Kate Atkinson Glorreiche Zeiten

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Inhaltsangabe zu „Glorreiche Zeiten“ von Kate Atkinson

Kate Atkinsons großer Roman über das Drama des 20. Jahrhunderts – Platz 1 der „Times“-Bestsellerliste Was bleibt von einem Menschen und seinen Möglichkeiten? Zwischen den Weltkriegen erlebt Teddy Todd, geboren 1914, eine idyllische ländliche Jugend auf dem Anwesen seiner Familie nahe London. Mag sein, dass er, der charmante Naturfreund und Möchtegern-Poet, mit seiner Sandkastenliebe Nancy einst eine Tochter haben wird (die er nicht versteht und die ihn nicht versteht). Und vielleicht wird die Tochter ihm eine Enkelin schenken, die alle Enttäuschungen wettmacht. Zuvor aber kommt der Krieg ins Spiel, und Teddy Todd hat als todesmutiger Kampfpilot fast tagtäglich die Städte Hitlerdeutschlands zu bombardieren … Ein Roman über den heroischen Alltag eines wunderbar normalen Mannes; ein Buch voll hintergründigem Witz, das sich anfühlt wie vier Generationen gelebtes Leben. „Für mich ist diese feinsinnige, dramatische und bewegende Familiensaga aus England eines der besten Bücher des vergangenen Jahres.“ Brigitte

Man begibt sich mit Ted Todd auf die emotionale Reise durch sein Leben... Und es ist unmöglich ihn nicht zu verehren!

— Marjuvin
Marjuvin

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  • Glorreiche Zeiten

    Glorreiche Zeiten
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    07. June 2016 um 19:38

    Teddy Todd wurde 1914 in eine ländlich solide Familie hineingeboren. Alles fühlte sich sehr normal, sehr geregelt an, auch wenn seine Mutter ihn vielleicht ein bisschen mehr mochte, als seine Schwestern, seine Tante eine weltfremde Schriftstellerin war und seine Schwestern nicht immer die Erwartungen erfüllten, die an sie gestellt wurden. Doch dann kommt der Krieg. Der Erste den Teddy so richtig bewusst miterlebt hat. Wie viele andere junge Briten, muss auch er in den Kampf ziehen. Als Pilot bombardiert er deutsche Städte, kämpft täglich ums Überleben. Dies gelingt ihm und zurück in der Heimat entschließt er sich zu der einzigen Tat, die ihn zurück ins Hier und Jetzt holt, ihn erdet und ihm eine gewisse Zuversicht gibt. Er heiratet seine Sandkastenliebe Nancy. Die Familie die er gründen möchte, entwickelt sich zur Reduktion seiner eigenen Herkunftsfamilie. Statt vielen Kindern bekommt er nur eins – seine Tochter Viola, die all die Hoffnungen und Sehnsüchte verstorbener wie lebender Familienmitglieder erfüllen soll. Auch Viola wird Mutter. Eine Aufgabe, die ihr nicht immer leicht fällt. Trägt sie doch nicht nur die Last der Ahnen, sondern auch die der Nachkriegsgeneration. Kommunikation fällt ihr schwer. Ständig fühlt sie sich missverstanden. Redet an ihren Kindern ebenso vorbei, wie an ihrem Vater, der mit seinen Enkeln eher auf einer Ebene zu sein scheint, als sie selbst. Kate Atkinson ist für mich eine der Autorinnen, die ihren Figuren Leben einhaucht, indem sie diese bis ins kleinste Detail, bis zu jedem Gedankengang und jeder Handlung perfekt durchdenkt. Charaktere werden erstellt, in die freie Wildbahn entlassen und dann von ihr genauestens beobachtet. Und obwohl die Protagonisten sich in einem sehr nachvollziehbaren, schlüssigen Handlungsgerüst bewegen, geht nie die Spannung verloren. Ganz im Gegenteil. Für Kate Atkinson ist es ein Leichtes diese auch über einen großen Umfang von über 500 Seiten zu halten, indem sie den Leser mit Illusionen umspielt, die durch Andeutungen entstehen. Sie fordert auf mitzudenken, wirkt einem stupiden runter lesen damit entgegen und sorgt für ihren eigenen Erzählton – eine Mischung aus Ironie, Humor und Dramatik. Damit spiegelt ihre Schreibe auch den Inhalt dieses Romans über Generationen und die Schwierigkeiten von Erwartungen und Kommunikation. Die Familie Teddy Todd ist aus der Realität gegriffen, könnte eine von vielen sein, in denen ein Familienmitglied im Krieg gekämpft, die Last dieser Taten weitergetragen und an Folgegenerationen übergeben hat. Neben einem eindrucksvollen Familienpsychogramm bewegt sich der Leser durch die Zeit des zweiten Weltkriegs. Begegnet Drama ebenso wie Hoffnung. Kate Atkinson ist es zum wiederholten Male gelungen mich mit einem ihrer Romane zu begeistern und gedanklich zu beschäftigen.

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  • glorreiche, aber auch verworrene Zeiten

    Glorreiche Zeiten
    Schaefche85

    Schaefche85

    Das Buch erzählt das Leben Teddy Todd, der 1914 geboren wird und 2012 stirbt. Dazwischen liegen seine Kindheit, in der er schon mit 3 seine spätere Frau Nancy kennenlernt und sich ansonsten mit seiner Tante Izzy und seinen Geschwistern (vor allem seinen Schwestern) rumschlagen muss. Zu seinem Leben gehört aber auch seine Zeit im 2. Weltkrieg als Pilot der Royal Air Force, die Zeit davor, in der er Europa, vor allem Frankreich für sich entdeckt. Die Zeit nach dem Krieg, als er mit der Geburt von Viola erst Vater und dann Jahre später Großvater wird. Es ist fast ein Jahrhundert, das man mit Teddy erlebt und es sind bewegte Zeiten, politisch wie privat. Das Buch gibt sehr umfassende Einblicke in die jeweiligen Zeiten, wobei es leider nicht chronologisch vorgeht. Durch die Überschriften bekommt man zwar mitgeteilt, in welcher Zeit man sich befindet, aber oft erzählt sich dann eine Episode quasi von selbst weiter, indem also der Erzähler weiter erzählt, wie Teddy diese Episode irgendwann mal erzählt (oder auch nicht), was einer seiner Nachfahren dazu denkt,... Die ersten Male hat das dazu geführt, dass ich die Episode noch einmal lesen musste, weil ich nicht sicher war, ob ich alles verstanden hatte bzw. dadurch, dass der Erzähler dann wieder zur Ursprungserzählung zurückkehrt, nicht immer sicher war, ob ich irgendwo den Anschluss verpasst habe. Dazu kommt, dass gerade am Anfang Teddys recht große Familie eingeführt wird, wo ich erst mal den Überblick gewinnen musste und gleichzeitig dann schon Figuren der Zukunft (aus der aktuellen Perspektive zumindest) eine Rolle spielten, die ich kaum einordnen konnte. All das hat dazu geführt, dass die ersten ca. 100 Seiten für mich sehr mühsam waren und ich kaum voran kam. Leider kam so auch kaum Lesevergnügen auf, so dass ich kurz davor war, das Buch abzubrechen. Da ich das aber nur ungern tue, habe ich am Wochenende beschlossen, dem Buch noch eine Chance zu geben und es dann in einem Rutsch gelesen. So konnte ich gut in das Buch reinfinden und musste mich nicht jedes Mal neu orientieren. Eine andere Sache, die mir allerdings nur am Rande aufgefallen ist, ist, dass einige Personen und mit ihnen zusammenhängende Begebenheiten oft mehrfach erzählt werden, nämlich einmal ausführlich und irgendwann dann in Kurzform, wobei die Kurzform sich oft liest, als könne der Leser gar nicht wissen, was da passiert sei und als sei das eher eine Randnotiz, die verdeutlichen soll, was Teddy erlebt und wen er wie verloren hat. An sich fand ich die Kurzfassungen nicht schlechter als die ausführlichen Fassungen, nur wenn dann z.B. bei der Kurzfassung der Name der Person nicht genannt wird, obwohl in der langen Fassung ca. 150 Seiten vorher die Person ausführlich vorgestellt und das Ereignis beschrieben wurde, habe ich mich schon gefragt, ob das ein Stilmittel sein soll bzw. was die Autorin damit bezweckt. Natürlich kann es sein, dass man sich nicht jeden Namen merken kann, aber bei bestimmten Personen reicht dann ein weiteres Stichwort und man weiß wieder, wer gemeint ist. Die Protagonisten haben alle ihre Ecken und Kanten, manche auch ausgeprägte Macken. Allerdings gibt es bei so ziemlich allen auch eine plausible Erklärung, warum sie sind, wie sie sind. So wurden mir manche auch mit der Zeit sympathisch, nur bei Viola war das selbst gegen Ende nur bedingt der Fall. Auch wenn es gerade bei ihr gute Gründe hat, warum sie ist, wie sie ist, kreist sie nur um sich selbst und behandelt selbst ihre Kinder ganz furchtbar. Das Ende des Buches ist auf eine gewisse Weise abzusehen, allerdings fand ich die Umsetzung wieder sehr schwierig zu lesen. Laß sich das Buch bis dahin recht flüssig, habe ich zum letzten Kapitel keinen Zugang entwickelt, obwohl ich es inzwischen schon 4x gelesen habe. Das hinterlässt leider einen Beigeschmack, wobei auch ich den ein bisschen auch schon durch meine Startschwierigkeiten hatte. Dabei ist das Buch an sich ein spannender Eindruck von Zeitgeschichte, die Deutschland wie England betrifft und das darüber hinaus noch einiges bietet. Fazit: Kein einfaches Buch, aber eines, das auf jeden Fall einen Versuch lohnt.

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    • 7
    KruemelGizmo

    KruemelGizmo

    13. November 2015 um 22:48
  • Ungewöhnlicher Familienroman und Plädoyer gegen den Krieg

    Glorreiche Zeiten
    anushka

    anushka

    Teddy Todd wächst behütet auf dem Land auf und ist das Lieblingskind seiner Mutter. Als der zweite Weltkrieg ausbricht, meldet er sich als Bomberpilot und fliegt nach seiner Ausbildung Bombenangriffe auf Deutschland und vor allem seine Zivilbevölkerung. Für seine Taten erhält er diverse Orden, doch sie prägen ihn auch den Rest seines Lebens. Die Beziehung zu seiner späteren Tochter ist schwierig, die zu seinen Enkelkindern wiederum liebevoll. "Glorreiche Zeiten" ist ein Episodenroman, der die Familiengeschichte um Teddy in unchronologischen Einzelepisoden aus verschiedenen Sichtweisen erzählt und doch durch Vor- und Rückblenden ein eng gewobenes Gesamtbild vermittelt. Man hat Teil an Teddys Leben von seiner Kindheit bis zu seinem Tod. Die Beziehungen werden beleuchtet durch Episoden aus der Sicht vor allem seiner Tochter Viola und der Enkel Bertie und Sunny. Nicht selten ist dabei tragisch, welche Missverständnisse und Unwissenheiten zu Entfremdungen führen. Neben der Familiengeschichte ist das zentrale Thema die Bombenfliegergeschwader. Laut Nachwort war es der Autorin ein Anliegen, ein Buch zum diesem Aspekt des zweiten Weltkriegs zu schreiben. Dementsprechend bietet die Autorin im Nachwort noch umfangreiche Informationen. "Glorreiche Zeiten" ist keine leichte Lektüre; nicht, weil es übermäßig grausam ist (ganz im Gegenteil ist der Erzählstil ähnlich dem Charakter des Protagonisten eher stoisch), sondern weil es anspruchsvoll ist und viele inhaltliche Verweise enthält (bspw. auf Inspirationsquellen der Autorin). Auch ist mir noch unklar, ob es zum Verständnis besser gewesen wäre, vorher "Die Unvollendete" (das von Teddys Schwester handelt) gelesen zu haben. Die Autorin schreibt jedoch, dass es sich bei "Glorreiche Zeiten" nicht um einen Nachfolge-, sondern eher um einen Begleitband handelt. Dementsprechend scheint Vorwissen aus dem ersten Band nicht nötig. Teddys Geschichte, und auch die seiner Familie, konnte mich packen, interessieren und mitleiden lassen. Leider bleiben gerade die konkreten Folgen von Teddys Zeit beim Bombengeschwader im Dunklen, weil es in der Familie eine Art Schweigeübereinkunft gibt und es die Kinder und Enkel später nicht interessiert. Das Buch zeigt auch auf eindrucksvolle Weise, wie schlecht sich Generationen gegenseitig verstehen und die gegenseitigen Leben als uninteressant abtun und ihr eigenes Leben als einzig idealen Weg ansehen. Die Wendung am Ende hat mich sehr überrascht und den gesamten Roman noch einmal komplett umgedreht, sodass man die Geschichte aus einer völlig neuen Perspektive betrachtet. Die Leichtigkeit, mit der die Autorin dies tut, finde ich fast am beeindruckendsten. "Glorreiche Zeiten" ist ein lesenwertes, anspruchsvolles Buch, das einen eher wenig beachteten Aspekt des Zweiten Weltkriegs beleuchtet und ein klares Plädoyer gegen Krieg ist, das heute genauso aktuell ist wie es schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden gewesen wäre.

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    • 2
  • Eine stimmungsvolle und tiefgründige Familiensaga!!

    Glorreiche Zeiten
    Immchen

    Immchen

    03. November 2015 um 18:50

    Die Handlung: Zwischen den Weltkriegen erlebt Teddy Todd, geboren 1914, eine idyllische ländliche Jugend auf dem Anwesen seiner Familie nahe London. Einst wird er, der charmante Naturfreund und Möchtegern-Poet, mit seiner Sandkastenliebe Nancy vielleicht eine Tochter haben (die er nicht versteht und die ihn nicht versteht), und einst wird die Tochter ihm eine Enkelin schenken, die alle Enttäuschungen wettmacht. Zuvor allerdings kommt der Krieg ins Spiel – von Teddy zunächst als Abenteuer willkommen geheißen -, in dem er als todesmutiger Kampfpilot einer Halifax fast tagtäglich die Städte Hitlerdeutschlands zu bombardieren hat. Und dann, jenseits aller Katastrophen, wird es die größte Herausforderung für ihn sein, sich einem „Danach“ zu stellen, an das er nie geglaubt hatte. (Verlagsinfo) Mein Einruck: England in den frühen 1920er Jahren: Der Junge Edward „Teddy“Beresford Todd wächst mit seinen Geschwistern in Fox Corner – dem Landhaus seiner Eltern – behütet auf. Er interessiert sich schon früh für die ländliche Umgebung, liebt die Natur und ist außerdem ein großer Hundefreund. Seine Eltern, der Banker Hugh und die überaus charismatische Sylvie haben keine wirtschaftliche Not und versuchen, ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Doch wer glaubt, mit diesem „Einstieg“ in eine fortlaufende, chronologische Lebensgeschichte abtauchen zu können, wird schon im nächsten Kapitel eines Besseren belehrt: Atkinson springt in ihrem Roman „Glorreiche Zeiten“ munter nicht nur in der Zeitgeschichte, sondern auch zwischen den Hauptpersonen hin und her. Während ein Kapitel Teddys früher Jugend gewidmet ist, findet sich der Leser im nächsten Abschnitt 55 Jahre später bei dessen Tochter Viola wieder, die, selber nunmehr Mutter zweier kleiner Kinder, versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Doch damit nicht genug: Auch innerhalb der Kapitel gibt es immer wieder Einschübe aus Vergangenheit und Zukunft, viele Sätze sind oftmals noch gespickt mit in Klammern gefassten zusätzlichen Kommentaren. Dieser Schreibstil ist – zumindest zu Anfang – reichlich irritierend und der Roman lässt sich nicht unbedingt nebenbei lesen. Das Interessante daran ist, dass sich die Kapitel erst im Kopf des konzentrierten Lesers in die richtige Reihenfolge fügen und manche Geschehnisse und Erlebnisse der Personen dadurch erst später einen Sinn ergeben. Angefangen bei der Generation von Teddys Eltern, über Teddy und seine Tochter Viola bis hin zu deren Kindern Sunny und Bertie: die Handlung des Buches erstreckt sich dabei über etwa 100 Jahre und 4 Generationen. Die Stationen in Teddys Leben, so zum Beispiel die Zeit als Bomberpilot bei der Royal Air Force (RAF) im Zweiten Weltkrieg, die Ehe mit seiner Sandkastenliebe Nancy und Geburt der Tochter Viola bis hin zu dem Rentner Teddy, der in ein betreutes Wohnen zieht – alle Abschnitte werden von einer unglaublichen Vielzahl von Charakteren begleitet. Es gibt dabei natürlich einige Menschen, die eine lange Zeit größere Bedeutung für den Protagonisten Teddy haben. Seine 4 Jahre ältere Schwester Ursula beispielsweise, die ihm bis zu ihrem Tod immer eine enge Vertraute ist und auch seine Ehefrau Nancy, die Teddy ebenfalls bereits von Kindesbeinen an kennt. Der Leser lernt aber ebenso kurzzeitige Weggefährten kennen wie einige von Teddys Kameraden im Krieg oder auch ein paar flüchtige Affären. Auffällig ist hierbei, dass beinahe das ganze Leben der Hauptfigur von vierbeinigen Gefährten begleitet wird: so kommen im Laufe seines Lebens, vom Kindesalter bis zu seinem Rentnerdasein mindestens 5 oder 6 verschiedene Hunde in der Geschichte vor. Der Zweite Weltkrieg ist für Teddys Leben ein absolut prägender Einschnitt und die Zeit als Pilot bei der RAF nimmt auch im Buch einen großen Teil ein. Nächtelang fliegt der noch junge Teddy mit wechselnden Kameraden Bombenangriffe auf Deutschland und kommt dabei dem Tod so nah, dass er sich ein Leben danach gar nicht vorstellen kann. Die beschriebenen Begebenheiten und auch die vielen technischen Details zu den verschiedenen Flugzeugen , Bomben und Einsätzen sind durch Atkinson sehr gut recherchiert worden. In ihrem Nachwort geht sie näher darauf ein, dass die Recherchen sie unter anderem in ein Museum auf einem ehemaligen Luftstützpunkt geführt haben. Das Interesse und die Liebe zur Natur, im Besonderen zu Blumen und Vögeln zieht sich durch das ganze Leben des Teddy Todd, eine Eigenschaft, die seine Tochter Viola sicher nicht ausmacht. Deren nicht weniger bewegtes Leben ist vielmehr gekennzeichnet von einer steten Unsicherheit auf der Suche nach dem richtigen Mann, dem Sinn des Lebens in ihrem Engagement für verschiedene Organisationen und später als mehr oder weniger erfolgreiche Autorin. Interessant ist auch, was Atkinson sich für die Enkel von Todd ausgedacht hat und wie sie hier eine Vielzahl teilweise nicht weniger haarsträubende Klischees in deren Leben eingebaut hat, ohne dass diese aufgesetzt oder fehl am Platz wirken. Mein Fazit: Dieser Roman ist nicht unbedingt leicht zu lesen, ob der bereits beschriebenen großen Zeitsprünge in der Handlung. Immer, wenn man sich auf einen Charakter eingelassen hat, ist die Episode beendet und der Leser erneut gezwungen, in einem Abschnitt wiedereinzusteigen, der gerne mal 30 Jahre zurück oder aber 50 Jahre in der Zukunft liegt. Hinter der Anordnung der Kapitel scheint kein logisches Prinzip zu stecken, obwohl auf diese Weise durch die Autorin bestimmte Ereignisse zunächst vorenthalten werden. Einiges erschließt sich dann erst später, wenn sich die einzelnen Kapitel im Kopf des Lesers wie Puzzleteile ineinanderfügen und wohl genau das macht hier den Reiz aus! Eine strikt chronologische Erzählung der Lebensgeschichte des Teddy Todd, angefangen bei seinen Eltern und endend mit seinen Enkeln – hätte vermutlich nicht denselben Effekt erzielen können und wäre möglicherweise eher langweilig geworden. Die Hauptfiguren in „Glorreiche Zeiten“ sind aber nahezu alle dermaßen fein und facettenreich charakterisiert, dass man als Leser den Eindruck gewinnen mag, diese persönlich zu kennen. Nicht nur das Leben von Teddy wird in diesem Roman von vielerlei Seiten betrachtet: auch das Leben seiner Tochter und wiederum das Leben deren Kinder spielen eine Rolle und Atkinson zeichnet ein einfühlsames Bild verschiedener Eltern-Kind-Beziehungen. Fast schon etwas philosophisch kommt die berühmte „Wie-wäre-mein-Leben-verlaufen,-wenn…?“-Frage daher, die nicht nur am Ende des Romanes den Leser ins Grübeln bringt. Atkinson schafft es, zu Tränen zu rühren und gleichzeitig mit feinem und teilweise auch etwas bösem Humor zu begeistern. Manches Klischee wird bedient und lässt den Leser schmunzeln, insgesamt wirkt aber alles authentisch und glaubhaft. „Glorreiche Zeiten“ ist eine wirklich stimmungsvolle und tiefgründige Familiensaga!

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  • Fiktion oder Wirklichkeit

    Glorreiche Zeiten
    Wirkommu

    Wirkommu

    28. October 2015 um 17:29

    Zukunft oder Vergangenheit? Gelebt oder nicht gelebt? die Lebensgeschichte von Teddy Todd wird nicht chronologisch erzählt. Auch nicht, wie in literarischen Werken oft üblich, in Retrospektiven und auch nicht nur aus Sicht des Protagonisten. Man "reist" quasi durch ge- oder erlebte Begebenheiten im Leben von Teddy, seiner Eltern, Geschwister, Kinder, Enkelkinder, Freunde und Wegbegleiter. Auch die Begebenheiten sind nicht chronologisch erzählt. Da wird mitten in der Schilderung eines Ereignisses etwas vorweggenommen, das in der Zukunft passieren wird oder könnte. oder es wird eine Erinnerung wach von längst vergessenen Zeiten. Der Leser fühlt sich dann, kommt er in der späteren Zukunft an, selbst an die Ereignisse erinnert, so als sei er Bestandteil der Geschichte. Vieles wird in der Erzählung nicht gesagt, sondern gedacht und unwillkürlich ist man versucht, sich vorzustellen, wie die Geschichte sich entwickelt hätte, wäre all das Gedachte auch gesagt worden. Das Hin und her zwischen den Zeiten und den Sichtweisen der einzelnen Personen mag manche verwirren. Doch es hilft sehr, den Plot so ganz zum Schluss besser einordnen zu können. Ein Aha-Erlebnis quasi. Kann sein, dass man dieses Buch nicht in einem Rutsch durchliest (ich habe das getan), aber man muss es in jedem Falle bis zum Schluss lesen.

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  • Familiensaga mit historischem Hintergrund

    Glorreiche Zeiten
    Maddinliest

    Maddinliest

    23. October 2015 um 15:24

    Bei "Glorreiche Zeiten" von Kate Atkinson handelt es sich um eine Familiensaga unter Einbezug des historischenHintergrundes vom Zweiten Weltkrieg. In dem Buch begleitet der Leser das bewegte Leben von Teddy Todd. Das einschneidende Erlebnis in seinem Leben ist der Zweite Weltkrieg. Er ist ausgebildeter Bomberpilot bei der Royal Air Force und damit im Krieg quasi dem Tode geweiht. Wider Erwarten überlebt Teddy den Krieg und versucht daraufhin seinem selbstauferlegten Vorsatz eines friedvollen und lebensfrohen Lebens gerecht zu werden. Immer wieder aber wird er, aber auch seine ganze Familie von der Vergangenheit und aktuellen Geschehnissen eingeholt, die seinen guten Vorsatz in Frage stellen. Kate Atkinson gilt als Meisterin darin, das Drama des Alltäglichen aufzuzeigen. Genau dies gelingt ihr in "Glorreiche Zeiten" meines Erachtens außergewöhnlich gut. Das sicherlich nicht immer einfach zu lesende Buch hat mich nach ersten Anlaufschwierigkeiten in seinen Bann gezogen. Das Schicksal von Teddy Todd wurde sowohl durch seine Charakterstudie als auch durch die clevere Erzählweise von Kate Atkinson hervorragend wiedergegeben. Die weiteren Protagonisten in diesem Buch wurden ebenfalls gut dargestellt und die Beziehung untereinander in Verbindung mit dem historischen Hintergrund wurde zu einer komplexen Geschichte verwoben. Kate Atkinson schafft es einen Spannungsbogen aufzubauen und diesen über die ganze Geschichte aufrecht zu erhalten. Für mich ein wirkliches Leseerlebnis. "Glorreiche Zeiten" war mein erstes Buch von Kate Atkinson. In der Nachbetrachtung habe ich erfahren, dass es um die Hauptprotagonisten eine weiteres Buch von ihr gibt, welches ich mir nun sicherlich genauer anschauen werde. Wer Spaß an Familiensagen mit historischem Hintergrund verspürt und vor einem etwas anspruchsvolleren Schreibstil nicht zurückschreckt, sollte sich aus meiner Sicht mit diesem Buch einmal auseinandersetzen.

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