Karlheinz A. Geißler Enthetzt Euch!

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Inhaltsangabe zu „Enthetzt Euch!“ von Karlheinz A. Geißler

Zeitfenster, Pausen, Nachspielzeit, Moratorien und Langeweile – die Zeit treibt seltsame Blüten in unserer Welt. Zeitsparen ist zum Volkssport Nummer eins geworden. Für nichts anderes nimmt man sich so viel Zeit wie fürs Zeitsparen, und die Menschen reden gern und viel über Zeit, weil sie nicht mit ihr zurechtkommen. Dabei ist die wahre Zeit die persönliche, die subjektive Zeit, und nicht die, die man am Handgelenk mit sich herumträgt. Es geht um nichts Geringeres als ums Leben selbst und um das, was die Welt im Innersten zusammenhält!

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  • Rezension zu "Enthetzt Euch!" von Karlheinz A. Geißler

    Enthetzt Euch!
    HeikeG

    HeikeG

    27. October 2012 um 10:03

    Tick-Tack oder Zeit, die man selber ist . "Es geht um Zeit, und wenn's um Zeit geht, geht es um nichts Geringeres als ums Leben selbst und um das, was die Welt im Innersten zusammenhält. Alle, ausnahmslos alle sind wir Zwangsabonnenten der Zeit - ein Leben lang.", beginnt Professor Dr. Karlheinz Geißler, der die amüsanteste Erfindung der Menschheit zu seinem Lebensthema gemacht und bereits mehrfach darüber publiziert hat, sein Buch. Auf die Frage, wodurch sich der Mensch in allererster Linie von allen übrigen Lebewesen unterscheidet, hält er eine ganz klare Antwort parat: durch seine Leidenschaft zum Zeitsparen. Sogar in seinem Alltagssprachschatz nimmt das Wort "Zeit" nach "Mama" einen respektablen zweiten Platz bei den am häufigsten gebrauchten Substantiven ein. Was allerdings ist eigentlich Zeit? Auf diese Frage kann nicht einmal die Philosophie eine verallgemeinerbare, überall gültige Antwort geben. Karlheinz Geißler versucht es trotzdem oder besser: Er hält ein Plädoyer über selbige und unsere zunehmend gehetzte Gesellschaft. . "Die beste Definition wird wohl immer die sein, dass Zeit Zeit ist.", so teilte der Mathematiker Lambert am 13. Oktober 1770 in einem Brief an Immanuel Kant mit. Die Widersprüche und die Rätselhaftigkeit des Zeitphänomens ließen ihn resignieren. Geißler versucht sich dem "Problemfeld" anders zu nähern und hinter das Geheimnis der Zeit zu kommen. Interessant, lehrreich und zuweilen auch amüsant stellt er sich den Unvereinbarkeiten, den Paradoxien und den geheimnisvollen Seiten der Zeit und damit den Bewegungen des Lebens selbst. Sein Buch handelt von der zunehmenden Veruhrzeitlichung des Alltagsgeschehens, von "Zeitverlusten", "Zeitgewinnen", "Zeitvertreib" und "Fortschritt". Alles Begriffe mit denen wir nur allzu gern großzügig um uns werfen. Der Autor spricht das allzeit gegenwärtige Zeitproblem der Menschen an, das dem Sachverhalt geschuldet ist, "dass die Uhrzeit nur in sehr ungenügendem Maße mit der jeweils konkreten Zeitwahrnehmung und Zeiterfahrung der Subjekte in Übereinstimmung gebracht werden kann". Dies führt dann zwangsläufig zu "Zeitwidersprüchen", "Zeitparadoxien", "Zeitkonflikten" und "Zeitkollisionen". Vielleicht weil Zeit, "das am meisten Unsrige und doch am wenigsten Verfügbare" ist, so der Philosoph Hans Blumenberg. In verschiedenen Kapiteln startet Geißler einen Angriff auf Raum und Zeit, untersucht den Drang zum schnellen Geld, plädiert für eine allgemeine Enthetzung und die Kunst des Abdankens, spricht eine Gewinnwarnung für ein Leben ohne Zeitsparen aus und offeriert letztendlich zehn Angebote zum Zeit-leben. . "Könnte es vielleicht sein, dass den Menschen das Messen der Zeit mehr Spaß macht, als sie zu leben?", fragt sich Karlheinz Geißler. Wir sprechen davon, dass die Zeit "rast", "geht", "flieht" oder zuweilen auch mal "stehen" bleibt. "Mal ist sie eine Einbahnstraße, mal läuft sie im Kreis. Und haben wir überhaupt noch einen Blick für das, was links und rechts des Weges passiert und "was unseren Schnelllauf zu den selbst gesetzten Zielen gefährden könnte?" Vielleicht sollte man einfach mal die Zeit in einer Schublade verschließen und sich der Welt, die voller Freuden und Genüsse ist, von denen ein gravierender Anteil die Abwesenheit der Uhr zur Voraussetzung hat, zuwenden. Denn Zeit zu leben ist stets sinnvoller und zufriedenstellender als alles Zeitsparen. . "Solange man für den Aufgang der Sonne nicht zahlen muss, glaub ich nicht, dass Zeit Geld ist." (Karlheinz Geißler)

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  • Rezension zu "Enthetzt Euch!" von Karlheinz A. Geißler

    Enthetzt Euch!
    Sophia!

    Sophia!

    22. October 2012 um 00:41

    „Könnte es vielleicht sein, dass den Menschen das Messen der Zeit mehr Spaß macht, als sie zu leben?“ _ Für den Begriff der Zeit gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Definitionen, die je eigene Schwerpunkte setzen und dabei nur ein frommes Ziel verfolgen: das Enträtseln eines Phänomens, von dem das Leben des modernen, in der “Dringlichkeitskultur“ lebenden Menschen wesentlich bestimmt wird. Denn nicht ohne Grund erscheint das Substantiv “Zeit“ in der Liste der am häufigsten gebrauchten Worte noch vor “Mama“. Von Natur aus ist der Mensch eigentlich zeitblind, d.h. er kann sie mit Hilfe der Sinne nicht wahrnehmen. Erst technische Hilfsgeräte haben es möglich gemacht, die Zeit zu messen. Und dennoch scheint es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Mensch trotz aller Bemühungen, die Kontrolle über die Zeit verliert. Das Leben wird immer schneller und Zeit zu einem kostbaren Gut. Angesichts dieser Tatsache muss man sich die Frage stellen, wie viel Beschleunigung eine Gesellschaft überhaupt verträgt. _ Genau hier setzen die Überlegungen Karlheinz A.Geißlers an. Ausgehend von der Feststellung, dass der Mensch selbst die Zeit ist, untersucht er verschiedene Zeitqualitäten und den Einfluss der äußeren Umwelt auf unser Zeitempfinden. Analysen zur Veränderung der Gehgeschwindigkeit je nach Umgebung sind in diesem Zusammenhang sehr aufschlussreich. Darüber hinaus beschreibt er das Leben als eine Summe von Zeiterfahrungen, die sich in eine subjektive und objektive Zeit einteilen lassen. Auch an dieser Stelle sind die Ausführungen des Autors sehr aufschlussreich und hochinteressant. Des Weiteren spricht Geißler über die vielfach genutzte Muss-Rhetorik in Kombination mit der Zeit oder über frequent verwendete Begriffe wie “Zeitfenster“ oder “zeitnah“. Im Zentrum steht schließlich das Plädoyer für eine allgemeine Entschleunigung, für mehr Gelassenheit, Ruhe, Geduld und Langsamkeit im eigenen Leben; wichtige Faktoren, die in der Vergangenheit schon so mancher Hochkultur zum Aufstieg verholfen haben. _ Insgesamt zeichnet sich der Text durch ein hohes Niveau bei gleichzeitiger angenehmen Lesbarkeit aus. Einzelne Kapitel thematisieren brisante Inhalte der aktuellen Geschichte, die im Zusammenhang zur Zeit stehen. Sie beleuchten die unterschiedlichsten Facetten eines Phänomens, das den Alltag eines jeden Einzelnen in entscheidender Weise prägt. Von daher ist das Buch von hohem Interesse für eine breite Leserschaft. Während der Lektüre wird deutlich spürbar, dass der Autor über jenes Thema schreibt, das man als sein Spezialgebiet nennen kann. Für den Leser ist es nur von Vorteil, an diesem Wissen teilzuhaben und für ein Umdenken, eine Entschleunigung des Lebens sensibilisiert zu werden. _ Fazit: Eine grandiose Abhandlung über die Zeit und unsere heutige Lebenskultur, die im besten Fall Augen öffnet.

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  • Rezension zu "Enthetzt Euch!" von Karlheinz A. Geißler

    Enthetzt Euch!
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    17. October 2012 um 14:27

    Kann man Zeit sparen? „Der Mensch nimmt unter den vielen Lebewesen dieser Welt eine besondere Stellung ein. Als Einziger nämlich spart er Zeit. Und das tut er, seit er der Leidenschaft verfiel, die Zeit…….. zu organisieren und zu managen“. Soweit der Einstieg in dieses neue Buch von Karlheinz A. Geißler, das nun aber nicht die neuesten „Zeitspartechniken“ näher bringen will, sondern wesentlich tiefgreifender nach der „Eile“ des Menschen und damit seinen Umgang nicht nur mit der Zeit, sondern nach sich selbst stellt. Menschen eben, die die Gegenwart für eine Zukunft opfern, die so nie eintreten wird, wie man es sich „zeitsparend“ plant und denkt. Im Übrigen stellt Geißler in diesem Zusammenhang ein „Zeitgefälle“ fest, dass sich durchaus am materiellen Gefälle festmachen lässt. Weniger Güter- und Geldwohlstand führt in den entsprechenden Kulturen dazu, dass dort viel mehr „die Zeit gelebt“ wird als in den hochindustriellen Kulturen dieser Welt. Ein Ansatz, den Geißler durchaus im Buch weiterhin aufgreift und verdeutlicht. Bei näherer Betrachtung stellt Geißler noch ein Zweites, wichtiges fest. Dass der Mensch nicht Zeit „Hat“, sondern Zeit „ist“. Nur im Subjektiven existiert die Zeit. Woraus folgt, dass das, was der Mensch der Zeit „antut“, er letztlich sich selber antut. Die „wahre Zeit“ ist somit die persönliche, die erlebte Zeit, nicht jene, die auf der Uhr voranschreitet. Und so kann Geißler zu der recht einfach ausgesprochenen, nur mehr aber schwer umsetzbaren Formel im Zuge seiner Darstellung gelangen, dass: „Je weniger Tempo, desto mehr Zeit“. Die unbarmherzige Eile der Moderne ist es, die dem Menschen beständig das Gefühl der Zeitnot beschert und somit einen ständigen Druck ausübt. Wie das aber nun gehen könnte, und warum das wichtig für den Einzelnen ist, sich die Zusammenhänge des subjektiven Zeitempfindens zu verdeutlichen, darin vertieft sich Geißler in gewohnt markanter und einfacher Sprache, bietet Beispiele und Einsichten und lässt sein Buch mit 10 ganz konkreten Möglichkeiten ausklingen, aus der eher als „Feind“ empfundenen Zeit mit ihrer mehrdeutig zu verstehenden „Raserei“ in Zukunft ein „Mehr“ an (subjektiv empfundener) Zeit zu gestalten. Das das Schnelle nicht immer gut und das Langsame nicht immer schlecht ist, das kann sicherlich jeder Leser intellektuell unterstreichen, aber auch für sich annehmen? Das sich Warten lohnen kann, auch in einer Zeit, in der jede Schlange und jede Verzögerung fast umgehend für inneren Stress sorgt. Das Umwege nicht in erster Linie ärgerlich sind, sondern hauptsächlich die Ortskenntnisse erhöhen, das gerade auch die Lange-Weile Zeit braucht. Und anhält zur Besinnung, zur Entspannung, zur Erdung, zur Stabilität, zur Auseinandersetzung mit der eigenen Person und dem eigenen Leben. Impulse, die Geißler nicht einfach so in den Raum des Buches wirft, sondern die er im Vorfeld Schritt für Schritt einsichtig vorbereitet und dem Leser so die Möglichkeit gibt, die verschiedenen Haltungen und Umgehensweisen zur „Zeit“ zu vergegenwärtigen, das Paradoxe am weitverbreiteten „Zeitmanagement“ tatsächlich erkennen zu können und jederzeit, wie in einem Dialog mit dem Buch, die eigene Haltung und die eigenen „Zeitfehler“ erkennen und betrachten zu können. Ein in sich stimmiges, argumentativ überzeugendes und praktisch höchst anregendes Buch, das eines auf keinen Fall ist: „Zeitverschwendung“.

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