Karolina Kuszyk

 4,4 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf

Karolina Kuszyk, geboren 1977 in Legnica, lebt in Berlin und Niederschlesien. Sie arbeitet als Autorin, Literaturübersetzerin und Lehrbeauftragte. »In den Häusern der anderen« (»Poniemieckie«, Czarne Verlag 2019) löste in Polen eine lebhafte Diskussion über den Umgang mit den deutschen Hinterlassenschaften aus und wurde in Deutschland zum Spiegel-Bestseller. 2020 erhielt Karolina Kuszyk den Arthur-Kronthal-Preis, 2023 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen und 2024 den Georg Dehio-Buchpreis. 

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Karolina Kuszyk

Cover des Buches In den Häusern der anderen (ISBN: 9783746642628)

In den Häusern der anderen

(7)
Erschienen am 17.09.2025
Cover des Buches In den Häusern der anderen (ISBN: 9783963841279)

In den Häusern der anderen

(0)
Erschienen am 20.07.2023

Neue Rezensionen zu Karolina Kuszyk

Cover des Buches In den Häusern der anderen (ISBN: 9783746642628)
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Rezension zu "In den Häusern der anderen" von Karolina Kuszyk

Furbaby_Mom
Geschichte und Gegenwart

"Ist es […] nicht erstaunlich, dass noch niemand untersucht hat, was es für die Psyche des Menschen bedeutet, wenn er sich in den Hinterlassenschaften eines eben noch verfeindeten Volks ein neues Leben aufbauen muss? Dieser Aspekt steht im Mittelpunkt meiner Betrachtung des Schicksals des ehemals Deutschen in Polen."


Vorab: Dies ist definitiv kein Buch, das man einfach nebenbei liest. Nehmt euch Zeit.


Vielleicht hat mich die Lektüre gerade deshalb so tief berührt, weil mir die Region, über die Karolina Kuszyk schreibt, seit jeher vertraut ist. Ich stamme aus Brandenburg - Polen war also nie weit - und schon meine Großmutter erzählte mir Geschichten aus jener Zeit, die heute nur noch in Erinnerungen weiterleben. Solche Erzählungen hinterlassen Spuren, und genau diese Spuren greift Kuszyk auf - mit einer bewundernswerten Mischung aus Feingefühl und historischer Genauigkeit.


Die Autorin begibt sich auf eine eindrucksvolle Spurensuche nach dem sogenannten "Poniemieckie" = dem ehemals Deutschen. Ihre Rechercheleistung, die weit über historische Fakten hinausgeht, ist enorm. Sie hat mit Historikern, Regionalwissenschaftlern, Museumsangestellten, Aktivisten, Schriftstellern, Zeitzeugen und Nachfahren gesprochen, taucht tief ein in Archive und persönliche Erinnerungen, und zeichnet ein vielschichtiges, feinsinniges Bild davon, was geschieht, wenn Menschen sich ein neues Leben in den Hinterlassenschaften einer fremden Kultur aufbauen müssen. Dabei erzählt sie mitunter von Häusern, Dingen, Friedhöfen, und verknüpft Geschichte, Erinnerung, Identität sowie die Biografien von Menschen und Gegenständen miteinander auf so kluge Weise, dass man beim Lesen immer wieder innehält. Es ist eine ganz außergewöhnliche, stille, aber eindringliche Form der Geschichtserzählung.


"Dieses Buch will keine wissenschaftliche Forschungsarbeit sein. Es ist ein persönlicher Führer durch die Geschichte des ehemals Deutschen in seiner alltäglichen, häuslichen Variante; eine teilnehmende Beobachtung und Dokumentation einer Reise durch Polen […]. Indem ich darüber schreibe, wie sich Biografien von Menschen mit Biografien von Gegenständen verflechten, möchte ich wenigstens einen Teil dessen in Worte fassen, was […] bis jetzt noch nicht in Worte gefasst wurde.


Was mich zudem sehr bewegt hat, war die Perspektive der Frauen, die sich wie ein beständiger roter Faden durch das gesamte Buch zieht, und zwar mit einer Wahrhaftigkeit, die unter die Haut geht. Die Autorin beleuchtet Biografien, die oft vergessen werden, und gibt ihnen eine Stimme.


Auch die Gestaltung des Buches ist gut durchdacht: Zu Beginn jedes Abschnitts steht eine Schwarz-Weiß-Fotografie, die wie ein Tor in die Geschichte wirkt; ein Gegenstand, ein Detail, ein stilles Zeugnis. Diese visuelle Ruhe spiegelt wunderbar den Ton des Buches wider, der trotz aller historischen Schwere niemals überfordernd wirkt.


Man spürt Kuszyks Leidenschaft für ihr Thema, wie viel Herzblut und Leidenschaft in diesem Projekt stecken … sowie ihre Nähe zu Polen und Deutschland gleichermaßen. Sie schreibt sachlich, klar, manchmal fast dokumentarisch und sensibel … und gerade das macht die Lektüre so eindringlich - denn sie urteilt nicht, sondern beobachtet, verbindet, fragt.


Zum Abschluss habe ich euch noch mein Lieblingszitat herausgesucht:


"Wir wissen, dass wir genauso gut in Tränen ausbrechen könnten, aber wir entscheiden uns für das Lachen, weil es uns gefällt, weil wir es einfach wollen."


𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁: 

Ein wichtiges, gleichermaßen interessantes wie zum Nachdenken anregendes Werk, das den Blick schärft für die Spuren der Vergangenheit, die uns bis heute umgeben - und dazu einlädt, über Zugehörigkeit, Erinnerung und Identität nachzudenken.

Cover des Buches In den Häusern der anderen (ISBN: 9783746642628)
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Rezension zu "In den Häusern der anderen" von Karolina Kuszyk

DaveSp91
Ein tolles Stück Zeitgeschichte

Karolina Kuszyk gelingt mit "In den Häusern der anderen" etwas Seltenes: Sie schreibt über die Nachwirkungen von Flucht, Vertreibung und Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg – und tut dies ohne Pathos, aber mit großer Wärme und Präzision.

Nach dem Krieg verließen Millionen Deutsche ihre Heimat in Schlesien, Pommern, Ostpreußen und der Neumark. In ihren verlassenen Häusern zogen polnische Familien ein – Familien, die ihrerseits entwurzelt waren. Kuszyk, selbst in Niederschlesien aufgewachsen, begibt sich auf Spurensuche: durch Archive, Gespräche, Dörfer und Städte. Sie erzählt von Möbeln, Fotos, Kleidern und Briefen, die geblieben sind – stummen Zeugen eines abrupten Übergangs zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Kuszyk schreibt keine reine Geschichtsdarstellung, sondern eine Erinnerungsarchäologie. Sie verbindet historische Recherche, persönliche Beobachtung und literarische Sprache zu einem Text, der leise, aber eindringlich wirkt.
Ihre Perspektive ist weder anklagend noch beschönigend – sie zeigt, wie komplex, schmerzhaft und menschlichErinnerungskultur sein kann, wenn sie nicht schwarz-weiß denkt.

"In den Häusern der anderen" ist ein wichtiges und versöhnliches Buch, das weit über die historische Aufarbeitung hinausgeht. Es erzählt davon, wie Vergangenes fortlebt – in Räumen, Dingen und Menschen – und wie die Frage nach Heimat immer auch eine Frage nach Identität ist.

Cover des Buches In den Häusern der anderen (ISBN: 9783962891466)
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Rezension zu "In den Häusern der anderen" von Karolina Kuszyk

Rieka
Was ist Heimat? Wie wird etwas Heimat?

Ich muss gestehen, dass ich vor diesem Buch noch nie gehört habe, dass die Siegermächte nach dem 2.Weltkrieg einen Teil deutscher Gebiete Polen zugesprochen hat. Die deutschen Menschen mussten diese Wiedergewonnenen Gebiete mit Handgepäck verlassen. Und es gab Zwangsumsiedlungen in diese wiedergewonnenen Gebiete, um diese zu polonisieren. 

Wie kann man heimisch werden, dort wo kurz vorher noch der Feind gelebt hat. Wo teilweise noch das Essen auf dem Tisch stand? Wie eignet man sich Heimat an, was ist Heimat überhaupt?


Dieses Buch hat mich vieles gelehrt, war aber auch gleichermaßen spannend, eindrücklich und humorvoll geschrieben. Die Autorin hat viele Interviews geführt und geht der Frage nach, wie man mit dem "ehemals deutschen" umgegangen ist/umgeht. 


Ausserdem finde ich das Thema sehr aktuell: das Denken in "die" und "wir" kritisch zu hinterfragen. Wie schafft man ein Heimatgefühl ohne in einen unguten Patriotismus zu rutschen, der leicht fanatisch werden kann?


Eine absolute Leseempfehlung von mir.

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