Kat Marcuse Der Nachtfalke

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Inhaltsangabe zu „Der Nachtfalke“ von Kat Marcuse

Die Presse nennt ihn den Kalten Virtuosen des Todes. Seine Romane belegen regelmäßig die Top Ten der Bestsellerlisten. Doch Falk Biedermanns Leben ist nicht von Glamour und Ruhm geprägt. Weitgehend von der Welt isoliert zelebriert er seinen Hass auf die Menschen, die ihn Zeit seines Lebens haben spüren lassen, dass er anders ist. Um sich ein weiteres Refugium zu schaffen, beauftragt er die Gärtnerei Aahlers und Sohn mit der Begrünung seiner Dachterrasse. Der Gärtner Leon bricht wie ein Tsunami über ihn herein. Plötzlich sieht sich Falk mit dem Duft von gebrannten Mandeln, ungestümer Lebensfreude und einem Lächeln konfrontiert, das Gefühle in ihm weckt, die er längst im Blutbad seiner Fantasie ertränkt wähnte.

Ich war beeindruckt davon, wie hier das Thema Folgen von Kindesmisshandlung angegangen wurde

— annlu
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  • Falk stellt sich seinen Erinnerungen

    Der Nachtfalke
    annlu

    annlu

    15. July 2017 um 01:18

    Die Vertrautheit, die sich in der letzten halben Stunde zwischen ihnen entwickelt hatte, machte Flak Angst. Derlei Gefühle waren trügerisch. Es gab keine Freundlichkeit unter den Menschen. Sie waren bösartig, skrupellos und verletzend. Man durfte sich nicht auf sie einlassen. Der Bestsellerautor Falk Biedermann führt ein Einsiedlerleben in Mitten Leipzigs. Die Erinnerungen an seine schwere Kindheit verarbeitet er in seinen Romanen. Wenn ihn wieder einmal das Gefühl überfällt, die Decke falle ihm auf den Kopf, wechselt er einfach seine Wohnung. Als er endlich eine Wohnung gefunden hat, die seine gepeinigte Seele beruhigt, will er alles darin perfekt haben, auch seine Terrasse. Obwohl er die Anwesenheit anderer Menschen nicht erträgt, beauftragt er einen Landschaftgärtner mit deren Gestaltung. Dabei ahnt er nicht, wer dadurch in sein Leben treten wird. Der lebenslustige Leon zeigt gleich von Beginn an Interesse an ihm und lässt einfach nicht locker. Er hat es sich in den Kopf gesetzt den Eigenbrötler näher kennenzulernen. Falk allerdings fällt es schwer, jemanden an sich heran zulassen. Die Geschichte beginnt mit einem Einblick in eines von Falks Büchern. Die Szene widmet sich blutiger Rache. Auch die Kapitel danach waren eher deprimierend, schließlich zeigten sie schon die ersten Kindheitserinnerungen von Falk. Nicht nur wurde er von seinem Vater geschlagen, jahrelang wurde ihm auch indoktriniert durch seinen Albinismus verabscheuungswürdig zu sein. So konnte ich seine Entscheidung, sich vor der Welt zurückzuziehen nachvollziehen. Schon die erste Begegnung mit Leon bringt die Hoffnung mit sich, dass sich Positives für Falk ereignen könnte. Leon war mit seiner hartnäckigen aber sehr offenen Art gleich sympathisch. Die sexuelle Anziehung zwischen den Beiden war von Beginn an da. An erotischen Szenen mangelt es dem Buch nicht. Diese konnten mich allerdings nie so recht überzeugen. Das hat mein Interesse am Buch aber nicht gedämpft, da ich an der Geschichte besonders Falks Trauma und sein Kampf mit den Erinnerungen spannend fand. Sehr authentisch, wenn auch manchmal erschreckend, wurden die Folgen von Kindesmisshandlung und dem daraus erwachsenen Selbsthass dargestellt. Die Beziehung zu Leon, aber auch das grundsätzliche Öffnen sich selbst und anderen gegenüber, brachte zwar Besserung und viele kleine Erfolge, es kam aber zu keiner spontanen Heilung oder überschwänglichem Glück, das alles Dunkle auslöschen konnte. Gerade das, in Verbindung mit den Rückfällen und den Belastungsproben für die Menschen in seiner Umgebung, hat das Geschehen realistisch gemacht. Fazit: Ich war sehr beeindruckt davon, wie es hier gelungen ist, das problematische Thema der Traumabewältigung anzusprechen und in einer Geschichte zu verarbeiten. Obwohl ich die dazugehörige Liebesgeschichte auch ganz nett fand, wurde sie dadurch in den Hintergrund gedrängt, was mein Interesse am Buch aber nur noch erhöhte.

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