Das Historiker- und Autorenehepaar Michaela und Karl Vocelka nimmt uns auf eine Reise in das Prag des ausgehenden 16. Jahrhunderts mit. Der Habsburger Rudolf II. herrscht als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1583 hat er seinen Hof von Wien nach Prag verlegt, um den Böhmischen Adel enger an den seine Herrschaft zu binden. Es ist die Zeit der Gegenreformation und im Königreich Böhmen sind viele Unteranen protestantisch. Rudolf gilt als toleranter Herrscher, der sich lieber mit Künstlern und Wissenschaftlern umgibt. Nachdem die Staatskasse chronisch leer ist, versucht er das Geheimnis des „Goldmachens“ zu lüften. Damit ist er natürlich nicht der einzige. Der geheimnisvolle Stein des Weisen, der sich nur Auserwählten zu erkennen gibt, soll das Wunder wirken.
Im November 1594 erreichen der Salzamtsgegenschreiber Matthias Gaiswinkler und sein Vorgesetzter, der Hallamtsverweser Christoph Praunfalk Prag. Man muss dem Kaiser Rechenschaft über Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung der Saline in Aussee berichten.
Noch bevor Praunfalk beim Kaiser vorstellig werden kann, stolpert Gaiswinkler über einen Toten, den niemand kennen will. Durch Gaiswinklers hohe Aufmerksamkeit beeindruckt, beauftragt ihn Wolf Rumpff, der Oberhofmeister des Kaisers, Ermittlungen anzustellen. Gaiswinkler regt an, eine Zeichnung des Toten am Hof zu veröffentlichen und die Reaktion der Besucher zu beobachten. Gleich drei Männer fallen durch ihr merkwürdiges Verhalten auf. Blöderweise sind sie höher gestellte Persönlichkeiten, deren Befragung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Kaisers und vorsichtig erfolgen kann. Zudem ist die Verständigung auf Grund der unterschiedlichen Herlunft nicht immer ganz leicht. Doch da Gaiswinkler auch der lateinischen Sprache mächtig ist, ist dieses Problem recht bald gelöst.
„‚Welch ein Glück‘, dachte der junge Salzamtsgegenschreiber bei sich, ,dass es die Lingua Latina gibt, die alle Gebildeten lesen und sprechen, und die es einem, egal aus welchem Land Europas man kommt, ermöglicht, sich trotz verschiedener Muttersprachen ohne Dolmetscher miteinander zu unterhalten.‘“
Wenig später erfährt Gaiswinkler, dass sich nicht nur die drei selbst, sondern auch den Toten bei einer früheren Reise nach Konstantinopel kennengelernt haben. Es scheint, als hinge der Mord mit dem Bezoar zusammen, der gemeinsam mit einer Art Anleitung, in Konstantinopel aufgetaucht ist.
Wird es Matthias Gaiswinkler gelingen, den Täter zu entlarven? Und welche Rolle spielt der Jesuit, der zum einem jedem Protestanten mit dem Fegefeuer droht und zum anderen seine Finger nicht von jungen Männern lassen kann? Oder ist alles ganz anders?
Meine Meinung:
Man sagt uns Österreicherinnen und Österreichern ja bis heute eine besondere Liebe zu opulent klingenden Titeln nach. Hier, in diesem historischen Roman, der auf realen Personen beruht, kommen zwei vor, die auch in Bayern gebräuchlich waren. Nämlich der Hallamtsverweser, der heute wohl Salinendirektor heißt und der Salzamtsgegenschreiber, der als Kontrolleur der Salinen und Gerichtsprokurator mit Abrechungen bzw. rechtlichen Fragen beschäftigt war. Heute würde man ihn als Controller bezeichnen.
Das Historiker- und Autorenehepaar Michaela und Karl Vocelka, das ich von anderen Büchern kenne, hat hier eine spannende Kriminalgeschichte vor dem Hintergrund der Gegenreformation geschrieben, einer Zeit in der die Landesfürsten bestimmen konnten, welcher Religion ihre Untertanen anzugehören hatten „cuius regio, eius religio“ und jenen, die nicht konvertieren wollten, Ausweisung und manchmal auch Tod drohten.
Gut ist die Atmosphäre und die Lebensweise der unterschiedlichen Stände in Prag beschrieben. Dazu passt auch das dunkle Cover sehr gut. Die Personen, seien sie nun historisch belegt oder fiktiv sind lebendig und interessant gestaltet. Kaiser Rudolf allerdings scheint ein wenig milder dargestellt zu werden, als er um diese Zeit gewesen sein soll. Zwar beschäftigt er sich schon intensiv mit seiner Kunst- und Wunderkammer und die Begeisterung für die Alchemie, seine aufkeimende Paranoia und Depressionen scheinen hier bewusst, wie die Autoren im Nachwort berichten, nicht auf.
Für alle jene, die sich in dieser Epoche nicht so gut auskennen, wäre ein Personenverzeichnis oder eine Zeittafel hilfreich. Sehr gut gelungen finde ich das Nachwort, in dem Michaela und Karl Vocelka ergänzende Hinweise geben. Die Sprache ist dem 16. Jahrhundert angepasst.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der im Prag des ausgehenden 16. Jahrhunderts spielt und bis zur letzten Seite fesselt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.












