Karolien Berkvens

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Zimmermanns Stunde

Zimmermanns Stunde

 (3)
Erschienen am 01.03.2018

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Rezension zu "Zimmermanns Stunde" von Karolien Berkvens

Einen Stundenplan für den Ruhestand
ELSHAvor 7 Monaten

Ein schmales Büchlein mit gewaltigem Inhalt. Loet Zimmermann muss in den Ruhestand, dennoch hat er keinen Grund zur Freude. Er mochte es die Stundenpläne für das Gymnasium zu erstellen, freie Stunden auszufüllen. Nun kann er nur noch seine eigene Zeit einteilen, aber mit was? Bevor er sich jedoch darüber richtig Gedanken machen kann wird er überfallen. Seine Ihn schon seit der Kindheit begleitende Uhr seines Großvaters wird ihm geraubt. Nun hat er nicht nur nichts um seine Zeit zu füllen, er hat auch nichts mehr um die Zeit zu messen. Loet flüchtet sich in Erinnerung und Panikzustände, und so lässt die Autorin uns am Leben eines Mannes teilhaben der augenscheinlich immer alles korrekt gemacht hat, und am Ende doch gar nichts davon hat. Ein kleines Buch über den Sinn des Lebens und der Zeit. Kurze Lektüre mit Nachhall.



Stefanie Salmen Buchhändlerin C. RAUCH'sche Buchhandlung

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19angelika63s avatar

Rezension zu "Zimmermanns Stunde" von Karolien Berkvens

Wenn das Leben aus dem Takt gerät
19angelika63vor 8 Monaten

Rückentext
Vierzig Jahre hat er in einem festen Takt gelebt. Jetzt verabschiedet sich Loet Zimmermann aus dem Schuldienst in die Rente, die ihn vor eine schier unlösbare Aufgabe stellt. Von nun an muss er seinen Alltag ohne die tröstliche Sicherheit eines Stundenplans bewältigen. Doch sosehr sich Zimmermann um Struktur bemüht, immer weiter entgleiten ihm die Dinge. Nur ein entschlossener Plan kann ihn noch retten – und den hat Loet Zimmermann.



„Zeit ist alles, was ihm jetzt noch bleibt. Beim Einteilen seiner letzten Jahre braucht er nichts einzukalkulieren, außer seinen Tod. Das wird vielleicht die größte Herausforderung für ihn als Koordinator.“ (Seite 23)

Loet Zimmermann koordiniert seit vierzig Jahren die Stundenpläne an einer Schule. Sein ganzes Denken kreist um Fächer und die Aufteilung der Schulstunden in fünfzig Minuten Takte. Dann ist er da, der Tag, an dem er in den Ruhestand geht. Loet kann noch gar nicht glauben, dass sein getaktetes Leben nun so nicht mehr stattfinden soll. Doch er hat Pläne, wie er Struktur in seinen neuen Lebensabschnitt bekommt.

Auf dem Heimweg von seiner Verabschiedung wird Zimmermann überfallen, ausgeraubt und brutal verprügelt. Fortan quälen ihn die Bilder des Überfalls, er fühlt sich verfolgt und die Polizei unternimmt in Lotes Augen nichts, um den Täter zu finden. Sein bisher so durchgeplantes Leben gerät aus den Fugen.

„Den Abend, die Nacht, die nächsten Tage musste er in Stunden zerlegen und sie irgendwie füllen, um die Zeit zu überstehen.“ (Seite 52)

Mir hat dieses Buch der Autorin Karolien Berkvens sehr gut gefallen. Es ist die Geschichte eines Mannes, dem Struktur im Alltag wichtig ist. Das Leben ist durchgetaktet, die täglichen Dinge laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Für Loet ist dies Lebenswichtig. Das merke ich als Leserin ganz stark, als nach dem Überfall Loets Tagesablauf verändert wird. Das fängt damit an, dass z.B. das Frühstück im Krankenhaus, anders als in seinem Tagesablauf, um 6 Uhr serviert wird. Und diese anfänglich kleinen Veränderungen im Tagesablauf bringen seine gewohnten Strukturen immer mehr ins Wanken. Das bedeutet für ihn Stress und Panik. Er verstrickt sich immer mehr in Hirngespinste und Vorstellungen, die voll am realen Leben vorbei gehen. Das Ganze spitzt sich im Laufe der Geschichte immer mehr zu.

Diese sehr eindringliche Geschichte über den Verlust von Kontrolle und der damit verbundenen Einsamkeit hat mich sehr berührt, und die Vorstellung, dass es da draußen Menschen gibt, die so tagtäglich leben sehr erschreckt.

Mich beschäftigt nach wie vor die Frage, kann man diesen Menschen helfen? Was braucht es um diese Strukturen zu durchbrechen, um diese Menschen aus ihrer Einsamkeit heraus zu holen?


„Sumpfige Gedanken schwappen wellenartig an seine Schädelwand. Was sind Gedanken wert, wenn der Denkende sie nicht im Griff hat? Kann man dann noch von Gedanken sprechen?“ (Seite 140)




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HibiscusFlowers avatar

Rezension zu "Zimmermanns Stunde" von Karolien Berkvens

Ein Roman, der eindringlich von der Einsamkeit und dem (Über-)leben erzählt
HibiscusFlowervor 9 Monaten

Klappentext des Verlages:
Vierzig Jahre im Fünfzig-Minuten-Takt: Loet Zimmerman ist aufgegangen in seinem Beruf an einer Schule, Stundenpläne zu koordinieren. Nun steht er vor dem Ruhestand und der schier unlösbaren Aufgabe, all die Zeit, die plötzlich ungeordnet vor ihm liegt, sinnvoll zu strukturieren. Doch bevor es so weit kommt, wird er auf offener Straße überfallen und der Uhr beraubt, die er von seinem Vater geerbt hat. Als wäre mit dem Messwerkzeug auch die klare Ordnung verschwunden, für die es stand, bricht Zimmermanns Leben ganz langsam auseinander. Schutzwälle geben nach, Furcht kriecht in Ritzen und Winkel – bis Zimmermann beschließt, ein für allemal aufzuräumen.

"Von seinem Leben als Pensionär hatte er keine Vorstellung."
(S. 18)

Vierzig Jahre war er die stille Kraft am Roggeveen-Gymnasium, hat durch seine Koordination Struktur in den Schulalltag gebracht. Selbst als Lehrer zu arbeiten, hatte sich als Katastrophe erwiesen, doch das Erstellen eines perfekten Planes hingegen konnte ihm jedes Mal ein Hochgefühl bescheren. Aber jetzt wartet der Ruhestand mit jeder Menge noch unverplanter Zeit auf ihn.

"Zeit ist alles, was ihm jetzt noch bleibt. Beim Einteilen seiner letzten Jahre brauchte er nichts einzukalkulieren. außer seinen Tod. Das wird die größte Herausforderung für ihn als Koordinator." (S. 23)

Während er die ersten Tage gedanklich durchplant, kommt es zu einem Überfall, bei dem Zimmermann mehr als ein Erbstück, die Haustürschlüssel und seine Geldbörse verloren gehen und löst in ihm ein innerliches Chaos aus, dem er - so wie er es gewohnt ist - mit acht Blöcken zu je fünfzig Minuten entgegentreten mag. Seine Bemühungen vermischen sich mit der Tatsache, dass nichts mehr so ist, wie es war sowie mit den Erinnerungen an seine verstorbene Frau und seiner Vergangenheit. Er fühlt sich verfolgt, die Polizisten scheint einfach nur unfähig zu sein und auf seinen Sohn Daniel kann er offenbar auch nicht zählen.

"Sumpfige Gedanken schwappen wellenartig an seine Schädelwand. Was sind Gedanken wert, wenn der Denkende sie nicht im Griff hat? Kann man dann noch von Gedanken sprechen?" (S. 140)

Karolien Berkvens erstellt in ihrem Debüt das Psychogramm eines Mannes, der sich nach einem Traumata unverstanden fühlt und nach und nach in eine Welt - die von Stress, Panik, Angst und Erinnnerungen dominiert wird - abdriftet. Bilder geistern durch seinen Kopf, Hirngespinste breiten sich aus, jegliche Struktur geht verloren.
Mit ihrem klaren Schreibstil lässt die Autorin ihre LeserInnen die Tragweite seines Verlustes erkennen, die damit verbundene Tragödie spühren und doch vermeidet sie dabei jegliche dramatische Effekthascherei.
Ein Roman, der eindringlich von der Einsamkeit und dem (Über-)leben erzählt.

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