Karl Schlögel

 4,2 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor von Terror und Traum, Der Duft der Imperien und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Karl Schlögel

Karl Schlögel, Jahrgang 1948, hat an der Freien Universität Berlin, in Moskau und Leningrad Philosophie, Soziologie, Osteuropäische Geschichte und Slawistik studiert. Bis 2013 lehrte er als Professor für Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. 2016 erhielt er für Terror und Traum (Hanser, 2008) den Preis des Historischen Kollegs. Bei Hanser zuletzt erschienen: Der Duft der Imperien. „Chanel No 5“und „Rotes Moskau“ (2020).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Karl Schlögel

Cover des Buches Terror und Traum (ISBN: 9783446230811)

Terror und Traum

 (5)
Erschienen am 10.09.2008
Cover des Buches Der Duft der Imperien (ISBN: 9783446265820)

Der Duft der Imperien

 (3)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches Das sowjetische Jahrhundert (ISBN: 9783406715112)

Das sowjetische Jahrhundert

 (2)
Erschienen am 29.03.2018
Cover des Buches Die Mitte liegt ostwärts (ISBN: 9783596167197)

Die Mitte liegt ostwärts

 (2)
Erschienen am 01.09.2008
Cover des Buches Marjampole (ISBN: 9783446206700)

Marjampole

 (1)
Erschienen am 19.09.2005
Cover des Buches Planet der Nomaden (ISBN: 9783937989167)

Planet der Nomaden

 (1)
Erschienen am 01.04.2006
Cover des Buches Im Raume lesen wir die Zeit (ISBN: 9783596167180)

Im Raume lesen wir die Zeit

 (1)
Erschienen am 09.12.2011
Cover des Buches Das Russische Berlin (ISBN: 9783446208803)

Das Russische Berlin

 (1)
Erschienen am 28.03.2007

Neue Rezensionen zu Karl Schlögel

Cover des Buches Der Duft der Imperien (ISBN: 9783446265820)Claris avatar

Rezension zu "Der Duft der Imperien" von Karl Schlögel

Politik und Parfum als ungewöhnliches Zusammenspiel
Clarivor einem Jahr

Anhand von Düften Zeitgeschichte darzustellen, das ist eine originelle Idee.

Karl Schlögel hat sich dieser Aufgabe unterzogen.

Er beschreibt die Jahrhundertwende vom 19. bis weit ins zwanzigste Jahrhundert.

Es geht um die Düfte von Chanel Nr. 5 in Frankreich und Rotes Moskau in Russland.

Noch herrschen in Russland die Zaren. Karl Schlögel bemüht eine Vielzahl der Namen von Personen, die an der Entwicklung der beiden Düfte maßgeblich beteiligt waren.

In Wirklichkeit geht es um die Zuordnung der Düfte, die unweigerlich mit Orten und mit Geschichte verbunden waren. Karl Schlögel erinnert an das berühmte Beispiel von M. Proust, dem bei dem Duft von Madeleines Erinnerungen an seine Urlaube mit seiner Großmutter kamen.

Sehr entscheidend bei der Namensgebung und Etablierung der beiden Düfte waren Polina Shemtschushina Molotowa in Russland und Coco Chanel in Frankreich. Molotowa war die Frau des späteren Außenministers der Sowjetunion, Molotow.

Coco Chanel ist die berühmte Modedame in Paris. Beide waren in die jeweiligen politischen Verhältnisse mit verwickelt.

Chanel hatte sich aus armen Verhältnissen stammend in die Welt der high society hochgearbeitet und verkehrte mit allen Großen von Rang und Namen der dreißiger Jahre. Sie war im Grunde unpolitisch wechselte aber gelegentlich die Seiten.

Ihre Kontakte pflegte sie in England ebenso wie in Frankreich und Deutschland. Unter ihnen gab es Künstler, Politiker und hoch gebildete Schichten aus Intellektuellen und Schriftstellern. Auf diese Weise konnte sie auch ihren Einfluss geltend machen, um ihren Landsleuten in prekären Situationen zu helfen.

 

In Russland ist es die russische Revolution, die das gesellschaftlichen Leben veränderte. Nicht aber die Sehnsucht nach den gepflegten Düften!

 

Molotowa agiert politisch und tritt 1918 der Partei der Bolschewiki bei. Nach langen Jahren politischer Arbeit wurde sie als Jüdin 1949 zu fünf Jahren Verbannung verurteilt.

Ihr Weg durch zahlreiche hohe Ämter in Politik und Wirtschaft findet ausführlich Erwähnung in den Darstellungen von Karl Schlögel. U.a. war sie auch für die Kosmetikindustrie tätig, daher ihre Verbindung zu dem russischen Parfum Rotes Moskau.

 

Im Mittelpunkt der beschriebenen Ereignisse stehen die dreißiger Jahre, in denen Nationalsozialismus, die Folgen der russischen Revolution, Verfolgung und Krieg zu den zentralen Ereignissen des Jahrhunderts wurden.

Viele interessante Einzelheiten zum Regime unter Stalin machen immer wieder Staunen, wie die Anhänger Stalins jede noch so infame Strafe hinnahmen, ohne von ihm abzufallen.

Der Autor hat zahlreiche Einzelheiten zu den gesellschaftlichen Verbindungen der beiden Frauen in ihrer Zeit parat. Er hat für seine Ausführungen alles gründlich recherchiert.

 

 

In der Gegenüberstellung der beiden Frauen Coco Chanel und Polina Molotowa ersteht ein ganzes Jahrhundert mit den unterschiedlichen Tendenzen: Luxus, Reichtum, Bürgertum (Chanel) gegen Funktionärsmacht, Intrigen, politische Dominanz in allen gesellschaftlichen Bereichen ( Molotowa).

 

Ein hoch gelungenes aber dank der unzähligen Namensnennungen nicht ganz leicht zu lesendes Werk. Für Geschichtsinteressierte eine ganz neue Art, die Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts zu betrachten.

Eine lange Reihe von Anmerkungen vervollständigen das Werk zu einem ausgezeichneten Zeitdokument auf dem Weg über die „Düfte“!

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Cover des Buches Das sowjetische Jahrhundert (ISBN: 9783406715112)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Das sowjetische Jahrhundert" von Karl Schlögel

Großartiges Porträt einer untergegangenen Welt
Bellis-Perennisvor 3 Jahren

Historiker Karl Schlögel hat uns mit seinem 960 Seiten schweren Wälzer ein umfassendes Bild der Sowjetunion vorgestellt.

Auch wenn wir den 100. Geburtstag dieses Staates (glücklicherweise) nicht feiern konnten, bleibt ein bisschen die Frage offen, ob die Entwicklung nach dem Zerfall der UdSSR, die bessere Variante ist oder nicht. Vor allem für wen besser? Die Staatsbürger oder die Welt? Doch das ist wohl ein anderes Thema.

 

Anders als in ähnlichen Werken nimmt sich der Autor der Menschen an, die im sowjetischen System leben. Es werden weniger die Machthaber, sondern die vielen kleinen Rädchen, die die Maschine Sowjetunion am Laufen hielten, beschrieben.

So gibt es ein Kapitel, das sich der Sprache der Tätowierungen widmet. In einer Zeit, in der fast jeder irgendwo ein „Peckerl“ (wienerisch für Tatoo) hat, ohne sich der Bedeutung der Bildersprache zu bewusst zu sein, ein interessanter Teilaspekt.

Auch auf die Gigantomanie mancher Staatschefs und dem damit verbundenen Personenkult wird eingegangen.

Die Idee der sozialistischen Machthaber, einen neuen Menschen zu formen, ist eindrucksvoll dargestellt.

 

Gut gefällt mir, dass das umfangreiche Buch in übersichtliche Themenblöcke und Kapitel gegliedert ist. Das 9 - seitige Inhaltsverzeichnis ermöglicht dem Leser den Einstieg genau dort wo es seinen Interessen am Nächsten kommt. Einzelne Texte sind in sich abgeschlossen. Dadurch kann der Leser das eine oder andere überspringen, ohne den roten Faden zu verlieren.

 

Die knapp 90 Fotos liefern einen imposanten Eindruck der untergegangenen Alltags- und Konsumkultur in der ehemaligen Sowjetunion.

 

Obwohl gewichtig, ist der Inhalt des Buches nicht erdrückend. Es schwingt eine Leichtigkeit beim Lesen mit, die schon ein wenig poetisch anmutet, die für mich aber kein Widerspruch zum Thema ist. Der Autor bindet eigene Erlebnisse und Beobachtungen geschickt in seine Texte ein, woraus sich ein interessantes Alleinstellungsmerkmal des Werkes ergibt.

 

Fazit:

 

Ein eindrucksvolles zeitgeschichtliches Dokument, für das der Autor zu Recht den Buchpreis 2018 der Leipziger Buchmesse erhalten hat.

Kommentare: 3
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Cover des Buches Terror und Traum (ISBN: 9783446230811)S

Rezension zu "Terror und Traum" von Karl Schlögel

Volkskunde statt Geschichte
sKnaerzlevor 7 Jahren

1937 ist das Jahr der großen Säuberung, aber das interessiert Schlögel zunächst nicht. In einzelnen abgeschlossenen Kapiteln zeigt er Alltägliches und historisch Bedeutendes aus dem Leben der Stadt. Das sind Themen wie das Puschkin-Jubiläum, die Lebensweise der Arbeiter, der Städtebau, die Volkszählung, der Parteitag, Begeisterung für die USA... Dabei erklärt er kaum, wie das Regime funktioniert und so ist das Buch weniger für Menschen gedacht, die sich für den Stalinismus interessieren, eher für die, die gern etwas über fremde Kulturen erfahren. Erst im letzen Kapitel schildert er Massenerschießungen politischer Gegner und damit den Terror. Aber erst wenn man das Buch zugeklappt hat, merkt man, dass man doch einiges über die sozialen und kulturellen Voraussetzungen des Stalinismus gelernt hat.

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