Karoline Therese Marth

 4 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor*in von Dotterland.

Lebenslauf

Karoline Therese Marth wurde 1995 in Wien geboren, wo sie auch lebt. Sie studiert Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Bisher veröffentlichte sie Kurzprosa, Lyrik und Hörstücke. Für einen Auszug aus Dotterland erhielt sie 2019 den Retzhofpreis, 2022 das Startstipendium für Literatur und das Projektstipendium für Literatur. "Dotterland" ist ihr erstes Buch.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Karoline Therese Marth

Cover des Buches Dotterland (ISBN: 9783990591390)

Dotterland

(4)
Erschienen am 25.08.2023

Neue Rezensionen zu Karoline Therese Marth

Cover des Buches Dotterland (ISBN: 9783990591390)
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Rezension zu "Dotterland" von Karoline Therese Marth

jtk_0701
120 Seiten mit viel Inhalt und Raum zum Nachdenken

120 Seiten mit so viel Inhalt.

Wie schafft es ein so schmales Buch, mich dermaßen stark in die Welt der heranwachsenden Kathlen reinzuziehen, dass ich selbst wieder das Gefühl der Unsicherheit und Unklarheit verspüre? Zwar liegt mein eigenes Erwachsenwerden schon einige Jahre zurück, dennoch hat Karoline Therese Marth es mit ihrem Debütroman geschafft, mich wieder an mein junges, instabiles ich zu erinnern. Authentisch, melancholisch, direkt und sehr nah erlebe ich hier das Leben der Protagonistin. 

In kurzen kleinen Einzelteilen zerlegt wird hier die Coming of Age Story von Kathlen erzählt. Tagebuchartig lese ich die Gedanken und Erlebnisse von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Fragmentiert erzählt, bemerke ich schnell, dass die Ehe der Eltern nicht stabil ist. Der Vater ist mir unsympathisch und schnell ist auch das Ende der Ehe der Eltern da. Die Erwachsenen erscheinen mir wie hinter einem trüben Glas, ich erkenne Umrisse, aber bekomme kein klares Bild gezeigt. Kathlens Halt sind Freundschaften, Liebschaften, Sex, Drogen und Partys. Manches ist undurchsichtig und mit Lücken erzählt, sodass ich genug Raum zum Interpretieren bekomme. So darf ich mich selbst fragen, ob Kathlen ein Problem mit ihrem Körper hat oder warum werden Lebensmittelaufnahme beiläufig erwähnt? Und welche Person berührt den wirklich ihr Herz? Liebt sie gar nicht und will nur experimentieren und abgelenkt werden?

Ein wirklich gut geschriebener Roman mit einem melancholischen Unterton und sehr intensiv. Auch wenn es ein dünnes Buch ist, hab ich es tatsächlich einige Tage gelesen, da ich es in kleinen Häppchen wirken lassen wollte. Das Gelesene hat seinen Raum in mir zum Nachdenken und Nachwirken gefordert. Ein wirklich gelungener und vielversprechender Debütroman. 

S.96 „Wir rasen, nicht mit Lichtgeschwindigkeit, aber wir sind schnell. Wir sind haltlos. Die Gesichter verschwimmen vor meinen Augen, und ich sehe nur noch mich. Alle sind sie ich, und ihre Stimmen sind meine. Wir sind ein großes schreiendes, lachendes Monster mit mehr Köpfen als Armen. Wir sind überall. Unsere Namen sind nichts als Platzhalter, die Grenzen unserer Körper haben ihre Bedeutung verloren.“

S.106 „Trotzdem kann ich Fehler machen. Ich mag es, dass in diesem Wort ein Teil von fehlen steckt. Es klingt, als könnte ich weniger dafür. Ich weiß nicht, was mir fehlt, aber es fehlt etwas.“ 


Cover des Buches Dotterland (ISBN: 9783990591390)
E

Rezension zu "Dotterland" von Karoline Therese Marth

Esther1987
Starker Debütroman

Heute erscheint #dotterland von #karolinetheresemarth im @literaturverlagdroschl.

Kurz vorweg: mir hat dieser #debütroman sehr gut gefallen 😉

Karoline Therese Marth wurde 1995 in Wien geboren, wo sie nach wie vor lebt. Sie studiert Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie veröffentlichte bisher Kurzprosa, Lyrik und Hörstücke. 2019 erhielt sie für einen Auzug aus Dotterland den Retzhofpreis, 2022 das Startstipendium für Literatur  und das Projektstipendium für Literatur. 


Kathlen nennt ihre helle Wunschwelt "Dotterland", in der alles diesen warmen dunkelgelben Touch hat.

Das echte Leben von Kathleen ist brüchig und fragil wie eine Eierschale. Die Eltern streiten,  die Kinder bekommen nicht genug Liebe,  Aufmerksamkeit und Zuwendung. Die Eltern scheiden sich.

Kathlen sucht Halt in Freundschaften und "Liebesbeziehungen".

Kathlens Eierschale zerbricht...auf der Suche nach Geborgenheit,  Halt und ihrem Platz im Leben. Wir begleiten Kathlen dabei wie sie ihre Sexualität auslebt, bei Partys, Alkohol und ihrem ziellosen Wirrungen,  immer auf der Suche nach Geborgenheit. Sie möchte die Welt spüren, aber das Leben droht ihr zu entgleiten und überfordert sie. 


"Ich weiß nicht,  was mir fehlt,  aber es fehlt etwas. "


Ich fand es sprachlich sehr stark, gerade im Hinblick auf ein Debüt,  klar und umunwunden, mit einer Kraft und Intensität erzählt Karoline Therese Marth von einem Erwachsenwerden in den 2000 er Jahren. Ich habe die emotionale Verwirrung, die Einsamkeit, Verlorenheit, Verzweiflung und auch diese Traurigkeit gespürt. Ich habe eine gewisse Melancholie in dem Werk entdeckt und auch habe ich diese immer größer werdende Abgestumpftheit von Kathlen beobachtet,  die hin und wieder durchbrochen wird und der Leser/in bekommt einen tiefen Einblick in ihre Gefühle und Wünsche. 

Der einzige Kritikpunkt ist, dass es mir etwas zu viel geworden ist mit der Beschreibung mit wem sie alles Sexualität ausgelebt hat, andererseits kann ich mir auch vorstellen warum die Autorin dies für den Roman wichtig fand. Kathlen geht keine wirklichen ausgeglichene Paarbeziehungen ein.

" Oft habe ich das Gefühl,  es geht alles so schnell. Meine Gedanken springen,  und ich komme mit den Fühlen nicht hinterher. " Ein guter Schlusspunkt  für diese Buchvorstellung. Es fasst sehr gut zusammen und Spiegelt kathlens Innenleben wieder. Dotterland ist ein schmales aber intensiv bewegendes und nachdenklich  machender Roman, der nach dem Lesen nachhallt . Ich kann ihn sehr empfehlen. 

Cover des Buches Dotterland (ISBN: 9783990591390)
L

Rezension zu "Dotterland" von Karoline Therese Marth

Lust_auf_literatur
Dotterland

Dieser Roman hat mir sehr gut gefallen, auch wenn klassische Coming-of Age Geschichten mittlerweile nicht mehr so mein Ding sind. Mit klassischen Coming-of Age meine ich aber eigentlich die aus späterer, meist männlicher Sicht, geschriebenen und schon durch das erwachsene Denken bereinigte und zensierte Geschichten.


Die Autorin Karoline Therese Marth ist allerdings allein schon durch ihr junges Alter noch ganz nah dran und lässt ihre Ich-Erzählerin sehr authentisch vom Übergang aus der Kinderwelt in die Erwachsenen Welt erzählen.


Und aus der Kindersicht auf die Rätsel der Erwachsenenwelt.

Mit den Sims kann sich die Erzählerin stundenlang die perfekte Familie und die perfekte Welt erschaffen. Bis die Erwachsenenwelt auch in diese Spielewelt vordringt. 

Nur das Dotterland bleibt in der Fantasy die heile geschützte Prinzessinnenwelt. 


Mit der Trennung der Eltern und dem Abwesenden Vater bekommt die Eierschale erste Risse und mit dem Eintreten in die Pubertät bricht die Schale ganz.

Das Ausprobieren von Drogen, Alkohol und das Austesten von Sexualität. Dieses Mischung aus Gefühlen von Unsterblichkeit und existenziell bedrohlichem Liebeskummer fängt Marth in der Originaltonart ein. 

Während der Teenagerzeit gibt die Gesellschaft und das Umfeld noch die Lebensziele vor, eigene müssen noch gefunden werden. 

Aber kann man die Geborgenheit der Kindheit später in sich selber finden? Ein Stück heile Welt hinüberretten und etwas Schönes finden in dem Schmutz der Erwachsenenwelt?


„Dotterland“ erinnert mich mit seinem authentischen Erzählstil sehr an Rin Usamis „Idol in Flammen“, was ich auch sehr mochte.  

Ich gehöre eine anderen Generation an als die Autorinnen und doch kann ich mich in den emotionalen Struggels der Erzählerinnen wiederfinden.


Literarisch schreibt Marth auf hohem Niveau, was in Kombination mit der jugendlichen Stimme ihrer Figur eine ganz eigene, besondere Erzählstimme ergibt.

Ein dünner Roman mit viel Gehalt, der mich v.a mit der emotionalen Gefühlswelt der Teenagerzeit überzeugen konnte.


Und ein sehr starker und vielversprechender Debütroman!

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