behält man doch lieber alles für sich. Aber nicht Karl Ove Knausgard. Er schreibt schonungslos, offen, ohne irgendeine unschöne Stelle im Leben auszulassen. Er schreibt über seinen Vater, welcher eine lebenslang große Rolle in seinem Leben hatte. Dieser hat ihm immer das Leben schwer, wenn nicht gar zur Hölle gemacht, und Karl Ove, genau wie sein Bruder Yngve, mussten darunter leiden. Jetzt ist alles vorbei. Vater ist tot. Wirklich tot und er wird nie wieder lebendig werden. Karl Ove Knausgard muss an den Ort, wo er gestorben ist, und die Beerdigung organisieren. Ein Ort der ihm Gänsehaut bereitet, ein Ort des Verstehens, ein Ort des Verarbeitens. Ein wahres Lebenswerk und das ist erst ein Sechstel davon. „Liebe“ heißt der nächste Roman um sein Leben. Ein Interview mit Karl Ove Knausgard war der zusätzliche i-Punkt zum Buch, denn es war ein wahrlich ungewohntes Gefühl diesen Menschen zu treffen. Man scheint einiges von ihm zu wissen und zu kennen und fragt sich beim Blick ins Gesicht des Autors, wie er sich damit fühlt und umgeht. Ein unvergesslicher Moment zu diesem Buch, in dem Karl Ove Knausgard in seine Gefühls- und Gedankenwelten blicken lässt.

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  • Rezension zu "Sterben" von Karl Ove Knausgård

    Sterben
    sumsidie

    sumsidie

    08. September 2011 um 09:41

    Karl Ove Knausgard beleuchtet autobiografisch Abschnitte aus den ersten 30 Jahren seines Lebens. Vor allem das komplizierte Verhältnis zu seinem Vater wird oft thematisiert. Knausgard öffnet sich dem Leser dabei so weit wie es selbst enge Freunde nur in wenigen Momenten tun würden. Und trotzdem hat diese Seelenbeschau nichts Abschreckendes. Seine Sicht auf die Welt und seine Beziehungen zu anderen fühlen sich wahrhaftig an. Das macht das Buch zu einem besonderen Stück Literatur.

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  • Rezension zu "Sterben" von Karl Ove Knausgård

    Sterben
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    07. July 2011 um 01:47

    Eigentlich ist mit dem Sterben ja alles zu Ende. Dieses Buch dagegen fängt mit dem Tod an. Und danach geht es so richtig los mit der Lebensgeschichte, die der Autor hier im ersten von sechs Bänden erzählt. Die Art, in der er das tut, ist einfach überwältigend gut. Ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erzählt er sogar peinliche Situationen aus seiner Pubertät, Dinge, die man normalerweise schön für sich behält. Dabei gehen seine Schilderungen weit über das hinaus, was man sonst in Autobiographien oder in autobiographisch angehauchten Romanen zu lesen bekommt. Denn Knausgård hat eine ganz spezielle Art, eine Situation bis in die kleinsten Einzelheiten zu schildern. Bei seiner Lesung in Berlin hat er gesagt, dass er auch auf drei Seiten einen Tisch beschreiben könne, und das glaube ich ihm nicht nur, ich weiß auch, ich würde das mit der gleichen Begeisterung lesen wie alles in diesem Buch. Allein schon der Anfang: Das Buch beginnt mit einer sachlichen Beschreibung der Vorgänge, die nach dem Tod eines Menschen in dessen Körper ablaufen, um dann sofort in eine Kindheitsszene zwischen Karl und seinen Vater überzugehen. Und dieser Übergang ist zwar ungewöhnlich, aber so fließend und selbstverständlich geschrieben, dass keine Zäsur entsteht. Mit der Anfangsszene ist das Hauptthema des Buches klar. Und auch die Art des Verhältnisses zum Vater wird sofort deutlich. Der Vater ist distanziert und bedrohlich, immer präsent, auch wenn er gerade nicht anwesend ist. Alles dreht sich um ihn und seine Anforderungen. Alles ist streng reglementiert. Eine schöne Kindheit ist das nicht gerade. Ein schönes Sterben auch nicht, wie man später sieht, denn der Vater säuft sich zu Tode. Schon auf den ersten Seiten glänzen der Scharfsinn und die genaue Beobachtungsgabe des Autors. Mir war es beispielsweise noch nie aufgefallen, dass mit dem Tod nie in der Höhe, sondern immer im Erdgeschoss oder im Keller umgegangen wird. Eine Leichenhalle im obersten Stockwerk ist nicht denkbar. „Als verfügten wir über eine Art chtonischen Instinkt, irgendetwas tief in uns, das unsere Toten zu jener Erde hinabführen muss, aus der wir gekommen sind.“ (S. 11). Hinreißend komisch sind die pubertären Erlebnisse des Autors. Die Schrecken der ersten Erektion, der Versuch, eine Party mit Alkohol auszustatten, misslingende Sylvesterfeiern und die Schwierigkeiten mit dem anderen Geschlecht wurden schon oft beschrieben, aber nicht so lesenswert wie hier. Nicht so detailliert, nicht so ehrlich, nicht so hervorragend formuliert. Das Spannungsfeld zwischen der individuellen Einmaligkeit und des kollektiven Erlebens ein und desselben Ereignisses ist mir nie so deutlich geworden wie in zwei Szenen dieses Buches, nämlich bei einem Besuch beim Bestatter und im Kreißsaal bei der Geburt der ersten Tochter. Beim Bestatter trifft die selbst erlebte Trauer auf die Kleenex-Tücher, die auf dem Schreibtisch des Bestatters stehen, weil ein Trauernder nach dem anderen in dieses Büro kommt. Im Kreißsaal, wo das eigene Kind zur Welt kommt, ein Moment, der so intensiv ist, wie kein anderer im Leben, ist noch zu merken, dass kurz vorher weitere Schwangere hier ihr Kind zur Welt gebracht haben. Für den Einzelnen einmalige Momente werden gleichzeitig tausendfach auf der Welt erlebt. Wir sind alle miteinander verbunden, auch wenn wir nichts voneinander wissen. So ging es mir auch bei der Lektüre. Ich hatte das Gefühl, ich lese etwas über einen alten Freund. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten, so viel ähnliches Fühlen und Denken, ich finde so viele Parallelen zu meinem eigenen Leben. Zum Beispiel ist die Erinnerung an die Schulzeit bei mir ähnlich. „Ich war von Hunderten Jungen und Mädchen in meinem Alter umgeben, fand aber keinen Zugang zu dem Zusammenhang, der für sie galt.“ (S. 76). Und auch, wenn es darum geht, Zeit für sich selbst zu haben, spricht Knausgård mir aus der Seele. „Es war mir schon immer sehr wichtig, für mich zu sein, ich benötige große Flächen des Alleinseins, und wenn ich diese wie in den letzten 5 Jahren nicht bekomme, nimmt meine Frustration zuweilen beinahe panische oder aggressive Formen an. (…) Dass mir die Zeit davonläuft, wie Sand zwischen meinen Fingern zerrinnt, während ich… tja, was mache ich eigentlich? Putzen, Waschen, Essen kochen, spülen, einkaufen (…). Es ist ein Kampf (…).“ (S. 45f.) Ja, genau! Genauso geht es mir mit dem lästigen Alltagskram, der einen vom Schreiben abhält, auch. Trotzdem tut Karl Ove Knausgård sich die Putzerei über Tage hinweg ununterbrochen an, in einem schon fast herkulischen Umfang. Denn als der Vater stirbt, zeigt sich im Haus der Großmutter, in dem er zuletzt gelebt, besser gesagt vegetiert hat, das ganze Ausmaß der Verwahrlosung des Vaters. Karl Ove Knausgård beseitigt schon fast manisch die Hinterlassenschaften seines Vaters und damit auch die Angst vor dem Vater, die sein Leben bisher beherrscht hat. In aller Ausführlichkeit beschreibt Knausgård die nicht besonders appetitlichen Aufräum- und Putzarbeiten und spart auch nicht den verwahrlosten Zustand seiner Großmutter aus. Das ist detailreich, aber nicht langweilig beschrieben, und ein Paradebeispiel für den außergewöhnlichen Schreibstil des Autors. Karl Ove Knausgård schreibt über das, was viele von uns denken oder erlebt haben, und kommt uns deshalb so nahe, als wäre er ein enger Vertrauter. Denselben Eindruck hatte ich, als ich mich nach seiner Lesung in den Nordischen Botschaften in Berlin kurz mit dem Autor unterhalten konnte. Ich habe selten einen so faszinierenden und intensiven Menschen kennen gelernt. Auf meine Frage, ob seine Frau nicht sauer war, weil er so ehrlich geschrieben hat, wie sehr ihn die Alltagsverrichtungen stören, antwortete Karl Ove Knausgård, dass seine Frau sich nicht so sehr daran gestört habe, sondern viel mehr am zweiten Band, in dem er über ihre Beziehung schreibt. Genauso ehrlich wie im zweiten Band, zwar nicht bis in die allerletzten Einzelheiten, aber sehr weitgehend. Ich bin gespannt. Leider kommt der nächste Band, „Lieben“, erst im Frühjahr 2012 heraus. „Sterben“ ist eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und ganz große Literatur. Dieses Buch gehört meiner Meinung nach an die Spitze der Bestsellerliste. Bleibt zu hoffen, dass der Luchterhand-Verlag den langen Atem hat, alle sechs Bände herauszubringen. Wenn nicht, werde ich wohl Norwegisch lernen müssen.

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