Kate Morton

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Interview mit Kate Morton

Interview von LovelyBooks mit Kate Morton am 10. Oktober 2012 auf der Frankfurter Buchmesse

1. Dein neues Buch „The Secret Keeper“ (dt. „Die verlorenen Spuren“) ist gerade im Original erschienen. Bist du noch immer aufgeregt, wenn ein neues Buch von dir rauskommt?

Absolut! Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals anders sein könnte. Es wird immer aufregend sein!

2. Und was wünschst du dir für dein neues Buch?

Das gleiche, das ich mir für alle meine Bücher wünsche: dass sie ihre perfekten Leser finden!

3. Lass uns mal an den Buchtitel „The Secret Keeper“ denken – kannst du denn selbst gut Geheimnisse für dich behalten?

Oh ja, ich bin tatsächlich sehr gut im Geheimhalten von Dingen. Aber immer wenn ich mich mit Lesern unterhalte und sie mir ihre Geheimnisse erzählen möchten, dann sage ich zu ihnen: „Seid vorsichtig mit dem, was ihr mir erzählt. Ich könnte es für eines meiner Bücher verwenden!“ Aber trotzdem sagen sie immer wieder: „Oh, ich habe ein ganz tolles Geheimnis, das muss ich dir einfach erzählen!“

4. Findest du, dass man jedes Geheimnis für sich behalten sollte? Oder gibt es Geheimnisse, die man definitiv verraten sollte?

Ich denke, das kommt ganz auf das Geheimnis an. In den meisten meiner Bücher ist es ja so, dass es am Ende wirklich gut ist, dass ein Geheimnis aufgelöst wird. Es gibt da also tatsächlich einen Unterschied, je nach Geheimnis.

5. Du hast in England studiert und auch deine Bücher spielen in großen Teilen dort. Hast du eine besondere Leidenschaft für England?

Oh ja, die habe ich! Meine Bücher spielen in England, weil es dort so tolle Gebäude gibt, eine spannende Kultur und interessante Literatur. Auch die Landschaft ist eine ganz besondere. Ganz viel an England begeistert mich! Und ich als Autorin, ich möchte über Dinge schreiben, die ich liebe und die mich mit Begeisterung und Faszination erfüllen. Auch möchte ich richtig in diese Welt eintauchen können.

6. Ist es leicht für dich über England zu schreiben, obwohl du selbst in Australien lebst?

In vielerlei Hinsicht ist es einfach, denn ich recherchiere sehr viel und das würde ich auch machen, wenn ich keine Bücher schreiben würde, weil es mich so sehr interessiert. Die Bücher über Geschichte, Menschen oder historische Gebäude und Ähnliches, die ich lese, begeistern mich und das tun sie schon mein ganzes Leben lang. Ich habe also schon immer recherchiert, ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein. Und das macht es auch so schön, darüber schreiben zu können. Auch habe ich als Kind, obwohl ich in Australien aufgewachsen bin, sehr viele Bücher gelesen, die in England spielen. Deshalb hatte ich schon so eine bestimmte Vorstellung von England im Kopf, bevor ich jemals dort war.

7. In deinen Büchern schreibst du stets über Familien. Unterscheidet sich denn das Familienleben in Australien sehr von dem in England?

Nein, ich denke nicht, dass es sich sehr unterscheidet, muss ich sagen. Australien ist als Land, gerade hinsichtlich der sozialen Strukturen, England sehr ähnlich. Aber es gibt definitiv sehr viele amerikanische Einflüsse! Und Australien ist in vielerlei Hinsicht ein sehr junges und jugendliches Land, weshalb es sehr offen für verschiedene Einflüsse ist. Auch die Gesellschaft ist sehr multikulturell. Doch hinsichtlich der Familie haben wir den Engländern sehr ähnliche Werte.

8. Und was bedeutet Familie eigentlich für dich?

Familie bedeutet für mich, dass ich einen Ort und Menschen habe, wo ich immer ich selbst sein kann. Bei ihnen fühle ich mich wohl und geliebt und im Gegenzug liebe ich sie auch, egal was passiert.

9. Musst du für deine Bücher sehr viel recherchieren?

Ja, das muss ich tatsächlich. Doch wie ich schon gesagt habe, macht mir das viel Freude und deshalb fühlt es sich auch gar nicht viel an, selbst wenn es in Wirklichkeit viel ist. Ich lese viele Bücher, Zeitungen und Tagebücher, ich sehe mir Filme an, höre Musik – ich tue wirklich alles, um mich in diese Welt hinein zu versetzen. Es ist schön, dass ich genau das tun kann, was mir Spaß macht.

10. Denkst du, dass es für Familien normal ist, solche Geheimnisse wie in deinen Büchern zu haben?

Ja, ich denke schon. Ich glaube, dass es in allen Familien Geheimnisse gibt. Und immer wenn ich auf Leute treffe, die sagen: „Nein, meine Familie hat keine Geheimnisse!“, dann denke ich immer: „Ihr wisst bloß noch nichts davon!“.

11. Was ist für dich so faszinierend an Geheimnissen?

Für meine Bücher fasziniert mich an Geheimnissen am meisten, dass sie ihre Ursprünge bereits in der Vergangenheit haben. Sie bleiben eine ganze Zeit lang verborgen, aber irgendwann kommen sie immer an die Oberfläche. Und ich liebe diese spezielle Verbindung zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Ich glaube wirklich, dass sie nicht voneinander zu trennen sind. Die Vergangenheit begleitet uns die ganze Zeit, ob nun in Form von Gebäuden, Straßen in denen wir leben, oder auch in den Menschen aus unseren Familien, die vor uns kamen. Alles, was sie getan haben sowie ihre Geheimnisse beeinflussen uns bis heute. Die Gesamtheit all dieser Dinge macht uns zu dem, was wir sind.

12. Hättest du selbst gern in der Vergangenheit gelebt, vielleicht sogar in einer bestimmten Zeit?

Ich würde sicherlich die Möglichkeit lieben in die Vergangenheit zu reisen! Das ist auch ein großer Vorteil daran, dass ich Autorin bin. In meinen Gedanken und Büchern kann ich die Vergangenheit jederzeit besuchen. Mein liebstes Zeitalter ist das viktorianische! Ich finde es faszinierend, weil ein großer Teil unserer heutigen Welt damals entstanden ist. Das ist total spannend für mich.

13. In „Die verlorenen Spuren“ sagt Laurel, dass jeder Mensch eine dunkle, geheimnisvolle Seite hat. Denkst du, dass das stimmt?

Ich bin mir ganz sicher, dass das stimmt! Die wenigsten Menschen haben ein absolut fehlerfreies Leben geführt. Jeder hat Dinge getan, auf die er nicht stolz ist oder an die er nicht so gern zurück denkt. Das gehört zu jedem Menschen dazu.

14. In deinem neuen Buch beschreibst du auch das Farmhaus auf Greenacres sehr detailliert. Hast du selbst schon das Haus deiner Träume gefunden oder suchst du noch danach. Wie müsste es sein?

Ich bin noch auf der Suche danach, sozusagen auf der Jagd! Denn, wie du schon von meinen Büchern vermuten kannst, liebe ich Häuser! Sie stehen in gewisser Weise für die Vergangenheit und die Leben, die darin gelebt wurden. Deshalb würde ich es wirklich so sehr lieben ein altes Haus zu haben. Am liebsten sollte es aus Stein gebaut sein und einen schönen großen Garten haben. Ich liebe Gartenarbeit und verschiedene Gemüse anzupflanzen. Ich hätte auch gern Hühner. Es wäre so toll, wenn sie überall rumlaufen und rumpicken. Greenacres kommt meiner idealen Vorstellung von einem Haus tatsächlich sehr nahe.

15. Denkst du, dass du in Australien ein solches Haus finden kannst?

Vielleicht, denn es gibt einige Teile von Australien, wie zum Beispiel Südaustralien und Adelaide, wo es wunderschöne Steinhäuser gibt. Aber wonach ich wohl immer suchen werde, ist etwas, das man ganz sicher eher in England bzw. Europa finden wird.

16. Welches deiner Bücher ist dein persönlichstes?

Das ist schwierig zu beantworten, denn in den 12 Monaten, in denen ich an einem Buch schreibe, bin ich völlig damit und mit den Figuren darin verbunden. Ich lebe und atme es sozusagen und es ist die ganze Zeit über in meinen Gedanken. Deshalb sind alle meine Bücher sehr persönlich. Aber „Der verborgene Garten“ enthält tatsächlich eine persönliche Geschichte, die meine eigene Familie und ein Geheimnis meiner Großmutter betrifft. In dieser Hinsicht ist es ein besonders persönliches Buch.

17. Schreibst du bereits an einem neuen Buch?

Ich habe sogar ein Notizbuch dabei! Bevor ich mit dem Schreiben von „Die verlorenen Spuren“ begann, hatte ich noch die Idee zu einer weiteren Geschichte. Und dann musste ich mich entscheiden, welche ich zuerst aufschreibe. Ich habe mich für „Die verlorenen Spuren“ entschieden, weil ich das Gefühl hatte, dass die andere Idee noch ein bisschen länger brauchen würde. Ich musste noch recherchieren und wirklich herausfinden, was ich eigentlich genau schreiben wollte. Aber die Idee habe ich schon damals wirklich geliebt und habe nur abgewartet, bis ich die Möglichkeit hatte, so richtig daran zu arbeiten.

18. Du schreibst in Notizbüchern?

Oh ja! Ich schreibe auch am Computer, wenn es dann ans richtige Schreiben geht. Aber Monate davor verbringe ich ausschließlich mit einem Notizbuch. Dann schreibe ich absolut jede Idee auf, die ich habe. Ich habe das Gefühl, dass es eine Verbindung von meinem Gehirn über meinen Arm zu meiner Hand zum Papier gibt. Und das zwingt mich sozusagen dazu, in meiner Welt zu bleiben und mich nicht von anderen Dingen ablenken zu lassen. Am Ende habe ich dann mehr als 10 Notizbücher zusammen, die voller Texte, Kritzeleien, Pfeile und all meinen Ideen sind. All die Dinge, die ich brauche, um mich an den Ort im Buch zu versetzen.

19. Zeigst du deine Notizbücher anderen, bevor du dann wirklich mit dem Schreiben beginnst?

Nein, das tue ich nicht. Das sind ganz allein meine! Ich weiß auch gar nicht, ob jemand anderes überhaupt in der Lage wäre, das alles zu entwirren, was dort geschrieben steht.

20. Seit du mit deinen Büchern über Familiengeheimnisse so erfolgreich bist, schreiben auch immer mehr andere Autoren Bücher dieser Art. Denkst du, dass du gewissermaßen den Weg für ein neues Genre geöffnet hast?

Oh, ich weiß es nicht. Ich selbst habe das noch gar nicht mitbekommen, aber es kann gut sein, dass das in Deutschland der Fall ist. Wenn es wirklich so ist, dann finde ich das sehr schön. Je mehr Bücher gelesen werden, desto besser! Ich finde es auch immer eigenartig, wenn Autoren sich von anderen Autoren bedroht fühlen, denn es ist ja nicht so, dass jeder Leser im Jahr nur ein Buch lesen würde. Wenn Lesern ein Buch gefallen hat und sie dann nach etwas Ähnlichem suchen, dann ist das doch toll für alle! Es gibt definitiv einen Platz für jeden Autor!

21. Deine Bücher werden von Lesern oft als ‘magisch‘ beschrieben. Woran, denkst du, liegt das?

Ich bin mir nicht sicher, aber es macht mich unendlich glücklich das zu hören! Denn der Grund, aus dem ich schreibe und der mich immer antreibt, ist, dass ich die wundervollen Lesererlebnisse, die ich als Kind hatte, an meine Leser wiedergeben möchte. Wenn die echte Welt komplett verschwindet und du plötzlich im Buch selbst lebst, dann ist das wundervoll. Mir ist es als erwachsener Leser sehr schwer gefallen, dieses Gefühl noch einmal zu erleben. Aber ich fühle es, wenn ich schreibe! Deshalb hoffe ich, dass es meinen Lesern genauso geht, wenn sie meine Bücher lesen. Vielleicht meinen sie ja das, wenn sie sagen, dass meine Bücher ‘magisch‘ sind.

22. Welches war denn dein liebstes Buch deiner Kindheit?

„The magic faraway tree“ (dt. "Der Zauberwald") von Enid Blyton! Ich habe es geliebt! Ich glaube, dass es in Deutschland gar nicht bekannt ist. Wenn ich es richtig weiß, dann ist es in den 1940er oder 50er Jahren erschienen, es ist also schon für mich ein altes Buch. Es geht darin um eine Gruppe von Kindern, die auf dem Land lebt. Dort gibt es ein kleines Cottage bei einem Wald. Der Wald wird vom Feenvolk bewohnt und es gibt dort einen Baum, der höher als alle anderen geht. Wenn man bis ganz nach oben klettert, kommt man zu einer Wolke und gelangt durch diese in eine andere Welt. Und diese andere Welt ist immer anders. Deshalb erleben die Kinder die verschiedensten Abenteuer. Ich kann gar nicht mehr mitzählen, wie oft ich dieses Buch schon gelesen habe. Ich habe es so geliebt! Auch meinen Kindern habe ich es vorgelesen und als Erwachsener kann man gar nicht so richtig verstehen, weshalb es diese besondere Macht hat. Aber wirklich jeder, der das Buch als Kind gelesen hat, erinnert sich daran. Es hat definitiv etwas Magisches!

23. Träumst du manchmal von deinen Geschichten?

Ja, das tue ich! Nicht sehr oft, aber ab und zu kommt es vor. Aber viel öfter halten mich meine Gedanken wach. Dann versuche ich einzuschlafen, aber es klappt nicht so recht, wenn ein Problem in einem meiner Bücher auftaucht. Dann gehe ich es im Gedanken wieder und wieder durch, bis ich eine Lösung gefunden habe. Habe ich sie, muss ich sofort aufstehen, sie aufschreiben und erst dann kann ich schlafen.

24. Und schlüpfst du dann auch manchmal in deinen Träumen in die Rolle einer deiner Figuren?

Nein, das ist bisher noch nicht passiert. Es ist aber auch so, dass ich generell sehr schnell umschalten können muss. Ich bin ja Mutter und wenn etwas mit den Kindern ist, muss man sofort reagieren und in die Mutterrolle schlüpfen. Ich kann also gedanklich nicht rund um die Uhr in meinen Geschichten leben, sondern muss mich schnell von einer Situation in die andere einfühlen können. Da sind eben zwei kleine Menschen, die mich brauchen!

25. Du bist weltweit sehr erfolgreich mit deinen Büchern und deine Leser lieben sie – kannst du dir vorstellen, eines Tages etwas anderes zu tun als zu schreiben?

Das ist schwer zu sagen… in dem Moment, wo mir das Schreiben keinen Spaß mehr machen könnte, würde ich sofort aufhören. Die Leser würden das merken und ich schreibe für sie. Also kann ich das nur tun, so lange ich Freude daran habe. Es ist total lustig, wenn mich Leute fragen, was ich noch außer dem Schreiben tue, denn es ist doch das was ich liebe und genau deshalb tue ich es so viel wie möglich. Da bleibt kaum Zeit für anderes. Ich bin so dankbar und fühle mich privilegiert, dass ich mit dieser Liebe auch mein Leben bestreiten und mein Geld verdienen kann! Momentan füllt mich das Schreiben komplett aus.

26. Könntest du dir dann vielleicht vorstellen, mal in einem anderen Genre zu schreiben – ein Kinderbuch zum Beispiel?

Oh ja, für junge Leser kann ich mir das wunderbar vorstellen. Ich habe selbst einen 9-jährigen Sohn, der ein wirklich begeisterter Leser ist. Wenn ich das so sehe, dann komme ich sehr in Versuchung etwas für diese Altersgruppe zu schreiben.

27. Was gefällt dir am besten daran Autorin zu sein? Wird das Schreiben eigentlich mit jedem Buch etwas leichter?

Da antworte ich doch zuerst auf die zweite Frage: es wird nicht leichter! Ich wünschte mir, dass es so wäre, aber das wird es nicht. Jedes Buch wartet mit eigenen neuen Herausforderungen auf, seien es Dinge in meinem Privatleben oder, wie bei „Die verlorenen Spuren“, richtig kniffelige Stellen beim Schreiben. Es gibt ganz neue Probleme zu lösen, um es schreiben zu können. Beim Schreiben jedes Buches gibt es also kompliziertere Situationen. Doch darin bestehen in gewisser Weise auch ihre speziellen Freuden. Am Schreiben mag ich besonders, dass es sich wie die Freude am Lesen, nur tausendfach erhöht, anfühlt. Dieses Gefühl, wenn du ein gutes Buch liest und am liebsten die ganze Nacht wach bleiben würdest, nur um weiter und weiter zu lesen. Genau so fühlt es sich an, wenn ich beim Schreiben in die Welt meiner Bücher eintauche. Es ist atemberaubend! Und Leser zu haben, das ist sogar noch besser! Es ist wunderbar zu wissen, dass ich eine Geschichte erzählen kann und sie in den Gedanken der Leser lebendig wird.

28. Wie kommst du denn mit deinen Lesern in Kontakt? Liest du Rezensionen?

Manchmal schreiben mir Leser E-Mails oder auch Briefe und ich habe auch eine Fanpage bei Facebook. Auf diesem Weg erreichen mich sehr viele Leser. Sie stellen mir dann Fragen zu meinen nächsten Büchern oder loben die bereits erschienenen. Natürlich gibt es aber auch mal Kritik, das ist ganz normal. Ich habe mich aber noch nicht so sehr daran gewöhnt online aktiv zu sein. Für mich ist das eine ganz neue Welt. Aber ich liebe es, dass meine Leser meine Bücher lesen und mir dazu schreiben möchten, deshalb versuche ich es natürlich, so gut ich kann.

29. Du und dein Mann, ihr habt beide sehr kreative Berufe – er ist Komponist und du bist Autorin. Mag er denn deine Bücher und gefällt dir seine Musik?

Zum Glück ja! Er mag meine Bücher und ist vor allem auch ein guter Leser für sie, weil er sonst nicht viel in dem Genre liest. Deshalb kann er immer sehr hilfreiche Kommentare geben, wenn er sie liest, was mir wirklich sehr wichtig ist. Und er hat Jazz-Piano studiert. Wenn er Jazz spielt, dann könnte ich dahinschmelzen. Nur ab und zu wird es etwas anstrengend, wenn er etwa eine Werbemelodie komponiert. Dann muss ich es immer und immer und immer wieder anhören. Sein Büro ist auf der einen Seite des Hauses und meins auf der anderen. Und ich kann ihn dennoch hören. Wenn er also die ganze Zeit über an dieser selben kleinen Melodie arbeitet – wieder und wieder und wieder - dann denke ich nur: „Oh, bitte hör doch endlich auf“.

30. Ihr beeinflusst euch also auch gegenseitig in eurer Arbeit, oder?

Ja, das tun wir auf jeden Fall. Es ist auch schön jemanden zu haben, der einen versteht, der den kreativen Prozess und all seine Seiten kennt - die guten und auch die schwierigen.

31. Wenn du einen Tag mit einer berühmten Person verbringen könntest, wen würdest du aussuchen?

Nun, ich weiß nicht, ob es durchweg ein großer Spaß wäre, aber auf jeden Fall würde ich gern einen Tag mit den Brontë-Schwestern verbringen. Ich würde gern herausfinden, wie das Leben für sie war.

32. Magst du ihre Bücher?

Ich liebe sie! Die Bücher sind wirklich großartig und außerdem fasziniert mich die Idee so sehr, dass es da drei Schwestern gab, die alle unfassbar gute Bücher schrieben. Was für eine außergewöhnliche Familie. Ich würde liebend gern einen Tag bei ihnen verbringen, vielleicht auch versteckt hinter den Vorhängen.

33. Wie ist es denn in deiner Familie? Sind da noch mehr kreative Familienmitglieder neben dir und deinem Mann?

Ja, das ist tatsächlich so. Meine Schwester ist Künstlerin und zeichnet ganz toll. Meine Mutter hat Kunst studiert und auch die Mutter meines Mannes ist Kunstlehrerin. Wir haben wirklich viele Künstler in der Familie. Mein Vater aber ist Ingenieur, er ist also eher der praktische Typ.

34. Planst du denn eigentlich 2013 noch mal für eine Lesereise nach Deutschland zu kommen?

Es gibt noch keine konkreten Pläne, aber ich werde auf jeden Fall wiederkommen! Ich liebe es in Deutschland zu sein. Die Lesereisen in Deutschland sind fantastisch. Nirgendwo sonst kommen so viele Leser, um mir für eine derart lange Zeit zuzuhören. Sie hören zu und stellen so interessante Fragen. In anderen Ländern möchten die Leute nicht so lange zuhören und sind viel schneller gelangweilt. Deutschland ist da wirklich einzigartig!

35. Wie viele Leute waren denn auf deiner größten Lesung?

Ich glaube, die stehen mir tatsächlich noch bevor. In ein paar Wochen fliege ich in die USA und dort sind Veranstaltungen mit mehr als 700 Lesern geplant. Für mich sind das wirklich viele. Ich signiere auch sehr gern alle Bücher, mir macht es einfach Spaß mit den Lesern in persönlichen Kontakt zu kommen. Sie über das Internet kennen zu lernen, das ist schon toll, aber sie persönlich zu treffen, ist etwas ganz Besonderes. Generell ist es ein tolles Gefühl mit so vielen Leuten in einem Raum zu sein, die die Leidenschaft und Liebe für Bücher teilen. Das ist wundervoll!