Katarina Botsky In den Finsternissen

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Inhaltsangabe zu „In den Finsternissen“ von Katarina Botsky

Die Auswahl „In den Finsternissen“ enthält zehn Novellen und zwei Gedichte der heute nahezu unbekannten Königsberger Schriftstellerin Katarina Botsky (1880–1945). Ihre Zeitgenossen schätzten sie als starke Vertreterin der literarischen Moderne. Ludwig Goldstein, Feuilletonleiter der bekannten Hartungschen Zeitung, bezeichnete Botsky als Ostpreußens „erstes weibliches Kraft- und Originalgenie“. In den Novellen, die sie zwischen 1911 und 1936 für die Zeitschrift Simplicissimus schrieb, widmet sich die Autorin den Verworfenen und Missgestalteten, jenen Menschen, die ausziehen, um Freude zu suchen und das Entsetzen finden. Walther Franz, ein profunder Kenner der Kulturgeschichte Königsbergs, meinte, in Katarina Botsky wüte „derselbe Zwiespalt, der E. Th. A. Hoffmann zerriß. Auch ihre Gestalten haben alle den Boden unter den Füßen verloren, nur gibt es für sie kein Reich Atlantis, das sie von den Schrecknissen des Diesseits errettet. Hier lauert das Verhängnis über jedem Menschen und zermalmt ihn mit grausigen Spinnenarmen.“

K. Botsky findet unendlich viele und wunderbare Bilder, Illustrationen zeichnen sich vor dem geistigen Auge in der eigenen Gedankenwelt

— SteffenMarciniak

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  • Wie das "Grauvolk" quälen kann

    In den Finsternissen

    SteffenMarciniak

    13. November 2014 um 01:52

    „Wie graues Wasser stieg das Tageslicht empor“, doch wird es in der „Nebelwelt“ verschollener Bücher selbst antiquarisch schwierig, die von Katarina Botsky aufzuspüren. Wie viele feinsinnige Autoren verschwinden aus dem Bewusstsein heutiger Leser, immer auf der Suche nach dem neuesten Bestseller. Wie viele wunderbare Autoren stehen in meiner eigenen Bibliothek, von denen ich glaube, kaum ein Mensch kennt sie noch, was ich mir am Beginn meiner Lesekarriere im Teenageralter nicht vorstellen konnte. Nun fand ich diese neu herausgegebenen Geschichten aus einer Welt hinter den Finsternissen von Katarina Botsky mit einem aufschlussreichen Nachwort als Zugabe, wo die Titel der übrigen, meist verschollenen Romane bibliographiert sind. Man wünschte sich dem Bändchen ein edles Leinenkleid, auf das es diesmal die Zeiten überdauert, dazu viele Leser und Entdecker . Die Autorin findet unendlich viele und wunderbare Bilder, Illustrationen zeichnen sich in der eigenen Gedankenwelt, am ehesten fiel mir Alfred Kubin ein, würde er Botsky gekannt haben, hätte er ihre Bildwelt aufzeichnen wollen. Den Jüngling mit dem Löwenkopf im roten Samtanzug auf gelbem Teppich liegend, die litauisch bunte Amme, den buckligen Zwerg mit dem Affengesicht – so viel Farbigkeit in den Finsternissen? Botsky schreibt über sie, die Ausgestoßenen und Verlachten, die sich vom „Grauvolk“ unterscheiden. Nach dem Lesen der ersten Novellen fragt man sich nicht mehr, welche von ihnen gefällt mir am besten, eher, welche stimmt einen am traurigsten. Man „weint sich satt“ und fragt, „was hat man in der Kindheit denn verbrochen, dass man so gestraft wird?“. Es wird klar, dass Botskys Gestalten irgendwann vom „fern galoppierenden Reiter“ eingeholt werden. Es schwebt ein fatalistischer Zug über ihrem Weltenraum und deutlich hört man „die Engel klagen“. Wenn „Neid und Grausamkeit die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft geblieben“ sind, Armut, Krankheit, Hoffnungslosigkeit die Menschen martern und das „Grauvolk“ sie mit Hohn überzieht, fühlt man sich plötzlich schnell auch in unserer heutigen Zeit wieder. Dem Gefühl, dass sich „nie etwas Schönes von einem angezogen“, sondern „nur das am liebsten gemiedene, hässliche“ auf einen zubewegt, wie bekannt kommt einem das vor , in den Zeiten des Zusammenbruchs aller Werte. Niemanden „rühren die Jammernden, da sie doch hässlich“ sind. Die Träume von Botskys Figuren sind klein, der Friedhof hinter dem vernagelten Bretterzaun wird zum Paradies, weil er Freiheit verspricht. Ein „ewiges Weinen“ liegt über ihren Geschichten, voller Ängste und Wunder, in einer meisterhaften Sprache voller Bilder. Der Löwenkopfjüngling, der Schiller liest und die Liliputanerin im lila Kleid, so wundervoll diese Bildwelt am Schwanenkarussell des Jahrmarkts wirkt, umso abscheulicher quält sie „das Grauvolk“. Und dennoch, eines bleibt den Außenseitern und Verstoßenen, die Welt ihrer Träume, in die sie sich flüchten können, viele scheitern auch hier. Zumindest aber der Löwenkopfjüngling darf aus den dunklen Finsternissen in eine solche Traumwelt: „umgeben von blendender Helle, von strahlenden Engeln und weißen Auferstandenen“ mit starker Musik. Mögen doch allen Unterdrückten solche Welten winken.

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