Kate Holden Unter meiner Haut

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Inhaltsangabe zu „Unter meiner Haut“ von Kate Holden

Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte von ergreifender Offenheit Kate ist eine kluge und gebildete junge Frau aus gutem Haus. Doch das behütete Leben der Studentin findet ein jähes Ende, als sie sich eines Tages aus Neugier Heroin spritzt – und schnell süchtig wird. Um die Droge zu bezahlen, geht sie anschaffen, erst auf dem Straßenstrich und schließlich in einem Edelbordell. Ihrer Arbeit begegnet sie jedoch mit ungebrochenem Stolz. Fern aller Klischees, ehrlich und ohne Voyeurismus erzählt Kate von ihrem Leben am Rande der Gesellschaft.

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  • Rezension zu "Unter meiner Haut" von Kate Holden

    Unter meiner Haut

    HeikeG

    25. June 2007 um 21:35

    Gebildete Prostituierte Bücher über die Erfahrung mit harten Drogen und deren Finanzierung mittels Prostitution gibt es viele - mal reißerisch, mal klischeehaft. Nun berichtet Kate Holden - eine studierte junge Australierin aus gutbürgerlichem Elternhaus - über ihre ganz persönlichen Erfahrungen in diesem Milieu. "Das Hinabsteigen in die Unterwelt ist leicht. Aber das Wiederaufsteigen - welche Arbeit, welche Mühsal!" Mit diesen Worten Vergils beginnt Kate Holden ihre Erinnerungen: Kate - aufgewachsen in einem gepflegten Vorort von Melbourne, in einer intakten und unkomplizierten Familie - merkt schon früh, dass sie Geborgenheit im Alleinsein ("In meinem Inneren fand ich immer Frieden") und Trost in der Gruppe findet. Während ihres Studiums der Klassischen Literatur und Anglistik verstärkt sich ihr "emotionaler Tumult aus Einsamkeit und Selbstzweifeln" und sie verliert langsam ihren sozialen Halt. Durch ihren Freund kommt sie das erste Mal mit der harten Droge Heroin in Berührung ("Es gab keine Verführungsversuche, es gab nur die Macht der Ansteckung"). Und der Absturz ist vorgezeichnet ("Je tiefer man sich auf Heroin einlässt, desto mehr wird es zur einzigen Befriedigung, die man sich vorstellen kann.") Was danach folgt, nimmt immer den gleichen Verlauf: Aus einem "Hit" pro Woche werden am Ende vier bis sechs pro Tag. Der Job bei einem Buchhändler wird ihr gekündigt, als sie sich an der Kasse vergreift. Unsummen von Geld (500-600 Dollar pro Tag) kostet die Beschaffung des "Stoffes" für sich und ihren Freund, die zu besorgen nur eine Alternative zulässt: Prostitution. Als "Bordsteinschwalbe Lucy" versucht sie es erst auf dem Straßenstrich, dann in mehreren Bordellen Melbournes. Aber Kate Holden schafft - dreißigjährig - doch noch die Kehrtwende. Sie kann sich, auch dank ihrer Familie, die stets zu ihr stand, aus dem Teufelskreis befreien. Die Hure mit dem goldenen Herzen Einen großen Teil im Buch nehmen ihre Erfahrungen als Prostituierte ein, die sie immer gekonnt mit ihrer Heroinsucht verzahnt, ohne diese dominant hervorzuheben. Die Arbeit als "Liebesdienerin" wird von ihr nicht wirklich abwertend dargestellt, sie empfindet sogar so etwas wie Stolz. Ihre verlorene Selbstachtung - entscheidender Grund ihres Absturzes - hat sie als Professionelle wiedergefunden ("Ich war nicht niemand"). Zunehmend dient diese Arbeit ihr nicht mehr alleinig als Mittel zur Drogenbeschaffung. ("Nein, sie war etwas, das mich veränderte, mich stärkte, mich schulte... Nie zuvor hatte ich mich so kompetent gefühlt, so bewundert. Nach einigen Monaten war ich eine Kollegin geworden, zu der die jüngeren Mädchen aufschauten; ich wurde gebeten, den blutigen Anfängerinnen Rat zu geben; ich hatte Einfluss. Das war berauschend.") Für Kate Holden wird die Prostitution zur wesentlichen Hilfe, sich zumindest psychisch aus der Sucht zu lösen. Mittels eines Methadon-Programms überwindet sie ihre fast fünfjährige Heroinabhängigkeit. Blick auf das Verruchte durch das Schlüsselloch der Literatur Nüchtern, präzise, sachlich und aufrichtig, mit einer zarten Poetik berichtet Kate Holden von ihrem langsamen Absturz. Der Inhalt des Buches ist weder kitschig noch reißerisch aufgemacht. Übermäßige Sentimentalität wird vermieden. "Unter meiner Haut" ist ein authentischer und persönlicher Bericht von erstaunlicher Offenheit. Die Lektüre geht unter die Haut und stimmt nachdenklich. Aber etwas wirklich Neues erfährt man nicht. Am Ende erscheinen ihre Erlebnisse "als Periode eines entwicklungsbedingten Irrtums" ("Als müsste ich das, was ich in der Pubertät versäumt hatte, immer noch dadurch wettmachen, dass ich mich ins Abenteuer stürzte."). Ihr Bericht wirkt beinahe wie eine kurze Liaison, mit Höhen und Tiefen, die aber schnell vergessen ist ("All diese Jahre wo ich am Ertrinken gewesen, und jetzt glitt die Sucht leicht wie Wasser von mir ab."). Ist es wirklich so einfach, diese - ihre - Erfahrungen und Empfindungen so schnell in einer Schublade verschwinden zu lassen, derartig prägende Erlebnisse so leicht zu überwinden und vergessen zu machen?

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