Karl R. Popper

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Lebenslauf von Karl R. Popper

Sir Karl Raimund Popper † 17. September 1994 in London

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Karl R. PopperAlles Leben ist Problemlösen
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Alles Leben ist Problemlösen
Alles Leben ist Problemlösen
 (7)
Erschienen am 01.09.1996
Karl R. PopperAuf der Suche nach einer besseren Welt
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Auf der Suche nach einer besseren Welt
Auf der Suche nach einer besseren Welt
 (7)
Erschienen am 01.12.1987
Karl R. PopperDas Ich und sein Gehirn
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Das Ich und sein Gehirn
Das Ich und sein Gehirn
 (6)
Erschienen am 01.05.1989
Karl R. PopperAlle Menschen sind Philosophen
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Alle Menschen sind Philosophen
Alle Menschen sind Philosophen
 (5)
Erschienen am 01.08.2006
Karl R. PopperKarl R. Popper Lesebuch
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Karl R. Popper Lesebuch
Karl R. PopperDie Welt des Parmenides
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Die Welt des Parmenides
Die Welt des Parmenides
 (2)
Erschienen am 01.07.2014
Karl R. PopperAusgangspunkte
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Ausgangspunkte
Ausgangspunkte
 (1)
Erschienen am 01.11.2012
Karl R. PopperDie offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd.1, Der Zauber Platons
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Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd.1, Der Zauber Platons

Neue Rezensionen zu Karl R. Popper

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Joachim_Tieles avatar

Rezension zu "Ausgangspunkte" von Karl R. Popper

"Es war keine Sünde, vom Baum der Erkenntnis zu essen"
Joachim_Tielevor 2 Jahren

Unended Quest. An Intellectual Autobiograpy ist der Originaltitel des Buches, das mir auf Deutsch in der 2. Auflage 1982 (Hoffmann und Campe) vorliegt. Das Buch ist also eine Autobiographie, allerdings eine intellektuelle (weshalb man viele biographische Details, die in anderen Autobiographien selbstverständlich sind, hier nicht findet), und es ist keine Einführung in das Werk Karl R. Poppers. Es beschreibt im wörtlichen Sinne des deutschen Untertitels seine intellektuelle Entwicklung. Diese ist in mancherlei Sinne ungewöhnlich. Zum Beispiel begann sie sehr früh. Schon in der Kindheit nahm er die Armut in seiner Heimatstadt Wien als politisches Problem wahr, gleichfalls, als Zwölfjähriger am Vorabend des Ersten Weltkrieges, die Gespaltenheit Österreich-Ungarns als zensurbeflissener Obrigkeitsstaat und die freiheitliche Luft (S. 5), ein Liberalismus, der auch Österreich durchdrang (ebd.). Ein derartiges politisches Urteilsvermögen wird Kindern in diesem Alter heutzutage von den meisten Erwachsenen abgesprochen oder als altklug belächelt, aber Popper beschreibt seine familiäre Umgebung ausreichend genug, um seine frühe Hin- und Abwendung in Sachen Marxismus (und gleichzeitig ein linker Sozialist zu bleiben) nachvollziehen zu können, und seine früh entwickelten Maßstäbe für politisches ebenso wie wissenschaftliches und künstlerisches Denken.

Als Sechzehnjähriger brach Popper die Schule ab, um als Gasthörer an der Universität Wien zu studieren, Geschichte, Literatur, Psychologie, Philosophie, Physik und Mathematik. Das Abitur holte er später nach, studierte dann offiziell eingeschrieben an der Universität und nebenbei an einer Lehrerbildungsanstalt auf das Lehramt an Grundschulen hin, während er gleichzeitig eine Tischlerlehre absolvierte und mit dem Gesellenbrief abschloss. Da er nicht sofort eine Anstellung als Lehrer fand, arbeitete er zunächst ehrenamtlich in Alfred Adlers Erziehungsberatungsstellen, aber auch im Straßenbau und in seinem Beruf als Tischler. Nicht vergessen werden darf, dass er auch am Wiener Konservatorium Musik studierte, zugelassen aufgrund einer Fuge, die er selbst geschrieben hatte. Davor hatte er sich zwei Jahre lang mit der Musik Schönbergs, Alban Bergs, Anton von Weberns beschäftigt, von der er dann wusste, dass ich etwas gelernt hatte - über eine Musik, die ich jetzt noch weniger mochte als vorher (S. 73). Etwas zu studieren, um herauszufinden, warum es ihm nicht zusagte, war für Popper in dieser Zeit fast typisch, wie es ihm insgesamt bei seinen Studien lange Zeit nicht darum ging, daraus eine Berufstätigkeit zu machen: Ich studierte Mathematik, einfach weil ich lernen wollte und glaubte, in der Mathematik etwas über Wahrheitssuche und Wahrheitskriterien zu erfahren [...]; wenn ich je daran gedacht hätte, von Beruf Mathematiker zu werden, hätte ich wohl bald den Mut verloren (S. 51).

Ab 1925, Popper war 23 Jahre alt, studierte er dann doch mit dem Berufsziel Lehrer. Die Stadt Wien hatte ein neues Pädagogisches Institut in lockerer Verbindung mit der Universität gegründet, das autonom war, aber einige der Kurse, wie die in Psychologie, waren an der Universität abzulegen. Professor für Psychologie war Karl Bühler, einer der Pioniere der Gestaltpsychologie und einer der bis heute großen Theoretiker der Funktionen der menschlichen Sprache. Bei Bühler promovierte Popper 1928 mit einer Dissertation Zur Methodenfrage der Denkpsychologie und erwarb 1929 die Befähigung zum Lehramt in Mathematik und Physik an Hauptschulen. Unmittelbar danach begann er mit der Arbeit an seinem Hauptwerk Die Logik der Forschung. So weit, so gut, könnte man jetzt sagen und die Beschreibung seiner akademischen Karriere und weiterer wichtiger Werke anschließen. Aber, in seiner Jugend und jungen Erwachsenenjahren war noch viel mehr passiert, was seine intellektuelle Entwicklung teilweise ausmachte und teilweise vorbereitete. In seiner Autobiographie hat die Logik der Forschung natürlich ein eigenes Kapitel, aber begrifflich erscheint sie bereits in einem früheren Kapitel, nämlich dem zu Überlegungen zum Ursprung der polyphonen Musik (S. 74), in dem er über Parallelen zwischen musikalischem und wissenschaftlichem Schaffen schreibt, aus denen er über den Umweg der Kant'schen Philosphie und der Kepler'schen Musik der Himmelskörper von den Problemen der subjektiven Psychologie der Forschung zur objektiven Logik der Forschung kommt.

Das Erstaunliche an Poppers intellektueller Entwicklung sind das sehr junge Alter, die Breite der Interessen und ihre Verknüpfung. Politik, Logik, Erkenntnistheorie, Musik, die Physik in ihren seinerzeit neuen und teilweise einander ausschließenden Zweigen der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik, die Sprache als Werkzeug der Wissenschaft. All dieses zusammen bestimmte in einem sehr kurzen Zeitabschnitt sein intellektuelles Leben und dessen Entwicklung. Voraussetzung dazu war sicherlich sein Elternhaus mit einem intellektuellen, philosophisch interessierten und belesenen Vater und einer musikalische Mutter, die ihn auf diesem Gebiet gefördert hat. Aus einen säkularen jüdischen Elternhaus stammend, ging Popper bereits 1935 in die Emigration, zunächst nach Neuseeland und später nach England, an die London School of Economics. Diese Autobiographie schildert das Entstehen seiner wichtigsten Werke, darunter die bereits genannte Logik der Forschung, später Die offene Gesellschaft und ihre Feinde und Das Elend des Historizismus. Das Bestechende an diesem Buch ist die angemessene Darstellung der Themen. Nichts wird trivialisiert oder in Richtung Populärwissenschaft nivelliert. Alle wichtigen Themen werden erklärt und teilweise an Hand von Gesprächen, sei es mit Einstein, Schrödinger, Wittgenstein und anderen erläutert und aus ihrem gedanklichen Entstehen her verständlich gemacht. Daraus entsteht ein differenziertes Bild über die Wirkungsmacht der Kritik gegenüber der Bestätigung, des (zunächst) rechtfertigungsfreien Denkens und Theoretisierens, dessen Ergebnisse sich einem strengen Prozess der Falsifikation zu stellen haben. Erst wenn Theorien diesen Test bestanden haben, gelten sie als bewährt – vorläufig. Dies ist als Kritischer Rationalismus bekannt, eine Denkschule, als deren Erfinder Popper gilt.

Klar muss dem heutigen Erstleser Poppers, der vielleicht über dieses Buch einen Zugang zu einem der wichtigsten Philosophen des vergangenen Jahrhunderts sucht, sein, dass die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen, an denen er teilgenommen und die er teilweise angestoßen hat, Auseinandersetzungen des vergangenen Jahrhunderts waren. Die Probleme der Entwicklung der Physik, insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Relativitätstheorie und der Quantenphysik sind spannend und instruktiv beschrieben, allerdings kommen Themen wie die String-Theorie, Parallele Universen, Antimaterie oder andere aktuelle Entwicklungen nicht vor, da sie zur Zeit des ursprünglichen Verfassens dieser Autobiografie (1974) und der letzten Ergänzungen (1982) nicht in ihrer vollen theoretischen Tragweite erkennbar waren. Andere Gedanken, insbesondere einige politische, sind auf fast gespenstische Weise ausgesprochen aktuell, auch wenn ihre Formulierung weit zurück liegt: Mir wurde klar, dass die Institution der Demokratie [...] nicht darauf eingerichtet ist, den Totalitarismus zu bekämpfen (S. 157). Was bleiben wird von seinen Gedanken, ist, dass Ideen und Theorien nicht der Rechtfertigung und Bestätigung bedürfen, sondern der Kritik und der Bewährung, und dass die Gesellschaften, in denen diese Theorien entstehen, offene Gesellschaften sein sollten. Versuch und Irrtum waren für Popper die Triebfedern wissenschaftlichen wie politischen und gesellschaftlichen Fortschritts. Ein glühender Anhänger der Relativitätstheorie in der Physik, glaubte Popper dennoch an Wahrheiten, auch wenn wir niemals in der Lage sein sollten, diese als gesichert in den Händen zu halten. Den moralischen Relativismus lehnte er ab, ebenso wie den Verzicht auf die Suche nach Wahrheit, auch in ethischer und moralischer Hinsicht: Ich bin also nicht der Ansicht derer, die die Wahrheit fürchten – die glauben, es sei eine Sünde gewesen, vom Baum der Erkenntnis zu essen (S. 285).

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Kaivais avatar

Rezension zu "Das Ich und sein Gehirn" von Karl R. Popper

Das Leib-Seele-Problem
Kaivaivor 3 Jahren

Ich tippe mit meinen Fingern auf meiner Tastatur. Körper trifft auf Körper. Worte winden sich durch meine Stirnfurchen, Wortweizen blüht hin zu sattem Satzbrot. Geist trifft auf Geist. Der auf digitalen Körpern reitet bis er sich auf Eurem Bildschirm wiederspiegelt. Und sich von dort in Eurem Geist breitmacht. Wie auch immer.
Ganz wunderbar, wie sich Körper und Geist ineinander verschränken. In unserem Bewußtsein. Doch auch in Wirklichkeit? Wo ist der Geist in der Wirklichkeit? Im Gehirn? Dort toben Elektrizität und Chemie, Neuronen und Synapsen. Körperfunktionen. Doch keine Worte, keine satten Sätze. Nichts zu sehen vom Geist.
Das ist ein Problem. Für Philosophen. Und auch für Gehirnforscher, die fest an die Realität des Geistes glauben. Es nennt sich: das Leib-Seele-Problem, präziser gesagt: das Körper-Geist-Problem.
Der Philosoph Karl Popper, der dem kritischen Rationalismus zugerechnet wird und der Gehirnforscher John Eccles, der bedeutendste seiner Zunft im vergangenen Jahrhundert, haben diesem Problem Mitte der Siebziger Jahre ein Buch gewidmet.
Es enthält fünf Kapitel von Popper, acht von Eccles und einen zwölfteiligen Dialog. Ein Pageturner nur in dem Sinn, dass ich zeitweise Seite um Seite überblättert hab, vor allem bei Eccles Ausführungen über das Gehirn. Sehr detailliert, anstrengend zu lesen und fragwürdig ob der Stand der Gehirnforschung vor vierzig Jahren heute noch uptodate ist.
Auch Popper bietet kein wahres Lesevergnügen, sein kritischer Rationalismus nervt, bsw. wenn er sich über "Was ist das" Fragen echauffiert, die ja bekanntlich Sokrates Philosophie dominierten, einem oder vielleicht sogar dem Begründer der konsequenten rationalen Auseinandersetzung.
Ich dachte immer wieder: eye Mann, du stellst soviel in Frage, als wäre es Wahnsinn und zugleich wird der Wahnsinn zu deiner Methode. Der Wolf wird durch den Wolf gedreht. Der Blick auf den Geist schwer getrübt durch rationales Argumentationsgefunkel.
Doch ein Kapitel, das fünfte, das ist großartig. Wegen dem lohnt sich alle Quälerei. "Historische Bemerkungen zum Leib-Seele-Problem" lautet die Überschrift. Ab Seite 201 beschreibt Popper die dazugehörige Philosophiegeschichte.
Ich laß die jetzt mal auf meinem Mist wachsen: es gibt zwei grundverschiedene Aspekte des Menschseins, Körper und Geist (Rene Descartes nannte diese Aspekte "Substanzen"). Die Philosophen, die an diesen dualen substantiellen Aspekt glauben, nennen sich Dualisten.
Monisten sind jene Philosophen, die nur an eine Substanz glauben. Bsw. Baruch de Spinoza. Diese Substanz war für ihn Gott. Gott als das Wesen und die Natur des Universums (Pantheismus nennt sich dies). Für Spinoza hat Gott unendlich viele grundverschiedene Attribute. Doch nur zwei von diesen sind uns Menschen zugänglich: Körper und Geist.
Monisten sind auch die Materialisten (steht jetzt nicht bei Popper, aber vom Wortsinn her bin ich so frei), für die einzig und allein die körperliche Welt wirklich ist und der Geist nur ein Produkt derselben. Alles folgt aus der Materie, ist in ihr begründet, es gibt keinen Gott und Geist ist nur ein Resultat von Gehirnaktivitäten.
Das Gegenteil behaupten die Panpsychisten (die könnten auch Psychisten heißen und die Pantheisten Theisten oder die Materialisten Panmaterialisten, alles eine Frage des Jargons und der ist dehnbar: Panpsychisten firmieren in der Regel unter dem Begriff Idealisten und Materialisten nennen sich heute oft Naturalisten, weil es ja auch Natur- und nicht Materiewissenschaft heißt). Alles ist Geist, die Welt der Körper ist nur Erscheinung, im Geist begründet, doch im Grunde nicht wirklich. So wie in Platons Höhlengleichnis ist die materielle Welt nur ein Schattentheater.
Die Panpsychisten haben natürlich ein Problem, das die Panmaterialisten nicht haben. Die körperliche Welt ist evident, nicht abzustreiten, während die geistige Welt leicht als Scheinwelt abgetan werden kann. Dies Problem läßt sich lösen: durch den psycho-physischen Parallelismus.
Diese Philosophie trat nach Descartes in den Focus der Philosophiegeschichte. Er hatte als erster den Dualismus konsequent durchdacht, die körperliche Welt nach damaligem Zeitgeist als eine mechanische definiert. Nur der Mensch hat Geist, weil er denkt. Descartes lokalisierte die Relaisstation zwischen Geist und Körper in der menschlichen Seele und die befand sich für ihn in der Zirbeldrüse.
Die Seele in der Zirbeldrüse? Nee, das gefiel den nachfolgenden Philosophen nicht. Ansonsten waren sie gern Cartesianer, doch seine Form des interaktionistischen Dualismus behagte nicht.
Spinoza, wie schon gesagt, wurde Monist. Und führte einen Gedanken ein, der die Interaktion unnötig machte. Die körperliche und die geistige Welt laufen parallel, es gibt keine Wechselwirkung zwischen ihnen. Die Attribute Gottes sind und bleiben grundverschieden.
Die Okkasionalisten hingegen wollten Dualisten bleiben, fanden den Parallelismus aber prächtig, erklärten ihn mit einem fortwährenden Eingreifen Gottes, wenn es Körper und Geist zu verbinden galt.
Das war Gottfried Wilhelm Leibniz zu blöd. Er erfand die Monaden. Unausgedehnte (nichtmaterielle) Seelenpunkte, von denen es unendlich viele gibt, in aller Materie, doch nur einen Seelenpunkt, in jedem Menschen, mit selbstbewußtem Geist. Voraussetzung war die prästabilierte Harmonie. Gott hat alles Sein von vorneherein festgelegt und die Monaden folgen der Prädestination und brauchen darum auch keine Kommunikation untereinander, haben keine Fenster. So können die körperliche und geistige Welt parallel laufen, ohne sich zu berühren, wie zwei Uhren im parallelen Takt.
Der Parallelismus beschäftigte die Philosophie lange, spukte in Kants Ding-an-sich, verband sich mit Schellings Identitätsphilosophie und machte sich im neutralen Monismus breit, dessen bekanntester Vertreter David Hume war. Für die neutralen Monisten gibt es keine körperliche und keine geistige Welt. Was es wirklich gibt, ist eine physikalische und eine psychisch-geistige Ordnung der (neutralen) Welt. Und diese Ordnungen sind grundverschieden, selbst wenn sie sich auf dasselbe Ereignis beziehen. Ein Beispiel: ich tippe diese Rezension, weil meine Finger auf die Tastatur hämmern, aber ebenso tippe ich diese Rezension, weil ich mit meinem Intellekt protzen möchte. Diese Philosophie nennt sich auch erkenntnistheoretischer Parallelismus. Und ganz ähnlich verhält es sich mit dem linguistischen Parallelismus, der sich naturgemäß unter Sprachphilosophen einiger Beliebtheit erfreute.
So (lückenhaft) weit, so (platzsparend) gut, ich hoffe mein Mist war verdaubar. Poppers Mist war auch nicht ohne. Dass es in der antiken Philosophie noch keinen Parallelismus gab, halt ich für Blödsinn. Es gab noch keine rational durchstrukturierte Theorie, aber das war auch nicht die Sache der ollen Griechen und Römer, von Aristoteles einmal abgesehen. Ihre Philosphie war viel intuitiver und der Parallelismus (im Zusammenhang mit dem Panpsychismus) scheint deutlich durch bsw. bei den Pythagoreern oder in Platons Höhlengleichnis. Auch Poppers Theorie, dass der Parallelismus allein aufgrund Descartes krudem interaktionistischem Dualismus entstand, ist mehr als fragwürdig.
Aber spannend, wie sehr die Theorie des Parallelismus, der objektiven Nichtinteraktion zwischen Körper und Geist (subjektiv, in unserem Bewußtsein, gibt es sie natürlich) die Philosophie umgetrieben hat, das war mir gar nicht klar und das konnte Popper gut vermitteln.
Was er nicht vermitteln konnte, weil er es nicht verstanden hat, ist die Kernaussage des Parallelismus: alles materielle Geschehen läuft genauso ab, wie es vom Geist bestimmt wird. Das heißt: mit dem Blick auf die materielle Welt läßt sich der Parallelismus niemals widerlegen, aus dem einfachen Grund, dass die geistige Welt so tief verschleiert ist, dass sich der Geist selbst im Blick auf die Materie nirgends zweifelsfrei erkennen läßt (natürlich subjektiv immer, aber das ist kein hinreichender Grund im Raum der Wissenschaft).
Doch Popper und Eccles versuchen dies immer wieder und wieder, führen ein ganzes Arsenal von Argumenten aufs Feld, speziell aus dem Reich der Hirnfunktionen. Der Parallelismus darf nicht sein, genausowenig wie der Materialismus (schon der Titel "Das Ich und sein Gehirn" positioniert sich hier eindeutig). Der interaktionistische Dualismus ist Programm. Davon sind beide überzeugt, wenn auch mit unterschiedlichen Grundüberzeugungen, Popper ohne Gott und Eccles mit.
Das Leib-Seele-Problem lösen sie dann auf ihre Art: der Geist ist nicht-materiell, er kann nicht mechanisch oder energetisch ins Gehirn eingreifen (das würde sonst die physikalischen Erhaltungssätze verletzen), aber es gibt dennoch einen Weg. Den beschrieb Eccles so: jede Gehirnzelle (Neuron) besitzt bis zu 10000 Schaltstellen (Synapsen) zu ihren Nachbarzellen. Erreicht ein Nervenreiz eine Zelle, öffnen sich winzige Säckchen (sog. Vesikel) und setzen chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) frei. Diese Botenstoffe durchqueren den Spalt, der die Synapsen zweier Nachbarzellen trennt und leiten den Reiz weiter. Freilich, und das war für Eccles der entscheidende Punkt, führt nicht jeder einlaufende Reiz zwangsläufig zur Ausschüttung eines Transmitterbläschens. Eccles deutete diese Tatsache so: das Bewußtsein modifiziere die Wahrscheinlichkeit, mit der die Botenstoffe freigesetzt werden - auf diese Weise wirke der Geist auf das Gehirn ein.
Da stellt sich natürlich die Frage, warum wir von diesem Wirken unseres Bewußtseins nichts mitkriegen.






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tvbs avatar

Rezension zu "Das Ich und sein Gehirn" von Karl R. Popper

Rezension zu "Das Ich und sein Gehirn" von Karl R. Popper
tvbvor 10 Jahren

Ein interessanter Ansatz, sich dem Thema des Bewußtseins und der Seele sowohl körperlich als auch geistig zu nähern.

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Karl R. Popper wurde am 28. Juli 1902 in Wien (Österreich) geboren.

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